BG Kritik:

All is Lost


von Michael Herbst

All is Lost (2014)
Regisseur: JC Chandor
Cast: Robert Redford

Story:
Im indischen Ozean wird ein Segler von einer Kollision geweckt, als sein Schiff einen im Wasser treibenden Container rammt. Er versucht das Leck so gut wie möglich zu stopfen, doch zu seinem Pech fallen auch noch Funk und Navigation aus. Die Himmelsfront verfinstert sich zunehmend und ein Sturm zieht auf...



Vor kurzem erst sorgten wir uns um Sandra Bullock, die als Astronautin im All einsam ihrem Schicksal ausgeliefert schien. Jede noch so kleine angewandte Überlebensstrategie wurde ihr jeweils mit einer neuen Herausforderung abgestraft, der sie dann widerum mit Überlebenswillen trotzte, was Gravity zu einem unglaublich spannenden Überlebensdrama machte. In seinem neuen Film treibt Robert Redford nicht unbedingt zwischen Satelliten und Asteroidentrümmern herum, findet sich aber in einer ganz ähnlichen Situation wieder. Havariert und abgeschnitten von der Außenwelt, steckt sein Schiffsbrüchiger ebenfalls allein auf weiter Flur. Für seine Rettung hat er nur wenig zur Hand: seine Muskeln, das überschaubare Werkzeug auf seinem Boot, seinen Willen, seine Erfahrung.

Auch Regisseur und Autor J.C. Chandor (Margin Call) überlässt uns nicht viel zur Teilnahme. Über den Mann an Bord erfahren wir nichts. Keine Rückblenden, die uns sein Leben an Land verbildlichen, keine Erinnerungen. Es fehlt eine Einleitung, die zeigt, wie Redford zu dem Punkt segelte an dem der Unfall geschah und schon gar keine erklärende Ereigniskette, die den Werdegang des Unfalls rekonstruiert. Wir erfahren also nicht, wem es geschieht oder warum. Relevant ist für Chandor nur, dass ein alter Mann in Seenot gerät und wir uns darauf konzentrieren sollen, mit der gleichen Konzentration und Geduld, die der Mann aufbringt.

Älter, härter, besser: R.E.D.ford


Anstelle von Panik und Verzweiflung kommt Überlegtheit auf. Der Mann erscheint versiert in dem was er tut, scheint vielleicht das erste Mal in eine missliche Lage geraten zu sein. Langsam inspiziert er die angefallenen Schäden, lässt sich Möglichkeiten durch den Kopf gehen, versucht diverse Maßnahmen um möglichst viel zu retten. Er ist weit draußen und hilflos, in Angst zu verfallen wird nicht helfen, das ist ihm bewusst. Klug behandelt er das Leck, versucht das Radio zu retten, denkt an Trinkwasser und greift zu Unterlagen, um sich das ehemals für die Ausbildung angelernte Navigieren ohne Computer wieder in Erinnerung zu rufen. Dialoge oder Selbstgespräche fehlen uns nicht, es ist ausreichend fesselnd, den Mann an seinen verschiedenen Problempunkten arbeiten zu sehen. Dass dem Mann keine abwegigen Lösungen einfallen und er macht, was machbar wäre, macht es greifbar.

Regisseur Chandor weiß um die Laufzeit und dass auch die realitätsnahste, glaubwürdigste Rettung auf Dauer an Fahrt verlieren würde. So hält er die Leinen stets straff, indem er dem Mann mit göttlicher Allmacht immer neue Monster mit auf seine Odyssee gibt. Sei es Unwetter, verschüttetes Trinkwasser, ein nasses Funkgerät oder Haie, die beim Fischfang stören. Ein wenig vom Pech verfolgt ist der Mann schon, doch da es sorgsam der Unterhaltung dient und nie zuviel des guten wird, wird All is Lost nie zum Sklaven von Murphys Gesetz.

Kein Wilson in Sicht


Kon-Tiki zeigte im letzten Jahr eine ähnliche Fahrt, jedoch mit anderen Faktoren. Mehrere Figuren an Bord führten zu Dialogen und Konflikten an Deck. Die beiden Filme sind sich in ihrer reduzierten Art und Weise relativ ähnlich, differenzieren sich aber in den Gefühlsregungen. Bei Kon-Tiki, der die Floßfahrt Thor Heyerdahls nachstellte, war es ein freiwilliges Unterfangen. Juveniler Trotz wollte Historie nacherleben und Wissenschaftsgeist Skeptikern widersprechen. Ein kalkuliertes Risiko, das freiwillig mit der Idee, ein bewusstseinserweiterndes Männerabenteuer zu erleben begonnen wurde. Chandors Film lässt die genauen Beweggründe des All is Lost Fahrers offen, trägt aber Trauer in sich. Der Mann ist kein Selbstmörder, aber der Film deutet an, dass die Reise eine selbstauferlegte Strafe für begangene Fehler sein könnte. Eine, die er allerdings überleben und bestehen will, um wieder zurück zu dürfen. 

Der 77jährige Robert Redford gibt eine beeindruckende Darbietung ab. Älter als Chuck Norris in The Expendables 2, zeigt er sich als vermutlich ältester Actionheld in einer Rolle, die viele Strapazen verlangt. Mit seinem verfurchten Gesicht zeigt er ein vielfältiges Spiel der Emotionen, die ihm einen Oscar einbringen könnten. Nichts erfahren wir über den Mann, aber erfasst wird er als glaubhafte Person, die uns bewegt.  Seine noch immer sportliche Konstitution und der jungenhafte Haarschnitt treffen auf eine für die meisten unglaubliche Lebenserfahrung, die sich in seinen Augen deutlich abzeichnet. Das betrifft auch Redford selbst; er war 9, als der Zweite Weltkrieg endete. Und doch sitzt er nicht mit Windeln dahin vegetierend in einem Altersheim, sondern prüft sich noch derart mit einem Abenteuerfilm, was seine wirkliche Figur mit der des Films interessant zu spiegeln scheint. Für den Mangel an Worten kommt ein großartiger Soundtrack von Alexander Ebert auf, der sich oft zurückhält, in den wichtigen Momenten aber wirksam unterstreicht.

Fazit:

Fesselnde, bewegende Odyssee. Nach Captain Phillips und Life of Pi ein weiterer Pflichtfilm, der auf dem Meer spielt.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Lies alle Meinungen zum Film! (226)


Gleich weiterlesen:


    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikallislost.php on line 193

  • Inherent Vice   Christian Westhus

  • Whiplash   Christian Mester

  • Maps to the Stars   Christian Westhus

  • Alien Isolation   Christian Mester
bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich