BG Kritik:

47 Ronin


von Michael Herbst

47 Ronin (USA, 2014)
Regisseur: Carl Rinsch
Cast: Hiroyuki Sanada, Tadanobu Asano, Keanu Reeves

Story:
Der einsame Samurai Kai (Keanu Reeves) schließt sich einer Gruppe von Ronin an, die ihren Meister rächen wollen. Auf ihrem Pfad zur Vergeltung warten Drachen, Hexen, Oger und andere Fantasiewesen...



47 Ronin ist einer dieser in letzter Zeit häufigen Fälle, in denen grünschnäblige Regie-Neulinge gewaltige Budgets für ihre ersten Kinofilme gestattet bekamen. Carl Rinsch hat wie Tron:Legacy Regisseur Joseph Kosinski oder Snow White and the Huntsman Macher Rupert Sanders über 160 Millionen Dollar bekommen, um seinen Erstling realisieren zu können. Bei den beiden lief es zufriedenstellend, Rinsch, tja, kann das nicht behaupten. Seine Samurai schlugen sich bisher weltweit mit nur wenig Anklang durch. Eine Farce, ist der Film doch genau so gut wie die Erfolgstitel der zwei anderen.

Keanu Reeves trifft japanische Folklore


Keanu Reeves, der sich ungeahnt zurücknimmt, spielt einen stoischen Krieger, der der Sklaverei entkommt und zum treuen Diener des Kodex wird. Als unwürdiges Halbblut ist er zum Dienen verdammt, so kommt es ihm nur recht, einem neuen Meister in Form der Ronin zu folgen.

Rinsch, der sein Publikum mit dem bekannten Reeves lockt, lässt ihn wortarm und überlässt das Feld seiner japanischen Besetzung. Hiroyuki Sanada (Wolverine - Weg des Kriegers) spielt die tatsächliche Hauptfigur eines Kriegers namens Oishi, der bereit ist, für seine Ehre und die seiner Gefährten sein Leben zu geben. Sanada bedient sich der gleichen Art unterschwelliger Intensität, mit der er sich bereits einen Namen als eindrucksvoller Schauspieler machen konnte. Der Austausch mit Reeves' Kai ist oft hart, passt aber zum Bild der Samurai. Ebenfalls gut besetzt sind die Bösewichte. Tadanobu Asano (Ichi the Killer) erfreut sich als königlicher Intrigant, B-Film Veteran Cary-Hiroyuki Tagawa als unnahbarer Shogun. Die leichteste Vorstellung gibt Rinko Kikuchi (Pacific Rim), die als Hexe sämtliche Männer umgarnt und sich eine packende Auseinandersetzung mit Kai liefert.

Nur mäßiges 3D: 47 Ronin


Als wohltuende Abwechslung zum ewigen Grau-Blau der Hollywood Blockbuster wie Star Trek Into Darkness behauptet 47 Ronin ein anderes Farbschema, das viel Raum für Gelb-, Grün- und Orangetöne lässt. Mit seinen bunten Örtlichkeiten, dem Umfang und den vielen prächtigen Dämonenwesen erinnert 47 Ronin von daher oft an die Pirates of the Caribbean Filme.

Entgegen der visuellen Ähnlichkeiten gibt es aber keine weiteren. Rinsch scheint auflockenderen Humor nach Möglichkeit zu meiden. Eine Romanze ist ebenso zurückhaltend inszeniert, sodass 47 Ronin als trist aufstoßen kann, erwartet man heiteren Eskapismus. Zu dem auffallend ernsten Ton kommen inhaltliche Dinge, die am Spaß kratzen. Helden gewinnen nicht immer, es fallen große Zeitsprünge und das Ende drückt die Stimmung. Rinsch ist kompetent in der Umsetzung und weiß die viele Action gut zu gestalten, doch mangelt es seiner Geschichte an Herz. Dass Kai ähnlich distanziert bleibt wie seine Ehrenmänner ist im Zuge der Geschichte nachvollziehbar, doch ohne emotionalen Rücken bleibt der gesamte Film bei der eher auf einen spaßigen Actionfilm zugeschnittenen schnellen Szenenabfolge, unterkühlt.

Für einen würdigen Samurai Film mangelt es an tatsächlicher Ernsthaftigkeit, blenden kreative Monster und Kämpfe, die von möglichen Charakterentwicklungen ablenken. Sabotiert wird das Gesamtgefühl zudem von einem sehr schlechten Schnitt, der den Bildern oft mehr schadet als hilft, der Atmosphäre dämpft und Charakterzeichnungen stört.

Eine von Japans berühmtesten Mythen von einem Amerikaner inszeniert, von einem Amerikaner und einem Iraner geschrieben, mit einem Amerikaner in einer der Hauptrollen. Es liest sich wie eine nationale Beleidigung, und dass die ehrwürdige Geschichte der Ronin in 3D um zahlreiche CGI-Actionszenen mit hinzu erfundenen Monstern und Hexen ergänzt wurde, wie ein Spott vom Schlage Abraham Lincoln: Vampirjäger. Umso überraschender, dass 47 Ronin genug Eigensinn beibehält und als kauziger Sonderfall seltsam unterhaltsam ausfällt.

Fazit:

47 Ronin ist ein Pirates of the Caribbean ohne Humor oder ein Die sieben Samurai auf Kokain. Sehenswert, wird seine Lager aber vorhersehbar spalten und vielen vor allem deswegen nicht gefallen, weil er sich den jeweiligen Erwartungen entwindet.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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