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Film Kritik
 
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Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

Story:
Robert Ford (Casey Affleck) ist ein junger Kerl, der eines Tages durch seinen Bruder in die Gang von Westernlegende Jesse James einsteigt. James gilt als genial, als undurchschaubar, als unberechenbar und extrem gefährlich, selbst
für seine loyalsten Mitarbeiter ist er nach Jahren noch ein Mysterium und zurecht eine Legende. Ford ist das Ende von Jesse James.

regie :
andrew dominik
cast  : brad pitt, casey affleck, sam elliott
kritik : christian westhus
 

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Kritik:
Der Film huldigt einem amerikanischem Mythos und trägt ihn gleichzeitig ehrfurchtsvoll zu Grabe.

Jesse James ist eine der bekanntesten Figuren der amerikanischen Geschichte. In unzähligen Romanen, Erzählungen und Spielfilmen wurde sein Charakter aufgegriffen. Schon zu Lebzeiten war er eine berühmt-berüchtigte Legende. Andrew Dominiks erst zweiter Film, nach „Chopper“ (2000), nimmt sich erneut dem alten Thema an, entpuppt sich aber urplötzlich als grandioses Meisterwerk mit einigen Oscarchancen.

Der Film beginnt mit einer kurzen Erzählung über Jesse James, über sein Leben, über kleine Details, wie seine kranken Augen, über seine Taten. Der Mythos Jesse James. Und wenn man Drehbuch und Film für eine Sache loben muss, dann dafür, dass man diesem Mythos absolut gerecht wird. Der schweigsame, ständig wachsame James mit dem eisigen Blick. Immer die Waffe im Anschlag, die Ohren gespitzt. Niemand kann sich an ihn heranschleichen, nicht mal in der Nacht. Lügen enttarnt er sofort und weiß intelligent mit ihnen umzugehen. In Erzählungen wird er gar zur überdimensionalen Figur, vor der man sich fürchtet und mit der man sich besser gut stellt. Brad Pitt ist eine geniale Verkörperung des legendären Mannes. Aus ihm spricht die ganze Kraft Jesses, die ganze Abscheu vor dem eigenen Ruhm, dem er überdrüssig geworden ist. Ein Mann mit tiefen, melancholischen Blicken, im Schatten seiner eigenen Persönlichkeit.

Ihm gegenüber steht Robert Ford. Sein ausgefranster Zylinder sitzt schief, seine Gesprächsversuche sind zaghaft. Die eigene Schüchternheit überspielt er immer wieder mit einem sarkastischen Grinsen und in Diskussionen schweigt er lieber und beobachtet still. Und es ist Casey Afflecks großer Verdienst, dass Robert Ford kein eindimensionaler Schwächling, kein simpler Naivling geworden ist. Ehrfurcht und Ruhmesneid sind ständig spürbar. Die Faszination für die Figur Jesse James und gleichzeitig der eigene Wunsch ernst genommen zu werden, Ruhm zu ernten, in die Geschichte einzugehen, macht Affleck absolut greifbar.

Über die 160 Minuten des Films werden wir Zeuge intensiver und bedeutungsschwangerer Dialoge, voller kleiner Gesten und geschickten Parallelen. Die Figuren sind jederzeit präsent und durchweg perfekt besetzt, wie auch Sam Rockwell als Charley Ford. Und dabei erstrahl Alles in wunderschönen Breitwand-Panoramabildern. Wunderschöne Bilder der rauen Weite des kargen Landes. Schon allein der Angriff auf einen Zug gehört mit zum Besten, was seit langer Zeit im Kino zu sehen war. Unglaublich starke, kontrastreiche Bilder, perfekt durchkomponiert und ausgeleuchtet. Linseneffekte, mal statische mal bewegte Bilder – die Kameraarbeit ist absolut Oscarreif, ebenso wie die wunderbare, bedrückend schwere Musik.

Am Ende des ersten Drittels schleichen sich kurzzeitige Längen ein, was zwischenzeitlich ein wenig Geduld erfordert. Der ganze Film ist actionarm, episch lang und durchweg durchzogen von einer tiefen Nachdenklichkeit und Schwere, die jedoch absolut faszinierend ist. Überall ist die schiere Kraft der Bilder, der Darsteller und der Geschichte zu spüren, die sich sehr langsam und behutsam steigert, nur selten aus sich herausbricht. Die dichte, ungemein faszinierende Atmosphäre unterstreicht dies. Und spätestens, wenn sich zwei Männer im melancholischen Zweikampf ihrer Blicke gegenüberstehen und zum symbolträchtigen Finale kommen, spürt man den klaren Funken filmischer Genialität.

Der Titel und die historische Authentizität nehmen den Inhalt ein wenig vorweg, und doch wird man emotional involviert. Eine große Leistung der Darsteller bewirkt es, dass man die Figuren ernst und bewusst wahrnimmt. Außerdem spornt es noch mehr an, mitzudenken, die Blicke und Dialoge zu deuten. Die Analyse im Wissen des Ausgangs. Und am Ende bietet der Film noch einen längeren Epilog, der auf den ersten Blick überflüssig wirkt, aber sehr schnell deutlich macht, warum er die perfekte Abrundung eines großen Films ist. Es geht um Mythenbildung, zu Lebzeiten und nach dem Tod. Und dieses Bild, wird so deutlich entworfen, dass man sich der Faszination und des Mitgefühls nicht entziehen kann.

Fazit:
„Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ ist episches Kino, nahe an der Perfektion. Von genialen Darstellern getragen, entwickelt sich ein Mythos der amerikanischen Geschichte zum Leben. Die Blicke sind tief, die Dialoge kühl, das Tempo gemächlich, die Bilder gigantisch und prächtig. Ganz großes Kino.


9
/ 10
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