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KRITIK:
DIE LEGENDE VON AANG
von
Christian Westhus
THE LAST AIRBENDER (2010)
Regie: M Night Shyamalan
Cast: Noah Ringer, Dev Patel
Story:
In einer Fantasywelt gibt es vier große Völker,
in denen es jeweils Menschen gibt, die eines der
vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer magisch
beherrschen. Für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt
ein Held, der als einziger alle Elemente
beeinflussen kann. Als dieser für hundert Jahre
verschwindet, beginnt die Feuerwelt ein
Terrorregime, das zu bröckeln beginnt, als der Held
in Form eines kleinen Jungen zurückkehrt.
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DIE LEGENDE VON AANG ist von Anfang an auf
Sequels ausgelegt -
bei Erfolg sollen mindestens zwei weitere folgen |
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Kritik:
Diese Kritik bezieht sich stärker auf
Unterschiede zur animierten TV-Serie, die als
Vorlage diente.
Man sollte ihn nicht zu hoch bewerten, den Sturm der
Entrüstung, den „The Last Airbender“ in Übersee
erntete. Fans der Zeichentrick-Vorlage fühlten sich
geradezu ausnahmslos beleidigt, während die
Kritikerschaft mit vernichtenden Urteilen gegen
Regisseur M. Night Shyamalan zu Felde zog. Der
eigenwillige, in der Vergangenheit leicht
narzisstisch veranlagte Inder brauchte nach zwei
Totalausfällen hintereinander dringend einen Hit,
schrieb sein Drehbuch erstmals basierend auf einer
Vorlage und setzt auf Effekte und Spektakel, statt
wie gewohnt auf ruhige Mystery mit Denkvorgabe. Lohn
der Mühen waren Verrisse, die „The Happening“
plötzlich wie einen überdurchschnittlich guten Film
dastehen ließen.
Tatsächlich ist „Die Legende von Aang – The Last
Airbender“ kein guter Film. Weder als
Realfilmumsetzung der Trickserie, noch als
eigenständiger Fantasyfilm. Für kurzweilige,
halbwegs verdauliche Unterhaltung, die einen
vergleichbaren „Eragon“ dann doch noch übertrifft,
reicht der Film aber aus. Für einen Shyamalan darf
dies jedoch nicht genug sein, für die Rettung seiner
angeknacksten Karriere wird das nicht ausreichen und
die eigentlich eingeplanten Sequels zur Trilogie
werden es in dieser Form und mit dem maximal soliden
finanziellen Erfolg in den Staaten mehr als schwer
haben.
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Fans der Vorlage sind erschüttert, da M Night
vieles
veränderte und vorherige Qualitäten gegen eigene Schwächen
eintauschte |
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Der Film
prescht durch die erste Staffel der Serie bzw. das
erste Buch der Legende in rund 100 Minuten. So
herrscht inhaltlich erwartungsgemäß Chaos, obwohl
die Prämisse im Kern eigentlich nur Standard ist,
rund um einen Auserwählten, der gegen alle
Widerstände seine Bestimmung, zum Sieg der
Allgemeinheit gegen das Böse, finden muss. Die
eigentümliche Welt wird ganz altmodisch und ungelenk
mit einem einleitenden Rolltext vorgestellt und
Wasserbändigerin Katara fungiert immer wieder als
Erzählerin, wenn das Script wohl Zeit einsparen
musste. Sie fasst kurz zusammen, was wir eigentlich
hätten sehen wollen und müssen. Für tiefer gehende
Charakterisierungen bleibt keine Zeit und die
Erklärungen kommen meist reichlich platt, sind
schlussendlich aber immer noch konfus. Besonders
auffällig wird das bei der Hintergrundhandlung um
die Geisterwelt. Aang geistert dort ein, zwei Mal
selbst herum, hampelt zwischen Prismeneffekten und
einem merkwürdigen Drachen her, lässt aber nie
wirklich durchsickern, was genau der Kram eigentlich
soll. Aangs Kampf gegen den Lurchpandamonster-Geist?
Kommt nicht vor. Überhaupt wurde die Tierwelt auf
ein Minimum reduziert. Immerhin ist das fliegende
Bison Appa ganz flauschig und knuffig und recht
gelungen, auch wenn er sich ausschließlich auf
Transportdienste beschränkt und die Mimik
verbesserungswürdig ist.
Und wenn die erste Viertelstunde noch halbwegs nah
an den Geschehnissen der Serie ist, so ist der Rest
Komprimierung und Simplifizierung der radikalen Art.
Auch ohne Gedanken an die Vorlage wirkt die Reise,
die Aang, Katara und ihr Bruder Sokka unternehmen,
nicht besonders abwechslungsreich. Zu deutlich
fokussiert sich dieser Film auf den Wasser-Teil,
stattet Erd- und Luftkönigreich kaum stattfindende
Besuche ab und richtet alle Storywegweiser auf das
Finale. Feuer trifft Wasser und wer siegt ist eh
klar. Die sporadischen Helden- und Rettungstaten des
Avatars auf dem Weg zum Nordpol bestehen eh nur aus
kurzen Gefechten und werden dann noch meist
nacherzählt. Aus der Serie fehlt z.B. die
beeindruckende Kyoshi-Episode komplett, es gibt
weder Piraten, noch Rebell Jet mit seinem Trupp
(Ernsthaft, wie man sich das entgehen lassen konnte,
ist unerklärlich). Das Erd-Königreich besteht
sichtbar nur aus ein paar Dörfern und auch der Rest
ist verzerrt und verschoben. Die gröbsten
Entscheidungen und Entwicklungen sind drin, meist an
den falschen Stellen, aber immerhin ist bemerkbar,
dass Drehbuchautor Shyamalan tatsächlich mal
vereinzelt ein paar Folgen geschaut hat. Der
Widererkennungswert für Fans ist dennoch erbärmlich
gering, da Shyamalan frei zusammenfasst und auf
nahezu alle kleineren Zwischenhandlungsabenteuer
verzichtet.
Aang, der in der Serie eigentlich permanent auf
irgendwelchen Tieren reiten oder etwas
herunterrutschen will, ist im Film ein meist
schweigsamer, verschreckter Junge, der sich ohne
kindliche Naivität dem Ernst seines Schicksals
verschreibt und das Avatar-Dasein ausschließlich als
schwere, unangenehme Bürde sieht, statt es ab und an
zu genießen, im Mittelpunkt zu stehen. Das lässt
sich allerdings durch den allgemeinen
Stimmungswechsel erklären, denn der sehr
kindgerechte, mitunter sehr absurde Humor der Serie
weicht im Film einer gewissen Ernsthaftigkeit, die
nicht immer funktioniert. Ein paar humorige Einfälle
gibt es, besonders in der ersten Hälfte, wenn Katara
mit dem Wasserbändigen experimentiert. Die –
bisweilen zu große – Unbeschwertheit der Serie
verwandelt der Film in eine staubtrockene,
dramatische Auserwähltengeschichte vorhersehbarer
Natur. Leidtragender auch der Dritte im Dreierbund,
Sokka, der sich zumeist trottelig und nervig
verhält, statt ein arroganter, ständig mosernder
Sprücheklopfer zu sein. Katara kommt von den drei
Hauptfiguren noch am besten weg, lässt aber manchmal
das Durchsetzungsvermögen vermissen.
Die Figuren scheitern jedoch nicht nur an
Aussparungen, sondern auch am Grundscript an sich.
Shyamalan serviert uns hier Dialoge, die dem
hundmiserablen Gewäsch aus „The Happening“ nahe
kommen. Aufgesetzte Dramatik, platte Erklärungen,
abgestandener Minimalwitz und einfach nur furchtbar
platte Phrasen. Und als wenn es konsequente Absicht
war, sind die Darsteller kein Deut besser. Entweder
ist es kaum existente Minimalmimik oder es wird zu
unerträglichem Kitsch, garniert mit einer
grässlichen Theatralik. Shyamalan konnte das mal
besser, hat aber aus der Resonanz zu seinen letzten
Filmen scheinbar keine Schlüsse gezogen. Dass er es,
Budget und Prämisse angemessen, doch auf die ganz
große Dramatik abgesehen hat, offenbart das letzte
Drittel, als der Film endgültig zur emotionalen
Totgeburt wird.
Erzählerin Katara weist uns auf eine emotionale
Bindung zwischen zwei Figuren hin, von denen wir
eine zuvor noch nicht gesehen haben. Spürbar ist da
exakt gar nichts, aber Katara hat es gesagt, also
muss es stimmen. Zwei Szenen später ist die Kacke
schon am dampfen und das große persönliche Drama
sollte uns eigentlich zu Tränen rühren, aber mit
kaum bekannten Null-Charakteren ist das einfach
nicht möglich. Vielleicht hätte die Erzählerin uns
erklären müssen, dass wir jetzt bitte alle ganz doll
betroffen sind.
Auf der Seite der Bösen sieht es kaum besser aus.
Hier macht sich die Nationalitätencharade bemerkbar,
weil Shyamalan unbedingt Platz für Inder haben
wollte. So gibt Slumdog Millionär Dev Patel den
bedauerlichen Prinz Zuko, inklusive viel zu kleiner
Brandnarbe. Als eine der wenigen ambivalenten
Figuren tut Zuko dem Film gut, taugt im
Umkehrschluss aber kaum als echter Bösewicht. Und
Patel eiert mit den käsigen Dialogen ähnlich
unbeholfen herum, wie seine Kollegen. Der
Bösewichtsersatz ist dann kaum mehr als ein
wandelndes Klischee, der genau das macht – oder es
zumindest vorhat – was man von solchen Kanaillen
erwartet, während Zukos Onkel komplett ohne Witz und
Charme auskommen muss. Die zeitintensive und
offensichtliche Präsenz des Ober-Oberbösewichts ist
hingegen interessant, auch wenn es aus Sicht der
Serie unnötig deutlich ist.
Das Finale rettet den Film aber doch. Die
persönliche Dramatik der Figuren kann man getrost in
die Tonne kloppen, aber das abschließende Gefecht
taugt immerhin als effektreiches und ungewöhnlich
(außergewöhnlich?) inszeniertes Scharmützel. Auch
hier vereinfacht Shyamalan und lässt besonders den
Showdown ungewöhnlich ‚realistisch’ verlaufen, aber
das Finale hat plötzlich Fluss und endlich fühlt
sich Shyamalans Inszenierungsstil sicher und
überlegt an. Die Action ist durchaus mit Übersicht
und mit viel Zeitlupe gefilmt, während die
Bändigungstricks endlich mal voll zum Tragen kommen.
Und sie sind cool. Klar, die Serie bot da noch mehr
Abwechslung, aber hier prallen die Elemente endlich
mal wirklich aufeinander. Den gesamten Film über
wurde das Bändigen mit viel zu langsamen,
zeitaufwendigen Tai Chi Bewegungen kombiniert, statt
von schneller Kampfkunst inspirierte zu sein. Dass
es fast eine halbe Minute dauert, bis ein einfacher
Wasserball oder eine Feuerkugel auf den Gegner
geschleudert werden, ist jedoch merkwürdig.
Optisch bildet das Finale ebenfalls das Highlight,
auch wenn der gesamte Film ein bisschen überladen an
Farbfiltern erscheint. Das nördliche
Wasserkönigreich ist einfach eine Wucht und kommt
der Vorlage unglaublich nahe. Schon vorher machten
die Tempel eine gute Figur, auch wenn manches an
Angkor Wat erinnerte. Das Reich am Nordpol sieht
fantastisch und erhaben aus und umso packender ist
es, wenn es dann zerstört wird. Was die Figuren
nicht leisten können, vermag wenigstens die
Architektur. James Newton Howards Musik macht
ebenfalls durchweg einen positiven Eindruck. Kein
musikalisches Meisterwerk zum Niederknien, aber ein
dynamischer Score, der weiß, wann er groß und
pathetisch zu sein hat. Blöd nur, dass die Handlung
dem nicht mehr Nahrung gib.
Schließlich steht man als Zuschauer da, wie am Ende
von „Der Goldene Kompass“. Der Film hat ein Ende,
aber die Reise der Figuren ist dort eindeutig noch
nicht. Hier wie damals wird man sich wohl vorerst
mit einem Film begnügen müssen.
Fazit:
Der
nächste quasi-Flop für M. Night Shyamalan. „Die
Legende von Aang“ ist letztendlich guckbar und hat
ein ganz spaßiges Finale, aber die Dialoge sind
furchtbar, die Darsteller ähnlich schwach und dem
Film fehlt es an Herz und Emotionen. Noch dazu ist
von der Serie nur ein Torso übergeblieben, der zwar
am Anfang und am Ende etwas deutlicher ist, aber
dazwischen 90% davon in 45 Minuten komprimiert,
verfälscht und verändert.
4 / 10
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