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Kritik:
Kramer vs Kramer


von Christian Westhus

Kramer vs Kramer
(1976)
Regie: Robert Benton
Darsteller: Dustin Hoffman, Meryl Streep

Story:
Die Ehe Kramer wird geschieden, als Joanna ihren Mann und ihren kleinen Sohn verlässt. Arbeitsmensch Ted muss nun lernen, sich um seinen Sohn zu kümmern, einen Haushalt zu führen und weiterhin Geld zu verdienen, bis er einige Zeit später vor Gericht um das Sorgerecht kämpfen muss.

Kritik:
Das 5-fach Oscarprämierte Scheidungsdrama ist ein Klassiker und was nach Taschentüchern und Rührseligkeit klingt, ist wunderbar zu Herzen gehendes Kino mit tollen Darstellern. Mit fabelhaften Darstellern. Dustin Hoffman ist energisch, wirkt oberflächlich, ist dann aber ein bemühter, ein liebender und ein sorgender, verletzlicher Vater, wenn es später ums Sorgerecht geht. Meryl Streep ist gewohnt eisig. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern ihre Joanna ist eingeschüchtert, unsicher, später dann leidend und Streep verkörpert dies einfach fantastisch. Und sogar der 7-Jährige Billy wird von einem enorm talentierten Kinderdarsteller gespielt.

Die Einführung zeigt schon, dass hier Realismus und Psychologisches vor unnötiger Dramatisierung steht, wenn Streep ihre Koffer packt und im Fahrstuhl verschwindet. Zunächst wollen wir und Hoffman nicht glauben, dass sie tatsächlich gehen wird, aber wir ahnen es. Immerhin ist es ein Film und es ist – allem Realismus zum Trotz – ein US-Melodram das berühren möchte. Und das tut es. Nicht immer wird das Maximum herausgeholt und manches Mal wird es dann doch klebrig, doch der leise Humor wechselt sich durchaus geschickt mit dem Dramatischen, Sentimentalen ab. Und es passt. Kleinere Szenen, seien es Kochversuche, Spiele oder Gespräche, gehen immer wieder zu Herzen und wirken dabei trotz vermeintlicher Konstruktion durchaus intensiv.

Die Figuren sind wunderbar gezeichnet. Sogar Joanna, die eine ganze Weile untertaucht. Teds freundschaftliche Beziehung mit der Nachbarin offenbart ganz subtil deren Leben, Teds Kampf um einen Job macht Spaß und überträgt das Erfolgsgefühl auf den Zuschauer, und wie er die die Konsequenzen des intensiveren Vaterseins wahrnimmt, das Leben mit seinem Sohn, lässt ihn realisieren, was seine Frau zuvor leisten musste. Seine selbstanklagende Einsicht im Gerichtssaal ist wirklich schmerzend, will aber natürlich auch auf die Tränendrüse drücken.

Joannas neuerliches Auftauchen empfinden wir als störend, wir möchten sie hassen und sehen Ted als richtige Erziehungsperson für den Sohn. Doch wir können sie kaum wirklich hassen. Die große Meryl-Streep-Show, die zerbrechlich und leidend den Gerichtssaal einnimmt, nimmt auch uns gefangen. Und dann endet der Film ganz geschickt, zwischen Heulen und Lachen und Hoffnung. Die Parallelität von Anfang und Ende (Frühstück, arme Ritter, Fahrstuhl) ist ein grandioser Einfall und sagt so viel über die Figuren und was die vergangenen 18 Monate passiert ist.

Fazit:
Ein erstklassiges Melodram das natürlich sentimental ist, oft genug aber auch erstaunlich nüchtern und realistisch erscheint und die Warmherzigkeit nicht vergisst. Grandiose Darsteller und ein gutes Drehbuch mit tollen Figuren machen den Film zur Pflichtveranstaltung für Dramen-Fans.

8 / 10

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