BG Kritik:

Akte X - Resist or Serve


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

The X-Files: Resist or Serve (US 2004)
Studio: Black Ops Entertainment
Cast: Gillian Anderson, David Duchovny

Story: Inmitten der 7. Staffel der Serie. Bei der Untersuchung eines Falles mit okkulten Ritualmorden kommen Scully und Mulder einem Provinzgeheimnis auf die Spur, das sie auf unheimliche Besessene, Zombiekatzen, den Raucher und Außerirdische stoßen lässt…

Resident Evil X.

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Als 1998 das erste Akte X Game erschien, konnte es sich zwar x-mal (...) verkaufen, doch ein weiteres nach gleicher Art gab es nicht. Zu teuer war die Umsetzung mit den echten Filmaufnahmen gewesen, zu groß die allgemeine Enttäuschung. Lautester Kritikpunkt der breiten Masse: man wollte Scully und Mulder selbst spielen und sie nicht nur als Nebenfiguren in Zwischensequenzen erleben, man wollte im Spiel überhaupt mehr, nun ja, spielen und sich nicht mehr durch Standbilder zum nächsten Video klicken. Also musste ein flukemangeeignetes, echtes Gamekonzept her, und was sollte zur Marke besser passen als ein Spiel wie Resident Evil?


Also? Auftrag erkannt, Resident Evil stumpf kopiert. Dieses zweite Game imitiert Capcoms Engine, hat vergleichbare Animationen, ein nachempfundenes Inventar und ein identisches Spielprinzip. Im Spiel läuft man von einem festgepinnten Kameraausschnitt zum nächsten, sucht Schlüssel für abgesperrte Bereiche, schießt auf Monster und sammelt Munition, Lebensenergie und Hinweise. Gespeichert wird an geklebten X-Zeichen (auch wenn das in Hinblick auf die Serienereignisse nur noch wenig Sinn ergeben mag). Es fehlt eigentlich nur, dass man grüne und rote Herbs kombinieren kann, und rauskommt, dass der Raucher für Umbrella arbeitet. Resist or Serve darf also zu anderen Resident Evil Nachmachern wie Fear Effect, Parasite Eve oder Dino Crisis gezählt werden.

Eine schlechte Wahl ist das nicht. Läuft man anstatt mit Chris Redfield mit Mulder - dieses Mal in selbst für PlayStation 2 Verhältnisse recht pixeliger Grafik, immerhin mit der Originalmusik unterlegt - des Nachts durch eine unheimliche Stadt, in der blutrünstige Irre herumschlurfen und Scully das sarkastisch kommentiert, fühlt man sich als Fan der Serie durchaus gut aufgehoben. Viele Verweise auf die Serie lassen immer mal wieder grinsen und auch wenn Scully und Mulder arg ausdruckslose Gesichter haben mögen, fühlt es sich weit interaktiver an als das erste Spiel The X-Files Game oder die Staffel 1-4 Datenbank The X-Files: Unrestricted Access.

Dank Schreiber Thomas Schnauz, der an zwei Akte X Folgen, sowie später an Breaking Bad und Better Call Saul mitgewirkt hat, ermitteln die beiden mit typischen Unterhaltungen in drei sehr gewöhnlichen Fällen, die zueinander passen und im Finale an den ersten Kinofilm erinnern. Eine direkte Beteiligung Chris Carters wäre wünschenswerter gewesen, aber man kann ja nicht alles haben. Interessant ist, dass man die Fälle sowohl als Mulder, als auch als Scully spielen kann. Im Grunde ist der jeweilige Fallverlauf zu 80% identisch, doch Mulder darf öfter schießen, Scully hingegen mehr Rätsel lösen und, wie sollte es anders sein, Autopsien durchführen.


Was die Kämpfe betrifft: Es gibt unzählige verwandelte Menschen und Tiere, die mit Blei und Handkantenschlägen besiegt werden wollen. Das führt so weit, dass Mulder mit einer AK-47 gegen Zombies in Bikinis kämpft oder mit Fäusten gegen Alienmonster boxt. Überhaupt zwinkert das generell eher softgruselig gehaltene Spiel des Öfteren. Wer sich schon immer mal aktiv dafür einsetzen wollte, dass Fox Mulder die Erwachsenenabteilung einer Videothek besucht, kann das hier endlich digital tun. Der versuchte Humor hält sich in den rund 5-6 Spielstunden (doppelt so viel, spielt man‘s mit beiden durch) noch in akzeptablen Grenzen, zumal es ja auch durchaus immer mal wieder Akte X Folgen wie z.B. Bad Blood gab, die sich nicht vollends ernst nahmen.

Ein solider Resident Evil Klon mit Originalmusik und Originalsprechern der Serie? Klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Eine dicke Enttäuschung gibt es noch, und die sticht wie das legendäre silberne Stiletto in den Nacken. Ja, David Duchovny und Gillian Anderson haben das gesamte Spiel vertont, eine deutsche Synchronisation mit den Stammsprechern Benjamin Völz und Franziska Pigulla gab es jedoch nicht. Leider stellt man darüber hinaus auch noch fest, dass Duchovny und Anderson wenig Lust gehabt haben müssen, da sie die meisten ihrer Dialoge monoton und ausdruckslos runterrattern. Es klingt, als hätten sie es dienstags aus reiner Vertragspflicht aufgenommen, nicht aus ehrlichem Interesse. Duchovny klang beispielsweise deutlich interessierter, als er neben Marilyn Manson die Synchro für das Spiel Area 51 einsprach. Nicholas Leah, William B Davis, Laurie Holden und die Gunmen-Darsteller klingen derweil lebhafter.

Zu tun haben mag das mit den komplizierten Hintergründen. David Duchovny ging allen anderen gehörig auf den Keks, denn nachdem er erst darauf bestanden hatte, dass die gesamte Produktion mit allen Crewmitgliedern von Kanada ins teurere Los Angeles verlegt werden sollte (wo er seinen ersten und bisher einzigen Film House of D drehte), wollte er nach Abschluss der aktuellen 7. Staffel plötzlich eh nicht mehr länger mitmachen. Weil das nicht reichte, hatte er das Studio auch noch erfolgreich auf 20 Millionen Dollar verklagt, nachdem man ihn bei gewissen Merchandise-Einkommen nicht berücksichtigt hatte, und mit Kollegin Anderson soll es auch gekriselt haben. Letzten Endes konnte man sich ja noch vertragen und Duchovny kehrte für 12 der zunächst letzten 40 Folgen, sowie für den zweiten Kinofilm und dann wieder voll für die neuen Staffeln zurück, doch die Probleme der Zeit mögen erklären, wieso die beiden hier nicht enthusiastischer klingen.

Fazit:

Ein Beutel Sonnenblumenkerne. Sieht man mal davon ab, dass die Spielegrafik selbst für PlayStation 2 Generation Grütze ist, Scully und Mulder beide arg übernächtigt klingen und Resident Evil und Silent Hill das Spielprinzip weit besser genutzt haben, macht Resist or Serve vieles besser und interaktiver als die Casual-Diashow The X-Files Game. Wer mit Akte X nicht viel am Hut hat, kann sich das Spiel spielend sparen. Als Fan kann man aber zähneknirschend über die Schwächen hinwegsehen und sich über ein brauchbares Spiel zur Serie freuen. Im Kanon der Serie sicherlich nicht die schwächsten Fälle.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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