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Kritik:
Akte X - Jenseits der Wahrheit


von Christian Westhus

Akte X - Jenseits der Wahrheit / The X-Files: The Truth Is Out There (2009)
Regie: Chris Carter
Cast: David Duchovny, Gillian Anderson, Xzibit, Amanda Peet

Story:
Der im Exil lebende Mulder wird wieder zurückgeholt, um im Falle einer verschwundenen Frau zu helfen. Wie es scheint, versucht ein frankensteinartiger Doktor, den Kopf eines Patienten auf ihren Körper zu operieren. Widerwillig holen sich Scully und Mulder Hilfe bei einem Kriminellen...

Kritik:
Bei Kinoablegern erfolgreicher TV-Serien, versucht man häufig einen Kompromiss zwischen Fan-Ansprüchen und Verträglichkeit mit den normalen Kinogängern zu finden. Gänzlich unerfahrene Zuschauer werden mit dem zweiten Kinofilm der X-Akten aber so ihre Probleme haben, denn der lange hinausgezögerte und nun eher günstig gedrehte Film, bietet eher Charakterfutter, als bloße Sci-Fi-Thriller-Unterhaltung.

Es soll kein verräterischer Spoiler sein, sondern eher Warnung, wenn hier verraten wird, dass das Science-Fiction-Element um Aliens oder die Invasion 2012 quasi nicht existent ist.

Mulder und Scully geraten in einen Fall, irgendwo zwischen Entführungen und angeblich gottgegebenen Visionen. Nach und nach werden die Details des großen Ganzen aufgedeckt und da ist dann auch die eine oder andere kleinere Überraschung dabei. Erstaunlich ist jedoch, wie vielschichtig und reichhaltig die Story ist. Kontroverse Themen wie Pädophilie, Stammzellenforschung und Homosexualität werden aufgegriffen und über Allem schwebt die Frage nach Gott, nach seinem Einfluss und warum er, wenn er es denn ist, die Dinge so geschehen lässt und zusammenfügt, wie es der Fall ist. Diese Fragen betreffen nicht nur den Fall um die Entführten, sondern auch die Hintergrundstory um Mulder, Scully und einen angeblich unheilbar kranken Jungen in einer Klinik. Überhaupt bietet der Film unheimlich viel Charakterarbeit für die beiden Hauptfiguren. Es gilt schwierige Entscheidungen zu treffen, sie zu begründen und durchzugehen, oder die Einsicht zu haben, dass man falsch lag. Auch die Beziehung zwischen Mulder und Scully und der Bezug zur FBI-Arbeit, bietet enorm viel Platz für die Figuren. Duchovny und Anderson wirken wunderbar, als wären sie nie weg. Ihre Chemie stimmt nach wie vor und das stärkt auch den kompletten Film.

Dennoch ist „Akte X“ kein Drama geworden, denn primär geht es um den Fall, der konsequent düsterer wird und gegen Ende leicht bizarre auswüchse annimmt, jedoch nie wirklich außergewöhnlich wird. Der Film steigert sich kontinuierlich und zusammen mit der angesprochenen Charaktertiefe und einigen Details, ist für den Fan hier eine Menge zu holen. Da stören dann auch die kleinen Mängel im Drehbuch nicht sonderlich, die etwas sorglos mit der Logik umgehen, oder an ein, zwei Stellen Dialoge bieten, die dann doch eher zum Zähneknirschen verleiten. Chris Carters Regie ist solide, man könnte auch unauffällig sagen. Viele Nahaufnahmen, in den wenigen Temposzenen leicht hektisch, starke Schwarz/Weiß-Kontraste, besonders beim Schnee, aber insgesamt solide und erfreulich computerlos. Auch die Musik ist interessant und nicht zu penetrant. Der Knackpunkt am Film ist vielmehr, dass der Fall an sich zwar nett ist, aber vielleicht doch ein, zwei Nummern zu klein fürs Kino. Das Paranormale geht etwas unter, mit die faszinierendste Szene wird unelegant abgebrochen und richtige Spannung kann sich leider nicht konsequent festsetzen.

Fazit:
Der zweite Akte-X-Film bietet viel Raum für die Hauptfiguren und sorgt für nette Unterhaltung, kann aber nicht verhehlen, dass hier doch mit wenig Geld gewirtschaftet wurde. Eine größere, übersinnlichere Story wäre wünschenswert gewesen, war aber wohl nicht realisierbar. Bleibt ein leicht überdurchschnittlicher Thriller mit einigen guten Momenten und einer irgendwie merkwürdigen Endtitel-Sequenz. Mulder und Scully dürfen, gerne wiederkommen, beim nächsten Mal aber bitte mit etwas Besonderem.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

 

 

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