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Kritik:
Der Illusionist


von Tobias Hohmann

The Illusionist
(2008)
Regie: Neil Burger
Darsteller: Edward Norton, Jessica Biel, Paul Giamatti

Story:
Wien um 1900: Mit seinen fantastischen Vorstellungen macht sich der Illusionist Eisenheim zur lebenden Legende. Auf der Höhe seiner Kunst beschwört er den Geist der gerade ermordeten Herzogin Sophie. Doch bevor die Erscheinung den Namen ihres Mörders nennen kann, wird Eisenheim von Inspektor Uhl verhaftet. Was niemand ahnt: Die Herzogin war zwar die Verlobte von Kronprinz Leopold, aber auch die heimliche Liebe des Magiers. Wurde sie das Opfer des Machtkampfes zwischen dem Thronfolger und dem rätselhaften Meister der Täuschung? Nichts ist wie es scheint, die Grenzen zwischen Magie und Wirklichkeit verschwimmen ...

Kritik:
Wer einen Blick auf den hervorragenden Cast wirft, kann sich nur verwundert fragen warum „The Illusionist“ bei uns noch nicht einmal einen Kinostart erhielt. Der Film ist bereits zwei Jahre alt und entstand etwa im gleichen Zeitraum wie Christopher Nolans „The Prestige“, der mit Hugh Jackman, Christian Bale und Michael Caine recht prominent besetzt war. Dabei wäre dem optisch opulenten Film ein Kinostart wahrlich zu gönnen gewesen.

Denn trotz des recht schmalen Budgets von 16,5 Mio. Dollar kann Neil Burgers – der zuvor nur „Interview with the Assassin“, der bei uns noch nicht erschienen ist, gedreht hatte – Beitrag gerade in den Bereichen Sets, Ausstattung, Kostüme punkten: Diese sind hervorragend und versetzen einen in die damalige Zeit zurück. Insbesondere die Außenaufnahmen, die in Tschechien und Umgebung gedreht wurden, wissen zu überzeugen. Kameramann Dick Pope ist damals nicht umsonst für den Oscar nominiert worden. Der Score ist epochal und recht wuchtig, untermalt jedoch auch die ruhigeren Passagen absolut passend. Ein weiterer Pluspunkt ist der exzellente Cast: der charismatische Norton überzeugt als in sich gekehrter Eisenheim wie erwartet. Die große Überraschung ist jedoch Paul Giamatti, der den hin- und her gerissenen Inspektor hervorragend und einfühlsam spielt. Einerseits bewundert er Eisenheim und verachtet den Thronfolger, andererseits ist er ein zynischer, egoistischer Polizist, der nur an seine Karriere denkt und daher in einen persönlichen Gewissenskonflikt gerät. Besonders die gemeinsamen Szenen von Norton und Giamatti sind schauspielerische Leckerbissen.

Jessica Biel bleibt hingegen etwas blass, schlägt sich aber auch bei weitem besser als gedacht.

Die grundlegenden Probleme liegen bei „The Illusionist“ eher im Aufbau und in der Gewichtung der verschiedenen Einflüsse. So beginnt der Film eher märchenhaft verträumt, einiges erinnert in diesen Momenten an Tim Burtons „Big Fish“, wandelt sich dann zu einem Liebesfilm um anschließend in ein Drama zu münden. In der zweiten Hälfte sorgt Burger für einen weiteren Genrewechsel hin zum Krimithriller mit Fantasyelementen – wobei die Liebesbeziehung zwischen Eisenheim und Sophie stets im Vordergrund steht. Die Regie bekommt diese zahlreichen Aspekte nicht konsequent in den Griff, so das „The Illusionist“ teilweise recht ziellos wirkt und Längen aufweist. Einige Storyfäden hätte man durchaus kürzen oder ganz weglassen können, ohne das man den Stil – langsames Erzählkino trifft es wohl am ehesten – hätte opfern müssen.

Die eigentlich spannende Geschichte plätschert mitunter ohne Höhepunkte vor sich hin. Dank der Schauspieler und der optischen Eleganz wird es in diesen Momenten zwar nicht langweilig, packend aber auch nicht. Erst zum Ende hin, als die Thrillereinflüsse in den Vordergrund treten, nimmt die Story noch einmal Fahrt auf.

Der Zuschauer wird den ganzen Film über im Unklaren gelassen, ob Eisenheim nun magische Kräfte besitzt oder nicht – das bietet zusammen mit den anderen Pluspunkten genug Anreiz, „The Illusionist“ auch bis zum Ende gespannt zu verfolgen. Und genau hier läuft dann alles auf ein mehr oder minder überraschendes Twistende hinaus, was man sich vielleicht lieber geschenkt hätte.

Einerseits ist ein Ende dieser Art bei diesem Thema fast zu erwarten gewesen, andererseits wirkt es dann rückblickend betrachtet auch arg konstruiert. Das man dann schlussendlich immer noch nicht wirklich erfährt, wie der Magier/Illusionist seine beeindruckenden Tricks (?) erschaffen hat – und das wäre im Zuge dieses auflösenden Twistfinales, das ja alles erklären will, durchaus nötig gewesen – ist dann auch bedauerlich.

Fazit:
Exzellente Schauspieler vor beeindruckender Kulisse in einer reizvollen Geschichte. Leider reicht das nicht aus, um die Ziellosigkeit und ein paar Längen völlig zu überspielen. Ein guter Film ist „The Illusionist“ sicherlich, aber bedauerlicherweise nicht so gut, wie er hätte sein können.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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