Story:
Wien um 1900: Mit seinen
fantastischen Vorstellungen macht sich der Illusionist Eisenheim zur lebenden
Legende. Auf der Höhe seiner Kunst beschwört er den Geist der gerade ermordeten
Herzogin Sophie. Doch bevor die Erscheinung den Namen ihres Mörders nennen kann,
wird Eisenheim von Inspektor Uhl verhaftet. Was niemand ahnt: Die Herzogin war
zwar die Verlobte von Kronprinz Leopold, aber auch die heimliche Liebe des
Magiers. Wurde sie das Opfer des Machtkampfes zwischen dem Thronfolger und dem
rätselhaften Meister der Täuschung? Nichts ist wie es scheint, die Grenzen
zwischen Magie und Wirklichkeit verschwimmen ...
regie :
neil burger
cast :
edward norton, jessica biel
kritik :
tobias hohmann
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Kritik:
“The Illusionist”
ist hervorragend besetztes und optisch beeindruckendes Schauspielerkino, wirkt
insgesamt aber etwas überfrachtet.
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"Rottkäppchen... oder Hard Candy?"
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Wer einen Blick auf den
hervorragenden Cast wirft, kann sich nur verwundert fragen warum „The
Illusionist“ bei uns noch nicht einmal einen Kinostart erhielt. Der Film ist
bereits zwei Jahre alt und entstand etwa im gleichen Zeitraum wie Christopher
Nolans „The Prestige“, der mit Hugh Jackman, Christian Bale und Michael Caine
recht prominent besetzt war. Dabei wäre dem optisch opulenten Film ein Kinostart
wahrlich zu gönnen gewesen.
Denn trotz des recht schmalen Budgets von 16,5 Mio. Dollar kann Neil Burgers –
der zuvor nur „Interview with the Assassin“, der bei uns noch nicht erschienen
ist, gedreht hatte – Beitrag gerade in den Bereichen Sets, Ausstattung, Kostüme
punkten: Diese sind hervorragend und versetzen einen in die damalige Zeit
zurück. Insbesondere die Außenaufnahmen, die in Tschechien und Umgebung gedreht
wurden, wissen zu überzeugen. Kameramann Dick Pope ist damals nicht umsonst für
den Oscar nominiert worden. Der Score ist epochal und recht wuchtig, untermalt
jedoch auch die ruhigeren Passagen absolut passend. Ein weiterer Pluspunkt ist
der exzellente Cast: der charismatische Norton überzeugt als in sich gekehrter
Eisenheim wie erwartet. Die große Überraschung ist jedoch Paul Giamatti, der den
hin- und her gerissenen Inspektor hervorragend und einfühlsam spielt. Einerseits
bewundert er Eisenheim und verachtet den Thronfolger, andererseits ist er ein
zynischer, egoistischer Polizist, der nur an seine Karriere denkt und daher in
einen persönlichen Gewissenskonflikt gerät. Besonders die gemeinsamen Szenen von
Norton und Giamatti sind schauspielerische Leckerbissen.
Jessica Biel bleibt hingegen etwas blass, schlägt sich aber auch bei weitem
besser als gedacht.
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Mr Hertz fand in jeder Zeitepoche seinen
persönlichen Mr Smith.
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Die grundlegenden Probleme liegen
bei „The Illusionist“ eher im Aufbau und in der Gewichtung der verschiedenen
Einflüsse. So beginnt der Film eher märchenhaft verträumt, einiges erinnert in
diesen Momenten an Tim Burtons
„Big Fish“, wandelt sich dann zu einem Liebesfilm um anschließend in ein Drama
zu münden. In der zweiten Hälfte sorgt Burger für einen weiteren Genrewechsel
hin zum Krimithriller mit Fantasyelementen – wobei die Liebesbeziehung zwischen
Eisenheim und Sophie stets im Vordergrund steht. Die Regie bekommt diese
zahlreichen Aspekte nicht konsequent in den Griff, so das „The Illusionist“
teilweise recht ziellos wirkt und Längen aufweist. Einige Storyfäden hätte man
durchaus kürzen oder ganz weglassen können, ohne das man den Stil – langsames
Erzählkino trifft es wohl am ehesten – hätte opfern müssen.
Die eigentlich spannende Geschichte plätschert mitunter ohne Höhepunkte vor sich
hin. Dank der Schauspieler und der optischen Eleganz wird es in diesen Momenten
zwar nicht langweilig, packend aber auch nicht. Erst zum Ende hin, als die
Thrillereinflüsse in den Vordergrund treten, nimmt die Story noch einmal Fahrt
auf.
Der Zuschauer wird den ganzen Film über im Unklaren gelassen, ob Eisenheim nun
magische Kräfte besitzt oder nicht – das bietet zusammen mit den anderen
Pluspunkten genug Anreiz, „The Illusionist“ auch bis zum Ende gespannt zu
verfolgen. Und genau hier läuft dann alles auf ein mehr oder minder
überraschendes Twistende hinaus, was man sich vielleicht lieber geschenkt hätte.
Einerseits ist ein Ende dieser Art bei diesem Thema fast zu erwarten gewesen,
andererseits wirkt es dann rückblickend betrachtet auch arg konstruiert. Das man
dann schlussendlich immer noch nicht wirklich erfährt, wie der
Magier/Illusionist seine beeindruckenden Tricks (?) erschaffen hat – und das
wäre im Zuge dieses auflösenden Twistfinales, das ja alles erklären will,
durchaus nötig gewesen – ist dann auch bedauerlich.
Fazit:
Exzellente
Schauspieler vor beeindruckender Kulisse in einer reizvollen Geschichte. Leider
reicht das nicht aus, um die Ziellosigkeit und ein paar Längen völlig zu
überspielen. Ein guter Film ist „The Illusionist“ sicherlich,
aber bedauerlicherweise nicht so gut, wie er hätte sein können.
7 / 10
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