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Kritik:
Warum Batman sterben muss 

(... und wird?)


von Christian Westhus

[Spoilerwarnung: Besprechung auf dem Wissensstand von "Batman Begins", "The Dark Knight" und den bisherigen Teasern und Trailer zu "The Dark Knight Rises".]

Wenn am 26. Juli (am 20. Juli in den USA) mit „The Dark Knight Rises“ der dritte und planmäßig letzte Teil aus Christopher Nolans Batman-Reihe in den deutschen Kinos anläuft, sind einige Dinge bereits sicher. So sicher wie das mehr als überdurchschnittliche finanzielle Ergebnis für Warner Bros., die Chris Nolan für jedes weitere Projekt die Füße küssen werden, und so sicher wie die Welt, die der Regisseur für den dunklen Ritter entwickelt hat. Trotz einiger signifikanter Unterschiede in der Farbästhetik und im Stadtbild, die „Batman Begins“ von „The Dark Knight“ unterschieden, sind Batman, Gotham und Co. bei Nolan gefestigt. Da wird auch der Abschluss der Trilogie nichts dran ändern. Der unaufgeregte Comic-Realismus dieser Filme war nicht zuletzt notwendig, um die Figur Batman nach den beliebten Burtons und den absolut verhassten Schumachers klar abgegrenzt wieder ausgehfertig zu machen. Eine ganz eigene Handschrift, ein ganz klar ausformuliertes und präsentiertes Verständnis dieser so wandlungsfähigen Figur. Und so ist es umso notwendiger, dieser Figur ein ganz eigenes, ein klar abgegrenztes Ende zu verpassen. Batman muss sterben.

Nolan erfand den cape-tragenden Rächer natürlich nicht komplett neu, baute auf die lange Comictradition, die selbst schon die unterschiedlichsten Versionen und Handlungsvariation hervorbrachte. Doch Nolan machte die Figur sein Eigen, drückte den bisherigen beiden Filmen einen ganz klaren Stempel auf. Das Popcorn- und Blockbusterkino der Neuzeit (sagen wir mal seit „Der weiße Hai“ 1975) hatte eine solche Herangehensweise noch nicht erlebt. Insbesondere die große Welle der Superhelden-Comicverfilmungen (also spätestens seit „X-Men“ 2000) lebte vom Fantastischen, von großen Effekten, bunten Kostümen, übermenschlichen Fähigkeiten und einer mindestens globalen, wenn nicht gar intergalaktischen Bedrohung. Dem traten Warner und Nolan mit einer gänzlich anderen Herangehensweise entgegen, die man auch als „Blockbuster Realismus“ bezeichnen könnte. Batman, als Held ohne Mutationen und körperliche Extrem-Fähigkeiten, grenzt sich schon von Natur aus von Kollegen wie den X-Men oder Superman ab. Doch vorbei auch Tim Burtons dunkler Gothic Chic, vorbei das grellbunte Komik-Kuriosum von Joel Schumacher. Ursprünglich hatten die Warners eine Verfilmung von Frank Millers Comic „The Dark Knight Returns“ ins Auge gefasst, dem vielleicht größten Meilenstein der Publikationshistorie Batmans. Doch nicht mal berühmte Vorlagen wollte man schlussendlich nutzen. Dass Bruce Wayne in der Vision Christopher Nolans mit Ninjas im Hochgebirge trainiert und ein paar elektronische Spielzeuge besitzt, die selbst James Bond vor Neid erblassen ließen, sind schon die wildesten Ausflüge in den Bereich des Fantastischen. Vielleicht zusammen mit der medizinisch etwas überstrapazierten Glaubwürdigkeit von Harvey Dents Gesichtsverletzung. So ist der Joker ein nur leicht verunstalteter Anarcho-Terrorist und Gotham City Central sieht aus wie Chicago. Selbst eine Figur wie Scarecrow drückte Nolan „down to earth“ und beschränkte sich auf ein paar noch sehr kontrollierte Angstvisionen als Reaktion auf die psychoaktiven Halluzinogene des Schurken. 

So wird es auch Bane und Catwoman in „The Dark Knight Rises“ gehen. Michelle Pfeiffers Catwoman aus „Batman Returns“ war zwar nicht gerade der Archetypus einer unrealistischen bzw. übersinnlichen Figur, aber als psychisch lädierte Tante mit Katzenfimmel in Lack und Leder traf sie einen Ton, der für nicht wenige wohl „typisch Comic“ war. Vom dämlichen Katzen-Hokuspokus im grausig schlechten Einzelfilm mit Halle Berry ganz zu schweigen. Wenn Anne Hathaway in den schwarzen Catsuit steigt ist sie eine normal sterbliche Diebin, die sich, wie viele Diebe, wahrscheinlich mit Katzen vergleicht, ansonsten aber höchstens überdurchschnittlich gelenkig ist. Selbst die Katzenohren werden wohl nur durch eine technisch hochgerüstete Schutzbrille angedeutet, wenn man Bildern vom Set glauben darf. Und Bane, der durch ein Serum zum hochintelligenten Kampfkoloss hochgezüchtete Superschurke mit der mexikanischen Wrestler-Maske? Nolan hat seine Version visuell so sehr gefestigt, dass selbst ein Schurke mit einer Wrestler-Maske schon Gefahr läuft, die Homogenität zu unterlaufen. So muss Tom Hardy in der Rolle nur mit einer skelettartigen Gas-Maske vorlieb nehmen, um den fragilen Blockbuster Realismus nicht zu gefährden. Und so sehr man sich vielleicht nach Schurken wie Knet-Monster Clayface, nach Killer Croc, Poison Ivy, oder Man-Bat sehnt, so sehr muss man Nolan und Warner auch für die (größtenteils durchgehende) Homogenität dieser Comic-Welt dankbar sein.

Was Warner mit „Batman Begins“ in Angriff nahm, war ein reinrassiger Reboot. Ein Neustart, der heute mehr denn je das etablierte Mittel ist, beliebten Figuren nach einem wenig erfolgreichen Film-Versuch eine neue Chance beim Publikum zu bieten. Ein Neustart ist heute mehr denn je verhasst und wurde als Euphemismus für „Remake“ zum Ausdruck für die Ideenlosigkeit der großen US-Studios, die etablierte Figuren einfach immer wieder neu auf die Welt loslassen, statt in neue Ideen zu investieren. So hatte z.B. der Spider-Man Neustart von Beginn an mit großem Gegenwind zu kämpfen und wird es nicht zuletzt deswegen schwer haben, sich im Comic-Sommer gegen die Avengers und eben „The Dark Knight Rises“ durchzusetzen. Es ist natürlich immer eine Frage, wie es vor dem Reboot um die Figur bestellt war. Nach den Schumacher-Batmans konnte es nur besser werden. Bei Spidey sah das anders aus. Trotz des bei Fans und Kritik größtenteils vernichtend aufgenommenem „Spider-Man 3“ waren die Filme von Sam Raimi generell beliebt. Auch dort hatte man über drei Filme hinweg eine mehr oder weniger kohärente Welt geschaffen, die nun als kopfloser Torso verbleibt. Die ersten beiden gelungenen Filme bleiben natürlich erhalten und irgendwo turnt Tobey Maguire noch im rot-blauen Anzug durch ein aus Fan-Träumen gesteuertes Mikro-versum, doch als Filmreihe sind es drei zusammenhängende, aber relativ eigenständig funktionierende Episoden einer größeren Serie, die nie ihr tatsächliches Ende erhalten werden. Wie eine TV-Serie, die ein, zwei erfolgreiche Staffeln hat, in der erfolglosen dritten Staffel aber abgebrochen wird, ohne Handlung und Figuren wirklich zu einem klaren Endpunkt zu führen. Das ist schon schade, doch was Chris Nolan bisher in zwei Filmen mit Batman machte, geht über das grell-bunte Spektakelkino eines Sam Raimi noch hinaus. 

Nicht nur durch Figuren wie Gary Oldmans Gordon, wie Rachel Dawes (trotz Umbesetzung) oder Harvey Dent, nicht nur durch den Handlungsstrang mit Ra’s al Ghul, der – wie man hört – in irgendeiner Form auch in „The Dark Knight Rises“ seine Finger im Spiel hat, ist Nolans Batman-Saga ein Meilenstein im narrativen und künstlerischen Umgang mit einer Comic-Figur. Die Gesamtentwicklung der Bruce Wayne/Batman Persona ist der Kern des Films. Der Kampf gegen die Angst, gegen die Katastrophe mit seinen Eltern, die Entstehung Batmans aus der Angst, der Umgang mit Geld, Macht und Verantwortung, Bruces Rolle im Sozialleben und Batmans Rolle in Gotham – all das sind Charakterdetails, von denen Tobey Maguires Peter Parker nur träumen konnte. Bei „Spider-Man“ sind die Geschehnisse rund um Onkel Bens Tod, Peters Verwandlung und die Beziehung zu Mary Jane Katalysatoren für Größeres und wurden von Raimi – wenn wir mal ehrlich sind – eigentlich nur als Elemente der Dramatisierung genutzt, im Dienste dessen, was im Vordergrund stand: Spidey knüppelt urige Gegner nieder. Diese hatten als ehemalige Mentoren oder Weggefährten zwar durchaus auch Relevanz für Peter (die Filme sind ja nicht nur Oberfläche), doch verglichen mit Ra’s al Ghul und dem Joker geht Doc Ock und Co. schnell die Luft aus. Die zerstörerische Kausalitätsfrage des Jokers ist bis heute einer der größten Kniffe der Comic-Film Geschichte. Ohne Batman kein Joker. Sie bedingen sich gegenseitig. Um das aber klar zu stellen: Nicht jeder Comic-Film muss seinen Spektakel-Faktor runter schrauben, um Hauptfigur, Schurken und Nebenpersonal so genau und ansprechend zu beleuchten, wie Christopher Nolan das bisher überwiegend gemacht hat. Obwohl es einigen Filmen sicherlich gut getan hätte. Doch da „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ nun mal zu den intelligenteren Genrevertretern gehören, da Nolan sich selbst diesen Anspruch auferlegt hat, muss er ihn auch zu einem würdigen Ende führen.

Nolan selbst hat es schon gesagt: Nach diesem dritten Film ist für ihn Schluss. Es sähe einem kreativen Filmemacher wie ihm auch nicht ähnlich, sich übermäßig lange den Fortsetzungen einer Filmreihe zu widmen. Batman hat von ihm profitiert und umgekehrt, doch einem kreativen Kopf wie Nolan sollte zugestanden werden, mehr als einfach nur drei Teile einer endlosen Reihe Batman-Filme gedreht zu haben. Für ihn müssen diese drei Filme als Ganzes betrachtet werden. Wenn Nolan wegfällt, muss seine Geschichte beendet sein. Auch Christian Bale hat angedeutet, nur ungern ohne Nolan zur Rolle zurückzukehren. Sam Raimi wurde von den Sony-Chefs abgesägt, und selbst die X-Men wurden nach zwei Filmen von Bryan Singer verlassen (der vergeblich versuchte Superman einen retrofizierten Neuanstrich zu verpassen) und werden aktuell mit einer undurchschaubaren Mischung aus Fortsetzungen, Spin-Offs und Prequel-/Reboot-Hybriden am Leben gehalten. Die Figuren sind zu wertvoll, frühe Erfolge zu kostbar, als dass man so leicht sämtliche Verbindungen kappen könnte. Die Studiobosse sind gierig (bzw. vorsichtig, immerhin geht es um viel Geld) und so lange ein Film nicht total abschmiert oder in der Welt des Films alles zappenduster ist, lässt sich mit findigen Autoren immer ein Weg finden, ein weiteres Abenteuer hervor zu quetschen. Es ist enorm selten, dass ein Filmemacher nicht nur seinen Ausstieg aus einer Reihe verkündet, sondern dabei auch plant, die von ihm gestaltete Welt enden zu lassen, die wichtigsten Figuren charakterlich an einen für die Zuschauer relevanten Endpunkt zu führen. Die finale Staffel des dunklen Ritters. Dass Nolans Batman-Filme in ihrer durchdachten und intelligenten Umsetzung umso mehr verdienen, als komplett verschnürtes Gesamtpaket zu enden, macht diesen Wunsch nur umso dringlicher. 

Eine Reihe muss nicht immer mit dem Tod des Helden enden, doch es ist kaum vorstellbar, dass „The Dark Knight Rises“ auf einer komplett heroischen Note endet, mit Batman im goldbraunen Moment des Sonnenuntergangs hoch oben auf dem Dach eines Wolkenkratzers, das Cape wehend im Wind, die Straßen Gothams unter ihm, bereit für neue Abenteuer, in seiner Rolle als „Held den Gotham braucht“ gefestigt. Bereit für neue Abenteuer heißt dann nämlich, dass es ziemlich sicher neue Abenteuer geben wird. Zur Not auch unter der Regie von einem Kerl wie Jonathan Liebesman als Regisseur, der vielleicht jemanden wie Losts Matthew Fox in den Fledermaus-Anzug zwingt. Nur mal so als Beispiel. Es wird mit absoluter Sicherheit noch viele weitere Batman Filme geben, vielleicht auch in dieser Kombination (wahrscheinlich nicht), aber doch bitte nicht in Relation zu all dem, was in Nolans Filmen bisher geschehen ist. Dafür ist der Blockbuster Realismus auf Dauer auch zu beengt und eingeschränkt, im Batman-Kontext vielleicht jetzt schon abgenutzt, als dass er unendlich viele Abenteuer mit bekannten Batman-Schurken hervorbringen könnte. Zum Glück scheinen Nolan und Warner darin einig. Der erste Teaser zu TDKR machte keinen Hehl daraus, dass der Film der letzte seiner Reihe ist. „Every hero has a journey“ heißt es da zu Beginn, kombiniert mit Bildern aus „Batman Begins“. Die Heldenreise ist als Motiv seit der Antike bekannt, oder spätestens seit Joseph Campbell uns das nochmal verklickert hat. Und obwohl sicherlich zwischen Batman und Bruce unterschieden werden sollte, ist der eigentliche Held Bruce. Es ist sein Körper, er trifft die Entscheidung Batman zu werden, er ist der Ursprung. „Every journey has an end“ heißt es danach. Der Weg ist beschritten, die Richtung ist klar. Es geht aufs Ende zu. „The epic conclusion to the Dark Knight legend“ betont der Teaser zum Ende nochmal für alle, die es bisher verpasst haben. Aber Moment! Was steht da? Legend. Ist der Legendenstatus nicht ein Titel, der in neun von zehn Fällen erst zum Tragen kommt, wenn die Hauptbeteiligten (in der Regel in relativ jungen Jahren) gestorben sind? Selbst die Poster zum Film zeigen einen Bane, der einer zerbrochenen Batman-Maske den Rücken zuwendet. „The Dark Knight Rises“ zeigt uns das Ende des Nolan-/Bale-Batmans. Und es ist einfach weniger wirkungsvoll, intensiv und endgültig, Bruce und Batman am Ende von TDKR überleben zu lassen, um danach den erneuten Reboot zu wagen. So deutet dann auch die gesamte Bruce/Batman Entwicklung der Nolan-Filme bisher auf ein klares Ziel hin: Dem Ende, der Auslöschung der Batman-Persona.

Kein Superheld der letzten Jahre (vom meisterhaft entwickelten Personen-Ensemble in „Watchmen“ mal abgesehen) wurde derart von eigenen Schwächen angetrieben und setzte sich derart intensiv mit sich selbst und seiner eigenen Notwendigkeit auseinander. Batman ist ein Produkt aus Bruces Wut und Angst. Er steht im Konflikt mit dieser Figur. Entweder er findet einen Weg, sich zu einigen, oder er muss sich von Batman befreien. Eine Sehnsucht, die Bruce in „The Dark Knight“ schon durch White Knight Harvey Dent kurzzeitig erfüllt sah. TDKR spielt mehrere Jahre (angeblich acht) nach den Ereignissen von „The Dark Knight“, nach dem Ende des Jokers und den Vorfällen mit Harvey Dent. Batman opferte sich, um das Ansehen Dents zu wahren, den als White Knight beschriebenen Helden, den Gotham noch eher braucht als die Fledermaus. Und wer glaubt, Batmans Tod durch den implizierten Aufstieg im Titel (wir wollen „rises“ mal nicht zu religiös interpretieren) ausschließen zu können, sollte sich den Teaser vielleicht ein weiteres Mal anhören. Ein bettlägeriger Gordon spricht davon, dass Batman zurückkommen muss. Sie seien zusammen in dieser Sache und müssten sich dem neuen Bösen stellen, es aufhalten. „Now this evil rises“, sagt Gordon und setzt damit das Böse in Analogie zum dunklen Ritter. Wenn das Böse sich erhebt, muss sich auch Batman erheben. Und wenn wir mal davon ausgehen, dass der Film nicht mit der Welt in Flammen und dem triumphierenden Bösen enden wird, ist klar, wohin diese Verbindung zwischen Held und Schurke führt. Es wurde schon in „The Dark Knight“ thematisiert und drängte Batman scheinbar in eine Art Exil, in eine Pause vom Batman-Dasein, ein Versuch, sich davon zu befreien. Wenn das Böse nun besiegt werden soll, wenn es untergeht, ist dank dieser sicherlich nicht zufällig gewählten Begriffsanalogie (auf „rise“ folgt nun mal „fall“) klar, wohin die Reise des Helden führt. 

Wirklich, was haben wir denn bisher an Informationen? Der Teaser, sowie Aussagen von Nolan und Bale machen vollkommen klar, dass die Reise für den Bale-Batman mit diesem neuen Film ein Ende nimmt. Das heißt kein „bereit für neue Abenteuer“ Moment hoch oben auf den Dächern von Gotham City. Und wäre ein Karriereende Batmans wirklich eine gelungene Alternative? Sonst kramt man bei Warner doch irgendwann wieder „The Dark Knight Returns“ raus. Die Befreiung Bruce Waynes von Batman ist keine einfache Sache. Ist es nicht antiklimatisch, den Helden mehr oder weniger unversehrt das Cape an den Nagel hängen zu lassen, um ein mehr oder weniger normales Leben als Milliardär, oder als ganz normaler Niemand irgendwo im hintersten Winkel der Welt zu führen? Denn genau das scheint ja zwischen „The Dark Knight“ und „Rises“ zu passieren. Batman war weg, beklagt Gordon, und Bruce ist sich (siehe Teaser) nicht sicher, ob es ihn noch gibt. Er ist nach all den Erlebnissen, mit den Eltern, mit Rachel, mit dem Joker und Harvey, nicht in der emotionalen Verfassung, noch einmal der strahlende Held zu werden, der er eh nie war. Bruce nahm sich seine Auszeit, nein, Bruce wähnte sich im Batman-Karriereende und muss nun ein vermeintlich letztes Mal zurückkehren. Das „Rise“ Motiv. Wenn er einmal wiedergekommen ist, kann er auch ein weiteres Mal zurückkehren und noch mal und noch mal. Dieser Möglichkeit dürfte sich Christopher Nolan nur zu bewusst sein, geht es doch beim inneren Dualismus in Bruce genau darum. Um diese Möglichkeit auszumerzen, muss man schon zu extremeren Mitteln greifen. Und zum Tod gibt es nur eine Alternative: Bane. Der große Hüne ist den Comiclesern in erster Linie bekannt, weil er es in einer der populärsten Geschichten (Passenderweise „Knightfall“ betitelt. Wie war das noch? Auf „rise“ folgt „fall“…) vollbrachte, dem dunklen Ritter das Rückgrat zu brechen. Im Trailer zum Film sagt Bane nun: "When Gotham is Ashes, you have my permission to die." Ein querschnittsgelähmter Bruce Wayne sähe sich auch irgendwie gezwungen, Batman zu begraben. Befänden wir uns noch in den Schumacher Filmen, wir wären wahrscheinlich nicht überrascht wenn Bruce sich einen durch Gedankenkraft steuerbaren Bat-Roboter bzw. Robo-Anzug bauen lässt, mit dem er wieder auf Tour gehen kann. Nolan wird so etwas nicht passieren. Dafür ist er, wie gesagt, viel zu sehr an Bruce/Batman als innerlich zerrissenen Charakter interessiert und nicht an Batman als Held und Krieger gegen diverse Schurken.

Bruce hat noch nicht seinen Frieden gefunden. Nicht mit sich selbst und nicht mit der Welt. Er hat seine Position in der Welt und in der Gesellschaft noch nicht gefestigt, er kann sie nicht genau definieren. Er hielt Rachel (an deren Worte am Ende von „Batman Begins“ wir uns erinnern sollten, als sie Bruces verdrehte Maskerade kommentierte) für eine Möglichkeit, irgendwo zu sich und zur Außenwelt zu finden. Dies blieb ihm aus diversen Gründen verwehrt. Nicht nur sein Dasein als Batman, sein Wesen als Milliardär und andere Interessen seitens Rachel standen ihm im Weg, sondern auch, letztendlich, Rachel Tods. So erinnert Catwoman Bruce im Trailer zu TDKR mit provozierend-drohendem Unterton daran, dass er niemals ein ganz normaler Bürger Gothams sein wird. Und wenn man in der winzig kleinen Szene mit Marion Cotillard etwas sehen will, dann dass sie mit dem Maskenspiel Bruces eigenes Charadespiel (ob bewusst oder unbewusst) aufgreift und kommentiert. Er muss Bruce und Batman vereinen, um ihre Notwendigkeit zu entschlüsseln, denn wie es scheint kann die eine Seite nicht ohne die andere existieren. Eine Befreiung ist ausgeschlossen. Und was für ein Ende wäre es, einen gelähmten Bruce zu zeigen, seiner Batman-Persona beraubt, statt sie selbst beendet zu haben, besiegt und gedemütigt, am Ende seiner Reise. Christopher Nolan ist ein kreativer und origineller Filmemacher, aber weder wäre er so kaltschnäuzig, noch scheint er derart pessimistisch zu sein. Der finale Film wird wohl kaum mit dem emotionalen Ground Zero seines Helden enden. Vielmehr hat das „Rises“ im Titel sehr wohl eine Bedeutung für das Ende. Im Vorgänger bewies man Mut, einen Batman Film ohne „Batman“ im Titel auf die Massen loszulassen. Doch dahinter steckt eventuell auch Methode. Häufig wurde gerätselt, ob hinter der Bezeichnung „dunkler Ritter“ nicht doch Harvey Dent, nicht doch der Joker, Ra’s al Ghul oder nun Bane stecken. Letztendlich ist die Frage aber doch nur: Ist es Bruce oder ist es Batman? Und die Antwort ist, nach all den bisherigen Überlegungen: Beide. Und so beschreibt das „Rises“ natürlich auch die Rückkehr des dunklen Ritters, nach den Geschehnissen am Ende von Teil 2, deutet aber doch auch auf das große Ende hin. 

Die Kulmination von Bruce Wayne und Batman in einer unsterblichen Idee, in dem Symbol des Dark Knight. Bruce und Batman, die beide ihren Sinn, ihre Notwendigkeit und ihre Persönlichkeit finden, sie akzeptieren und wertschätzen, die einen Weg finden, gemeinsamen zu existieren. Und wann kann ein solcher Charakterdualismus besser beendet werden, wann können diese zwei Seiten des janusköpfigen dunklen Ritters besser miteinander verschmelzen, als im Tod, in dem Moment, wo beide (wahrscheinlich als finale Rettungstat) im selben Körper ihr Ende finden? Bruce kann sich nicht von Batman befreien, weil er sich längst untrennbar in ihm verloren hat. Nach dem Tod bleibt das persönliche Andenken an Bruce Wayne, ebenso wie die unsterbliche Idee eines Batman (wir erinnern uns daran, was Leo DiCaprio in „Inception“ zum Thema ‚Idee‘ zu sagen hatte), die dafür sorgt, dass sich auch weiterhin jemand dem Bösen in den Weg stellt. Für irgendwas muss die normale Polizei ja auch gut sein.

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