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KRITIK:

DIE LEGENDE VON AANG


von Christian Mester

THE LAST AIRBENDER (2010)
Regie: M Night Shyamalan
Cast: Noah Ringer, Dev Patel

Story:
Tai Chi-Captain Planet vs. Evil Slumdog Millionär?

In einer Fantasywelt gibt es vier große Völker, in denen es jeweils Menschen gibt, die eines der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer magisch beherrschen. Für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt ein Held, der als einziger alle Elemente beeinflussen kann. Als dieser für hundert Jahre verschwindet, beginnt die Feuerwelt ein Terrorregime, das zu bröckeln beginnt, als der Held in Form eines kleinen Jungen zurückkehrt.

DIE LEGENDE VON AANG ist von Anfang an auf Sequels ausgelegt -
bei Erfolg sollen mindestens zwei weitere folgen

Kritik:
Vorwarnung: "Die Legende von Aang" sollte man definitiv nicht im verfügbaren 3D sehen. Der 3D Effekt wurde erst nachträglich eingebaut und ist schlampig, ineffektiv und teils störend eingesetzt.

Als M. Night Shyamalan 2000 "The Sixth Sense" (8/10) und "Unbreakable" (8,5/10) in die Kinos gebracht hatte, sah man den eigensinnigen Inder als eine der lodernsten Flammen Junghollywoods; Vergleiche kamen auf, er könne der nächste Spielberg sein und von nun einen Topfilm nach dem anderen bringen.

Nun, 2010 ist M Nachts Image im Keller, denn nach den geringeren "The Village" (7/10) und "Signs" (6,5/10) trat er mit den mäßigen bis (für ihre Verhältnisse) beleidigend dämlichen "Das Mädchen aus dem Wasser" (3/10) und "The Happening" (3/10) sämtlichen Gutwillen mit Füßen, Was macht man in solch einer Situation? Er war große Risiken eingegangen und damit auf die Schn... geflogen, Zeit also, was Sicheres anzupacken, vielleicht mal etwas nicht eigenes, da der Mann, der zeitweise 7 Millionen Dollar (!) für seine geschriebenen Worte bekommen hatte, gerade mit diesen nichts mehr hinbekam. Da kam ihm die Verfilmung der Anime-Serie "Der Herr der Elemente alias Avatar: The Last Airbender" ganz recht, da es auf "typische" Erfolgselemente setzt: eine klare, einfache Story eines Helden, der sich gegen ein Imperium erhebt. Das flambiert mit ordentlicher und vor allem einfallsreicher Action. Elemente in Kämpfen zu verwenden ist gewiss nichts Neues, doch die Komponente, Zauber mit eleganten Tai Chi Bewegungen auszuführen, verleiht dem ganzen eine Eleganz und Besonderheit, die es auffällig macht.

Das ist an und für sich auch ganz schick umgesetzt, da M Night, der selbst in schlechtestem Schrott ein Auge für manch schicke Bilder beweist, stets auf Übersicht setzt und Zeitlupen so inszeniert, dass sie nicht der Effekte wegen hervorstechen (s. "300"), sondern tatsächlich helfen und das Gezeigte sehenswerter machen. Die Effektqualität selbst ist nicht schlecht, wenn auch 2010 und für 150 Millionen Dollar Budget nicht umwerfend, zudem recht verhalten eingesetzt. Wenn der Airbender seine Gegner mit Windstößen wegpustet, ist das zunächst nett, wiederholt sich aber zu oft und wird nicht abwechslungsreich genug genutzt. Das mag sicher damit zu tun haben, dass der Junge - wie in all dieser Geschichten anfangs einfach wenig kann und dann im geplanten dritten Teil mal großes Spektakel entfachen könnte, dennoch bleibt das Gefühl, dass man zu klein gestapelt hat. Im Showdown kommt es noch am besten zur Geltung, wirkt im direkten Vergleich zu anderen effektlastigen Filmen gleicher Größe aber kein bisschen denkwürdig.

Fans der Vorlage sind erschüttert, da M Night vieles
veränderte und vorherige Qualitäten gegen eigene Schwächen eintauschte

"Die Legende von Aang" hat abseits der schicken Luftschubserei mehrere Macken, die es ganz düster aussehen lassen, darin die Geburt einer mehrteiligen, populären Fantasyreihe zu sehen. Jeder Techniker leistet hier Überdurchschnittliches, auch der Score ist vollkommen in Ordnung, doch sonstige kreativen Künste sind in den Sand gesetzt.

Elemente durch die Gegend schleudern zu können ist prinzipiell ähnlich cool wie Jedi-Mächte oder Kugelndrehen ala "Wanted" (7,5/10), es bleibt aber aus, eine lebendige, lebenswerte, faszinierende Randgestaltung drumherum zu schaffen. Es fängt schon mit den Völkern an: alle Feuerleute sind optisch einer anderen Landesherkunft zugeordnet. Nette Idee, wären sie nicht komplett seelen- und identitätslos. Abgesehen von ihrer DNA-Unterschieden gibt es keinerlei markanten Identitätspunkte. Schlimmer noch ist der völlige Kreativmakel, eine glaubhafte, interessante Fantasywelt zu schaffen. Die Feuerleute fahren auf schwarzen Schiffen herum, die Erdigen leben in abgewrackten Baracken, die Luftschmeißer in Mönchstempeln und die Planscher in einer von Wasser umgebenen Schneefestung. Letztere hat halbwegs Charakter, aber alles andere ist dermaßen inspirationslos, dass man sich nicht vorstellen kann, irgendein Fan wolle ernsthaft in dieser tristen, ideenkargen Welt leben.
.. oder überhaupt neugierig hinterfragen, was es in weiteren Filmen noch so Tolles in ihr zu entdecken gäbe.

Die einfallsreichen Fantasygrundierungen, die "Wanted" fehlten, waren da kein Problem. Ganz abgesehen davon, dass der ohnehin kein Fantasyepos war und sein sollte oder wollte und der Vergleich schwierig ist, natürlich, kann man jedoch glasklar sagen, dass "Wanted" nicht bloß auf den herausragenden Kniff, sondern auch auf ihre Nutzer setzt. Die anderen Knifffilme "Push" (6/10) und "Jumper" (5/10) machten das schon weniger, boten aber immerhin noch okaye Charaktere. Das vermasselt M Night in seinem neuen Film; durch die Bank weg sind alle Beteiligten katastrophal. Katastrophal geschrieben und ebenso schlecht gespielt. Auf der Seite der Guten gibt es den charakterlosen Glatzkopf Aang, der sich zwar elegant bewegt, ansonsten ein gewohnt schlechtes Filmkind ist, dem es an Kanten und Kameragefühl fehlt (es ist ungemein schwierig, begabte Kinderdarsteller zu finden. Letztendlich ist es jedoch am ehesten M Night zuzuschreiben, der Noah Ringers geringes Talent besser einfangen und inszenieren hätte können). Seine Begleiterin Nicola Peltz ist noch am bodenständigsten, doch ihr Gefährte, "Twilight" Beau Jackson Rathbone mal wieder eine schiere Lachnummer. Wie in den Vampireimern überspielt er mit immer weit aufgerissenen Augen, eine fundamentlose Love-Story Dramatik mit einem weißhaarigen Mädel lässt vor die Stirn klatschen.

Schlimmer sieht es bei den Zündlern aus, denn Dev Patel - war gut in "Slumdog Millionär" (8,5/10) - setzt sich selbst in Brand. Nicht nur, dass seine Rolle fürchterlich ist (er ist ein weinerlicher Versager, der den gesamten Verlauf über nichts hinbekommt), spielt er diese Rolle auch noch grausig schlecht. Seine Kohorten (u.a. Cliff Curtis) tun es ihm gleich, dreschen leere Phrasen und bekommen keine werten Momente. Man kauft ihnen allen nie ab, dass sie was können oder überhaupt maßgeblich böse sind. Nichtmal ihre Söldnertruppen versprühen mögliche Gefahren - gerne darf man sich fragen, wieso sich die mächtigen Völker gegen diese Tölpel nicht durchsetzen konnten. Das einzig legitime Schmunzeln, das nicht Aus- sondern Mitlachen entlockt, ist ein fliegendes, stöhnendes sechsbeiniges Riesenyak, das wenigstens den kleinsten Hauch Fantasykraft einstreut.

Was bleibt, ist die eigentliche Handlung und Entfaltung dieser, doch die ist ebenso dröge wie die Welt in der sie spielt. Schematischer könnte es kaum sein und da Fans der Vorlage maßgeblich erzürnt sind, kann man es sicherlich nicht auf die Vorlage schieben. Es ist erneut M Nights Versagen, eine gute Geschichte mit guten Figuren zu machen. Das muss im Falle dieses ohnehin eher auf Kinder ausgerichteten Fantasyfilms mit Prägnanz auf Action nicht so wichtig genommen werden, aber da geht mehr und entweder schätzt er sich aktuell falsch ein oder hat seine Muse verloren. Fakt ist, das Ding ist trotz Grundqualitäten eine vertane Chance und ein weiterer Sargnagel der bereits einsachtzig heruntergelassenen Topkarriere Shyamalans. "Die Legende von Aang" ist noch okay, aber das ist ein Wort, eine Wertung, die man sich vom Macher eines "Unbreakable" nicht wünschen kann.

Fazit:
Kann man auf Abenteuer, Spannung, Spaß, Humor, einer interessanten Geschichte und gute Figuren verzichten und sich damit zufrieden geben, nur ein paar gut gemachte Effekte und Kämpfe spendiert zu kriegen, kann man sich "Die Legende von Aang" problemlos ansehen, handwerklich ist's solide gemacht. Jede Erwartung darüber hinaus wird eingefroren, verdreckt, abgefackelt und weggepustet. Legendär ist an dieser Legende nichts. Sehenswert? Ironischerweise bloß Elemente davon.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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