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SCRIPT KRITIK:
Alien 5
Drehbuch: Jon Spaihts
Release: ?
von Christian Mester
Anmerkung der Redaktion: Drehbücher zu
Spielfilmen durchlaufen im Zuge der Produktion
unzählige Hände, weswegen es manchmal vorkommt, dass
Screenplays kommender Filme ausgewählten Kreisen
zugänglich gemacht werden. Aus loyaler Fairness
schneiden wir die eigentliche Handlung nur an,
verzichten auf jegliche Zitate und veröffentlichen
ausschließlich überdurchschnittlich ausfallende
Vorab-Kritiken. Da besagte Drehbücher oftmals
während der Drehs verändert werden, ist eine solche
Vorschau stets mit Bedacht zu lesen. Sie soll einen
ersten Voreindruck geben und Lust auf mehr machen.
Prolog:
Im Juli 2009 war es die Sensation. Ridley Scott,
der 1979 den ersten Teil der Erfolgsreihe "Alien“ gedreht hatte, kündigte
an, dass der fünfte Ableger der Reihe eins seiner
nächsten Projekte werde. Ein Drehbuch von Jon Spaihts hatte ihn zutiefst beeindruckt und ihm die
Rückkehr zur Sci-Fi-Horrorserie wieder schmackhaft gemacht.
Im Januar 2010 erschien eine angebliche Ausgabe des
Drehbuches im Netz, die nachfolgend einmal unter die
Lupe genommen wird.
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Die meisten Designentwürfe H.R. Gigers
basierten auf menschlichen
Geschlechtsteilen. |
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Handlung:
- top secret -
Script-Kritik:
Am Ende von "Alien: Resurrection“ war Ellen Ripley
lange tot und ihr Klon auf der Erde angelangt. Ridley Scott
wollte aber keine Aliens in Los Angeles sehen, weswegen
der Altmeister mehrfach betonte, nur an der
Herkunft der Wesen interessiert zu sein. Drehbuchautor Jon Spaihts
machte sich dies zum Thema seines Scripts.
Die Demystifizierung einer Ikone. Spaihts Drehbuch
klärt ausnahmslos sämtliche noch offenen Fragen: wie
die Ursprungsform der Aliens aussieht, welchen Zweck
sie haben, wie sie an Bord des Space Jockeys kamen,
wie das Raumschiff auf LV-426 abstürzte, wie die
Menschen darauf aufmerksam wurden und was die
ominösen Space Jockeys selbst überhaupt sind. Der
Autor verknüpft all dies relativ plausibel
miteinander und macht eine kohärente Story draus,
die anhand eines spezielles Endes nahezu nahtlos den
ersten Film einleitet.
Spaihts Origin-Story ist jedoch kaum mit dem Rest
der Reihe zu vergleichen. Ging es in den Filmen
hauptsächlich darum, dass sich ein paar Menschen
verzweifelt gegen ein oder mehrere Aliens stellen,
spielt echter Überlebenskampf eine nur
untergeordnete Rolle im Prequel. Die Hauptfiguren
jagen zwar einmal für eine knappe Viertelstunde ein
Katzenalien, der Großteil der Geschichte befasst
sich jedoch bevorzugt damit, wie zwei von den Space
Jockeys entführte Männer sich auf einem fernen
Planeten ineinander verlieben. Während der eine sein
Sklavenschicksal blind akzeptiert, hat der andere
ein Geheimnis, das früher oder später indirekt zur
Ausgangslage aus "Alien" führt.
Während sämtliche Teile ihre Spannung aus der
Gefährlichkeit der Aliens ziehen, spielen Werte wie
Atmosphäre und Dramatik überraschenderweise keine
Rolle im Script. Einer der Gründe dafür ist die
Tatsache, dass es zwar gleich drei verschiedene
Inkarnationen der Kreatur gibt, die Menschen neben
der kleinen Katzenvariante aber nur noch auf eine
weitere stoßen, die dazu vollkommen ungefährlich ist
und die Ursprungsversion des Aliens darstellt.
Während sich die Story also an "Brokeback Mountain"
im Weltraum versucht, inklusive graphischer
Sexszenen, springt die eigentliche Handlung immer
wieder zu einem Raumgleiter der Menschen, der eines
Tages ein fremdes Schiff entdeckt und sich an dessen
Fersen heftet. Die beiden Stränge haben zunächst
anscheinend nichts miteinander zu tun, bis man
irgendwann bemerkt, dass die eine Handlung Folge der
anderen ist. Der unentwegte Wechsel zwischen beiden
Menschengruppierungen ist anstrengend und weit her
geholt. Da beide Parteien nur wenig Aufregendes
erleben, fällt es zudem schwer, sich überhaupt einem
der Teams anzuschließen. Die Figuren fallen nie auf
"Alien vs Predator 2"-Niveau ab, schaffen aber keine
Bindung. Action gibt es nur in kleiner Dosierung,
echter Horror bleibt vollkommen außen vor.
Bei einem so seltsamen Konzept lässt sich nun
vermuten, dass das Script nicht legitim ist und aus
der Hand eines Fans kommt - dagegen spricht jedoch,
dass es ausnahmslos im professionellen Format
erstellt ist und der Inhalt zu Ridley Scotts
bisherigen Äußerungen passt. Die Wahrscheinlichkeit
ist also hoch, dass es wirklich Scotts favorisiertes
Drehbuch ist - allerdings würde es an ein Wunder
grenzen, würden Produzenten diese äußerst seltsame
Idee finanzieren. Es mag die letzten Rätsel der
Reihe aufklären, das jedoch auf ernüchternd
unspektakuläre, ineffektive und spannungsarme Weise,
die zudem mit zahlreichen bizarren Entwicklungen
garniert ist, die kaum Gefallen finden dürften.
Während Fans der Filme womöglich in Rage verfallen
würden, wüssten sie nähere Details der Handlung,
wäre es auch als Einzelfilm für Neulinge ein nur
schwierig zu verkaufender Titel. Dass man diese
Geschichte also wirklich verfilmt, erscheint höchst
unwahrscheinlich, allerdings ist es in der Tat recht
amüsant zu sehen, was vielleicht hätte sein können.
Ein Gedanke, der schon bei den vorherigen Teilen
nicht ganz uninteressant war: so sollte "Starbeast"
- so sollte der erste Film eigentlich heißen -
ursprünglich damit enden, dass das Alien Ripley den
Kopf abbeißt, sich in ihren Sessel setzt und mit
ihrer Stimme die Erde anfunkt. Teil 3 sollte
zunächst auf einem Holzplaneten voller Mönche
spielen, dann auf der Erde. Es wurde
fälschlicherweise sogar im
Trailer beworben.
Mester meint:
Ich persönlich finde neue Kapitel zwar immer
interessanter als Remakes, bin selbst aber kein Fan
von so genannten Prequels. Vorgeschichten sind fast
immer uninteressant, da doch niemand wirklich wissen
will wie eine beliebte Figur aufwuchs. Niemand will
sehen, wie Mama und Papa Predator ein Kind zeugen,
es zur Predatorschule geht, Fahrrad fahren lernt,
seine Sporen verdient und viele Jahre später
schließlich im Dschungel Guatemalas landet, um da
auf Arnold Schwarzenegger zu treffen. Es mag
Wissenslücken füllen, aber muss das denn sein? Darth
Vaders Liebesgeschichte, sein erster Ohrring und
seine Abenteuer mit Jar-Jar Binks haben das Ansehen
der Ikone nicht intensiviert, sondern geschmälert,
aufgelöst, ins Lächerliche gezogen.
Die Aliens in Spaihts Script verlieben sich nun
nicht, aber die Offenbarung und Erklärung aller
Grundlagen raubt dem Mythos Kraft. Besser wäre es,
würde man sich eine interessante neue Figur
ausdenken, die in der Zukunft neue Abenteuer mit den
Aliens erlebt... weitab von der Erde. "Alien vs
Predator", "Aliens vs Predator 2: Requiem", "Alien:
Resurrection" und auch dieses Script versuchen alle
händeringend, die Handlung mit der Erde in
Verbindung zu bringen - aber wofür? Ist das so
interessant? Die ersten beiden Filme waren nicht
umsonst so faszinierend, weil sie in unheimlichen,
unwirtlichen Umgebungen spielte: "das unbekannte
Wesen aus einer fremden Welt".
Dazu kommt noch ein drittes Problem. Hat ein Prequel
eine größere Geschichte als die zeitlich darauf
folgenden Ursprungsfilme, schwächt es deren
Erinnerung. Ein Sabretooth in "X-Men" verliert an
Effekt, wenn man weiß, dass Wolverine vorher schon
mal weit spektakulärer gegen diese Figur gekämpft
hat und zudem bereits einem Supermutanten gegenüber
stand, der nahezu unbesiegbar war. "Alien 5" toppt
jetzt nicht alles da gewesene, schlägt aber die
gegensätzliche Richtung ein. Wer diese Geschichte
erfährt, wird "Alien" mit gelangweilten Augen sehen,
da die Entstehungsgeschichte des ehemals mysteriösen
Aliens und der Funde gähnen lässt.
Diese Idee sollte besser im Schrank verstauben.
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