Story:
Ohne groß einzuleiten, fängt der neue Indiana Jones ohne Umschweife an:
Dr. Henry Jones (Harrison Ford) wird entführt und zu einer US-Basis gebracht, wo
er für die russische Agentin Irina Spalko (Cate Blanchett) etwas unheimliches
finden soll. Knapp mit dem Leben davon gekommen, trifft er kurz darauf auf den
jungen Biker Mutt Williams (Shia LaBeouf), der ihn bittet, mit ihm nach einem
verschollenen Freund zu suchen - es dauert natürlich nicht lange, bis sich Indys
Wege wieder mit Spalkos überschneiden...
regie :
steven spielberg
cast :
harrison ford, shia labeouf
kritik :
christian mester
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Kritik:
Der neue Indiana
Jones hätte besser ein Gerücht bleiben sollen.
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"Meine Zähne, die müssen hier irgendwo
liegen..."
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Schon die Fortsetzungen 2 und 3
der berühmten Peitschenreihe hatten so einige kleinere Macken, aber nichts davon
konnte das Bild der Ikone trüben, die das Trio Spielberg / Lucas / Ford damals
als Filmgeschichte auf Zelluloid bannten.
"Kristallschädel" lief schon im voraus Gefahr, nach 19 Jahren Legende als erster
einen schlechten Eindruck zu hinterlassen... und man kann es leider keinem übel
nehmen, wenn das jetzt eintrifft. Es gibt vieles, vieles am neuen Indiana Jones
zu bemängeln, aber das muss erst einmal näher analysiert werden.
Fangen wir an mit Harrison Ford. Verdammt, ist der alt geworden. Es wird im
Trailer und auf Bildern vielleicht nicht so deutlich, aber in Bewegung ist der
gute Dr. Jones sichtlich gealtert. Noch immer hat er das verschmitzte Grinsen
eines kleinen Bengels, aber es steckt jetzt im Körper eines alten Mannes der
absolut nicht verbergen kann, dass es alles im Grunde viel zu anstrengend für
ihn ist. Ford gibt sich enorme Mühe den alten Zauber von Jones wieder
einzufangen, aber das gelingt ihm leider nicht durchweg. Der zahme, ruhige Indy
funktioniert, aber die meiste Zeit über stolpert er sich mühsam und ungeschickt
durch Spielbergs Sets, dass man an jene alte Sly Zweifel denken muss.
Als Stallone vor ein paar Jahren tatsächlich einen neuen Rocky ankündigte,
lachte man ihn aus, aber er legte den und auch den Rambo danach überaus
überzeugend - und was viel wichtiger ist - mit Respekt hin. Der vier Jahre
ältere Ford aber wirkt überfällig und ausgelaugt. Peitsche, Fedora und Jacke
stehen ihm nicht mehr so wie früher, und ein wenig erscheint es wie eine Farce.
Ein Rentner der ein Kostüm trägt, kein Abenteurer, der es noch einmal wissen
will.
Das Script hilft ihm dabei nicht, denn anstatt wie andere alte Kaliber Marke
Rutger Hauer zu glänzen, fehlt es Indy dieses Mal an Intensität. Niemanden sieht
man lieber verzweifelt um sein Leben kämpfen als Indiana Jones, aber Spielberg
lässt ihn stattdessen Grimassen ziehen und Witze über sein Alter machen.
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Teils musste Cate an einen ihrer Filme denken...
I'm not there.
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Verzweifelt dagegen ist Cate
Blanchett, ihres Zeichens nach wohl eine der besten Schauspielerinnen ihrer
Altersklasse, die hier regelrecht verschwendet wird. Als störrische Agentin für
die Kommunisten versucht sie ihr bestes, aber im gesamten Film gibt es keinen
einzigen Moment, in dem sie wirklich strahlen kann.
Besser zuhause geblieben wäre Karen Allen als Marion Ravenwood, die 27 Jahre
nach Teil eins wie ein Relikt ihrer alten Rolle wirkt. Im Ansatz ist noch
das bezaubernde Grinsen von damals zu erkennen, aber da fehlt das Feuer, das
Temperament, die Schlagfertigkeit. Ihr Schauspiel hat auch gelitten, denn in
fast all ihren Onelinern ist sie wirklich schlecht und einfach nur überflüssig.
Zu sehen wie sie mit Indiana Jones und dem ewig tüdelige Leute spielenden John
Hurt (der gefühlte 197 sein muss) durch die Gegend rentnernd, ist nicht charmant
und lustig wie in Space Cowboys, sondern mehr als einmal eher peinlich.
Steven versucht das zu verstecken, in dem er alle Beteiligten in immens teure
Effektlandschaften wirft, die das Statement "Wir machen dieses Mal so wenig mit
CGI wie möglich" aber sehr anzweifeln lassen. Fast jede Szene ist vollgepackt
mit computergenerierten Bildern. King Kong hat das hervorragend gemeistert, aber
bei "Kristallschädel" sieht man es wirklich zu gut, dass Effekte einfach nicht
passen. Das fällt besonders bei Szenen ins Auge, die bei Tageslicht draußen
spielen - aber dennoch in einer Halle gedreht wurden. Das gibt dem Film sehr oft
einen sehr unechten Touch, der es erschwert, sich in die Geschichte hinein zu
versetzen. Schaut man sich an, wie technisch grandios Filme wie Lost World,
Krieg der Welten oder Minority Report sind, kann man nicht verstehen, wieso hier
gerade bei Ikone Indiana Jones geschlampt wurde.
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"Du hättest uns sagen sollen, dass dies
Sechs Tage, sieben Nächte 2 ist..."
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Der Sound ist noch mit das beste
am Film, auch wenn es etwas enttäuscht, dass die meisten Melodien und Themes
nichts anderes als Neuauflagen der alten sind. John Williams Score funktioniert
allerdings heute noch sehr gut und es sticht auch heraus, dass die wenigen
Szenen, die die Zeit der 50er darstellen sollen, relativ gut gelungen sind.
Eine wahre und gut tuende Überraschung hingegen ist einer der größten Punkte
vorheriger Skepsis: Shia LaBeouf. Der Junge aus Disturbia, Constantine und
Transformers in Bikerkluft als harter Greaser, der eventuell sogar Indy's Sohn
ist und weitere Teile übernimmt - das sorgte bei Filmfans nicht ohne Grund für
Grauen. Aber man kann beruhigt sein. Shia spielt seine Rolle nicht nur
glaubhaft, es ist sogar so ziemlich die beste im Film. Er ist sympathisch, sehr
motiviert in allen Actionszenen (bis auf eine mit Urwald-Lianen, die aber eine
Beleidigung der Designer ist) und hat eine tolle, nicht zu übertriebene Chemie
mit seinem Begleiter. Indiana wird er niemals ersetzen, aber mit etwas Politur
und ein paar Schniegelungen mit dem Kamm könnte man ihm tatsächlich einen
eigenen Film zutrauen. (Der ohnehin was ganz anderes wäre, denn Mutt ist kein
Archäologe.)
Wo man dem Bärtigen jedoch danken muss - vieles in Indiana Jones IV ist sehr
abgedreht und mutig. An dieser Stelle sei nichts davon verraten, aber sowohl die
Eröffnungsszene, als auch der Showdown und viele Kleinigkeiten dazwischen, wie
etwa das Entkommen aus einer Sandgrube, sind ziemlich originell und gerade für
Spielberg sehr schräg. Als Film an sich ist er auch recht lustig, durchweg
temporeich und bis auf seine Macken ganz gut gemacht. In Nebenrollen finden sich
übrigens Andrew Divoff (als Soldat), der Hausmeister
von Scrubs (als CIA-Agent zu Anfang) und die Bundeslade aus Teil 1, die kurz
in einer Kiste zu sehen ist.
Die Story an sich ist in Ordnung, lässt aber zu keiner Minute die Faszination
oder Kuriosität der ersten Teile aufkommen. Die Schatzsuche an sich ist dieses
Mal reine Ausrede für Situationskomik und die Auflösung der Geheimnisses ist
platt und wird gerade zum Ende hin nicht jedem gefallen.
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Zur Vorbereitung auf das Niveau seilte man sich
täglich ab.
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War "Jäger" der hundert prozent
motivierte Abenteurer, "Tempel" der düstere
und gleichzeitig alberne kleine Bruder und "Kreuzzug" der etwas ältere, aber
souveräne Meister, so ist "Kristallschädel" der uralte Pensionär im
Turbo-Rollstuhl, der einen guten Zivi dabei hat und bei seiner Reise nicht mehr
so ganz zwischen authentischen und überbeleuchteten Strahleorten unterscheiden
kann.
Wer Indy liebt, der wird den Film trotzdem mögen, und auch als reiner
Popcornscheffler ist er ganz in Ordnung, aber das erhoffte Second Coming of
Christ ist er bei weitem nicht. Liegt gehörig hinter den Comebacks von Willis
und Stallone zurück (Clint, wenn du das hier liest, vergiss Calahan).
Fazit:
Sieben ist für einen Indiana Jones schon ganz schön wenig, aber das ist leider
die bittere Wahrheit. Zu viele Mängel halten ihn von höherer Wertung ab, und was
dann bleibt, ist ein "nur" typisch unterhaltsamer Blockbuster. Mit ihm allein
wäre die Figur jedenfalls nie derart berühmt und beliebt geworden...
7 / 10
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