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MEINE FAVORITEN Sommer 2013
(von Christian Mester)

Keine Zeit um es zu erklären, aber hier die 15 Filme, die mir bis Sommer 2013 am stärksten in Erinnerung geblieben sind.


15 - OBLIVION
Regie Joseph Kosinski, Script Joseph Kosinski+Karl Gajdusek+Michael Arndt

Sowohl Oblivion als auch Jack Reacher hätten besser sein können, aber mit Kosinskis gefühlter Hochglanz Outer Limits Folge darf sich Cruise so gerade noch in die 15er Liste empfehlen. Cruise selbst ist hier auf einen eher langweiligen Helden reduziert (interessanter wäre sein Reacher in Oblivion gewesen), doch mit seiner typisch mitreißenden Art folgt man ihm auch gern durch diese immerhin neue, aber gerade im letzten Drittel durchaus verkorkste Story.

Kleine Entdeckung: Co-Star Andrea Riseborough scheint sehr vielversprechend.



14 - Man of Steel
Regie Zack Snyder, Script David Goyer

Der ganz große erste stolze Flug war es noch nicht, aber nach reichlich Denkpause ist Clarks Rückkehr doch definitiv einer der Popcorn-Meilensteine des Kinojahres 2013. Sei es für die seismische Überaction, die Supermans Epik erstmals nach fünf Filmen gerechtfertigt gewaltig repräsentiert, sei es für die Arbeit von Costner, Russell, Cavill, Traue, Zimmer und nicht zuletzt Shannon, sei es für den Grundstein, der hier für einen mit Sicherheit weit besseren zweiten Teil gelegt wurde (man denke an Brainiac und Doomsday, nicht an Lex Luther und Kryptonit).

Es gab wahrlich vieles zu meckern und mosern, doch freuen wir uns auf den nächsten.



13 - STOKER
Regie Park Chan-wook, Script
Wentworth Miller+Erin Cressida Wilson

Als der Regisseur von Oldboy, Thirst und den beiden Sympathy for Filmen bekannt gab einen US-Film zu drehen, durfte man dem ganzen eher sorgenvoll entgegen sehen. Würde man ihn ver-popcornen, verwässern, verbelanglosen? Ihm vorschreiben, was im US-Kino nicht erwünscht wird? Glücklicherweise ganz und gar nicht, denn "Stoker", geschrieben von Prison Break Schauspieler Wentworth Miller (!), ist ein gewohnt feister Park geworden.

In finster-malerischen Bildern eingefangen, erzählt Stoker eine unheimliche Familiengeschichte, die kaum ausgesprochene oder ausgeführte Intrigen benötigt, um zu fesseln. Die Regie ist fantastisch, Mord liegt in der Luft, Erotik an den falschen Stellen, Hitchcock hätte die Komposition gefallen und ehe man sich versieht, liegt man erschlagen im nassen Grab, während jemand über einem dezent winkt und dabei auch noch stilvoll ausschaut.

Wahrhaft erschlagen von einem guten Film.

  


12 - SPRING BREAKERS
Regie+Script Harmony Korine

Titten und Saufen und Dubstep und Bikinis und Gangsta-Posen und Sonne und Bauchnabel-Piercings und Abhängen und Rapper und Waffen und Brass auf Eltern und Schule und Zero Zukunftsperspektive. Spring Breakers war einer der Spalter des Jahres, der viele Zuschauer gleich gruppenweise den Saal verlassen ließ. Lustigerweise verjagte er die einen (vor allem ältere), weil sie sich sinnlos mit pubertärem Stumpfsinn beschallert fühlten, die anderen (vor allem jüngere), weil sie sich irgendwann in ihrer YOLO-Mentalität arg kritisiert vorkamen.

Der Film ist
reichlich anstrengend zu verfolgen, da konfus bebildert, stakkatohaft geschnitten und mit sich wiederholenden Phrasen und Bildern, aber was Korine serviert, muss man sich im Gesamtbild auf der Zunge zergehen lassen. Spätestens wenn James Franco mit Grillz in den Zähnen am Strand sitzt und emotional ein Britney Spears Lied am Klavier gibt, muss man den Film als relevanten Beitrag des Jahres anerkennen.

Wissen sollte man übrigens, dass die Texttafel am Ende des Films bloß Zusatz für die deutsche Altersfreigabe war: in Wirklichkeit
kommen die Mädels mit ihrem Überfall ungeschoren davon, was den Film eigentlich umso zynischer macht.  


11 - SIDE EFFECTS
Regie Steven Soderbergh, Script Scott Z. Burns

Noch ein hithcockesker Thriller auf der Liste. Dieser wurde zunächst als Medizindrama mit irreführend wirkendem Titel vermarktet, aber dahinter verbirgt sich ein ungemein clever konstruierter Thriller mit verschiedensten Beabsichtigungen, in dem weniger "tödliche" Nebenwirkungen auf dem Programm stehen, als eine bitterböse Charaktergeschichte mit sich toll zuwerfenden Darstellern. Nicht davon irreführen lassen, dass Soderberghs Contagion recht langweilig ausfiel - dieser wirft sich genau die richtige Dosis Spannung ein, und...

je weniger man über die Handlung weiß, desto besser.


10 - FRANKENWEENIE
Regie Tim Burton, Script Tim Burton+John August


Gerade wenn man anfängt zu meinen, der Burton von damals habe uns kreativ 1,80 tiefer verlassen, bringt er diesen Frankenweenie. Einen urigen Stop-Motion-Animationsfilm, der ohne seine Parade-Komplizen Helena Bonham Carter und Johnny Depp auskommen muss, und mal nicht den typischen Kringel-Popcorn-0815-Prunk-Bla der letzten Dekade Burton hat. Gut so, denn so ist es ein knuddelig schräger Film, der seine Geschichte mit neuem Burton-Elan erzählt und sich damit wohlig mit zu seinen alten Klassikern wie Edward mit den Scherenhänden, Beetlejuice, Batman oder den von ihm geschrieben Nightmare Before Christmas zählen lassen darf.



09 - IRON MAN 3
Regie Shane Black, Script Shane Black+Drew Pierce

Der letzte Film, den Shane Black drehte, war Kiss Kiss Bang Bang. Vor 8 Jahren, und der spielte weltweit nicht einmal 16 Mio Dollar ein. Es war jedoch Robert Downey Jrs. unerschütterlicher Glaube an seinen alten Freund (in dessen Kiss Kiss Bang Bang er übrigens die Hauptrolle spielte) und die Erinnerung daran, dass Black u.a. Lethal Weapon geschrieben hatte, dass man ihm Iron Man 3 anvertraute. Den Film, der direkt nach Avengers kam und an den absurdeste Erwartungen gestellt wurden. Der aber auch fauler Selbstläufer wie Iron Man 2 hätte werden können.

Die richtige Wahl, denn Black zwingt Downey durch eine interessante neue Geschichte, in der Story und Gegner fast unbedeutsam werden. Tolle Dialoge und witzige Charaktermomente stehen im Vordergrund, und das Dreamteam Black und Downey kreieren Charisma so dick, dass es anfängt gülden zu glänzen - und das, obwohl der Shtick Downey-Stark längst durch sein müsste.


Natürlich wäre es auch gut gewesen, jemanden "Bestimmtes" als das zunächst "Versprochene" zu sehen, aber Ausnahmen müssen mal sein, und dass Iron Man 3 eben nicht gewöhnlich ist, kommt ihm in jeder Hinsicht zu Gute.



08 - DIE CROODS
Script+Regie Kirk DeMicco+Chris Sanders

Das Team von "Drachenzähmen leicht gemacht" hat gut lachen, denn mit ihrem geflügelten Wikingerstreifen haben sie einen der besten aller Zeiten gemacht. Klar demnach, dass man ihren nächsten mit Hochspannung erwarten durfte. Die Croods sah anfangs nach lustigem, aber banalem Slapstick aus, doch wieder überraschen DeMicco und Sanders, denn hinter all dem Spaß kommt ein ungemein herzlicher Familienfilm hervor, der rührt und ein so rundes Komplettpaket schnürt, dass man sich offen und gern auf den nächsten Teil freuen darf.


07 - THE PLACE BEYOND THE PINES
Regie
Derek Cianfrance, Story Derek Cianfrance+Ben Coccio+Darius Marder

Gosling machts schon wieder. Nach Blue Valentine und Drive dicapriot er den nächsten großartigen Titel (Gangster Squad vergessen wir mal besser), auch wenn er in The Place Beyond the Pines nicht einmal eine der größten Rollen spielt. Im nachdenklich stimmenden Film von Cianfrance geraten gleich mehrere Schicksale aufeinander, die sich gekonnt aufbauen, ineinander verharken und ohne den Kitsch eines LA Crash zu einem denkwürdigen Gesamtpaket geschnürt werden.


06 - SILVER LININGS
Regie David O. Russell, Script David O. Russell+Matthew Quick

Eine etwas ungewöhnliche Romanze. Russell zeigt sich erneut als wandelfähiger Erzähler und inszeniert eine peppig ungewöhnliche Charaktergeschichte über zwei verkorkste Spinner (hey, schon wieder Bradley Cooper, der auch in #7 vorkommt), die über Mittel und Wege zueinander finden, die ein Tanzfinale kitschlos gestalten und darüber hinaus noch, aus dem mittlerweile oft müde wirkenden Robert de Niro eine wahrlich tolle neue Performance hervorzuholen.

Schönes Ding.
 


05 - DER GROSSE GATSBY
Regie Baz Luhrmann, Script Baz Luhrmann+Craig Pearce+F. Scott Fitzgerald


Wer noch öfter überzeugt als Gosling ist DiCaprio, der sich langsam aber sicher und absolut unaufhaltsam seinen Weg in den Filmolymp meißelt, Stein für Stein. In der Romanverfilmung des Fitzgerald Klassikers darf er einen obsessiven, wohlhabenden Angsthasen spielen, beobachtet von Tobey Maguire. Von Luhrmann prächtig ausgestattet, von Jay-Z modern vertont und ebenso mitreißend wie melancholisch, darf dieser 3D-Gatsby zu den spektakulärsten Liebesgeschichten gezählt werden, der all seine Pracht und Fake-Optik zudem zu seinem eigenen Vorteil verbaut.


04 - FAST & FURIOUS SIX
Regie Justin Lin, Script Chris Morgan

Ein gottverdammter Fast & Furious Film in den Top 4. Wer hätte jemals gedacht, dass es Fast & Furious auf
6 Teile schaffen würde, die alle im Kino laufen? Oder dass 5 und 6 die besten und erfolgreichsten von ihnen würden? Fast 6 macht nun nichts wirklich neu, aber tritt so passgenau in die Fußstapfen des äußerst unterhaltsamen letzten Teils, das man sich nur wohlfühlen muss. Seichter, aber nie dämlicher Bombastactionspaß, wie man ihn ansonsten oftmals vermisst.

Bitte noch 20 Teile, wenn die alle so werden.


03 - THE MASTER
Regie Paul Thomas Anderson

Joaquin Phoenix macht seine gesamte Ich-bin-ein-Rapper-Eskapade vergessen, in dem er schauspielerisch bis an die Grenze geht. Umhüllt von einem starken Film, zeigen er, Co-Star Philip Seymour Hoffman und Anderson ganz deutlich, dass Film mehr kann als nur zu unterhalten, dass es Filme - und dann wiederum andere Filme gibt, die sich mit all dem anderen, egal ob Fast, Gatsby, selbst Pines oder Les Miserables oder Zero Dark Thirty nicht in einen Topf lassen werden können. Der Film mag es nicht mit seinem Hauptstar aufnehmen, aber was Phoenix hier vollbringt bedarf absolute Hochachtung, und dass Anderson nacheinander diese Performance aus Phoenix, und zuletzt Daniel Plainview aus Daniel Day Lewis geholt hat, ist genug Hoffnung für die nächsten 40 Jahre Kino. Egal was passieren mag, so lange es Andersons und deren Phoenixe gibt, ist Film in Ordnung.


02 - BEFORE MIDNIGHT
Regie Richard Linklater, Script Richard Linklater+Ethan Hawke+Julie Delpy

Ein Pärchen trottet durch die griechische Gegend und redet, redet, redet über Gefühle, Gemütszustände, Vergangenheiten und mögliche gemeinsame Zukunft. So authentisch, so treffend, so emotional, so wahr, so mitreißend und visuell schön eingefangen, dass man, obwohl in Sachen Taten nahezu nichts passiert, fassungslos gefesselt bleibt. Ethan, Julie, wir sehen uns in 9 Jahren.

 
01 - DJANGO UNCHAINED
Regie+Script
weißt du längst.


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Special Mentions:

Star Trek Into Darkness - gewaltiger Blödsinn mit Warp 9, aber irre spaßig, sehr kompetent inszeniert, mit einem grandiosen Cumberbatch - und damit fast in der Liste gelandet.

Evil Dead - immens blutiger Gorespaß, aber ich fürchte langsam zu alt für diese Art Film zu werden.

Nicht gesehen, aber danke Gerard Butler für ehrlich gemeintes 80er Jahre Actionkino.

In einzelnen Momenten Jahresbester: Les Miserables, selbst wenn man keine Musicals mag.

Jack Reacher war nichts besonderes, aber Tom Cruise ist für jenen und Oblivion zu danken. Mehr solches.

Die fantastische Welt von Oz - hier schmeckte das Popcorn gut.

Bruce, Arnold, Sly - ?

Drei, die besser waren als sie hätten sein dürfen: The Impossible, World War Z, Hänsel & Gretel Hexenjäger.

Pacific Rim ist ein Julistart und damit hier nicht vertreten, tja.

>> Die Jahresliste des anderen Chefredakteurs von BG, Christian Westhus: hier.

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