BG Kritik:

12 Years a Slave


von Michael Herbst

12 Years a Slave (USA, 2014)
Regisseur: Steve McQueen
Cast: Chiwetel Eijofor, Michael Fassbender, Brad Pitt

Story:
Die Staaten im Jahr 1841. Sklaverei ist noch präsent, jedoch gibt es bereits Landesteile, in denen Schwarze frei leben können. Der Geiger Solomon Northup (Eijofor) führt ein solches Leben mit seiner Familie, bis er eines Tages von Menschenhändlern entführt wird. In Ketten gelegt, seiner Kleidung und seines Namens beraubt, bringt man ihn in den tiefen Süden, wo er als Plantagenarbeiter arbeiten muss...



In seinem Debüt Hunger verfilmte Steve McQueen den tödlichen Hungerstreik eines IRA-Aktivisten. In tabulosen Bildern zeichnete er die dafür aufgebrachte Qual in aller Härte, was ihm einen Achtungserfolg einbrachte. Mit seinem zweiten, sehr anders ausfallendem Film Shame beschien er dann ein persönlicheres Thema: zerstörerische Sexsucht. 12 Years a Slave vereint beide Ansätze zu einer sehr persönlichen Geschichte, die aber gleichermaßen stellvertretend für ein ganzes Menschheitskapitel steht. Der neue Schindler's Liste? Viele Kollegen sehen ihn bereits als Film des Jahres.

Der Film ist für 9 Oscars nominiert


12 Years a Slave ist McQueens wahrscheinlich kommerziellster Film. Da man sich weder in einen sich zum Hungertod freiwillig entscheidenden Aktivisten, noch in einen tragischen Sexsüchtigen hineinversetzen kann, steht man schnell auf Northups Seite. Ein Unschuldiger, zudem sympathischer, bescheidener Mann, der gegen seinen Willen in Sklaverei gebracht wird. Zunächst hofft dieser noch auf ein Dokument-Irrtum, indem er seinen Käufern gegenüber beteuert, dass er ein freier Mann sei und man doch nur die Papiere in Washington prüfen müsse.

Mit fortlaufender Zeit erkennt er dann aber, dass einem gewissen Schlag Menschen egal ist, was er sagt oder will. Tief im Hinterland gilt ein anderes Gewissen und so erhält Northup bei mehreren Besitzern Einblicke ins Sklaventum. Paul Giamatti gibt einen herzlosen Geschäftsmann, der Northup einen neuen Namen verpasst und ihn wie Ware weiterverkauft. Benedict Cumberbatch ist ein strenger, aber halbwegs harmloser Plantagenbesitzer, der aber oft nicht da ist. In seiner Abwesenheit regiert ein junger Vorseher gespielt von Paul Dano, der sich brutal an ihm und anderen auslässt. Solomon setzt sich zu Wehr, lernt allerdings dadurch, dass er in dieser Welt nichts mehr zu melden hat und nur auf seltene Hilfe hoffen kann, wenn er als lebender Arbeiter mehr Wert hat als eine Leiche.

Basiert auf den Notizen des echten Solomon Northup


Weiterverkauft an Michael Fassbender, trifft Solomon auf einen Psychopathen. Diesem Plantagenbesitzer geht es kaum mehr ums Geld, er sieht sich als von Gott auserwählter Tyrann. Northup erlebt gewalttätige Übergriffe und Strafen, Vergewaltigungen und wird selbst Opfer der Ausschreitungen des Plantagenbesitzers und seiner nicht minder gefährlichen Frau.

Chiwetel Eijofor bewegt in seiner schwierigen Rolle, der über all die Jahre versucht seinen Glaube daran, seine Familie noch einmal wiedersehen zu dürfen, am Leben zu halten. Die gezeigten Strafen sind grausam, ganz besonders eine unerträglich lang gezeigte Sequenz, in der man ihn hängt, doch mit fortlaufender Zeit schwant einem eine leidige andere Erkenntnis. Northup ist ein trotz der Lage gefasster Mann, der vieles schweigend erträgt, kaum Fluchtversuche unternimmt und lange, sogar Jahre braucht, um als Mensch gebrochen zu werden. Am emotionalsten wird Northups Geschichte aber, wenn er die Leiden einer jüngeren Sklavin gespielt von Lupita Nyong'o erfährt. Weniger gefestigt, sehen wir die schlimmsten Gräueltaten bei ihr und müssen daher annehmen, dass ihre Geschichte ergreifender noch gewesen wäre als Northups.

Michael Fassbender, sehr mitreißend in den beiden anderen McQueens, spielt seinen Sklavenhalter intensiv, aber einseitig. Gerade weil der Film über 10 Jahre markiert, gelingt es nicht, ihn als mehr als nur gewalttätigen Schläger zu zeichnen, der bei jeder Chance zur Gerte greift. Schwächen finden sich inhaltlich auch im letzten Drittel. Es gibt eine Sequenz, die man kaum in einem McQueen glauben mag, eher Lee Daniels zutraut. Brad Pitt, der auch Producer ist, erscheint in einer kleinen Nebenrolle als einziger weißer Gutmensch, der Northup zuhört und auch aus eigener Vernunft heraus Sklaverei für unmenschlich hält. Ein schroffer, unnötiger Fingerzeig, der hier umso mehr auffällt, ist es ausgerechnet Weltstar Pitt in der Rolle des Samariters, der als einer der Producer bei einem Best Picture Gewinn, auf den das ganze von Anfang an abzuzielen schien, den Goldjungen in der Hand hätte.

McQueens feine Handschrift erscheint demnach weniger autoritär, und auch der große Hans Zimmer bleibt bequem. Ganze Stücke wirken wiederverwertet. 12 Years a Slave kann zu den diesjährigen Oscar-Gewinnern gehören. In Angesicht des Films lässt sich jedoch leider anzweifeln, ob der Status, den er jetzt schon hat, über die nächsten Dekaden aufrecht erhalten werden wird. Es ist ein guter Film, aber ein offenbar beeinflusster, der in 12 Jahren an Relevanz verloren haben wird.

Fazit:

Teilweise ergreifendes Drama mit unnötigen Schwächen im letzten Akt. Dass sich Steve McQueen die Aufmerksamkeit Brad Pitts erarbeiten konnte ist der Lohn der Mühen, doch mit seinem neuen Film darf sich McQueen fast Sellout nennen. Fast.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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