|
KRITIK:
A NIGHTMARE ON
ELM STREET
Nightmare - Mörderische Träume
von
Christian Mester
A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984)
Regie: Wes Craven
Cast: Heather Langenkamp, Johnny Depp
Story:
Immer öfter träumt Nancy (Heather Langenkamp)
von einem verbrannten Mann namens Freddy Krueger
(Robert Englund), von dem auch ihre Freunde immer
wieder zu träumen scheinen. Als einer von ihnen auf
bizarre Art und Weise im Schlaf ermordet wird, geht
Nancy der Sache nach.
|

|
Johnny Depps erste Filmrolle; sie sollte
ursprünglich an den damals ebenfalls unbekannten
Charlie Sheen gehen, doch der verlangte eine zu hohe Gage |
|
Kritik:
„A Nightmare on Elm Street“ oder auch „Nightmare –
Mörderische Träume“ erschien 1984 und markierte die
Geburt einer neuen Horrorikone. Stumme, grunzende
oder wütend schreiende Slasher hatte es mittlerweile
zur Genüge gegeben, weswegen ein sprechender Mörder
ein willkommenes Novum darstellte. Doch nicht nur
Freddys Hang zum Kontakt, der in späteren Ablegern
noch wesentlich weiter ausgebaut werden sollte,
macht Wes Cravens Film zu etwas Besonderem.
Horrorgeschichten sind immer dann besonders packend,
wenn verzweifelte Opfer keine Chance haben, zu
entkommen. In den meisten Genre-Filmen löst man das,
indem man die Story an abgelegenen Orten spielen
lässt oder das Geschehen innerhalb weniger Stunden
abhandelt. „Nightmare“ hingegen hat es leichter: da
Freddy die Teenager in ihrem Schlaf jagt, kann die
Geschichte auch zwanglos mitten im Alltag spielen.
Da jeder irgendwann einmal übermüdet in die Betten
fällt, gibt es somit keinerlei Möglichkeit, dem Mann
mit den Klauenfingern zu entkommen. Eine ungemein
spannende Grundausrichtung.
|

|
Regisseur Craven wollte ursprünglich ein
Happy End, der offene Schluss-Schock
kam nach Forderung des Produzenten Bob Shaye hinzu |
|
Cravens Film ist das Paradebeispiel eines gelungenen
Horrorfilms. Zwar geht es auch hier wieder nur
darum, dass eine Gruppe Teenager nacheinander ins
Jenseits befördert wird, doch die Chose wird so
originell und interessant inszeniert, dass man „A
Nightmare on Elm Street“ nicht ohne Grund zweifellos
als einen wichtigen Klassiker seines Genres
bezeichnen kann. Das fängt schon mit dem
grundlegenden Konzept an: da Albträume zum realen
Leben gehören, in ihrer Dimension allerdings
fantasievoll alles ermöglichen, erlaubt es der
Geschichte, ausgefallene Szenerien einzuführen, ohne
je realen Boden zu verlieren. Atmosphärisch und
gruselig verschlägt es Figuren und Zuschauer so in
herrlich schaurige Schreckensmomente, die angenehm
bibbern lassen. Sind die Albträume der späteren
Filme teilweise sehr abgehoben (in einem Film
beispielsweise schickt Freddy einen Teenager in ein
Computerspiel und spielt ihn dann lachend), bleiben
die Visionen des ersten Films in ihrer Kreativität
noch relativ auf dem Boden. Kleine, unheimliche
Änderungen der normalen Welt sorgen für unheilvolle
Stimmung. Krönung des ganzen ist der entstellte
Freddy selbst, der zwar nur selten, dafür aber
unberechenbar und immer äußerst effektiv zur Geltung
kommt. Toll sind scheinbar sinnlose, bizarre,
groteske Szenen wie „Schau mal, ich schneide meine
Finger ab“, die den Albtraum gekonnt vertiefen.
Zusammen mit seinem eigensinnigen Look und der Art,
wie er sich bewegt, ein denkwürdiger, großartiger
Auftritt einer Horrorikone.
Die eigentliche Besetzung macht ihre Sache gut bis
moderat. Die damals 20jährige Heather Langenkamp
spielt die 15jährige (!) Nancy sympathisch und macht
sie zu einer passenden Heldenfigur, hat aber
Probleme mit einigen ernsteren Szenen, die Craven
geschickt mit Schwenks und Ablenkungen zu kaschieren
versucht; wenigstens gibt es keinen einzigen
strahlend dämlichen Charakter im Film, was für
Genreverhältnisse eine wohltuende Seltenheit
darstellt. Johnny Depp, der ihren Freund spielt und
im Film sein Leinwanddebüt gibt, bekommt nichts
wirklich zu tun, dafür gibt John Saxon („Der Mann
mit der Todeskralle“) einen souveränen Polizisten
ab. Star des Films ist natürlich Robert Englund, der
als Klingen wetzender Traumdämon zu Recht einer der
größten Genre-Stars wurde („Düstere Legenden“,
„Wishmaster“,
„Zombie Strippers“).
Da der Film damals nur rund ein bis zwei Million
Dollar Budget zur Verfügung hatte, erstaunt der
Look. Für damalige Zeiten sieht die Produktion
hervorragend aus, was den großartigen
Effektkünstlern und Setdesignern zu verdanken ist.
Nach dem eher kruden "The Last House on the Left"
und dem schon besseren "The Hills have Eyes" erweist sich Craven hier als potenter Regisseur. „A Nightmare on Elm Street“ ist zudem voller
denkwürdiger Szenen, die im Kopf bleiben: das Haus
1428 der Elm Street, das fliegende Blutbad, Freddys
Arme, der Kesselraum, Besuch in der Badewanne,
Freddy aus der Wand; Szenen, die jeder Filmfan
direkt erkennt und die sich direkt in die Erinnerung
brennen. Neben einigen Mätzchen im Schauspiel finden
sich noch drei kleinere Probleme, die „Nightmare“
zuweilen etwas stolpern lassen. Zum einen wären da
einige kleinere Längen im Mittelteil, die trotz
einfacher 90 Minuten manchmal auf die Uhr blicken
lassen; hier
wäre einer etwas dichterer Schnitt besser gewesen.
Nach durchweg starken Auseinandersetzungen fällt der
Showdown etwas ab, was vor allem an der
Exekution liegt. Nancys überlegte Gegenwehr erinnert
an "Kevin allein Zuhaus", zwar weniger klamaukhaft,
trotzdem ungünstig gewählt.
Strittig ist der Einsatz der Musik. Die Musik von
Charles Bernstein, der vorher an „Cujo“ und „The
Entity“ saß und trotz fleißiger Arbeit danach nie
wieder relevante Filmscores schrieb, geht ins Ohr
und ist für sich gesehen melodiös eine sofort wieder
erkennbare Klangwelt, doch das helle Geklimper und
spätere dynamische Gedudel begleitet die visuellen
Schrecken nicht gruselig genug. Verglichen mit
„Freitag der 13te“ und
„Halloween“ beispielsweise
wirkt „A Nightmare on Elm Street“ dadurch flotter,
leichter; ein ernsterer, düsterer Score hätte
weitaus intensiver gewirkt.
Fazit:
“A Nightmare on Elm Street“ ist ein erstklassiger
Horrorfilm mit einem genialen Konzept. Muss man
selbst bei geringem Interesse am Genre gesehen
haben..
8 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
Schon gewusst?
- der Name Freddy Krueger basiert auf einem
Mitschüler, der Craven als Kind ärgerte
- Depp nahm einen Freund mit zum Casting: Jackie
Earle Haley; 26 Jahre später sollte dieser die Rolle
des neuen Kruegers im Platinum Dunes Remake bekommen
- für Nancys Rolle wurden Demi Moore und Courteney
Cox abgelehnt; Cox spielte 12 Jahre später Gale
Weathers in Wes Cravens "Scream" Trilogie
- kostete rund 2 Millionen Dollar und spielte allein
in den USA 25 Mio. $ ein
- der Erfolg der Nightmare Serie etablierte New Line
Cinema als namhaftes Studio
- Craven hatte das Drehbuch bereits 1981 fertig,
produzieren wollte es drei Jahre lang niemand
- in einer Szene schaut die 15jährige Nancy in einen
Spiegel und sagt, sie sähe ja aus wie 20 - in
Wirklichkeit war die Schauspielerin der Rolle
bereits 20 Jahre alt
- im Film schaut Nancy "Tanz der Teufel"; in "Tanz
der Teufel 2" hängt Freddys Klaue in Ashs Schuppen;
"Tanz der Teufel" Regisseur Sam Raimi hatte damit
angefangen: er hatte in "Tanz der Teufel" ein Poster
von Cravens "The Hills have Eyes" hängen
- das Verdeck des Cabrios am Ende ist Freddys
Pullover nachempfunden
- während des Drehs ergoss sich eine Blutfontäne
über das Set und sämtliche Elektronik; Englund
rettete Langenkamp vor möglichen Elektroschocks
- die Szene, in der Freddy in Brand gesetzt wird und
Heather Langenkamp verfolgt, gewann 1985 einen Award
für die großartige Leistung des Stuntmans
- um Freddys Krallen Funken schlagen zu lassen,
schloss man sie an eine Autobatterie an
- Englund orientierte sich schauspielerisch an Klaus
Kinskis Auftritt in "Nosferatu"
|