BG Kritik:

Akte X - Das Spiel / The X-Files Game


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

The X-Files Game (US 1998)
Studio: Hyperbole Studios
Cast: Jordan Lee Williams, Paige Witte, Gillian Anderson, David Duchovny

Story: Inmitten der 3. Staffel der Serie. Als Scully und Mulder von einem Auftrag nicht zurückkehren, beauftragt Abteilungsleiter Skinner den örtlich ansässigen FBI Agenten Craig Willmore, die zwei verloren gegangenen X-Agenten aufzuspüren. In Willmores Rolle gilt es sodann, Tatorte zu untersuchen, Zeugen und Abteilungskollegen zu befragen und sich Gefechte mit mysteriösen Gegnern zu liefern…

Das mindestens zweitbeste Akte X Spiel aller Zeiten.


Kurz vor Erscheinen des ersten Kinofilms veröffentlichte Fox dieses erste von bislang zwei Spielen, das für ein Film- /Seriengame eine echte Besonderheit bot: zwar keinen Flukeman, aber die Originalschauspieler. Und das in lebensecht wirkenden weil lebensechten Filmaufnahmen, nicht in Pixeln oder Polygonen. Umgesetzt wurde das als interaktive Serienfolge, und so besteht das X-Files Game zum größten Teil aus Videosequenzen (weswegen es damals vor immerhin fast 20 Jahren zu den platzfressendsten Spielen überhaupt gehörte, denn es kam auf 7 CDs und verlangte gewaltige 3,5 GB Platz. Zum Vergleich: das im selben Jahr veröffentlichte Half-Life 1 benötigte bloß 0,4 GB). Also klickt man immer nur „Weiter“ zum nächsten FMV- Video? Fast, aber ganz so faul waren sie dann doch nicht.


Man darf in sehr vereinfachter Form ermitteln. Das heißt, man sucht typische Tatorte (wie in Myst klickt man sich durch Standbilder) wie Warenhäuser, Stützpunkte und Schiffe nach Spuren ab, knipst Fotos, bespricht sich mit Kollegen wie Gerichtsmedizinern und Laboranten und gibt Nummernschilder und Telefonnummern in eine FBI-Datenbank ein. Prinzipiell ist das als „FBI Erlebnis light ohne Kohlensäure und Deckel schon mal voraufgeschraubt“ passabel gemacht, allerdings ist es oftmals unfair bzw. interface-mäßig inkompetent gestaltet. Wirklich fordernd ist eigentlich nichts, doch man weiß nie, ob man an einem Tatort schon alles Nötige gemacht, besprochen oder eingesammelt hat. Die gesammelten Gegenstände im Inventar werden nicht alle gebraucht und 90% aller Wandbilder, Karten, Emailtexte und sonstigen Spieltexte auch nicht, sodass man vergebens rät, was man damit machen muss. Beispielsweise hat man Handschellen und Nachtsichtgerät, die nie zum Einsatz kommen. Manchmal sind die nötigen Aktionen auch nicht nachvollziehbar. Beispielsweise wird man an einer Stelle abends angerufen, man müsse sich unbedingt sofort wo treffen. Anstatt sich aber wie verlangt umgehend zusammen zu setzen, muss man erst nach Hause und sich schlafen legen (?). Auf einem Bahnhof muss man weit laufen, dann einen Telefonmasten erklettern und mit einem Obdachlosen verhandeln. Warum? Manchmal muss man auch erst in einen bestimmten Raum gehen, um da zufällig auf jemanden zu stoßen, der columbohaft ein zweites Mal reinschaut und damit erst die Handlung weitergehen lässt. So kann es also vorkommen, dass man irritiert auf jedem möglichen Bild herumklickt, in der hilflosen Hoffnung, es gehe doch irgendwie weiter.

Ab der Hälfte gibt es vereinzelt Pseudo-Actionszenen. Gegner kommen auf den Standbildern hinter Pfeilern hervor und wollen erklickt werden. Das wird zwar nicht zu Call of Duty X-Files Warfare (obwohl es mal eine Folge namens First Person Shooter gab, in der Scully und Mulder in einem VR-Shooter gefangen waren), reines Anklicken a la Moorhuhnjagd genügt, aber man kann schon mal verdutzt dreinschauen, wenn es plötzlich 'Game Over, Spielstand laden' heißt. Häufiges Speichern ist daher ratsam. Heutzutage mag das kein großes Hindernis sein, weil man auf dem Handy mal eben die Komplettlösung nachschlagen kann, doch es zeigt, dass die Macher ihr Akte X Spiel nicht unbedingt optimal auf Spielen ausgelegt hatten.

Immerhin bewies das Team Humor, denn so einige Aktionen lassen grinsen. Schellt man zum Beispiel an einer Rezeption mehrfach, hält Leuten Gegenstände hin, mit denen sie nichts zu tun haben (Benutze Foto von Scully mit Scully), ergibt das oft amüsante Reaktionen. Die eigentliche Handlung bleibt indes recht ernst.


Also: taugt es was für Fans der Serie? Halbwegs. Einige Aspekte machen schon Spaß, etwa, wenn man Skinner auf die mögliche Liebesbeziehung Scully und Mulders anspricht, wenn man sich mit den Lone Gunmen berät, Mulders Sonnenblumenkerne untersucht, Scully Obduktionsfachchinesisch runterrattern darf, Mark Snows Musik läuft, die Akte X Introsequenz läuft oder Mulder mal wieder lakonisch agiert. Als Ergänzung passt sie optisch zur 3. Staffel, in die sich die (Mythologie-)Spielhandlung einreiht, allerdings findet man hinsichtlich Akte X Figuren vermutlich ähnlich viel wie hinter den Zäunen Roswells: nämlich eher wenig. Es heißt zwar, dass Duchovny und Anderson insgesamt 10 Tage lang Material für das Spiel gedreht haben, allerdings sind die zwei – um die es ja eigentlich geht - in den ca. 7 Stunden Spielzeit lediglich rund 8 Minuten zu sehen. Nicht 8 Stunden, nicht 80 Minuten, sondern 8 Minuten. 8 Minuten wie in Jose Chungs 8 wenige Minuten from outer Space.

Legen wir noch die Szenen mit Skinner, den Einsamen Schützen, dem Raucher, Mr X und meinetwegen noch mit dem schwarzen Öl dazu, gibt das ungefähr 25 Minuten echtes neues Akte X Material. Alles andere ist ein relativ gewöhnlicher Polizeifall mit Laiendarstellern. Völlige Laien? Ein kurzer Blick auf ihre Filmografien zeigt, dass sie anschließend nichts mehr wirklich gemacht haben, aber so schlecht sind sie nun auch nicht. Gerade der Hauptdarsteller, der Kyle McLachlans (aus der Serie Twin Peaks)(in der David Duchovny übrigens mitspielte. Und Frauenkleider trug) kleiner Bruder sein könnte, ist recht gut darin, anderen auf den Keks zu gehen. Später bekommt er sogar eine Kollegin an die Seite, allerdings fällt dann schon deutlich auf, wieso Duchovny und Anderson zu Weltstars wurden und die beiden aus dem Spiel nicht.


Grafisch präsentiert sich das Spiel in für heutige Augen niedrig aufgelösten Bildern und Videosequenzen, die HD-verwöhnte Augen gerade nach Erscheinen der remasterten Blu-ray Version der Serie irritieren können. Lässt man sich jedoch auf das TV-Bild der 90er ein, kann man damit durchaus zurechtkommen. Im Test lief das Spiel auf Windows 7 ohne Murren, doch Win 10 Nutzer sollten vorsichtig sein, da es auf dem System angeblich zu vielen Abstürzen kommen soll.

Fazit:

Im Grunde kommts drauf an, wie wichtig einem die hübsche Spielepackung ist. Ist man so sehr Fan der Serie, dass man schon immer mal damit geliebäugelt hat, wird man die (wenigen) neuen Szenen verschlingen und sich über den typischen Fall als kurzweiligen Casualspaß freuen können. Sicherlich könnte man ein Akte X Spiel besser machen (Randnotiz: ein Jahr später erschien, ebenfalls von Fox, das geniale Alien vs Predator 1), aber für einen fast 20 Jahre alten ersten Versuch ist das Ergebnis schon in Ordnung. Man muss halt nur hinnehmen, dass es mysteriöserweise unheimlich wenig Scully und Mulder beinhaltet. Also toll, wofür dann spielen? Wer eine Kritik zu einem fast 20 Jahre alten Akte X Videospiel liest, kommt da sicher in Frage.

4 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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