Story:
Der Film zeigt die Anfänge
der Kochkarriere der berühmten Köchin Julia Child, die mit der Beschreibungen
von Julie Powell verwoben sind, die den Ehrgeiz hat, alle 524 Rezepte aus Childs
Kochbuch in einem Jahr nachzukochen.
regie :
nora ephron
cast :
meryl streep, amy adams
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Bon Appétit. Meryl Streep und Amy Adams
kochen sich aus Lebenskrisen heraus und das mehr als 50 Jahre von einander
entfernt. Dass ein Film auf gleich zwei wahren Begebenheiten basiert, von denen
die spätere durch die frühere direkt beeinflusst wurde, ist schon so etwas wie
ein Unikum, und dass es sich bei den literarischen Vorlagen jeweils mehr oder
weniger um Kochbücher handelt, bzw. um Lebensgeschichten in Kombination mit dem
Kochen, macht die Sache noch interessanter.
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"Komm, ich spreche zu dir und koche mit, statt du
mich, okay?"
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Fakt ist: Man sollte eine
ähnliche Freude am Essen haben wie die Hauptfiguren, um wirklich Freude am Film
zu haben. Noch besser natürlich, wenn man selbst Hobbykoch ist und sich
vielleicht auch im TV von den Bioleks und Mälzers dieser Welt zum perfekten
Dinner inspirieren lässt. „Julie & Julia“ ist kein Kochfilm, aber ein Film
über’s Kochen. Ein Film, deren Handlungsstränge durch Essen und die Zubereitung
definiert und geprägt werden. Ohne den Kochhintergrund, wäre so manches
Handlungskonstrukt doch etwas fad. Regisseurin Nora Ephron schwelgt nicht in
perfekt ausgeleuchteten Nahaufnahmen von Nahrungsmitteln, inszeniert das Kochen
aber realistisch, mit einer Prise Humor und lässt die Ergebnisse zumeist so
lecker aussehen, dass man tatsächlich Lust aufs Schlemmen bekommt.
Dabei passiert tatsächlich auch etwas abseits des Herds. Die eigentliche Story,
die natürlich eng verbunden mit Gourmet-Leckereien und Kochversuchen ist, aber
letztendlich auch einfach Einblicke gewährt in zwei Lebensgeschichten; in zwei
Lebensphasen, um genau zu sein. Beide Handlungsstränge tragen die Bürde des
Realen, des Authentischen mit sich und so ist es immer schwer zu verurteilen,
wenn etwas konstruiert oder unpassend erscheinen mag.
Amy Adams Julie-Episode in der Neuzeit macht auf diesem Sektor am ehesten
Schwierigkeiten, riecht es doch schnell nach Klischee und folgt bekannten
Pfaden. Problemstellung, euphorischer Neubeginn, Erfolgsphase, Zusammenbruch
usw. Adams und Chris Messina ist es mit Witz und sympathischem Auftreten zu
verdanken, dass man diese Probleme schnell vergessen kann. Adams spielt eine
Rolle, die ihr aus „Sunshine Cleaning“ noch halbwegs bekannt sein dürfte. Kurz
vor der 30, unzufrieden und festgefahren im Job, finanziell zwar halbwegs
sicher, aber mit Träumen, die in einer Wohnung über der Pizzeria noch nicht
enden. Adams trifft die richtigen Töne, zwischen Niedlichkeit, Verletzlichkeit
und narzisstischem Geltungsdrang, der ganz nebenbei einen klitzekleinen Wink an
die moderne Bloggerwelt verteilt. Messina ist als humorvoll-warmherziger
Gegenpol gerade richtig und Nebenrollen werden z.B. von so guten Leuten wie Mary
Lynn Rajskub versüßt.
Ephron springt zwischen neuem Jahrtausend und Vergangenheit, mit dem Paris der
40er und 50er, durchaus gekonnt hin und her. Tendenziell mit einem leichten
Übergewicht für die Julie-Episode, entwickeln sich die Frauenschicksale recht
ähnlich, wenn auch natürlich epochenabhängig, und bieten daher so manche
Inhaltsparallele. Obwohl auch die ab und an zu forciert erscheinen, da es beim
Wechsel dann hier und da nur noch darum geht, die Abstraktion beim
Erzählstrangwechsel zu vollenden. Übersichtlich ist es dennoch und die
Erfahrungen der Frauen, sich zu verwirklichen, durch eine Leidenschaft zu sich
zu finden und auch andere zu überzeugen, werden insgesamt gut verknüpft. Die
idealgesteuerte Frau der Moderne und die beschäftigungswütige Frau von damals,
die sich mit Witz und Ellenbogen emanzipatorisch gegen Männer durch- und für
(amerikanische Haus-) Frauen einsetzt.
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Die ungeschnittene Fassung von Julie & Julia
verspricht Rotes.
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Und jedes Mal wenn Meryl Streep
die Szenerie betritt, erreicht der Film einen ganz anderen Level, der die
Neuzeithandlung doch recht austauschbar und unspektakulär erscheinen lässt.
Nicht weil Adams schlecht ist, sondern weil Streep wieder eine dieser Rollen
kreiert, die im Gedächtnis bleiben, die eigen- und einzigartig und faszinierend
sind. Meryl die Unglaubliche. Ihre Julia Child ist eine ungewöhnliche Figur für
sie, die sonst meist kühle, gebrochene und/oder strenge Charaktere spielt. Julia
Child ist skurril, amüsant und leicht überdreht. Dass Streep sich nah an der
Karikatur bewegt, wird durch eine echte Parodie im TV in der Julie-Episode
angedeutet und gleichzeitig entkräftet. Streep gibt eine erstklassige Julia
Child. Man mag es exzentrisch nennen, oder einfach lebensfroh. Dass es nicht nur
positive Energien gibt, wird durchaus subtil angedeutet und den Rest erledigt
Streep mit einer grandiosen Performance. Sei es die ungewöhnliche Sprechweise,
das viele Kichern, der Sarkasmus, ihr Koch-Engagement oder ihr Umgang mit ihrem
Ehemann Paul. Stanley Tucci veredelt in dieser Rolle mal wieder einen Nebenpart
(der Mann verdient eine starke Hauptrolle!), und das ganz leise und fast
unangestrengt.
Das ergibt insgesamt ein unterhaltsames, kurzweiliges Hin und Her. Mal
dramatisch, mal tragisch, zumeist unaufdringlich humorvoll und mit genügend
Ernst und Aufrichtigkeit für die Figuren und ihre Probleme. Highlights, wie
Child in der Kochschule oder widerspenstige Hummer, gibt es immer mal wieder.
„Julie & Julia“ ist etwas mehr als nur ein „netter kleiner“ Film, wenn auch
definitiv kein großes Werk. Erinnerungswürdig macht den Film Meryl Streep und
sämtliche andere Sektoren sind immer noch überdurchschnittlich. Sei es die
liebevolle Ausstattung in wunderbar warmen Farben und Dekors, oder die
unaufdringlich-angenehme Musik von Alexandre Desplat. Das Drehbuch fasst die
beiden Frauen gut zusammen, hat seinen besten Moment aber bei der tollen
Schlussszene, die geschickt mit Zeit- und Realitätsebenen spielt und so fast
Meta-Symbolik erreicht. Ein gelungener Abschluss, zu einem gelungenen Film.
Fazit:
Meryl Streep ist die funkelnde Speerspitze eines insgesamt guten Films, mit
sympathischen Figuren, einer gelungenen Emotions-Balance und einigen guten
Szenen. Die Pflichtaufgabe, hungrig zu machen und die Kochlust zu entfachen,
erfüllt der Film ganz nebenbei auch.
7,5
/ 10
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