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Kritik:
Alles eine Frage der Zeit


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

ABOUT TIME
(2013)
Regie: Richard Curtis
Cast:Domhnall Gleeson, Rachel McAdams, Bill Nighy

Story:
Tim (Gleeson) erfährt, dass seine Familie über die Fähigkeit verfügt, durch die Zeit zu reisen. Auch Tim manipuliert was war und was sein könnte. So will er eine Frau (McAdams) für sich gewinnen, doch das Vorhaben ist nicht leicht und sein Einfluss auf die Zeit hat Konsequenzen.

Kritik:
Wer hat nicht schon auch mal den Wunsch gehabt, die Zeit zurückdrehen zu können um Dinge nochmal zu erleben oder wieder richtig zustellen? Nun in der Familie unseres Hauptcharakters geht das, zwar nur für den männlichen Teil , unter Beachtung gewisser Regeln tatsächlich. Doch Regeln sind ja dazu da gebrochen zu werden, mal mehr, mal weniger. Richard Curtis ist vor allem als Drehbuchautor bekannt (Oscar-Nominierung für das Drehbuch von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“), doch er konnte schon 2002 mit „Tatsächlich Liebe“ auch als Regisseur einen Achtungserfolg landen und lies dann erst 2009 mit „Radio Rock Revolution“ eine zweite Regiearbeit folgen, welche aber bei Kritik und Publikum nicht ganz so gut ankam. „Alles eine Frage der Zeit“ bezeichnete er nun schon als seinen letzten Film, will aber natürlich der Filmindustrie als Autor treu bleiben. Schauspielerin Rachel McAdams hat es auch so mit der Liebe („Wie ein einziger Tag“) und Zeitreisen („Die Frau des Zeitreisenden“) und doch ist dieser Film wieder etwas ganz anderes.

Richard Curtis dritter Film strotzt nämlich teilweise nur so von seinem typischen britischen Humor und bewegt sich teilweise klar abseits von den üblichen Pfaden anderer RomCom-Streifen. Als er 21 Jahre alt ist, erfährt Tim Lake (Domhnall Gleeson) von seinem Vater (Bill Nighy), dass die Männer in seiner Familie schon immer die Fähigkeit besaßen durch die Zeit zu reisen. Nur aber in die Vergangenheit und unter Beachtung weiterer bestimmter Regeln. So geht er als erstes in die letzte Sylvesternacht zurück, wo er zuvor zu schüchtern war um jemanden zu küssen und ändert das, indem er sie nun anstatt dessen küsst. Als er aber später lernen muss, dass er die Meinung eines Menschen in Sachen Liebe auch durch Zeitreisen nicht ändern kann, verschlägt es ihn zuerst einmal niedergeschlagen nach London, wo er auf Mary (Rachel McAdams) trifft.

Es kostet natürlich kurz Überwindung, wenn man über die Prämisse des Films liest. Der Film zieht diese auch nicht mit dem völligen Ernst auf und doch gelingt es schnell diese „Fähigkeit“, natürlich mit einer gehörigen Portion Humor, zu etablieren und als Werkzeug des Protagonisten zu akzeptieren. Dabei durchläuft der Film eine stetige Entwicklung. Steht am Anfang vor allem der Humor im Vordergrund, entwickelt sich der Film wie seine Hauptfigur Tim immer weiter. So wird die Romantik etwas wichtiger, ohne aber in Sparks’sche Gebiete vorzudringen oder den Humor zu verlieren. Anders wie man nämlich vielleicht denkt, geht es nicht (nur) um die Suche nach der großen Liebe, sondern viel mehr um das ganze Leben. Das klingt nun nach hochgesteckten Zielen, aber Curtis Film, der im Orignal schlicht den Titel „About Time“ trägt, ist sozusagen der Coming-of-Age Film ab dem Beginn des wirklichen Erwachsenwerdens und Gründen einer Familie. So wird der Ton im Laufe des Films auch immer ernster, ohne aber in ein verhältnismäßig bierernstes Drama abzudriften. 

Der Film hat zu diesem Zeitpunkt für den ein oder anderen vielleicht ein ganz anderes, mehr oder weniger großes Problem, denn er verliert mehr und mehr seine eigene innere Logik aus dem Auge. Es werden am Anfang gewisse Regeln aufgestellt, die das Zeitreisen für Tim so mit sich bringen. Mit manchem Haken wird er früher und teilweise auch später konfrontiert. Ab einem gewissen Punkt aber scheint es Richard Curtis, der sich natürlich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigt, völlig egal zu sein, was für Regeln aufgestellt wurden, wenn sie hinderlich für den Verlauf der Geschichte sind. Mit der Logik und dem Hinterfragen mancher Entwicklungen sollte man es deshalb lieber nicht ganz so genau nehmen. Es zerstört nicht den Film, wirkt aber dann schon etwas zu sehr konstruiert, denn warum kompliziert die Regeln etablieren wollen, wenn sie ab einem gewissen Zeitpunkt hinlänglich werden? Natürlich war für Richard Curtis das Zeitreisen nur ein weiteres Werkzeug zum Erzählen seiner Geschichte und nicht das hervorstechende SciFi-Element. Er wollte eben keine Zeitreise-Film im eigentlichen Sinne machen, sondern eher dadurch zeigen, was wirklich im Leben zählt bzw. wie dieses funktioniert oder eben auch wie es nicht funktioniert. Da liegt es bei jedem im eigenen Ermessen, wie schwer er das gewichten will und das dem Film schadet oder nicht. Auch werden sich manche an dem vielleicht sehr lebensbejahenden Ton des Films und der knapp über 2-stündigen Lauflänge stören, was aber mehr daran liegt, dass der Film nicht der Film ist, den man von ihm erwartet, sonst hätte man ihn nach den 80 Minuten beenden müssen. 

Beim Cast haben wir Domnhall Gleeson, ja natürlich der Sohn von Schauspieler Brendan Gleeson, den man wohl vor allem als Bill Weasley aus den letzten beiden „Harry Potter“-Filmen kennen mag. Er gibt seinem Tim anfangs die nötige Tollpatschigkeit und Unerfahrenheit im Leben mit und verliert auch über die Entwicklung des Films hinweg, nicht diese lockere, bubenhafte Art. Zusammen mit Leinwandpartnerin Rachel McAdams hat er da auch eine tolle Chemie, wobei man dazu noch sagen muss, dass Adams schon eher mehr eine Nebenfigur ist und nicht die zweite Hauptrolle neben Gleeson gibt, die in der Geschichte so einfach nicht existiert. Bill Nighy bleibt Curtis auch in seinem dritten Film treu und darf mal wieder humorvoll und sympathisch sein und muss keine Vampire, Werwölfe oder andere Monster bekämpfen. Netter Urlaub auch also für ihn, der ihm aber wohl sichtlich Spaß gemacht hat. Zudem ist der kürzlich verstorbene Richard Griffiths in seiner letzten, einer kleinen, Rolle zu sehen.

Fazit:
Ein Film über das Leben, die Liebe und allem was dazugehört. Getragen von einem schön ausgewählten Soundtrack, wird das ganze nur von mittelgroßen Logiklöchern gebrochen, die im Verlauf des Films immer größer werden. Der sehr zurückhaltende Kitsch-Faktor und der immer wieder sehr tolle britische Humor auf der Habenseite und eine insgesamt sehr berührende Inszenierung lassen den Zuschauer ob mit Freund/in oder Opa, Oma, Papa, Mama, Kinder sehr angenehm in die kühlere Jahreszeit gleiten.

7 / 10

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