|
(von
Christian Westhus)
-
Der Ausblick auf 2012
(Pssst…
der Bundestrojaner liest mit.)
2011 ist vorbei. Nun also der obligatorische BereitsGesehen Nachruf zum
Filmjahr 2011. Garantiert nicht ungekennzeichnet abgeschrieben, nicht
verstrahlt und die Bewerbung für die freie Stelle bei
„Wetten, dass…“ ist es auch nicht. Wie
üblich zieht man am Ende eines Jahres ein Fazit, ein
Resumé, und fragt, ob es gut war, ob es sich gelohnt hat. In
diesem Fall, ob sich die Filme des Jahres gelohnt haben. Und wie
üblich bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu
verweisen, dass man das nicht so eindeutig in simpel entgegen gesetzte
Kategorien aufteilen kann. Es gab gute Filme, sehr gute Filme, miese
Filme und ganz viel Kram irgendwo dazwischen. Würde man mich
fragen, was so der Konsens des Filmjahres 2011 war, würde ich
zwar auch auf die eigentlich jedes Jahr zutreffende
Qualitätsstreuung verweisen, in erster Linie aber auf
bestimmte Eindrücke, die ich hatte. Themen, die sich, ob
geplant oder nicht, wie ein roter Faden durch verschiedene Filme aus
verschiedenen Genres und verschiedenen Ländern zogen.
„Holding out for a
Hero“ habe ich den Kram hier
übertitelt. Manch Spaßvogel könnte denken,
das „Footloose“ Remake habe mich wieder an Bonnie
Tylers ohrwurmigen Smash-Hit erinnert, weil „Footloose“
ja eh der Über-Film schlechthin ist. Tatsächlich aber
hatte ich den Eindruck, die Filme von 2011 beschäftigen sich
auffällig häufig mit Helden, Heldentum und der Frage,
was es heißt, Gutes zu tun. Vielleicht ist es eine Reaktion
auf die schwierigen Zeiten, in der wir uns befinden, mit Klima,
Wirtschaft, sozialen Unruhen und dem ganzen Käse. Schon der
Blockbuster-Sommer gab es vor, als sich gleich vier
großkalibrige Comic-Superhelden-Filme kloppten. „Captain
America“ und „Thor“
waren die Vorboten für die „Avengers“
2012, „Green
Lantern“ war der Versuch von Warner Bros. und DC
mehr aus dem Rechtehaufen zu machen, als Batmen und Supermen. Und auch
bei Fox und „X-Men:
First Class“ überwogen
natürlich finanzielle Interessen, weswegen man auch den
billigen Neuanfang mit neuen (billigeren) Darstellern einer weiteren
Fortsetzung vorzog. Dennoch ist diese Ballung der großen
Superhelden ein auffälliges Unikum, seit Marvel, DC und Co.
Anfang des Jahrtausends begannen, den Kinosommer zu beherrschen. Und
die vier Filme blieben ja nicht allein. Mit „Immortals“
(Krieg der Götter) widmete man sich dem Ur-Bild des
griechischen Heros. Theseus, einer der größten
Heroen der Antike, kommt ja nun wirklich nicht all zu häufig
zu einem Abstecher ins Kino. Und obwohl Regisseur Tarsem wie gewohnt
mehr an Äußerlichkeiten, statt an Figuren und Inhalt
interessiert war, hatte der Film in seinen finalen Momenten doch noch
ein paar interessante Überlegungen zu Heldenmut und Nachruhm
parat, die zum Beispiel dem letztjährigen „Clash of
the Titans“ völlig abgingen. Auch die zuvor
erwähnten großen Jungs sind nicht einfach nur
Helden. Der arrogante Halbgott Thor muss von den Menschen
Bescheidenheit lernen und wird erst dann ein wirklicher Held, als er
sein Tun und potentielle Opfer abwägt. In „Green
Lantern“ und „Captain America“ bekommen
normale oder gar körperlich unterdurchschnittliche
Männer große Macht verliehen, aus der
natürlich große Verantwortung (Danke, Onkel Ben)
folgt. Und die moralische Ambivalenz im zunächst
freundschaftlichen Dualismus zwischen Charles und Eric in
„X-Men: First Class“ macht einen Diskurs
über Dasein, Wirkung und Ausdrucksformen von Heldentum auf,
den es seit der Chaos-Kausalität in „The Dark
Knight“ und den komplexen Theorien in
„Watchmen“ nicht mehr im Superhelden-Film gegeben
hat.
Und es
gibt noch mehr. Auch wenn Ryan Gosling in "Drive" die meisten
deutschen Zuschauer als schweigsamer Driver erst 2012
beglückt, so hat er dem Rest der Welt 2011 seinen Stempel
aufgedrückt. Und nicht nur die Musik im Film regt dazu an, den
Driver als eine vielschichtige Heldenfigur zu sehen, gleichzeitig aber
auch zu hinterfragen. In „Rango“
schwingt sich ein geistiges verwirrtes Chamäleon mit
Realitätsverzerrung zum Retter einer unterjochten Westernstadt
auf, während ein junger Mann aus dem Armenviertel in „In Time“
zum Robin Hood wird, der gegen das ungerechte Finanz- und Sozialsystem
kämpft. Im Drama „Tyrannosaur“ ist ein
cholerischer Wüterich, der auch mal im Suff einen Hund tot
tritt, die einzige Hoffnung für eine Frau, die unter
häuslicher Gewalt leidet. Jeff Bridges mutiert in „True Grit“
vom knorrigen Trunkenbold zu, genau, dem Retter in der Not für
ein junges Mädchen. Oder Caesar aus „Planet der Affen:
Prevolution“, der sich in einer der heroischsten
Szenen des Jahres gegen seinen menschlichen Widersacher auflehnt und
die Affen zu Aufstand und Freiheit führt. Die sozial
benachteiligten Kids vom englischen Wohnblock aus „Attack the
Block“ rufen ihr eigenes Unheil erst selbst
hervor und entwickeln sich dann zu den Rettern der gesamten Gegend,
spätestens wenn Hauptheld Moses im entscheidenden Moment
versucht, sich über einen ganz bestimmten Fetzen Stoff zu
retten. Und die Facetten von Heroismus sind vielseitig. Auch
persönliche Triumphe umweht der Hauch des Heroischen, wenn
Mark Wahlberg in „The
Fighter“ oder Colin Firth in „The King’s
Speech“ ihre großen Momente haben. Und
Beethovens Siebte schwächt das ganz sicher nicht ab.
Ja sogar
der Junge in „The
Tree of Life“, der die Welt langsam mit den
Augen eines Erwachsenen sieht und die Väter, den eigenen und
Gott den Vater, hinterfragt, hinterfragt dadurch auch Modelle so
genannter Helden oder zumindest Vorbilder. Auch die Frauenwelt wurde
nicht nur (wenn auch gewohnt stark) darauf reduziert, des Helden Anhang
zu sein oder in Gefahr zu geraten. Bei den X-Men spielte sie eine
untergeordnete Rolle, aber in „Winter’s
Bone“ machte sich Jennifer Lawrence als
16jährige Ree auf, den verlorenen Vater zu suchen, um die
Existenz ihrer Familie zu retten. Und auch wenn sie am Ende doch auf
die Hilfe von Jeff Bridges angewiesen ist, so ist der Aufbruchsgedanke
von klein Mattie Ross in „True Grit“ so
dickköpfig wie bewundernswert mutig und – wir
haben’s verstanden – heroisch. Es ist mir halt
aufgefallen. Ich könnte auch über das Ende der Welt
sprechen, das – vielleicht aus ähnlichen
Gründen – ähnlich häufig in Filmen
thematisiert wurde. Viren in „Contagion“
und „Planet
der Affen: Prevolution“, die
Auslöschung der Sinne durch einen unbekannten Virus in „Perfect
Sense“, das dramatisierte Klima in „Hell“
oder ein Planet auf Kollisionskurs in „Melancholia“
– Das Weltende wurde mehrfach unterschiedlich thematisiert.
In „The Tree of Life“ gab es Eindrücke vom
bloßen Ende allen menschlichen Seins, während bei
den Superhelden ja auch schnell mal die gesamte Menschheit/die Erde auf
dem Spiel steht. Merke: Weltuntergang und Heldentaten gehen thematisch
gerne Hand in Hand.
Genug
der Theorien und des Geschwafels. Es folgen: Die Listen. Top-Listen,
Flop-Listen und ein Best-Of in unterschiedlichsten Kategorien, was das
Filmjahr im Detail zu bieten hatte.
(„Black
Swan“, „127 Hours“ und
„Love and other Drugs“ waren schon letztes Jahr
dabei und werden deswegen hier nicht erneut berücksichtigt.
„Black Swan“ wäre aber erneut ein Top 3
Kandidat. Und „König der Löwen
3D“ fällt ebenso raus, wäre ansonsten aber
natürlich auch ein Kandidat für die Plätze
ganz weit vorne. Aber so eine Wiederholung zu berücksichtigen,
ist ja auch irgendwie unfair. Außerdem gilt wie immer: Punkte
aus Kritiken mit der Listenplatzierung vergleichen, bringt nichts.)
#Die 15 Top-Filme
2011:
#15#
15.
Melancholia (von Lars von Trier)
Fast hätte es für den neuen Lars von Trier nicht
für die Topliste gereicht. Es kommt nicht all zu oft vor, dass
ein neuer Film des Dänen nicht mindestens Top 5 Kandidat ist.
Und tatsächlich hat mich diese aufgeblasene Lethargie in den
Ultrazeitlupen und im Intro der banale Umgang mit Bildmaterial aus dem
Ende gestört, ähnlich wie die schwammige Handhabung
der episodisch zweigeteilten Erzählweise. Alles Weitere
(abgesehen von der bescheuerten Sex-Szene auf dem Golf-Platz) ist aber
wieder Lars von Trier wie man ihn liebt oder gegebenenfalls auch hasst.
Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg bieten ein großartiges
Schwesternpaar ab, die – besonders Dunst – bis zur
völligen Selbstaufgabe spielen. Eine erschütternde
Charakterstudie wird mit der drohenden Auslöschung des
menschlichen Lebens verbunden. Und von Trier ist in seinem
wahrscheinlich poetischsten Ende (mindestens seit den Glocken von
„Breaking the Waves“) unterschwellig böse
und brutal konsequent, aber überraschenderweise nicht so
nihilistisch, wie man erwartet hatte. „Melancholia“
ist trotz oder gerade wegen seiner Macken ein Film, der mir langfristig
mehr bietet, als einige Filme, die es dadurch nicht auf einen
Show-Platz dieser Liste geschafft haben. >KRITIK.
#14#
14.
Perfect Sense (von David Mackenzie)
Eine unerwartete Überraschung dieses Jahr. Eine positive
Überraschung natürlich. Ich war über den
Trailer gestolpert, entdeckte den Film im Programm vom Fantasy Film
Fest und entschloss mich einfach mal, einen der am wenigsten zum
Festival passenden Filme zu gucken. Hat sich wohl gelohnt. Eine
ungewöhnliche Kombination aus Romanze, Liebesdrama und
Katastrophenthriller, der sich durch und durch europäisch
anfühlt, obwohl er auch ganz geschickt Ausblicke in globale
Reaktionen auf die Katastrophe bietet. Ein ungewöhnliches
Konzept, das den Sinnesverlust immer an eine emotionale
Überreaktion koppelt und damit leicht einige Zuschauer
verunsichern oder an falschen Stellen amüsieren
könnte. „Perfect Sense“ ist die
emotionalere, mitreißende Alternative zu „Die Stadt
der Blinden“ und wirkt unter Garantie lange nach. Ohne die
großartig harmonierenden Ewan McGregor und Eva Green
wäre der Film trotz all der inszenatorischen
Fähigkeiten aber wohl verloren. Ohne Max Richters traumhaft
deprimierende Musik wahrscheinlich auch. >KRITIK.
#13#
13.
Pina (von Wim Wenders)
3D und Ausdruckstanz. Das Erste ging mir zum Zeitpunkt, als ich den
Film sah, schon fast auf den Keks. Wim Wenders war die letzte Hoffnung,
dass aus der neuen 3D-Welle noch was zu holen sein könnte. An
Ausdruckstanz habe ich durchaus Interesse, war aber auch skeptisch, ob
ich das auf Spielfilmlänge wirklich brauche, weil ich mit
tatsächlichem Tanztheater praktisch keine Erfahrung habe. Am
Ende hatte ich nicht nur den Glauben daran gefunden, dass Regisseure
mit einer klaren Vision aus 3D ein wirkungsvolles und vor allem
sinniges Werk machen können, ich war auch komplett involviert
in den expressiven, mitreißenden und emotionalen
Tanzdarbietungen aus dem Fundus der verstorbenen Pina Bausch. Die
dazwischen geschnittenen Interviews sind eigentlich nur der
unvermeidliche Zusatz, um die körperlich zumeist unsichtbare
aber doch allgegenwärtige Hauptfigur des Films zu
würdigen. Groß wird der Film, wenn sich die Leinwand
als Bühne öffnet, wenn Wenders die Tänzer
und Tänzerinnen hinausführt, über die
Straßen Wuppertals und weiter. Ein audiovisuelles Erlebnis
für ein spezielles Publikum, das ganz nebenbei auch daran
festhalten lässt, dass Wim Wenders tatsächlich noch
was kann und will. >KRITIK.
#12#
12.
Blue Valentine (von Derek Cianfrance)
Ein Beziehungs- und Ehedrama. Gibt es eigentlich wie Sand am Meer. Und
sonderlich originell ist „Blue Valentine“ nun
wirklich nicht. Nicht mit seiner parallelen Struktur, die den Beginn,
das Aufkommen der Liebe dem brutalen und schmerzhaften Ende
gegenüber stellt. Auch nicht mit seiner zwischen
amerikanischem Indie-Film und europäischem Realismus
pendelnden Direktheit und Ehrlichkeit. Es ist ein Film, dem das
ungeheuer schwierige Kunststück gelingt, unmittelbar zu
bewegen, nachvollziehbar zu sein, ohne zu verkünstelt
manipulativ oder ultra-realistisch dokumentarisch zu werden.
„Blue Valentine“ wirkt schmerzhaft real und
realitätsnah, platt gesagt, wie aus dem Leben gegriffen, wirkt
aber noch immer wie ein Film, was für die unvermeidbare und
geschickte Manipulation auch nötig ist. Und trotz der guten
Dialoge und der geschickten räumlichen Zuspitzung der
Geschichte, sind es in erster Linie Michelle Williams und Ryan Gosling
in den Hauptrollen, die den Film so stark und intensiv machen. >KRITIK.
#11#
11.
The Fighter
(von David O. Russell)
„The Fighter“ ist ein merkwürdiger
Kandidat. Eigentlich fand ich ihn damals im Kino verdammt gut. Nicht
nur Christian Bales grandiose Performance, sondern auch den Film an
sich, das clevere Script und einige kluge Ideen und Momente von
Regisseur David O. Russell. Ja, auch Mark Wahlberg machte aus seiner im
Vergleich zu Bale recht flachen Rolle verdammt viel. Dennoch ist vom
Film irgendwie wenig hängen geblieben. Er ist ein astreines
Sportdrama, das eher ein Familien- und Charakterdrama ist, aber andere
Filme blieben länger und lebendiger im Gedächtnis.
Ich habe aber auch noch nicht genug vergessen, um zu ignorieren, wie
großartig das Erlebnis ist. Ich habe nicht vergessen, wie
geschickt der Hintergrund von Bales Charakter eingebunden wurde, wie
emotional dessen Reaktionen auf des Bruders Erfolg oder Misserfolg
sind. Wie packend und realistisch die Kämpfe sind, obwohl das
eigentliche Interesse bei den Figuren außerhalb des Rings
liegt. Und dort atmet der Film Indie-Flair, gibt sich grimmig und rau,
mit frecher „street credibility“ in der
Ausdrucksweise. Das bleibt schon hängen und hebt den Film weit
über die absolute Mehrheit sonstiger kitschiger und all zu
formelhafter Sportsdramen.
#10#
10.
Die Liebesfälscher - Copie Conforme (von Abbas Kiarostami)
Hätte ein von mir geschätzter englischer Kritiker
diesen Film nicht letztes Jahr schon auf seiner Top 10 Liste auf Platz
3 gehabt, wäre er wahrscheinlich komplett an mir vorbei
gegangen und frühestens bei der TV-Ausstrahlung geguckt
worden. Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden und
manchmal sind Filmtipps wirklich, wirklich nützlich. Auf dem
Papier liest sich die beinahe-Romanze von Juliette Binoche und William
Shimell auch relativ unspektakulär. Auf dem Papier ist schwer
zu beschreiben, wie aus einer scheinbar zufälligen Begegnung
zweier vermeintlich Fremder ein dialogintensiver Bummel-Tag in der
Toskana wird, wo die beiden Fremden plötzlich einen Streit
nach mehreren Jahren Ehe haben. Klingt verrückt und ist
ungeheuer effektiv, wie Gefühle, Bedeutung von Gesten und
Beziehungsgeflechte auf den Kopf gestellt werden. Ist es nur ein Spiel,
ein Blick in die Zukunft, eine Beziehungstheorie? Traum? Wahrheit?
Fiktion? Was auch immer es ist, es macht verdammt viel Spaß
und bietet gleichermaßen viel für Herz und Verstand.
>KRITIK.
#09#
09.
Tyrannosaur: Eine Liebesgeschichte - Tyrannosaur (von Paddy Considine)
Ein Internetblog stellte letztes Jahr die 100 interessantesten Filme
für 2011 vor und erwähnte irgendwo zwischen Platz 80
und 50 (oder so) das Regie-Debüt von Paddy Considine. Ich fiel
fast vom Stuhl. Paddy Considine als Regisseur? Und er macht einen Film,
der „Tyrannosaur“ heißt? Mehr als ein
Minimalplot (ein Mann mit Aggressionsproblemen trifft eine Frau in
Nöten) war damals nicht bekannt. Der Film stand dennoch prompt
unter Beobachtung, gefiel einigen Leuten auf Festivals und kam dann
erfreulicherweise schon relativ zeitnah tatsächlich in die
deutschen Kinos. Die vielleicht positivste Überraschung des
deutschen Terminkalenders 2011. Grimmige Sozialdramen haben auf der
Insel eine lange Tradition und dieser wird Considine voll gerecht. Er
setzt eine Hand voll faszinierender Figuren aufeinander an, von denen
keine auch nur im Entferntesten als eindimensional zu bezeichnen ist.
Sympathien, Mitleid und Abscheu wechseln sich hier zusehends ab,
während der Film nicht nur berührt, sondern auch
interessante Themen beinhaltet. Der Bärenanteil
gehört aber auch hier den Darstellern, ganz besonders Olivia
Colman und Peter Mullan. >KRITIK.
#08#
08.
Die Haut in der ich wohne - La piel que habito (von Pedro
Almodóvar)
Als Fan von Pedro Almodóvar ist jeder neue Film
natürlich irgendwie Pflicht. „Zerrissene
Umarmungen“ hatte ich seinerzeit aber wissentlich an mir
vorbeiziehen lassen, weil es wie ein Selbstzitat klang. Das konnte man
von diesem Film sicher nicht sagen. Almodóvar macht einen
Thriller, angeblich brutal und böse. In erster Linie aber
treibt der Spanier sein perverses und hintersinniges Spiel mit dem
Zuschauer. Aus einer wahrscheinlich (reine Spekulation) eher trashigen
Romanvorlage macht er einen formvollendet durchstilisierten
(Alb-)Traum, der die Wahrnehmung des Zuschauers gehörig
durcheinander wirbeln kann. Antonio Banderas ist als brodelnder
Unruheherd wohl einfach mal wieder froh, in einem guten Film zu sein.
Sein Gegenüber, Elena Anaya, überzeugt noch mehr,
spielt sogar gegen das visuelle Zelebrieren ihres Körpers an.
Tolle Musik, grandios ausgestattet und wunderbar eingefangen
– aber das erwartet man von Almodóvar auch. Das
Faszinierende dieses Films ist sein Inhalt und über den sollte
man nicht zu viel wissen, egal wie früh man womöglich
des Rätsels Lösung erblickt. Der Film ist ja auch
kein Rätsel, sondern eine ___. >KRITIK.
#07#
07.
The Tree of Life (von Terrence Malick)
Der umwerfendste Widerspruch der letzten 15 Jahre. Meine Erwartungen
waren exorbitant außer Kontrolle geraten, der Trailer allein
war ein intensiveres Erlebnis, als die meisten Filme und ganz nebenbei
war alles, was Terrence Malick zuvor gemacht hat, mindestens
„sehr gut“, wenn nicht gar ein Meisterwerk. Und
würde man die esoterisch-verkünstelte, mit plattem
Symbolismus überladene Rahmenhandlung mit Sean Penn
herausnehmen, wäre „The Tree of Life“ ein
ganz heißer Anwärter auf den Platz an der Sonne auf
dieser Liste. Der Hauptteil, die Geschichte eines Jungen, der im
Anbruch seiner Adoleszenz seine Eltern beobachtet und beurteilt,
insbesondere mit dem strengen Vater im Clinch liegt, ist phasenweise
das Beste, was es 2011 im Kino zu sehen gab. Außerdem hat
mich kaum ein Film überhaupt je so lange nach dem ersten Sehen
beschäftigt, wie dieser. Einige Momente haben sich
für immer in mein cineastisches Gedächtnis
eingebrannt und auch wenn nicht alles funktioniert, bin ich gerne
bereit, künstlerische Ambitionen zu honorieren und das
Gefühl beim Sehen höher zu bewerten, als die
nüchterne Rückbetrachtung. Denn dieser Film
verschließt sich beinahe explizit gegen das
nüchterne, gegen das vernunftbetonte Sehen. >KRITIK.
#06#
06.
Wer ist Hanna? - Hanna (von Joe Wright)
Ungewöhnliches Genrekino. Regisseur Joe Wright hat sich mal
davon lösen können, aufwendig inszenierte Epen (die
noch so gut sein können wie Abbitte/Atonement) oder
berechnende Dramen mit Oscar-Anbiederung zu inszenieren. Sein Ausflug
ins Genrefach ist einer von gleich mehreren Beiträgen, die
zeigten, dass der Genrefilm von kreativen Regisseuren nur gewinnen
kann. Mit Märchenmotiven durchzogen entspinnt sich ein
Jugenddrama als Agenten- und Actionthriller. Nur all das halt nicht so,
wie man das gewohnt ist. Saoirse Ronan hat eine unglaubliche
Präsenz und in den Actionszenen eine glaubwürdige
Physis, dass es nie unglaubwürdig wird, wie sie die
gestandenen Kerls zu Boden schickt. Und Joe Wright inszeniert den Film
mit Geduld, überlegten Actionszenen und einer
genüsslich ausgearbeiteten Märchen-Symbolik, die im
grandiosen Finale ihren Höhepunkt in einem stillgelegten
Freizeitpark in Berlin findet. Ach ja, und die Chemical Brothers
knuspern sich einen Soundtrack vom Feinsten! >KRITIK.
#05#
05.
Attack the Block (von Joe Cornish)
Big gorilla-wolf-motherf***ers! Das sahen nicht alle so, aber
für meinen Geschmack ist Joe Cornishs
Kitchen-Sink-Alien-Invasion auf dem besten Weg zum Kultfilm. Wir haben
ein super-cooles und originelles Alien-Design, das zwar keine
Charakterisierung zulässt, aber dafür umso besser
wirkt. Wir haben eine zeitlich und räumlich begrenzte
Handlung, durch die Joe Cornish mit fantastischer Übersicht
führt. Wir haben fetzig inszenierte, fast durchgehend rasante
Action, dazu pfiffige Dialoge und sympathische, coole Figuren, die viel
mehr hergeben, als man zunächst denkt. Ein donnernder
Electro-Hip-Hop Soundtrack hält den temporeichen und
mordsunterhaltsamen Schabernack stets im Fluss und so ganz nebenbei hat
die Alien-Keilerei auch noch tatsächliche soziopolitische
Relevanz. Eine großartige Mischung und ein riesen
Spaß. Und ehrlich: Besser als „Fish Tank“
trifft „Predator“ kann ich es nicht sagen. >KRITIK.
#04#
04.
Winter's Bone (von Debra Granik)
Zunächst klang es „nur“ wie ein etwas
besseres Indie-Drama, mit einer starken weiblichen Hauptrolle. Als der
Film nach Deutschland kam, wurde er in Übersee schon
über ein Jahr lang in den höchsten Tönen
gelobt und fuhr als kleiner Independent-Film vier Oscar-Nominierungen
ein. „Winter’s Bone“ führt uns
in eine Welt, die schon irgendwie unsere Welt ist, in der aber andere
Gesetze herrschen. Die Menschen, denen Ree bei der Suche und den
Nachforschungen zum Verschwinden ihres Vaters begegnet, sind so rau,
ungemütlich und undurchsichtig wie die Landschaften. Jennifer
Lawrence gibt eine kraftvolle Hauptrolle ab, die den gesamten Film
jederzeit stabil hält. Intensive Nebenfiguren, von denen John
Hawkes die wohl markanteste bildet, beleben diesen düsteren,
spannenden Thriller. Viele großartige Szenen, eine beinharte
Atmosphäre und reichhaltige Themen, die den Film auch bei
mehrfachem Sehen interessant halten.
#03#
03.
Planet der Affen: Prevolution
- Rise of the Planet of the Apes (von Rupert Wyatt)
Hat das irgendwer kommen sehen? Ich jedenfalls nicht. Dass ein
Virenlabor mit eingesperrten Tieren nur normale Glasscheiben
hat… na ja. Dass ein erkrankter Mitarbeiter in diesem Labor
nicht näher untersucht wird… okay. Dass sich das
Militär gegen Ende nicht übermäßig
professionell anstellt… tja, wann tut es das schon mal?
Alles egal. Auch die etwas unterkühlte menschliche Komponente
zwischen James Franco und Freida Pinto ist ein Makel. Dafür
reißt es der Restfilm umso mehr heraus. Mit mehr
über-epischen Gänsehautmomenten, als man
zählen kann, erinnerte der Film daran, dass auch
Blockbuster-Kino über emotionale Involvierung zu funktionieren
hat. Und das vermag der Film, vermag insbesondere Andy Serkis als
Caesar, der alle zehn Minuten irgendwas macht, dass es einem die
Kinnlade zu Boden reißt. >KRITIK.
#02#
02.
Drive (von Nicolas Winding Refn)
Der Film startet offiziell Ende Januar. Da ich ihn schon sehen durfte,
sage ich es jetzt klar und deutlich: Schaut euch diesen Film an! Als
ein Film namens „Drive“ angekündigt wurde,
wo es um einen Stuntman/Fluchtfahrer ging, interessierte mich das null.
Als Nicolas Winding Refn, Ryan Gosling und Carey Mulligan dabei waren,
war ich irritiert. Als der Film in Cannes lief und sogar den
Regie-Preis gewann, konnte ich es immer noch nicht einordnen.
Vielleicht kann man das auch gar nicht. Fest steht nur eins: Cooler
wird’s nicht. Die Musik, die Klamotten, das Feeling, Albert
Brooks Ausbrüche, die Fahr-Szenen und Ryan Gosling, der das
alles lebt und atmet. Ryan Gosling, Mister Cool in Person. Um das noch
mal zu betonen: „Drive“ ist kein Actionfilm. Wer
„Fast & Furious“ mag, wird nicht
zwangsläufig auch diesen mögen. Nicolas Winding Refn
zimmert sich einen Auto-Film als Charakterdrama, irgendwo zwischen 80er
Hommage, Retro und subtil stilisierter Post-Moderne. Aber in erster
Linie einfach saucool. >KRITIK.
#01#
01.
Another Year (von Mike Leigh)
Mike Leighs vermeintlicher Rentnerfilm ist vielleicht auch genau das,
ein Rentnerfilm. Ein Ehepaar jenseits der 60 blickt auf das eigene
Leben und das ihrer Mitmenschen. In der Hand von Mike Leigh wird daraus
der emotionalste, menschlichste und vielleicht auch
berührendste Film des Jahres. Insbesondere Lesley Manville
spielt hier eine Rolle, an der sich eigentlich die folgenden
Generationen zu messen hätten. Wunderbar arrangiert, mal
humorvoll, mal bitter, meist einfach nur menschlich. Menschen und ihre
Leben, ihre Lieben, ihre Laster. Nicht viele Regisseure schaffen es,
das vermeintlich Banale derart ergreifend und authentisch einzufangen.
Mike Leigh ist einer davon und einer der besten. >KRITIK.
Jap. Das sind die 15 besten Kinostarts, die es in Deutschland 2011 gab
(mit der einen "Drive" Ausnahme). Weil aber nicht alle Filme das Licht
der Leinwand erleben dürfen, hier noch ein
Extra-Schmankerl:
#Honorable-DVD-Release-Mention des Jahres#
#Dogtooth
- Kynodontas (von Yorgos Lanthimos)
Cannes 2010 brachte dieses surreale, hintersinnig fiese Familienidyll,
aus dem Filmland schlechthin (Griechenland, falls das noch nicht
bekannt war^^) hervor. Damals wurde der von ein paar Leuten schon recht
gut besprochen und der irre Trailer tat sein Übriges, um mich
neugierig zu machen. Und als dieses provokante Ungetüm von
einem Film, mit absonderlich (und doch zutreffend) behandelten Themen
wie Kindererziehung, Sex, Gewalt und Inzest, tatsächlich
für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert
wurde, musste ich ihn sehen. Im UK gab es ihn schon längst auf
DVD, also wurde er gekauft. Ein paar Monate später kam dann
auch die kinolose direkt-auf-DVD-Veröffentlichung in
Deutschland, auf die (und den Film natürlich) hiermit noch mal
aufmerksam gemacht werden soll. Für ein aufgeschlossenes,
experimentierfreudiges Publikum definitiv einen Blick wert. >KRITIK.
#Und mehr...#
#Sonst
noch gute Filme:
Geschmacksabhängig mag man da jetzt ein paar
„gaaaanz ganz wichtige“ Filme vermissen. Ich selbst
hätte
„Rango“ zum Beispiel gerne noch mit
aufgenommen. Als bester Animationsfilm des Jahres hat es mich selbst
überrascht, dieses Jahr nicht einen animierten Film dabei zu
haben, wo doch unter den 12 Titeln des letzten Jahres gleich drei
animierte dabei waren. Es hat letztendlich nicht gereicht. Ich habe
abgewägt, im Speziellen zwischen „Rango“
und „Melancholia“, aber Von Triers Weltende hat
trotz Macken das Rennen gemacht, während die etwas
dünne zweite Hälfte von „Rango“
rückblickend deutlich negativer wirkte. Der Gesamtfilm ist
aber dennoch lohnenswert. Schrill, verrückt, unterhaltsam und
– sollte sonst nichts funktionieren –
animationstechnisch eine Augenweide. Das „True Grit“
Remake der Coens ist ein astreiner Western, „Jane Eyre“
eine betörend schöne Verfilmung des Roman-Klassikers,
und „X-Men:
First Class“ wäre ein grandioser
Reboot, wenn er sich klar bekennen würde ein solcher zu sein.
Roman Polanskis „Der
Gott des Gemetzels“ ist die nette Verfilmung
eines mit tollen Dialogen gespickten Theaterstücks, „Crazy Stupid
Love“ eine der besseren RomComs der letzten
Jahre, „Mission
Impossible:
Phantom Protokoll“ dafür der witzigste
und unterhaltsamste Teil der M:I-Reihe. Der Oscar-Gewinner „The King’s
Speech“ ist mal wieder „nur“
ganz gut, aber kein Meisterwerk, ebenso wie der letzte Potter
nur zufriedenstellend, aber nicht herausragend (trotz 3D,
höhö!) war. Was noch? Steven Spielberg schwankt bei „Tim und
Struppi“ zwischen Genialität und
Fehlerhaftigkeit und wer mal leicht, mal deutlich märchenhafte
und doch gelungene Filme zum Thema soziale Un-/Gerechtigkeit sehen
will, wird bei
„The Help“ oder „Le Havre“
gleich doppelt fündig.
Die
einzigen Filme, die ich dieses Jahr verpasst habe und denen ich Chancen
einrechne, zumindest meine Top 15 zu knacken, wären das viel
umjubelte iranische Trennungsdrama
„Nader und Simin: Eine Trennung“, „How I ended this
Summer“, Miranda Julys „The Future“
und das extrem über den grünen Klee gelobte Drama „Weekend“.
Vielleicht schlummern aber natürlich noch richtige Geheimtipps
unter den Filmen, die 2011 zu bieten hatte. Denn wer weiß, ob
„Rubbeldiekatz“
für mich nicht vielleicht das Meisterwerk schlechthin ist.
Unwahrscheinlich… seeeehr unwahrscheinlich, aber nicht
ausgeschlossen. Möglichweise aber bleiben mir manche dieser
Geheimtipps auch auf ewig verborgen. Unentdeckten Schrott wird es
wahrscheinlich noch wesentlich häufiger geben, da ich wie
gewohnt einem Großteil der Rohrkrepierer im Kino aus dem Weg
gehen konnte. Die Flop-Liste muss man sich also um einige Kandidaten
erweitert denken.
#Miese Filme: (Ein Champion und seine
Untertanen:)

#Sucker Punch (von Zack Snyder):
Ein ärgerlich schlechter Film und gleichzeitig die mit Abstand
größte Enttäuschung des Jahres. Ich hatte
mir den ultimativen Fun-Film gewünscht. Ein durch und durch
irres, oberflächliches und saumäßig
unterhaltsames Nostalgie-Gefährt, das mehr noch als
„G.I. Joe“ das innere Kind (hier den inneren
Frischpubertierenden) befüttert, auf dass er sabbernd aus dem
Kinosaal torkelt. Zack Snyder wollte das nicht. Okay, seine
Entscheidung. Er wollte mindestens zu gleichen Teilen einen
unterhaltsamen Fun-Fantasy-Actioner und ein düsteres
Charakterdrama, rund um das schmerzhaft schlimme Schicksal junger
Frauen, die in einer Irrenanstalt misshandelt, ausgebeutet und hirntot
gemacht werden. Ist schon auf dem Papier eine eigenwillige Mischung,
aber wenn man Snyder eine Sache positiv anrechnen will, dann, dass er
Neues wagt und Ambitionen hat. Die bin ich für
gewöhnlich auch gerne bereit zu honorieren, aber dann muss
wenigstens irgendwas im Film funktionieren. Da sieht es aber leider
erschreckend düster aus. Das vermeintliche Drama ist
inhaltlich „Leidende Frauen“ Klischee-Brei vom
Wühltisch, das kombiniert mit den Traumausflügen und
dem dämlichen Ende unglücklicherweise nur dadurch
bewegt, dass es auf die Testikel geht. Die als Befreiung gedachte
Tanzerei macht null Sinn, die Träumerei noch weniger und was
dort passiert bringt uns weder die Figuren näher, noch hat es
irgendwie Symbolcharakter für das, was in der
Realität passiert. Zusätzlich läuft das in
der Fantasy-Welt leider zu oft gleich und vorhersehbar ab, ganz
abgesehen davon, dass die visuell eigentlich extravaganten Actionszenen
zu Tode langweilen, weil unsere knapp bekleideten Mädels fast
nie in Gefahr geraten und fast generell nichts fühlen.
„Sucker Punch“ vollbringt das eigenartige
Kunststück, so sexistisch wie feministisch zu sein, ohne
irgendeinen Ansatz klar zu Ende zu denken oder zu führen. Dann
noch ein grauenhaft aufdringlicher Umgang mit Musik und bisweilen
furchtbar schlechte Schauspielleistungen und fertig ist ein
Katastrophenfilm. >KRITIK.

#Footloose (von Craig Brewer)
Ist das zu streng? Darf man einem Remake vorhalten, dass es antiquiert
und rückständig ist? Ich finde schon, trifft es doch
einen Teil der Remake-Idiotie recht genau auf den Kopf. Wenn man nett
ist, darf erwähnt werden, dass die Darsteller
einigermaßen okay und sympathisch sind und dass einige
Tanz-Szenen recht flott daher kommen, auch wenn vieles ans Original
erinnert. Problematisch wird’s bei allem, was irgendwie mit
dem konkreten Inhalt zu tun hat. Einfallslos kopiert, nicht nachgedacht
und einfach mal durchgezogen. Klamotten, Musik, Autos, Dialoge
– alles noch beinahe komplett wie aus den 80ern und damit
wird das „Footloose“ Remake absolut unwichtig, weil
es vielleicht in Takatukaland spielt, aber ganz sicher nicht in den USA
des 21. Jahrhunderts. >KRITIK.
#Bad Teacher (von Jake
Kasdan)
Wo soll man nur anfangen? Vielleicht beim Humor. Wenn man sagt, man
konnte in einer Komödie annähernd gar nicht lachen,
dürfte das als Argument doch einleuchten. Der Film besteht
fast ausschließlich aus dem kläglichen Eindruck,
dass es (hihihi) witzig ist, wenn eine Frau, die noch dazu Lehrerin
ist, pausenlos „fuck“ sagt. Ein Brüller
über 90 Minuten. Ich schmeiß mich weg. Aus dem
Fenster. Wie oft Cameron Diaz mit dieser tendenziell soziopathischen
Nummer witzig ist, kann man an einer Hand abzählen. So was wie
„Bad Santa“ wollte man sein, aber Misses Lehrerin
ist hier ein derart verabscheuungswürdiges Wrack, dass es
schmerzt. Und nervt. Man erwartet von uns, Sympathie zu dieser
moralisch abartigen, ungerechten, verantwortungslosen und
uneinsichtigen Lehrer-Monster Person zu haben, während die
etwas übermotivierte, aber eigentlich nette Kollegin Lucy
Punch als Antagonistin verkauft wird, die am Ende (Spoiler) als
Verliererin ihren gerechten Lohn erhält. Ernsthaft? Habe ich
was verpasst? War das irgendwie eine zynische Sozial-Satire?
„Election 2“? Und wer dieses Sympathie-Problem
nicht hat, soll mir mal erklären, wie Gewalt gegen
Schüler, das Zerstören fremder Beziehung und der
generelle Unterrichtsstil denn bitteschön witzig oder gar
sympathisch sein soll? Von der völlig bescheuerten Sex-Szene
in Klamotten (inklusive Abschuss) mal ganz zu schweigen.
Ätzendste Kömodie des Jahres.
#Hereafter (von Clint
Eastwood)
Ja, auch ein Gigant wie Clint Eastwood liefert mal stinkenden Bockmist
in Filmform ab. „Hereafter“ ist kein sonderlich
ärgerlicher Film, sondern einfach nur völlig
öde, klebrig, zerfahren und belanglos, obwohl er sich mit viel
Trara um die ganz großen Themen dreht. Im Prinzip sagt
Eastwood gar nichts über das Jenseits aus, abgesehen davon,
dass die Toten uns beobachten und darauf warten, uns dort
wiederzusehen. Und wir Lebenden sollen solange den Kopf hoch halten.
Alter Falter. Einen derart trivialen Sentimentalitätsschmarren
erwartet man sonst nur in Nachmittagsfilmchen im TV oder in den
einschlägigen Illustrierten mit den Frauennamen. Auch
inszenatorisch reißt Eastwood gar nichts. Die Flutwelle sieht
blöde aus, das Jenseits ebenso und ansonsten spult er nur
monoton nach und nach die absolut chronologischen Stücke der
drei Episoden ab, die irgendwann natürlich vereint werden und
dann noch immer keinen irgendwie interessanten Effekt erzielen. Wenn
Bryce Dallas Howard Matt Damon in seiner Wohnung besucht, wird es
für fünf Minuten interessant. Der Rest ist belanglos,
oder – wie beim abartigen kitschigen Schluss –
nervig.
#Pirates of the
Caribbean: Fremde Gezeiten - PotC: On Stranger Tides (von Rob Marshall)
Teil 2 und 3 der Piraten-Saga waren ja weiß Gott keine
Meisterwerke, aber immerhin bekam man was geboten. Hier herrschen
Inhaltsleere und Belanglosigkeit vor. Plötzlich ist alles auf
Sparrow zentriert, der aber auch schon mal witzigere Sachen gemacht
oder gesagt hat und hier ansonsten null Interesse an gar nichts hat.
Die Quelle tangiert ihn kaum, Penelope Cruz ist eher lästig,
Blackbeard will man eh aus dem Weg gehen, Hinkebein Barbossa mischt
irgendwie auch mit – wozu also noch Sparrow dabei? Was will
er da im Chaos? Er wird gelenkt und weiß selbst (und mit ihm
Depp) wie fehl am Platz er ist. Das vermeintliche Abenteuer ist im
Prinzip ein Witz, nur endlos in die Länge gezogen. Die
Meerjungfrauen sind kurz mal interessant, dann aber kaum noch wichtig.
Die Liebesgeschichte(n) bringen nichts, es gibt kein Spektakel und zu
allem Überfluss ist der angeblich ultra gefährliche
Blackbeard eine ultra langweilige Trantüte, dessen
Fähigkeit so lachhaft limitiert sind, wie sein Wille, sie
einzusetzen.
#Enttäuschungen#
The
Three Musketeers 3D (Die Drei Musketiere 3D)
Okay. Genau genommen war ich sogar positiv überrascht, weil
ich fest damit gerechnet hatte, Rotz zu bekommen, aber irgendwie doch
hier und da Spaß an der Sache hatte. Irgendwo in diesem
Rückblick wollte ich aber noch mal aufgreifen, warum dieser
Film beinahe alles verkörpert, was am modernen
Unterhaltungskino so stinkt. Machen wir uns nichts vor, mit der
literarischen Vorlage hat dieser Mantel, Degen und Luftschiff Schmarren
nur noch ein paar Namen gemein. Das ist auch gar nicht das Problem.
Problematisch ist es, dass scheinbar keine groß budgetierten
Massenunterhaltungsfilme mehr gemacht werden, ohne eine auf biegen und
brechen in das vorgeschnürte Paket gepresste Vorlage. Ein
Problem ist die Handhabe der vermeintlichen Hauptfiguren, ist die
Opferung nachvollziehbarer Figuren und Handlungen für
sinnbefreites Spektakel. Ein Problem ist die Verschleuderung von
finanziellem und menschlichem Potential, wenn letztendlich nichts bei
rum kommt, was man nicht schon gesehen hat oder gar nicht erst sehen
will. Oberflächlich unterhaltsam mitunter schon, aber
eigentlich auch neben „Transformers“ die Ausgeburt
des Hollywood-Höllenschlundes schlechthin.
Cowboys & Aliens:
Um es kurz zu machen: Der Film nimmt sich zu ernst und ist langweilig.
Ende. Das trifft es eigentlich wirklich. Der Film ist nicht halb so
selbstironisch, so albern, witzig oder gar aufregend, wie es Konzept
und Titel versprechen. Die Figuren sind flach, die eigentliche Story
banal, das Alien-Design unoriginell und die Actionszenen qualitativ und
quantitativ unbefriedigend. >KRITIK.
John Carpenter's The Ward:
Niemand hat ernsthaft erwartet, John Carpenter könnte nach
einigen faulen Jahren mit einem Fingerschnippen an die
Qualität seiner früheren Meisterwerke
anknüpfen. Dass er sich aber ausgerechnet so ein schrottiges
Drehbuch für sein Kino-Comeback ausgesucht hat, ist
ärgerlich. Spätestens das Ende, die
Auflösung und der Twist überstrahlen beinahe
komplett, dass Carpenter den dämlichen und unfreiwillig
komischen Anstalts-Slasher noch weitgehend zusammen hält. Aber
auch ihm fällt scheinbar nicht auf, wie unglaubwürdig
und semi-pornös die Situation in der Anstalt geschildert ist,
wie unlogisch der Film bei der Rückbetrachtung wirkt und wie
wenig Spaß die Kiste macht, sobald man weiß, wie
der Hase läuft.
Green Lantern:
Ohne sonderlich viel von den Comics zu kennen, aber auch einem
Anfänger fällt auf, dass das Green Lantern Universum
gewaltiges Potential hat. Daran kratzt der Film immer mal wieder, zeigt
die Weltraumpolizei, dessen weitreichende Geschichte, deutet die Macht
der Ringe an, bietet ein klassisches Helden-Origin Szenario und spielt
direkt mit drei Schurken, von denen mindestens zwei (Paralax und
Sinestro) in einem besseren Film absolut gigantisch sein
könnten. Für einen Entstehungsfilm war das alles aber
schlicht zu viel, dass auch nur irgendwas richtig funktionieren
könnte. Und weil das an Verfehlungen noch nicht reicht, albert
man mit urigen Effekten und Designs herum, langweilt mit einer
unglaubwürdigen Love-Story und suhlt sich in idiotischem
Schabernack, dessen Höhepunkt die bekloppte
Rennbahn-Rettungsaktion ist. Und die Maske ist Mist. Ganz klar.
Brautalarm - Bridesmaids:
„Hangover“ für Frauen. Oder so. Nur leider
nicht halb so witzig, dafür überlang und mit zu
vielen unwichtigen, idiotischen oder unglaubwürdigen Figuren
bevölkert. Kristen Wiig ist als schrille Schreckschraube
vielleicht ja sogar irgendwie bewundernswert und Melissa McCarthy hat
unbestreitbar Spielfreude, aber ganz nebenbei gibt es einfach zu viele
nervige oder sinnlose Szenen. Und die gelungenen Gags werden zu oft
einfach mal endlos in die Länge gezogen. Da war mehr drin,
wenn man der Frauenwelt mal eine Dirty Comedy spendieren wollte. >KRITIK.
Scream 4:
Ein vierter Teil war schon von Anfang an unnötig, aber mit der
längeren Pause und der veränderten Gesellschaft im
Zeitalter von Saw, Smartphones und Internet, war durchaus was
möglich. Stattdessen karrte man schreckliche neue Teen-Figuren
an, die nur noch nervige Parodien sind, während die alten
Hasen wie Falschgeld durch einen ihnen fremd gewordenen Film wanken.
Das ist nicht witzig, nicht spannend, nicht clever genug, obwohl das
Ende ein Knaller hätte sein können. Aber auch das
verbaut sich das hysterische Script. Schade. >KRITIK.
Alles, was wir geben mussten (Never let me go):
Eigentlich ein ganz anständiger Film, aber letztendlich doch
eine Enttäuschung. Nicht nur die Romanvorlage zeigt, wie viel
mehr aus der Grundidee und den Figuren zu holen war. Besonders an
Emotionen mangelt es bis zum Schlussakt recht auffällig, weil
– wie so oft bei Adaptionen – zu schnell durch die
grundlegenden Szenen gesprungen wird, aus denen die späteren
Szenen ihre Wirkung erzielen. >KRITIK.
Eine dunkle Begierde (A Dangerous Method):
Ebenfalls kein wirklich schlechter Film, aber ein bisschen mehr
wäre beim neuen Cronenberg schon möglich gewesen.
Hüftsteif und zahm führt er durch ein zu redseliges
Duell aus interessanten Theorien in wenig aufregenden Dialogen. Nicht
schlecht gespielt, aber insbesondere die beiden männlichen
Hauptfiguren sind so darauf bedacht, andere zu analysieren und nichts
von sich nach außen dringen zu lassen, dass oft auch wirklich
nichts nach außen dringt. >KRITIK.
#Gelistete
Besonderheiten:
- Miesestes 3D:
Thor
- Unnötigstes 3D:
Green Hornet
- Bestes 3D:
Pina
- Bestes 3D in
einem beschissenen Film: Sanctum
- Nützlichstes
3D: „Transformers: Dark of the Moon“,
weil es Michael Bay zu Ruhe, Übersicht und bewusster Protzerei
brachte, was Ausnahmsweise mal gut war.
- Überpräsenteste
Rubrik dieses Rückblicks: 3D
- Miesester deutscher
Titel des Jahres:
o Planet der Affen: Prevolution (Rise of
the Planet of the Apes)
o Wer ist Hanna? (Hanna. - Klingt
blöd, auch wenns im Film nicht ungeschickt
präsentiert war.)
o Meine erfundene Frau („Just
go with it“ – Seriously?)
o Dickste Freunde („The
Dilemma“)
- Score des Jahres:
1. "Tron: Legacy" | dann... "Hanna" | "Perfect Sense" | "Die Haut, in
der ich wohne" | "Drive"
- Design-Fetisch Film
des Jahres: Tron: Legacy
- Gesehen und wieder
vergessen des Jahres: Ohne Limit
- Unkritisierbar des
Jahres: New Kids Turbo
- Ertragreichster
filmischer Beleidigungskatalog des Jahres: New Kids Turbo,
Fickschnitzel!!
- Computerrotzklotz des
Jahres: Paralax, „Green
Lantern“
- Peinlichkeit des Jahres:
John Malkovich, „Transformers 3“
- Talentverschwendung
des Jahres: Karin Dreijer macht Musik im öden
0815 Twilight- Trittbrettfahrer „Red Riding
Hood“.
- „Wollt ihr
mich verarschen“ oder „Seid ihr eigentlich total
bescheuert“ des Jahres: Green Lantern bastelt
sich eine Carrera-Rennbahn, um den Tag zu retten. Fail! (Oder
eigentlich ‚New Kids Turbo’ von Anfang bis Ende,
aber das war oft wieder so bescheuert, dass es gut war. Irgendwie.
)
- Cameo des Jahres:
Daft Punk, „Tron: Legacy“ und ‚eine
gewisse Person’, „X-Men: First
Class“
- Mindfuck des Jahres:
Die Haut, in der ich wohne
- WTF-Lol des Jahres:
Alan Tudyk greift in „Transformers 3“
urplötzlich zur Waffe
- WTF-Überraschung
des Jahres: Christina Hendricks schaut im Bad in den
Spiegel, "Drive"
- Haar-Fail des Jahres:
Orlando Bloom, „The 3D Musketeers”
- Haar-Win des Jahres:
Tom Cruise, „Mission Impossible 4“ Gerne auch
bezeichnet als „3 Wetter Taft: Der Film“, denn
Cruises Power-Mähne ist nach jedem Szenenwechsel reif
fürs Fotoshooting.
- Männer-Cosplay
Outfit des Jahres: Der Driver aus
„Drive“.
- Frauen-Cosplay Outfit
des Jahres: Sweet Pea (Abbie Cornish) aus
„Sucker Punch“. Da der Film aber „nicht
so gut“ war, lieber Elena Anaya aus „Die Haut in
der ich wohne“ oder Quorra (Olivia Wilde) aus
„Tron: Legacy“. ^___^
- Sinnloseste
Film-Anekdote des Jahres: Salvador Dalí (Adrien
Brody) und sein Rhinozeros („Midnight in
Paris“)
- Filmtechnik-Meisterstück
des Jahres: Emmanuel Lubezkis Kamera in „The
Tree of Life“ – purer God-Mode.
- Musik-Moment des Jahres:
(d.h. eine Szene mit vorher existierender Source
Music) „Tree of Life“ besteht fast
ausschließlich aus solchen Momenten, aber abgesehen davon
fällt mir das „You and Me“ Stück
aus „Blue Valentine“ ein. Und natürlich
Kavinsky, Desire und College in „Drive“.
- Jahr des Jahres:
2011
#Schlechteste
Poster des Jahres:
(für einen Film dieses Jahres)
Nach Möglichkeit wurden nur offizielle Poster in die Auswahl
mit aufgenommen und dann auch solche, die im Herstellungsland bekannt
sind. Daher scheidet das grausame deutsche Poster zu „The
Tree of Life“ aus, das den Film wie „Aus
der Mitte entspringt ein Fluss 2“ wirken lässt. Und
solche Sachen wie „Alvin und die Chipmunks“ oder
der neueste „Big Momma“ haben ja darunter zu
leiden, dass das Poster nur beschissen sein kann, wenn es die
Hauptfiguren drauf hat. Und Gwyneth Paltrow kann sich dafür
bedanken, dass diese 325 verschiedenen Charakter-Poster, die einige
Filme heutzutage erhalten, ebenfalls durchs Rost fallen. Denn
irgendwer, der bei der PR zu „Contagion“
was zu sagen hatte, kann die Gute ganz offensichtlich nicht ausstehen.
Deswegen hier mal andere Verfehlungen:
The
Adjustment Bureau (Der Plan): Langweilig, mit mieser pseudo
„Sin City“ Farbgebung. Öde Schrift,
alberner Hintergrund. Wie man ein Poster trotz anwesender Emily Blunt
versauen kann, sieht man hier
Arthur:
Russell Brand nimmt für sein Hauptrollenvehikel unsympathisch
zähneknirschend zur Kenntnis, dass Jennifer Garner selbst beim
keine-Lust-Haben keine Lust hat, dass Greta Gerwig sich fragt, was zur
Hölle sie hier macht, und dass Helen Mirren Jessica Albas
Stirn aus „FF2“ trägt.
Straw
Dogs: Weckt früh den Verdacht, dass die
Macher des Remakes das Original nicht verstanden haben. Blind kopiert
und direkt versaut, sobald eigene Ideen ins Spiel kamen)
The
Ward: RTL Film des Monats? In erster Linie einfach nur
generisch, aber spätestens beim Titeldesign fällt
auf, wie ranzig und billig dieser Poster-Käse
ist.
X-Men:
First Class: Charles ist schwanger mit sich selbst?
Miese Idee, amateurhaft ungesetzt
Und die
Designer des Posters für „No
strings attached“ (Freundschaft plus) sollten sich
mal fragen, warum ihr Poster im Vergleich zu inhaltlich
ähnlichen Konkurrenz von „Love
& other Drugs” oder „Friends
with Benefits“, so zahm, spießig und
vollkommen öde ist. Die anderen beiden zeigen, wie man mit
einfachen Mitteln ein bisschen Würze in die Materie der im
Film behandelten Beziehungskisten bringen kann.
#Beste
Poster
des Jahres:
Dass es auch besser geht, beweisen diese Poster:
Captain
America: Schlagt mich, aber ich finds
äußerst schick! Kraftvoll, ikonisch, farblich
gelungen. Astrein.
Green
Hornet: Nette Idee, passt zum Film, subtile
Motivpräsentation – stilvoll.
Scream
4: So ähnlich hat es das in der Geschichte
des Horrorfilms schon gegeben (z.B. „Halloween“),
aber dies ist dennoch außerordentlich pfiffig und
wirkungsvoll gemacht.)
Die
Lincoln-Verschwörung: Der Spruch ist ein
bisschen schief, aber das Poster, mit der lädierten Statue vom
Lincoln Memorial ist ein Volltreffer und unterstreicht subtil das
Anliegen des Films.
Don’t
be afraid of the Dark: Klassisches Horrorposter. Stilvoll und
effektiv, mit einer absolute gelungenen Farbgestaltung, die im Bezug
zum Titel den Nagel auf dem Kopf trifft.
The
Ides of March: „Persona” im
Posterformat. Erstaunlich effektiv, passt zum Film und regt dazu an,
mindestens einen Moment länger hinzuschauen.)
Der
nächstes Jahr anlaufende Drive
zelebriert ganz naheliegend die unverschämte Coolness von Ryan
Gosling. o Aber der Gewinner des nächsten Jahres steht schon
fest: „Shame“
#Weitere Listen:
- Trailer des Jahres:
Blue
Valentine | The Tree
of Life | und der im Januar '12
anlaufende 'Girl
with a Dragon Tattoo'
- Miesester
Trailer des Jahres: (wird auch nicht verlinkt. The horror,
the
horror...)
Homies
#Personen:
- Darsteller und
Nebendarsteller des Jahres:
o Peter Mullan, Tyrannosaur | Ryan
Gosling, Blue Valentine & Drive | Hunter MacKracken, The Tree
of Life | Paul Giamatti, Barney’s Version | Mark Wahlberg,
The Fighter
o Christian Bale, The Fighter | Brad
Pitt, The Tree of Life | Eddie Marsan, Tyrannosaur | Andy Serkis,
Planet der Affen: Prevolution | John Hawkes, Winter’s
Bone
- Darstellerin und
Nebendarstellerin des Jahres:
o Olivia Colman, Tyrannosaur | Jennifer
Lawrence, Winter’s Bone | Kirsten Dunst, Melancholia |
Juliette Binoche, Die Liebesfälscher | Michelle Williams, Blue
Valentine
o Leslie Manville, Another Year |
Gefolgt fast vom kompletten „The Help“-Cast, aber
am ehesten von Viola Davis (ist vielleicht doch eher Hauptrolle),
Jessica Chastain, Octavia Spencer und Bryce Dallas Howard. In dieser
(absteigenden) Reihenfolge.
- Beste
Schauspielleistung in einem schlechten Film des Jahres:
Bryce Dallas Howard in „Hereafter“
- Schlechtester
Darsteller des Jahres: Rhys Wakefield,
„Sanctum“
- Schlechteste
Darstellerin des Jahres: Gab wirklich nicht so viel
Schlimmes dieses Jahr und davon habe ich noch ne Menge verpasst. Daher
mangels Alternativen: Unentschieden zwischen Vanessa Hudgens in
„Sucker Punch“ und Emma Roberts in
„Scream 4“
- Unglaubwürdigstes
Leinwandpaar des Jahres: Ich schätze mal, das
trifft wie üblich am besten auf Bella und Edward zu. Da ich
den nicht gesehen habe nenne ich Natalie Portman und Chris Hemsworth in
„Thor“. Dabei war Er eigentlich ganz cool.
- Nervenäge des
Jahres: Das grässliche
„Lollipop“ Lied aus der Eis-Werbung im Kino und
damit verbunden der Eisverkäufer in der Werbung selbst.
Depp.
- Overacting des Jahres:
Gary Oldman, „Red Riding Hood“
- Männlicher
Newcomer des Jahres: Man hätte ihn schon
seit längerer Zeit kennen müssen, aber dieses Jahr
wurde aus Michael Fassbender endgültig ein richtiger
Star.
- Weiblicher Newcomer
des Jahres:
o Jessica Chastain: Sieben (!) Filme in
2011, die meisten davon auf wichtigen Festivals vertreten, mit
„The Tree of Life“ einen viel beachteten
Arthouse-Hit, mit „The Help“ einen gefeierten
Box-Office-Hit.
o Beschränkt auf eine einzelne
Rolle ist aber sicherlich Jennifer Lawrence als Ree in
„Winter’s Bone“ die Newcomerin, wenn das
im Rest der Welt auch schon eigentlich 2010 passierte.
- „Wo ist
eigentlich…?“ des Jahres: Jennifer
Connelly (Okay, sie war in „Dickste Freunde“ und
Mutterschaft geht vor, aber, aber… Mach mehr Filme,
Jennifer. Du fehlst.)
- Schönheit des
Jahres: Jennifer Lawrence („Winter’s
Bone“ & „X-Men: First
Class“)
- Badass des Jahres: Ryan
Gosling als Fahrer; „Drive“, gefolgt von Michael
Fassbender als Magneto („X-Men: First Class“),
Saoirse Ronan als Hanna (“Hanna”) und
„Moses“ (“Attack the
Block”)
- Mister
„unerhört awesome“ des Jahres:
Ryan Gosling (Drive, Crazy Stupid Love, sogar "Ides of March")
– da kriegt man ja Komplexe! Und dem Kerl kann
man’s nicht mal übel nehmen.
- Lucky Bastard des
Jahres: Anton Yelchin, wegen Jennifer Lawrence in
„The Beaver“ und Imogen Poots in „Fright
Night 3D“. Und schon mal prophylaktisch für den
abgedrehten und 2012 anlaufenden „Like Crazy“ mit
der tollen Felicity Jones, bei dem Jennifer Lawrence gleich noch mal
mit dabei ist. – Diesen Award hat er sich redlich verdient,
der Anton.
#Szenen:
- Caesar widersetzt sich gegen Tom Felton! – „Rise
of the Planet of the Apes”
- Caesar erklimmt einen Mammutbaum und überblick San Fransisco
– „RotPotA”
- Die Schlussszene zwischen Caesar und James Franco –
„RotPotA”
- Der Fahrer dreht im Fahrstuhl durch und der Skorpion atmet.
– „Dive“
- Die nächtliche Bootstour. –
„Winter’s Bone“
- Genesis. – „The Tree of Life“
- Jessica Chastain im Schneewittchen-Sarg. –
„The Tree of Life“
- James will sich nicht mit einem Brautpaar vor dem goldenen Baum
fotografieren lassen und eine andere Braut ist emotional angeschlagen.
– „Copie Conforme“
- Cate Blanchett entsteigt dem Wolfsmaul. –
„Hanna“
- Eric Bana plättet mehrere Gegner in einer U-Bahn Halle in
einem einzigen Take. – „Hanna“
- Magneto vs. Shaw – „X-Men: First
Class“
- Tom Cruise und Simon Pegg schleichen mit technischem Gerät
durch einen Korridor. – „MI: 4“
- Tom Cruise klettert, kraxelt und schwingt am Burj Khalifa in Dubai.
– „MI: 4“
- Eva Green und Ewan McGregor in der Badewanne –
„Perfect Sense“
- Die Jagd nach drei Zetteln – „Tim und
Struppi“
- Juno Temple erklärt ihrem männlichen Bettpartner,
wie man oral „nett“ zu einer Frau ist. –
„Kaboom“
- Sam im Auto – Sam in der Luft – Panik –
Sam im Auto! – „Transformers 3“
- Intro – „True Grit“ - Bryce Dallas
Howard isst einen ganz besonderen Kuchen. Und Sissy Spacek lacht sich
schlapp. – „The Help“
- Emma Stone kommentiert Ryan Goslings Waschbrettbauch. –
„Crazy Stupid Love“
- Silberkugeln und Weihwasser – „Fright Night
3D“
- Die Alienaufstellfigur im Nerd-Laden. –
„Paul“
#Zitate:
Diese Zitate – und die meisten Filmzitate im Allgemeinen
– stehen hier als auf etwa eine Dialogzeile runter
gebrochener cooler, humoristischer oder markanter Bestandteil eines
größeren Films. Es sind kurzweilige Momente, die man
sich durch Wiederaufsagen erneut ins Gedächtnis ruft. In
dieser Rubrik werden nicht generell gelungene Dialoge hervorgehoben und
die Filme müssen nicht zwangsläufig gut sein.
(Zumeist wird der O-Ton verwendet, weil da der korrekte Wortlaut meist
recherchierbar ist.)
#Geschehnisse
2011:
- Guillermo del Toros „At the Mountain’s of
Madness“ wird gecancelt.
- Darren Aronofsky steigt bei der Fortsetzung zu
„Wolverine“ aus…
- …kündigt dafür nach einer kleinen Weile
aber an, den Noah-Film zu machen. Freude!
- George Lucas vergewaltigt weiter den einzigen Grund, warum Menschen
ihn mögen. Oder zumindest mal mochten. Schweinereich wird er
damit aber auch weiterhin. („Star Wars“
BluRays)
- Anne Hathaway und James Franco enttäuschen als Oscar-Hosts,
weil sie gelangweilt (er) oder übermotiviert karikierend (sie)
mit dem aufgezwungenen und öden Standard-Gagmaterial umgehen.
- Der Anteil von 3D-Tickets an der Gesamtzahl der gelösten
Kinotickets nimmt ab. Der letzte Strohhalm für
finanzinteressierte Produzenten/ Rechtebesitzer: Nachkonvertierung in
3D für ältere Filme. „Der König
der Löwen“ hat es erfolgreich vorgemacht, 2012 gibt
es mehrfach Nachschlag.
- Harry Potter endet. >BG-Special
- Lars von Trier sagt auf einer PK in Cannes dumme Sachen und macht es
mit sprachlich ungelenkem Humor noch schlimmer. Ungeschickt, aber die
halbe Welt dreht durch, als hätte er den dritten Weltkrieg
angezettelt.
- Brett Ratner soll die Oscarverleihung inszenieren – OMG!
– und verliert den Job bald schon wieder, weil er zu
dämlich ist, seine idiotischen Ansichten für sich zu
behalten.
- Ashton Kutcher ersetz… Ach, ernsthaft, wen
interessiert’s?!
- Falsche Nacktszenen in „The Change-Up“
(„Wie ausgewechselt“) sorgen für Aufruhr
und Skepsis. Zumindest
bei mir.
- „Contagion“ zeigt, wie virales Marketing wirklich
auszusehen hat: >Video
#Und was
lernen wir von den Filmen oder vom Filmjahr 2011?
- Die Menschen sehnen sich nach Helden, insbesondere dann, wenn die
ganze Welt auf dem Spiel steht.
- Manche Filmtipps sollte man befolgen, führen sie doch zu
Frohsinn und Glückseligkeit.
- 2011 war ein gutes (und entscheidendes) Jahr für den
Genre-Film. Die Blockbuster waren meist erträglich (Tatsache:
Transformers 3) oder gar gut (X-Men: First Class), während oft
mit europäischer Hilfe (Hanna, Attack the Block, Drive) und
einer originellen, stilgerichteten Herangehensweise echte Duftmarken im
Genre-Sektor gesetzt wurden.
- 2011 war ein eher unterdurchschnittliches Jahr für
Animationsfilme.
- Matthias Schweighöfer will der neue Til Schweiger sein. Wer
braucht schon zwei von der Sorte?
- 3D kann (!) in den richtigen Händen durchaus Sinn
machen.
- Wer in der Öffentlichkeit steht, sollte aufpassen, was er
sagt.
Und
damit: Auf ein ertragreiches Jahr 2012. Dazu gleich
mal ein Ausblick.
>
Deine Meinung?
|