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KRITIK:
1 NIGHT IN PARIS
1 NIGHT IN PARIS (2001)
Regie: Rick Salomon
Cast: Rick Salomon, Paris Hilton
Story:
Gelegenheits-Regisseur Rick (Rick Salomon)
präsentiert einem fiktiven Publikum sein neues Werk.
Ausgangspunkt ist die libidinöse Bindung zweier von
Trieberfüllung gesteuerter Individuen: Rick
(ebenfalls Rick Salomon) und Paris (Paris Hilton).
Ihrer gegenseitigen Sexualpräferenz entsprechend
finden sich diese beiden, aus unterschiedlichen
Klassen stammenden Charaktere und beschließen den
einvernehmlichen Beischlaf als Folge ihrer
gegenseitigen Attraktion. Salomon kommentiert
seine künstlerische Arbeit in Unterbrechungen…
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Salomon war später mit Pamela Anderson
verheiratet;
Anderson veröffentlichte 1998 ein eigenes Sextape |
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Kritik:
Immer häufiger findet das Element des fiktiven
Dokumentarfilms Verwendung in modernen Spielfilmen.
Zuletzt genutzt in „Cloverfield“, „Rec“, „Behind the
Mask: The Rise of Leslie Vernon“, „JCVD“ und „Paranormal
Activity“, bedienen sich kreative Filmemacher gern
dem Eindruck fälschlich echter Szenen im
Dokumentationsgewand. Als Stilmittel sollen diese
das ansonsten als fiktiv empfundene übrige
Filmgeschehen intensivieren. Der cineastische Rahmen
einer Dokumentation versprüht Wert, Momentaufnahme,
spielt gleichzeitig mit der grundlegenden Idee des
Voyeurismus, des Gaffens, des persönlichen
Erfahrens einer außergewöhnlichen Situation.
Fesselt, schafft Mittendrin-Gefühl. Die Idee der
pseudodokumentarischen Darstellung reeller Szenarien
ist nicht neu (Vorreiter: „Cannibal Holocaust“,
1980), wurde 2004 jedoch einmal in einem besonderen
Rahmen genutzt.
“1 Night in Paris" alias "The Paris Hilton Sextape“
ist ein sozialkritisches, niedrig budgetiertes
Independent-Drama, welches sich zunächst als
scheinbar sinnlose Substanzlosigkeit empfindet,
diese jedoch gezielt zu penetrieren versucht und mit
Hilfe tiefer gehender Bewegungen als provokante
Depravationskritik zu glänzen versucht. Mit Erfolg?
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Salomon spielte aufgrund seines
Schauspieltalents in
ALPHA DOG und BEIM LEBEN MEINER SCHWESTER mit |
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Der Film als verschachteltes Erlebnis. Der
Handlungsstrang des Film-im-Films bedarf nahezu
keiner Interpretationsdarstellung. Ekstatische
Liebschaft erregter nackter Liebender, Resultat:
audiovisuell eingefangene, kurzzeitig frivole
Dekadenz. Prinzipiell finden sich interessante
Elemente im direkten Gefecht, Geflecht der
Geschlechter: der königliche Name Salomon (von König
Salomon) steht im Verbund mit dem Vornamen Rick,
Richard. Typische Abkürzung Dick (ugspr.: Penis).
Ein königliches Gemächt, sich in Narzissmus wiegend
(Rick lobt sich selbst mehrfach als außergewöhnlich)
als sexueller Eroberer höheren Standes? Paris indes
führt auf jene griechische Mythenfigur zurück, die
den stolzen Achilles zu Fall brachte. Ein freudscher
Kampf der Titanen? Ist die Entscheidung zwischen
vaginalem und analem Geschlechtsverkehr als
salomonische Entscheidung in Richtung des Brecht
Stückes "Der kaukasische Kreidekreis" wie die der
biblischen Kindesteilung zu verstehen? Sollte es in
der Intention des Drehbuch-Autors und Regisseurs
Rick im Film zu verstehen sein, so ist es nur
schwerlich zu erkennen. Das Drehbuch bleibt flach,
die Konzentration liegt zu stark auf der
Penetration, statt der Definition einer klaren
Situation.
Salomon ist ein gestandener, aber erfolgloser Mann
von gut 40 Jahren, Hilton eine 20jährige, für
Reichtum prädestinierte Tochter eines erfolgreichen
Geschäftsmanns. Im Zuge der Tatsache, dass der
Spielfilm als unerlaubt verkauftes Kopulationsvideo
vertrieben wurde und beide Darsteller
meta-übergreifend sich selbst spielen, durchaus
potent. Schauspieler, Regisseur und Autor Rick
Salomon spielt sich als kommentierenden Regisseur
anders als als Schauspieler: als Schauspieler nackt,
selbstverliebt und wortkarg, als Filmemacher
angezogen, freimütig, aber zurückhaltender. Beide
Rollen spielt Salomon allerdings auf dem Niveau
eines durchschnittlichen Statisten in einem Rob
Schneider Streifen. Er ist nicht glaubhaft darin,
sich selbst zu spielen, ragt nicht an einen John
Malkovich in "Being John Malkovich" heran. Paris
Hilton indes agiert größtenteils passiv,
distanziert. Relativ wortlos beschränkt sie sich auf
Mund-, Hüft- und Handbewegungen, die
schauspielerisch nichts bieten. Hilton bleibt zu
distanziert, war im „House of Wax“ Remake besser
(auch in jenem wurde sie figurativ von einem
phallischen Objekt durchbohrt, da allerdings
unterhaltsamer); ist sie hier schamlos körperlich
zugänglich, ist sie charakterlich verschlossen,
leer. Die Sexualbereitschaft ihrer freundlich, aber
oberflächlich wirkenden Selbstdarstellung hat den
Nähr- Mehr- und Erotikwert einer Gartenlaube. Wer
die prickelnde Erotik eines "Basic Instinct", "Wild
Things" oder "Wilde Orchidee" erwartet, wird
enttäuscht. Die eine Nacht in Paris (ein grober
inhaltlicher Fehler: der Film spielt nichtmal in
Paris)
ist trotz Dauersex kaum anregender als "Bloodrayne"
(ein um Welten besserer Film, auch wenn Erotik darin
marginale Bedeutung hat).
Beachtlich ist die selbstlose Hingabe der Akteure.
Um die Denkanstöße Salomons’ schlechten Drehbuchs
glaubhafter darstellen zu können, entschieden sich
die beiden anfangs ehrenamtlich agierenden
Schauspieler, ihre Rollen im Film-im-Film mit voller
Selbstaufgabe zu spielen: nicht nur, dass sie
ausgiebiger Nacktheit ala „Die Träumer“ nicht
scheuen, Salomon und Hilton wagen tatsächlichen
Geschlechtsverkehr. Ein Mut, der bereits seit
Längeren im Independent-Filmgeschäft fragwürdiger
Weise Verwendung findet („Ken Park“, „Intimacy“, „9
Songs“) und primär bloß für marketingtechnisch
ertragreiche Skandalpresse gemacht wird – dass beide
Akteure wie bei „The Brown Bunny“ auch abseits des
Drehs zusammen sexuell aktiv waren, dürfte die Scheu
der schwierigen Aufnahmen allerdings maßgeblich
vereinfacht haben. Ihre Mühen bleiben
unbelohnt; "1 Night in Paris" wäre kein schlechterer
Film, wären die Liebesszenen simuliert. Die
graphische Direktheit der Geschlechtsbearbeitungen
erfüllt keinen narrativen Zweck.
Die angesprochene, interpretierbare Rivalität
unterschiedlicher Klassenkämpfe findet filmisch zu
keinem Klimax, inhaltlich zwar ja, funktionell
jedoch nicht. Ein großes Problem der Produktion ist
die verminderte Lauflänge. Mit gerade einmal 62
Minuten ist Salomons Werk zu kurz; die Bildsprache
vermag es nicht, das Fehlen größerer
Charakterisierung und Handlungsentwicklung zu
ersetzen, der plakative Sexakt wird trotz
Abwechslung schnell redundant, statt weiterer
Stellungen wären nähere Stellungsnahmen
erwünschenswert gewesen. Salomon, der im Zuge
beschränkter Budgetmittel auch noch als Kameramann
aktiv war, erweist sich auch in diesem Bereich als
merklich untalentiert. Ähnlich wie in „Paranormal
Activity“ gibt es viele steife Standaufnahmen, von
denen einige auch noch schlecht fokussiert sind.
Oftmals verbleiben Gesichter minutenlang außerhalb
des Bildes, was in manch anderer Hand nach
Kunstgriff (Gondry?), hier wie fehlende Kenntnis
wirkt. Salomon versucht sich über kleinere
Abschnitte als kreativer Visionär, filmt
Sexualpraktiken in Nachtsicht. Davon ab, dass es
inhaltlich nichts zur eigentlichen Handlung
beiträgt, erweist es nur eins: schlechtere Sicht.
Sie kaschiert zumindest kurzweilig, dass „1 Night in
Paris“ katastrophal beleuchtet ist.
Das Fehlen von Gesprächsdynamik und eines echten
Soundtracks sorgt indes für gähnende Langatmigkeit.
Die Ambivalenz der Gefühlsregungen beider Akteure
verblasst im einsilbig wirkenden Bild Trieblust
gegenseitiger rhythmisch erregender Surrogatbilder
unerreichter Fantasien.
Dass Salomon seinen Film über allem mit einem
Gedenken an die Opfer des 11. Septembers eröffnet,
verleiht dem Projekt abschließend schier absurden
Ton.
Fazit:
Trotz Aufzeigens zeitgenössischer Kulturdepravation
und selbstloser Sexualbeteiligung via ausgesuchtem
Method Acting verfehlt es „1 Night in Paris: The
Paris Hilton Sex Tape“, die figurative Verwendung
sexualkritischer Symbolik qualitativ umzusetzen.
Trotz nur geringer Produktionsmittel eine zudem
lustlos inszenierte, ausschließlich plakative
Lusterfüllungdarstellung, die nur geringfügig Lust
auf mehr macht.
0 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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