Story:
Die Ehe Kramer wird geschieden, als Joanna ihren Mann und ihren kleinen Sohn
verlässt. Arbeitsmensch Ted muss nun lernen, sich um seinen Sohn zu kümmern,
einen Haushalt zu führen und weiterhin Geld zu verdienen, bis er einige Zeit
später vor Gericht um das Sorgerecht kämpfen muss.
regie :
robert benton
cast :
dustin hoffman, meryl streep, justin henry
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Das 5-fach Oscarprämierte Scheidungsdrama
ist ein Klassiker und was nach Taschentüchern und Rührseligkeit klingt, ist
wunderbar zu Herzen gehendes Kino mit tollen Darstellern. Mit fabelhaften
Darstellern. Dustin Hoffman ist energisch, wirkt oberflächlich, ist dann aber
ein bemühter, ein liebender und ein sorgender, verletzlicher Vater, wenn es
später ums Sorgerecht geht. Meryl Streep ist gewohnt eisig. Das ist nicht
abwertend gemeint, sondern ihre Joanna ist eingeschüchtert, unsicher, später
dann leidend und Streep verkörpert dies einfach fantastisch. Und sogar der
7-Jährige Billy wird von einem enorm talentierten Kinderdarsteller gespielt.
Die Einführung zeigt schon, dass hier Realismus und Psychologisches vor
unnötiger Dramatisierung steht, wenn Streep ihre Koffer packt und im Fahrstuhl
verschwindet. Zunächst wollen wir und Hoffman nicht glauben, dass sie
tatsächlich gehen wird, aber wir ahnen es. Immerhin ist es ein Film und es ist –
allem Realismus zum Trotz – ein US-Melodram das berühren möchte. Und das tut es.
Nicht immer wird das Maximum herausgeholt und manches Mal wird es dann doch
klebrig, doch der leise Humor wechselt sich durchaus geschickt mit dem
Dramatischen, Sentimentalen ab. Und es passt. Kleinere Szenen, seien es
Kochversuche, Spiele oder Gespräche, gehen immer wieder zu Herzen und wirken
dabei trotz vermeintlicher Konstruktion durchaus intensiv.
Die Figuren sind wunderbar gezeichnet. Sogar Joanna, die eine ganze Weile
untertaucht. Teds freundschaftliche Beziehung mit der Nachbarin offenbart ganz
subtil deren Leben, Teds Kampf um einen Job macht Spaß und überträgt das
Erfolgsgefühl auf den Zuschauer, und wie er die die Konsequenzen des
intensiveren Vaterseins wahrnimmt, das Leben mit seinem Sohn, lässt ihn
realisieren, was seine Frau zuvor leisten musste. Seine selbstanklagende
Einsicht im Gerichtssaal ist wirklich schmerzend, will aber natürlich auch auf
die Tränendrüse drücken.
Joannas neuerliches Auftauchen empfinden wir als störend, wir möchten sie hassen
und sehen Ted als richtige Erziehungsperson für den Sohn. Doch wir können sie
kaum wirklich hassen. Die große Meryl-Streep-Show, die zerbrechlich und leidend
den Gerichtssaal einnimmt, nimmt auch uns gefangen. Und dann endet der Film ganz
geschickt, zwischen Heulen und Lachen und Hoffnung. Die Parallelität von Anfang
und Ende (Frühstück, arme Ritter, Fahrstuhl) ist ein grandioser Einfall und sagt
so viel über die Figuren und was die vergangenen 18 Monate passiert ist.
Fazit:
Ein erstklassiges
Melodram das natürlich sentimental ist, oft genug aber auch erstaunlich nüchtern
und realistisch erscheint und die Warmherzigkeit nicht vergisst. Grandiose
Darsteller und ein gutes Drehbuch mit tollen Figuren machen den Film zur
Pflichtveranstaltung für Dramen-Fans.
8 / 10
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