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Kritik:
Aftershock


von Michael Eßmann (FantasyFilmFest)

AFTERSHOCK
(2013)
Regisseur: Nicolas Lopez
Cast: Eli Roth, Andrea Osvárt, Nicolás Martinez

Story:
Die drei Freunde Gringo (Eli Roth), Pollo (Nicolás Martinez) und Ariel (Ariel Levy) wollen in Chile eigentlich nur Party machen, guten Wein trinken, und mit dem weiblichen Geschlecht in möglichst nahen Kontakt kommen. Aber ein Erdbeben macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, und das ist noch nicht mal das Schlimmste was ansteht.

Kritik:
"Präsentiert von Eli Roth"! Vernimmt der geneigte Horror Konsument dies, dürften die Erwartungen zumindest im Ansatz gesetzt sein, einen Film, der nicht mit blutigen Details und Einzelheiten zu geizen gedenkt präsentiert zu bekommen. Immerhin hat uns Roth als Regisseur mit u.a. „Cabin Fever“ und „Hostel“ versorgt, und wartet demnächst mit seinem Kannibalenfilm „The Green Inferno“ auf. Hier begnügt er sich aber mit der Rolle eines Produzenten, Ideengebers und Schauspielers für den aus Chile stammenden Regisseur Nicolas Lopez.

Wenn sich ein Film die Zeit nimmt, seine Haupt und Neben-Charaktere ausführlich vorzustellen und zu beleuchten, kann das sehr vorteilhaft sein, auch und speziell, wenn man einen blutgetränkten Katastrophenfilm inszeniert. Dann fiebert das Publikum später vermutlich umso heftiger mit den Protagonisten mit. Soviel zur Theorie. Hier war dies eindeutig nicht der Fall, denn die Einführung scheitert schon an den unsympathischen und platten Figuren und zudem an der Laufzeit. Mehr als 35 Minuten (gefühlt 60 Minuten) muss der geneigte Katastrophen- und Splatter-Fan warten, bis es zu brummen, beben und bluten beginnt. Zuvor hat man sich u.a. durch Sightseeing durch Chile und diverse Clubs und Party-Locations zu kämpfen, und den „Helden“ dabei zuzusehen, wie sie ihrem stereotypen und zu tiefst langweiligen - und auch langweilig inszeniertem - Treiben nachgehen. Das haben „Hostel“, „Chernobyl Diaries“ oder auch „Cloverfield“ deutlich besser und vor allem kürzer und knackiger gelöst.

Nach der deutlich überzogenen Einführungsphase beginnt glücklicherweise der Hauptgang, und präsentiert sich anfangs noch verhalten und handzahm, um dann aber urplötzlich loszulegen. Regisseur Nicolas Lopez inszeniert das Beben fast als einen Befreiungsschlag, der das Publikum aus der vorherigen Misere erlöst. Es wirkt, als habe er bewusst zuvor überzogen, um mit einem Wumms richtig loszulegen. Nun wird der Zuschauer mit Fun-Splatter für das Warten belohnt. Da werden reihenweise Menschen mit humoristischem Unterton von Säulen, Regalen und weiteren Trümmern geplättet, und ganz nebenbei wird noch dem Wort Handtasche eine völlig neue Bedeutung gegeben. Das macht Laune, eben weil es einen spaßigen Swing mitschwingen lässt.   

Menschen werden überfahren, verbrannt, zerhackt, zerquetscht… effekttechnisch ist das alles soweit in Ordnung - und die FSK wird ihre blutige Freude haben - schließlich hat man es hier nicht mit einer 150 Millionen Dollar Produktion zu tun. Anders sieht es schauspielerisch aus. Ganz vorne weg ist hier Produzent, Zugpferd und Hauptcast Mitglied Roth zu nennen. Schauspielerisch hat sich dieser ja bisher eh nicht gerade mit Ruhm bekleckert (vielleicht mal abgesehen vom Bärenjuden in „Inglourious Basterds“), aber hier kommen seine Defizite schon aufgrund seiner Hauptrolle noch deutlicher zu tragen. Er überzeugt so gar nicht, und sollte sich zukünftig lieber wieder den stummen Cameos und der Arbeit hinter der Kamera widmen. Seine Buddys und die weiblichen Cast Mitglieder sind da schon angenehmer, neigen zwar teilweise zum Overacting, geben sich aber sichtlich Mühe. Leider ist der Film so unstringent und ohne klare Line, dass er nicht beim Fun-Splatter bleibt. Bereits nach wenigen Minuten switcht er wieder um, und will ein Katastrophen-Drama sein, bei dem wir mitleiden und mitfühlen sollen, wenn die Protagonisten dahinscheiden. Das funktioniert nur theoretisch, denn in der Praxis sind einem alle Figuren egal.

Und spätestens wenn zu den Nachwirkungen des Bebens noch die menschliche Gefahren-komponente hinzugefügt wird, ist es mit dem Spaß beinahe gänzlich vorbei. Von nun an herrschen übertriebene Härte, Gewalt(Verherrlichung), und beinahe Torture pornöse (Stichwort: Vergewaltigung) Zustände, welche zum reinen Selbstzweck inszenieren werden. Zu allem Überfluss erspart uns Lopez auch keinen scheinbar unumgänglichen, aber unlogisch erscheinenden Twist, der pünktlich im finalen Axt-Befreiungsschlag zuschlägt. Eine abschließende Entlohnung soll dann aber doch noch auf den geduldigen Zuschauer zukommen, - wenn das zwar erwartete - aber wunderbar zynische Ende losgelassen wird. Dies rundet gekonnt ab, wischt zuvor ertragenes vom Tisch, und lässt mit einem guten Gefühl von dannen ziehen.

Fazit:
„Aftershock“ ist ein Film ohne klare Linie, der unentschlossen zwischen den Genres dahinpendelt, und schlussendlich nirgendwo hingehört oder landet. Es ist ein kruder Mix aus Splatter, Fun-Splatter, Katastrophenfilm, Drama, Horror und Thriller, mit einem teilweise sadistischen aber auch zynischen Unterton, der durchaus das „Prädikat“ moralisch bedenklich verdient. Aber eines absprechen kann man dem Film jedenfalls nicht: er ist teilweise überraschend und überraschend unkonventionell.

4,0 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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