Kritik:
Alles erlaubt -
Eine Woche ohne Regeln
von
Christian Mester
HALL PASS
(2011)
Regie: Farrelly Bros.
Darsteller: Owen Wilson, Jason
Sudeikis
Story:
Rick (Owen Wilson) und Fred (Jason
Sudeikis) sind offiziell treue Ehemänner, doch selbst
halten sie sich für begehrenswerte
Machos, die jeden Tag zahlreiche
Chancen auf One-Night-Stands
ausschlagen. Um zu beweisen, dass
sie für die Frauenwelt nichts als
harmlose, feige und wenig
begehrenswerte 40jährige sind,
erlauben ihnen ihre Ehefrauen kurzerhand, für ein paar
Tage alles Mögliche einmal
ausprobieren zu können. Fred reibt
sich die Hände, doch sein Freund
ahnt schon, dass es eigentlich nur
nach hinten los gehen kann...
Kritik:
Wie kann man einen Film wie "Alles
erlaubt" misslingen lassen? Man
nehme zwei tollpatschige 40er, mache
sie sympathisch, kontrastiere sie
(der Verrückte - der Spießige),
lasse sie viele verrückte Dinge
erleben, Pech haben,
dazu jede Menge nackte Haut,
Sex, Gute-Laune-Musik und ein zünftiges Happy-End, fertig ist die
Feelgood-Komödie, die man sich auch
gern ein zweites Mal ansieht. Siehe
"Hot Tub - Der Whirlpool ist ne
verdammte Zeitmaschine", "Jungfrau,
40, männlich sucht" oder "Hangover".
"Alles erlaubt" hat von allen
letzten Komödienhits ein
wenig, von alledem aber - zu wenig.
Es gibt ein paar spaßige Momente und
die Farrellys halten sich auch nicht
davor zurück, nackte Haut
einzubringen, doch ihre 90 Minuten
sind nur in Teilen witzig, da es
entweder an guten Gag-Ideen mangelt
oder man insgeheim versucht, eine
ernst zunehmende Romanze
mitzuliefern. Eine grundsätzlich
kontraproduktive Idee ist es
beispielsweise, sich einen Spaß
daraus zu machen, dass die beiden
schlüpfriges Party-Leben wollen, in
Wahrheit aber eher langweilige
Couch-Potatoes sind. Somit stürzen
sie in nur wenige skurrile Szenen
und halten sich fast immer zu
gedeckelt, da sie ihre Frauen über
alles lieben und früh Gewissensbisse
bekommen.
Ihre Moral ist fraglos
vorbildlich, doch als Film wäre es
weit lustiger, hätten die zwei
deutlichere Motivation, das zu tun,
was Thema des Films ist. Dafür wäre ein Auslöser sinnvoll,
der sie irrtümlicherweise anstachelt
(man denke nur an Tim Robbins in
"Nichts zu Verlieren"), hemmungslos
(wenn auch vom Pech verfolgt) im
Exzess einen drauf machen zu wollen,
nur um von einer unglaublichen
Szenen in die nächste zu geraten.
Was ebenfalls fehlt, ist ein guter
Celebrity-Cameo - hier wird man
lediglich mit Alyssa Milanos "Charmed"-Silikoneinlagen
abgespeist. Dramendarsteller Richard
Jenkins lässt in einer kleinen Rolle
als Partyhengst schmunzeln, erweckt
aber den Anschein, als habe man
keinen namhafteren Star kriegen
können. Wilson und Sudeikis sind
ganz amüsant, beide jedoch zu
zaghaft. Während Sudeikis wenigstens
ein wenig ausflippen darf, wirkt
Wilson die meiste Zeit über stoned,
da er durch seine Szenen
schlafwandelt und oftmals nicht
einmal versucht, seinem Gegenüber in
die Augen zu sehen. Als Comedy-Duo
sind sie nur mäßig lustig, weswegen
man dieselbe
Protagonisten-Konstellation so
schnell wohl nicht wieder sehen
dürfte. Während Nicky Whelan nur
dafür da ist, reines Geifersexobjekt
zu sein, bleiben Christina Applegate
und Jenna Fischer als Ehefrauen
einsilbige Figuren, die den
Romantikplot des Films gegen Ende
sogar fast eigenhändig torpedieren.
Was Liebes- und Treuelektion sein
soll, gerät plötzlich aus den Fugen
und bietet ein missratenes
Kitsch-Ende, wie es allenfalls in
DVD-Komödien zu sehen ist. Echtes
Herz oder zumindest kurz
aufflammenden Kloß im Halse ala
"Zack und Miri" oder "Superbad" gibt
es nicht, keine Liebe zu spüren.
Würde man es nicht wissen, würde man
nie darauf kommen, dass die
Regisseure der Kultkomödien "Dumm &
Dümmer" und "Verrückt nach Mary"
hinter der Kamera stehen. Nichts im
Film, in der Bild- oder Tonwahl
trägt eine erkennbare Handschrift,
die über normale Werksarbeit hinaus
gehen würde. Trotz allem ist "Alles erlaubt -
Eine Woche ohne Regeln" durchaus
ertragbar. Der Film wird nie
langweilig, ist halbwegs sympathisch
gespielt und bringt genügend
Abwechslung ein, um bis zum Ende
Tempo zu behalten. Es gibt durchaus
funktionierende amüsante Momente,
nur um richtig gut und
empfehlenswert zu sein, zu wenige.
Aus der Masse der leicht
schlüpfrigen Komödien über
Versuchungen, "das glaubst du nie"
Momenten und besondere
Freundschaften ragt "Alles erlaubt"
demnach nicht heraus.
Fazit:
Der Titel "Alles erlaubt" vermag je
nach eigener Fantasie bereits zuviel
versprechen, doch um wirklich gut zu
sein, fehlen bessere Figuren, mehr
Witze und denkwürdigere Szenen.
Insgesamt ein akzeptabler,
wenn auch nicht sonderlich
auffälliger Genrestreifen.
4 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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