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KRITIK:

THE AMERICAN


von Christian Mester

THE AMERICAN (2010)
Regie: Neil Marshall
Cast: George Clooney

Story:
Ein alternder Auftragsmörder namens Jack (George Clooney) flieht eines Tages vor feindlichen Attentätern und besucht die italienische Toskana. In den Armen einer nackten temperamentvollen Prostituierten kommt er ins Grübeln und überlegt, seinen Job an den Nagel zu hängen.

THE AMERICAN basiert auf dem Roman
A Very Private Gentleman von Martin Booth

Kritik:
Es konnte eigentlich fast nicht schief gehen. Schon das Poster ließ Gutes erahnen, konnte man es doch optisch zwischen großen Hitchcock-Klassikern wie "Vertigo" oder "Der unsichtbare Dritte" einreihen. Da stände die Geschichte des ergrauten Attentäters selbst auch wohl gern bei, aber daraus wird wohl nichts.

Dass die Prämisse des Films schon gefühlte hunderttausend Mal behandelt wurde, war nie ein Problem. Spätestens als klar war, dass Mister George Clooney den alten Hitman spielen würde, durfte man erwarten, dass die Verfilmung des Buches "A Very Private Gentleman" ein vortrefflicher Film werden würde. Stilvoll altmodisch, spannend, gut gespielt. Wirklich schlecht war der Mann
schließlich schon seit gut 20 Jahren nicht mehr, allerdings konnte man ihn hin und wieder in nicht allzu guten Filmen wiederfinden. "The Good German" beispielsweise. Unter leicht anderen Umständen wäre Steven Soderberghs Streifen ein Klassiker geworden, ein bewegendes WW2-Drama mit tragischen Figuren, kraftvoll besetzt und von einem Mann inszeniert, der sein Talent schon mehrfach unter Beweis stellen konnte. Normalerweise Stoff, der gern gesehen und noch lieber mit Oscar Statuetten überschüttet wird.

"Der Amerikaner" versagt nun auf ähnliche Weise wie der schlechte "gute Deutsche". Die größte Schwäche des Films ist die elendig zähe Inszenierung. Langeweile dominiert die Szenerie, da Clooneys Aufenthalt in der italienischen Kleinstadt handlungsarm bleibt und diese auch noch von zahlreichen uninteressanten Figuren bevölkert ist. Seine Figur selbst wäre in einer anderen Geschichte womöglich interessant, hier ist es ein wortkarger, gedämpfter Charakter, der mit leichten Mädchen schläft und sich immer wieder ängstlich umsieht, die meiste Zeit aber gelangweilt durch Provinzen stapft. Es ist die schwächste Figur Clooneys seit Jahren, da er schlichtweg nichts zu tun bekommt. Sein inneres hin- und herrangeln mit sich selbst hat keinen Effekt, da vollkommen offen bleibt, wie er seinen möglichen Abschied sieht. Berührt es ihn moralisch, dass er lang unmenschlich handelte? Hat er Angst, irgendwann selbst zum Trainingsziel eines jüngeren Killers zu werden? Traut er sich aufgrund seines Alters nichts mehr zu? Die wahren Beweggründe scheinen nicht durch, es wird das Gefühl erzeugt, dass es der Geschichte gleichgültig ist. Fatal, da es der wichtigste Pfeiler des ganzen Films ist.

 George Clooney spielte in
ANGRIFF DER KILLERTOMATEN mit

Da sich die Geschichte nicht um seinen Protagonisten und dessen Entwicklung kümmert, rückt anderes in den Vordergrund. Da wären vier Hauptfiguren, die durch die Bank weg einfallslos und schwach sind, obwohl jeder von ihnen eine mögliche Reaktion Jacks entfachen könnte: Jacks Chef zweifelt, ob der alte Mann noch der richtige für den Job ist; eine verliebte Prostituierte kämpft um sein Herz, eine junge Anwärterin droht, ihn zu übertreffen. Dann wäre da noch ein Priester, der das sündenvolle Leben Jacks durchschaut und an ihn appelliert, sich seiner Fehler zu stellen. Alle vier Schauspieler sind nicht gut, nur praktikabel, aber Grunde setzt alles darauf, dass sich Jack den Geistern seiner Vergangenheit stellt und dabei mental und emotional stark gefordert wird. Regisseur Anton Corbijn verpatzt es, genau darauf einzugehen.

Sehenswerter wäre es wohl gewesen, Seth Gecko vor seinem Ruhestand zu sehen, Bruce Wayne oder gar seine Figuren aus "Burn after Reading" und "Männer, die auf Ziegen starren". Gerade letztere hätten auch einen besseren Grund für Paranoia gehabt. Selbst "Michael Claytons" Pension wäre wohl spannender gewesen. Unter dem Strich kann man sogar fast sagen, dass Clooney für diesen Film und diese Rolle überqualifiziert war. Ein Schauspieler vom Format seiner Nebendarsteller hätte völlig gereicht.

Sucht man nun nach Spannung oder Action, irrt man gewaltig. Yes we gähn. Es gibt ein paar kurze Auseinandersetzungen, aber all das ist insgesamt eine Sache von nur wenigen Sekunden. Das Poster mit Clooneys entschlossenem Blick und diverse Filmbilder, auf denen man ihn mit Waffe oder gar spurtend sieht, hinterlassen einen völlig falschen Eindruck. Spannende Entwicklung auf eben diese hin bleibt aus; was Hochspannung ala "No Country For Old Men" hätte werden können, ist gelangweiltes Kaffeekränzchen in Parma. Wenigstens ist das ganze relativ schick eingefangen, aber dass ausgerechnet Herbert Grönemeyer (Corbijn kennt ihn von seiner Karriere als Musikvideoregisseur) den Score gemacht hat, fällt nicht weiter auf, so wie der Score auch generell nicht auffällt, in irgendeiner Form denkwürdig zu sein. Damit untermalt er die Stimmung des ganzen Films ironischerweise recht passend, die sich irgendwo zwischen gekonnter Langeweile und perfider Gleichgültigkeit einpendelt
.

Fazit:
The Amerigähn.
Stilvolle Stille bringt nichts, läuft sie auf nichts hinaus, berührt sie nicht, ist sie leblos inszeniert, aussagenleer und Gleichgültigkeit weckend.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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