BG Kritik:

American Sniper


Seit 6 Jahren bei BG. Er hat Geschichte, Soziologie und Anthropologie studiert und ist ebenfalls als Autor tätig.

von Daniel Schmitt

American Sniper (USA 2015)
Regisseur: Clint Eastwood
Cast: Bradley Cooper, Sienna Miller, Owain Yeaoman

Story:
Die Geschichte des vermutlich tödlichsten Scharfschützen der US-Streitkräfte, seiner Einsätze und seines Kampfes mit dem Leben abseits des Krieges.

„American Sniper“ ist in Amerika bereits jetzt einer der kontroversesten Filme des Jahres. Die US Zuschauer sind gespalten. Gelungener Anti-Kriegsfilm oder schamloses Rekrutierungsvideo?

Für seine Rolle war Bradley Cooper für den Oscar nominiert


Schon seit geraumer Zeit haben die US-Navy Seals in der amerikanischen Bevölkerung den Heldenstatus erreicht. Filme wie „Act of Valor“, der Einsatz gegen Osama Bin Laden durch das Seal Team 6 und dem damit verbundenen Medienecho, haben diesen Heldencharakter eher noch bestätigt. Soldatengeschichten verkaufen sich wieder gut, besonders wenn sie auf realen Begebenheiten beruhen oder zumindest frei nach ihnen erzählt werden, was Filme wie „Zero Dark Thirty“, „Lone Survivor“ oder nun Clint Eastwoods „American Sniper“ zeigen. Leider ist die Balance zwischen Pathos und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik eine heikle Gratwanderung, die selten zufriedenstellend durchgeführt wird. Meist neigt es sich in Richtung Propaganda, wie leider auch im Falle dieses amerikanischen Scharfschützen.

Die Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle ist keine einfache. Für das US-Militär war er mit über 160 bestätigten Tötungen ein Held, sogar eine Legende. Für die Gegenseite war er ein Monster, auf den sogar ein Kopfgeld ausgesetzt wurde. Auch innerhalb der Bevölkerung ist er umstritten. Eine Seite sieht ihn als amerikanischen Kriegshelden und die andere als rassistischen Psychopathen. Eines ist gewiss, „American Sniper“ blendet viele dieser Konfliktpunkte gänzlich aus und erzählt seine eigene Geschichte, welche mit der Realität kaum etwas zu tun hat. Die Geschichte und die Figur des Chris Kyle wurde für den Film so sehr verändert, dass sie maßgeschneidertes Hollywoodmaterial ergibt, aber kaum noch etwas mit der Realität zu tun hat.

Während man Kyle im echten Leben eine gewisse Kaltblütigkeit und sogar psychotische Tendenzen unterstellt, wird er im Film als sensibler und traumatisierter Mann dargestellt. Im Film ist er ein bescheidener Schütze, der seinen Job erledigt und kein Waffennarr, der mit seinen Tötungen prahlt. Die Begebenheiten werden verzehrt, Die Zeit nach den Einsätzen und damit Talkshowbesuche oder sein Buch gänzlich weggelassen. Aus mehreren gegnerischen Scharfschützen wird ein Bestimmter gemacht, bzw. einer kurzerhand erfunden. Alles spitzt sich hollywoodgerecht auf einen Höhepunkt zu, um einen gewissen Abschluss zu finden. Wo schlussendlich die Realität aufhört und das Hollywoodmärchen beginnt ist schwer zu sagen. Der Film soll lose auf Chris Kyle eigener Biographie beruhen und die kann man schlecht als objektiv betrachten.

Chris Kyle ist bis heute eine kontroverse, vieldiskutierte Figur. Patriot oder Prolet?


Für die Bewertung des Films sind diese Fakten aber nur bedingt relevant. Tatsache ist, „American Sniper“ weist auch unabhängig davon Probleme auf. Der Feind wird als das seelenlose Böse dargestellt. Zwar wird auch mal kurz angedeutet, dass der gegnerische Scharfschütze eine Familie hat aber seine weitere Persönlichkeit wird nicht für wichtig erachtet. Allgemein herrscht ein tief ausgeprägtes Schwarz Weiß Denken. Zwar zeigt man, dass es einen Unterschied zwischen Zivillisten und feindlichen Kämpfern aber das bleibt nicht hängen. Der Feind wird entmenschlicht.„American Sniper“ lebt vor allem durch Eastwoods Inszenierung und Bradley Coopers Oscar nominierter Performance. Die Tötungen nagen an Eastwoods Kyle, was Coopers erkennen lässt. In den seltenen Passagen in denen er nicht im Krieg ist, wirkt er angespannter, als auf dem Schlachtfeld. Er kämpft mit den Geschehnissen, wie er sie verarbeitet und der Zuschauer kann das durchaus nachvollziehen. Eastwood versteht es die Entscheidungen die Kyle als Scharfschütze treffen muss, packend zu inszenieren. Erschießt er den Jungen der den Raketenwerfer aufnehmen will? Wird der Junge abdrücken oder doch weglaufen. Man hofft mit Cooper, dass er sich anders überlegt und nicht gezwungen ist zu schießen. Diese Bauchwehmomente sind selten aber packend.

Technisch trifft „American Sniper“ mehrfach ins Schwarze, die Story hat allerdings Ladehemmung und verpasst einem einen heftigen Rückstoß. Man könnte es entschuldigen durch die Standardprobleme die jedes Biopic hat. Das man sich gewissen Fakten unterordnen muss und die künstlerische Freiheit beschnitten wird aber an der eigentlichen Geschichte wurde so viel verändert, dass diese Entschuldigung einfach nicht mehr greift. Das Leiden sieht man fast nur durch die Augen der Amerikaner. Sie sind die Guten, die anderen die Bösen. Alles Weitere verläuft klischeehaft. „American Sniper“ verkommt im weiteren Verlauf mehr zur Schießbude, was für dieses Drama einfach nur schade ist. Das Ende reist dafür wieder eine Menge raus und zeigt Eastwoods wahre Intention. „American Sniper“ ist eigentlich kein richtiger Kriegsfilm. Eastwoods Film fühlt sich nur bedingt wie ein Kriegsfilm an, eher wie eine Variante eines modernen Westerns. Wer Chris Kyle in echt auch immer war, hier ist die Figur kein richtiger Soldat. Aus ihm wird ein Revolverheld, ein klassischer Cowboy gemacht, welcher mehr dem neuen Sherriff in der Stadt ähnelt, als dem treu ergebenen Soldaten an der Front. Auch das Ende erinnert eher an Filme wie „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ oder „Blaze of Glory“, als an einen klassischen Kriegsfilm. Es ist und bleibt eine Heldengeschichte, egal ob die Figur ein Held war oder nicht. Leider entsteht dadurch ein gewisses Maß an Pathos, was den Film zwar noch nicht zu einem Rekrutierungsvideo macht aber die Hurrastimmung in manchen Milieus Amerikas erklärt.

Fazit:

„American Sniper“ funktioniert als Western, aber versagt als Antikriegsfilm. Eastwood inszeniert hier die moderne Variante eines klassischen Heldenwestern im Gewand eines modernen, pathetischen Kriegsfilms und verzehrt damit die eigentliche Geschichte der Figur Chris Kyle zu sehr, um es wirklich noch eine Biographie nennen zu können. Dafür versteht Eastwood es den Film packend zu inszenieren und Bradly Cooper zu einer Oscar reifen Performance zu animieren.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

Gleich weiterlesen:


    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikamericansniper.php on line 120

  • Sin City 2   Michael Essmann

  • Inherent Vice   Christian Westhus

  • Maps to the Stars   Christian Westhus

  • Birdman   Christian Westhus
bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich