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Game Kritik:
Aliens: Colonial Marines


von Christian Mester

ALIENS: COLONIAL MARINES
(2013)
Studios: Gearbox Software, Timegate Studios, Nerve Software
Publisher: Sega

Story:
Tja, nach den Ereignissen von Aliens (1986) schien der Planet LV-426 doch verlassen: Ripley, Hicks und Newt hatten die von Aliens überrannte Bodenstation mit einer nuklearen Explosion zerstört und waren dann mit einer Rettungskapsel des Raumschiffs Sulaco zum Gefängnisplaneten von Alien 3 (1993) geschossen worden. Alles Asche demnach? Denkste, denn wie in Aliens: Colonial Marines ein neues Team herausfinden soll, gibt es sowohl auf der Sulaco, als auch am Boden noch immer jede Menge Leben - und kein friedlich gesinntes...

Kritik:
Die meisten Filmspiele sind schwach und belanglos, weil sie schlichtweg zu wenig Zeit haben. Ein Spiel braucht in der Regel 30+ Monate um richtig gut zu werden, aber da Filme nur 12-18 benötigen und die dazugehörigen Spiele bereits zur gleichen Zeit erscheinen müssen, fällt meist auf, dass nötige Sorgfalt fehlte. Damit kann sich ACM nun glücklicherweise nicht rausreden, da es ein Spiel zu einem 27 Jahre alten Schinken ist, und insgesamt über 6 Jahre Entwicklungszeit hatte. Und nicht bloß irgendwo, sondern bei Gearbox Software, die mit Borderlands eine der interessantesten Actionreihen der letzten Jahre geschaffen haben. Hinzu kommt zudem, dass man sich schlicht und einfach bereits auskennen muss: die ersten beiden Aliens vs Predator Spiele gehören zu den besten Videospielen überhaupt, und wie man es eben nicht machen darf bewies der letzte Teil der Reihe noch 2010. Es muss Entwicklern 2013 klar sein, wie sich ein gutes Alien-Spiel geben muss, und das 2013, mit halbwegs schicker Grafik, dürfte nicht zuviel verlangt sein. Also ein Spiel getreu dem Weyland-Yutani Motto "building better worlds"?

Was ACM ziemlich gut gelingt, ist der Wiedererkennungswert. Hat man James Camerons zweiten Teil der Filmreihe noch im Gedächtnis, erlebt man in der Tat ein erstklassiges DejaVu nach dem anderen. Angefangen auf dem Soldatenraumschiff Sulaco, in dem Hudson, Hicks, Apone und Co ihr Briefing bekamen, und in dessen Hangar nach wie vor eine Hälfte des Androiden Bishops herumliegt; da wäre die Station Hadley's Hope, der Atmosphärenwandler; die Absturzstelle des Dropships außerhalb der Station; das Space-Jockey-Raumschiff inklusive der Eierkammer und dem eingewachsenen Piloten aus dem ersten Film; zahlreiche markante Vehikel wie das Dropship, der Powerloader (den man bedienen darf), der Truppentransporter (gegen den man hier kämpft), selbst der Lastwagen, mit dem Newts Eltern damals unwissend die Alienbrut mit zur Kolonie schlürten, ist zu sehen. Weiter geht's mit allen Waffen des Films, sowie Spuren der alten Figuren, wie Erkennungsmarken, zurückgelassene Waffen, teils sogar deren Leichen, man findet sogar Newts Schnuffeltuch. Egal welche Kritik man auch am Spiel haben mag, und die kommt leider noch, "zu wenig von James Camerons Aliens", einem der noch immer besten, einflussreichsten und wichtigsten Genrefilmen aller Zeiten zu erleben, kann's also gewiss nicht sein. Liebt man den Film, wird man sich folglich pudelwohl fühlen das Szenario einmal selbst durchlaufen zu dürfen. Dass den Entwicklern viel an Authentizität lag, sieht man an der konzeptionell liebevoll umgesetzten Levelwelt, in der man den Alien-Glibber an den Wänden schon zu riechen können meint.

Die Liebe zum Original bringt allerdings auch schon ihre ersten Probleme mit sich, da man schnell merkt, was im Vergleich zum Film außen vor bleibt: die Charaktere. Neben der ungeheuer präsenten Ellen Ripley (yep, gab damals sogar eine Oscar-Nominierung) waren die Space Marines und die Bösewichte in den Alien-Filmen nie Preismaterial, wirkten aber authentisch und menschlich, dadurch sympathisch und fesselnd. Die neuen Helden-Marines in ACM sind das alles leider nicht: wie in den meisten Actionspielen sind es eindimensionale, langweilige Abziehbilder, die schon hundertmal gehörte Army-Phrasen runterdreschen und nichts zu bieten haben, die ein Predator gepflegt ignorieren würde, weil zu langweilig.

Da Spiele aber meist Erlebnisse sind die man allein durchmachen kann, sind die Figuren und Dialoge folglich nicht sonderlich bedeutend. Wichtiger ist, dass das Spiel an sich gut ist und Spaß macht, aber tut es das? Hinsichtlich der Nostalgietour, ja, und was das generelle Gameplay betrifft, mit Einschränkungen. Auch wenn es nie so bibbernd spannend wird wie in den alten AVP Spielen - das Spiel traut sich nie mehr als 2 Minuten ohne Gegnerhorden, wohl aus Angst, es könne ADD-Spieler langweilen - macht es nach wie vor Dusel, mit gleichmäßig tickendem Motiontracker durch vermeintlich leere Gebäude zu marschieren, Aliens andauernd aus Luftschächten, Bodenlöchern etc. angreifen zu sehen, und das irgendwie zu überleben zu versuchen. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei deftig, denn selbst auf der leichtesten Stufe ist man immer schon nach 2-3 Alien-Hieben hin. Durch visuell reichlich abwechslungsreiche Level geht es von einem bekannten Filmschauplatz zum nächsten, wobei man nach und nach neue Waffen bekommt und diese mit Erreichen von kleineren Achievements (wie z.B. erledige 5 Aliens im Nahkampf) immer weiter verbessert werden können, was durchaus spaßig ist sofern man denn keine wirklichen Rollenspielelemente erwartet.

Schade ist, dass die vielen Möglichkeiten nicht ausgenutzt werden. So sind die Aliens an sich relativ beschränkt. Sie klettern zwar an Wänden herum, springen und kommen aus verschiedensten Öffnungen in die Räume, aber sie bewegen sich immerzu gleich, weichen nie aus, schleichen sich nie an und haben nichts Unheimliches an sich. Stupide laufen sie in jedes noch so gleichbleibende Geballer, womit sie, zumal sie ja kaum was einstecken können, zu Dutzenden wie die Fliegen draufgehen. Die Einführung von ein paar neuen Alientypen geht in Ordnung (darunter ein Säurespucker, ein Rammbock-Alien in Nashorngröße und blinde weiße Aliens, die nach Gehör jagen und bei Auftreffen explodieren), doch echte Neuerungen sucht man mit der Lupe: es ist kein neues Alien-Spiel, und es ist auch keins zu allen 5 bzw. 7 Alien-Filmen (1, 2, 3 und Prometheus werden kurz erwähnt, nichts aus dem Predator-Universum), sondern schon sehr speziell eine Art Verlängerung von Aliens - genau das muss man wollen, sonst facehugged einen das Spiel ohne Verhütung.

In Sachen echte Enttäuschungen geht es direkt mit den Bosskämpfen los, da man diese meist schnell und mit wenigen Klicks schafft, sodass man sich laufend denken mag was, das war's schon? Besonders der finale Showdown, der, warum auch immer von einer anderen Figur abgeschlossen wird, lässt arg zu wünschen übrig. Ebenso mickrig sind die Aufgaben, denn abgesehen von seltenen "hol-etwas oder drück-mehrere-Schalter" Missionen gibt es im rund 6 Stunden umfassenden Spiel wirklich nichts zu tun, außer stets weiterzulaufen und alles umzunieten; zu 90% die immer gleichen Weyland-Yutani Soldaten und Standard-Aliens. Selbst Serious Sam hat teilweise mehr Anspruch. Rätsel, mehrere Arten ein Ziel zu erreichen, besondere Einzelmomente, geschweige denn interessante Physikherausforderungen gibt es nicht. Überraschend ist schon fast, dass es (glücklicherweise) kaum Quick-Time-Events gibt und man selten von unsichtbaren Wänden abgehalten wird - man kann sogar springen. Nervig ist, dass es keine Karte, oder keine Hinweise gibt, wo man als nächstes hin muss, weswegen man sich durchaus öfter verläuft - und das in völlig linearen Levels(!). Obgleich diese an sich vom Konzept her gelungen sind, ist die Grafik technisch im Jahre 1986 hängen geblieben, oder zumindest 2006, denn was Gearbox hier auffährt kann sich so eigentlich nicht AAA-Titel nennen. Besonders unschön: pixelige Sprite-Explosionen und starre, kalte, leblose Figurengesichter. Echtes Grauen kommt in Sachen Künstliche Intelligenz auf, die immer wieder im Kryoschlaf zu stecken scheint. So kommt es ziemlich häufig vor, dass Aliens irgendwo hockend stehen bleiben oder die toughen Marines tumb wie Brot planlos in der Gegend herumschießen. Dass sie bei längeren Märschen immer wieder zurückfallen und dann zum Aufholen genau vor (!) den Spieler teleportiert werden, nervt ebenso und lässt fragen, ob das überhaupt weitreichend testgespielt wurde.

Zu sehr sollte man Aliens dann besser auch nicht lieben, denn ACM holt sich zwei Cameos von bekannten alten Figuren der Reihe für die Story dazu, die darin zum einen wenig aufregend eingebracht sind, zum anderen mit einem kontroversen Handlungstwist daherkommen, der vielen weit weniger schmecken dürfte als Ashs zusammengerollte Zeitung:

>
Im Spiel kommen die Helden durch einen Funkspruch von Hicks (!) zum Planeten. Dort angekommen, sehen sie, dass die Sulaco von Aliens und feindlichen Weyland-Yutani Soldaten eingenommen wurde. Als die Sulaco kaputtgeht, geht es auf den Planeten hinunter, auf dem ein böser Bishop-Android mittlerweile eine neue Forschungsbasis eingerichtet hat, um das Space-Jockey-Raumschiff zu untersuchen. Herbeigelockte Space Marines werden für Experimente missbraucht und man befreit alsbald einen Gefangenen, der sich *Twist* als Hicks entpuppt. Es kommt raus, dass Ripley und Newt mit dem Leichnam eines Unbekannten an seiner Stelle gen Alien 3 geflogen sind und Hicks zuvor von den Soldaten aufgetaut worden ist; Hicks hilft dem Helden fortan und zusammen mit gesammelten Beweisen gegen den Weyland-Konzern fliegen sie zurück gen Erde<

Fazit:
"
Game over man, game over?"
Die vielen Macken sind schon schwer zu übersehen und würden einem No-Name-Titel ganz sicher das Rückrat brechen, aber prinzipiell an Expanded-Universe interessierte Fans des Films "Aliens" kommen trotz vieler, vieler abers fraglos noch auf ihre Kosten.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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