Schwarzeneggers Schmuckstückchen:
Herkules in New York
Pumping Iron
Kaktus Jack
Junior
Terminator II 3D: Battle Across Time
von
Christian Mester
Ob "Eraser",
"Terminator", Versprochen ist versprochen", "Twins"
oder "Kindergarten Cop" - jeder Filmfan kennt alle
relevanten Filme Arnold Schwarzeneggers, in denen
die österreichische Kante zumeist den kühnen
Actionhelden abgibt. Der grelle Glanz macht es
jedoch umso
interessanter, einmal hinter den Vorhang zu blicken, was sich
dort alles Fragwürdiges im
breiten Schatten des Thaler Grazers finden lässt. Bei Kollege Stallone
waren es in erster Linie
"Bocky - Ein Mann steckt
einen weg" und "Stop - oder meine Mami
schießt", doch ist 'Arnie' je so tief gesunken?
Werfen wir einen kritischen Blick auf fünf obskure Schwarzenegger Filme.
Seine erste eigene Hauptrolle in "Herkules in New
York", seine Bodybuilder-Doku "Pumping Iron", sein
Klamauk-Western "Kaktus Jack", sein
Film als schwangerer Mann, "Junior"
und das Universal Studios Freizeitpark 3-D
Eventspektakel "Terminator II 3-D".
HERKULES IN NEW YORK (1970)
HERCULES IN NEW
YORK Regie: Arthur Allan Seidelmann
Cast: Arnold Schwarzenegger, James Karen
Kritik:
"Herkules in New York"
wurde 1969 gedreht - gerade einmal ein Jahr, nachdem
Arnold Schwarzenegger in die USA gezogen war und
eins, bevor er zum ersten Mal Mr. Olympia wurde. Während er also eisern an
weiteren Titeln kämpfte - sein Aufenthalt in den
Staaten wurde ihm primär dafür gesponsort -
besuchte er erste Castings und ergatterte prompt eine
erste Hauptrolle , obwohl er kaum Englisch
sprechen konnte und keine Ahnung vom Schauspielen
hatte. Das war aber auch nicht weiter schlimm, denn
für die Action-Komödie "Herkules in New York"
brauchte es nur einen muskelbepackten Kleiderbügel,
der problemlos ausländisch und leicht dämlich wirken
durfte, da er er Zeus' starken, aber auch
einfältigen Sohn darstellen sollte.
Die Story ist schnell erzählt: der hirnschwache
Gottessohn Herkules langweilt sich im Olymp (eine
kleine Gartenanlage mit einem Stuhl als Thron, die
nur durch Togas aller Beteiligten an griechisches
Ambiente erinnern lassen) und wird wegen seiner
Respektlosigkeit hinunter auf die Erde verbannt, wo
er mit seiner übermenschlichen Stärke und der
törichten Ansicht, Menschen seien von geringerem
Wert als er (ein Österreicher, der im Ausland
propagiert, Menschen seien klassierbar? heikel!), jede Menge Trouble in New York
anrichtet. Der lustig gedachte Film ist in der Tat
sehr amüsant, das aber wohl nicht im Sinne der
Filmemacher. Schaut man ihn sich im O-Ton mit
Schwarzeneggers Originalstimme an (für die
US-Kinofassung wurde er wegen seines starken
österreichischen Akzents und einer grausigen
Aussprache neu synchronisiert - dasselbe passierte
übrigens bei "Mad Max" mit Mel Gibson, weil der dem
US-Publikum zu australisch klang; auf der DVD wird
Schwarzeneggers O-Ton nun sogar beworben), ist er
zum Schießen. Schwarzeneggers völlig monotone,
klobige und
stumpfe Art zu sprechen, wie auch die eklatant
schlechte Aussprache und falsche Betonung seiner
Worte (aus "I'm tired of the same old faces, the
same old things" wird beispielsweise "Eim teiett ov
se sem olt fayses, se sem olt zingz") lassen vor
Lachen kringeln, weil die Dialoge somit absolut
blamabel und lächerlich klingen.
Der Film selbst ist gefüllt mit unsinnigen und
grausig schlechten Szenen, in denen sich Herkules
auf Erden respektlos aufführt. Als er von
hilfreichen Fischern im Meer aufgelesen wird, mischt
er die Matrosen an Bord auf, an Land stört er
Werftarbeiter bei der Arbeit, denunziert Sportler,
prellt und zerstört Taxis; ständig zieht er sein
Hemd aus, um mit seinen Muckis zu posieren, er
erniedrigt nach Willkür verschiedene Männer und
ringt im Central Park mit einem entflohenen Bären
(ein Mann im billigsten Bärenkostüm, der sich wie
ein Gorilla bewegt und wie ein Puma faucht!). Als
Herkules aus dem Olymp fällt, gleitet er in Zeitlupe
an einem Flugzeug vorbei, um entsetzten Hausfrauen
nach Art von "Die nackte Kanone" dämlich grinsend
zuzuwinken. Sämtliche Szenen, die Herkules göttliche
Stärke zeigen sollen, sind von Regisseur Seidelmann
schrecklich amateurhaft inszeniert. So wird bei
einem Speerwurfwettbewerb auf einem Sportplatz
aufgrund miserabler Kameraaufnahmen überhaupt nicht
deutlich gemacht, wer von den Kontrahenten nun
überhaupt wie weit geworfen hat. Eine wirkliche
Handlungsentwicklung gibt es nicht - nach einer
Weile taucht ein böser anderer Gott auf, der
Herkules kurzzeitig seiner Kräfte beraubt, doch es
endet darin, dass sich Herkules seiner Untaten
bewusst wird, sich debil entschuldigt und wieder in den
Himmel aufgenommen wird. Filmerisch ist die
Action-Komödie unterste Schublade, da Seidelmann
offebar keine Ahnung von seinem Fach hat, Effekte, Action
und Sets nach Low-Budget-Trash aussehen und der Film
auch noch nonstop von einem schunkelnden, griechischen Palim-Palim-Syrtaki Score
untermalt wird, der aufgrund seiner ständigen
Wiederholung alsbald danach schreien lässt,
sich Suflakispieße in die Ohren zu schieben.
Fazit:
Schwarzeneggers Leinwanddebüt
"Herkules in New York" von vor 41 Jahren ist ein
eigentlich grottenschlechter Film, aus dem man sich
unter Umständen einiges an Unterhaltung ziehen kann.
Für Schwarzenegger-Fans ist sein Debüt natürlich ein Pflichtfilm
- allein schon, weil es sein Debüt ist. Wichtig
ist, dass man sich die englische Fassung mit
Schwarzeneggers originaler Stimme anhört - die
englischen und deutschen Synchronisationen sind
faktisch klarer, aber erheblich langweiliger.
Wichtig ist auch (wie bei fast allen Komödien), dass
man sich den Film möglichst mit anderen ansieht,
wodurch Zitate rasch Kultfaktor annehmen und es
sogar vorkommt, dass man die Blödheit mancher Szenen
gemeinsam so unbegreiflich findet, dass man sie sich
zwei- oder dreimal ansehen muss. Nicht unbedingt
nüchtern sein wäre eine weiteres Hilfsmittel,
ebenso, möglichst nicht mehr als 45 Minuten auf
einmal zu schauen. Allgemein wäre es wohl ein 1-2
Punkte Kandidat, doch unter den passenden
Konditionen klappen auch
5 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
PUMPING IRON
(1977) Regie: George Butler
Cast: Arnold Schwarzenegger, Lou Ferrigno, Mike Katz
Kritik:
Bevor Arnold Schwarzenegger zum größten
Actionfilm-Star und Gouverneur Kaliforniens wurde,
war er eine der bedeutendsten Athleten eines als
sehr eigensinnig geltenden Sportbereichs: nicht
Eisstockschießen, auch nicht Teebeutelweitwurf:
Bodybuilding. Nachdem er schon in seiner Heimat
erste Preise damit erzielen konnte, hatte man ihn
1968 zum professionellen Training in die Vereinigten
Staaten eingeladen. Zwei Jahre später gewann er
schließlich zum ersten Mal den Preis des Mr.
Olympia, den Titel des weltbesten Bodybuilders. Er
gewann ihn anschließend fünf weitere Jahre, gab
seinen Rücktritt vom offiziellen Wettkampf bekannt
und kehrte 1980 noch einmal kurz zurück, um den
begehrten Titel seinem vorherigen Abschied trotzend zum siebten Mal zu gewinnen.
"Pumping Iron" ist eine Dokumentation des 1975er Mr.
Olympia Contests, die eigentlich keine, aber Relevanz hat, da sie
Schwarzeneggers Herkunft zeigt. Zum Zeitpunkt des
Films ist er bereits fünffacher Titelträger und der
berühmteste, erfolgreichste und beliebteste
Bodybuilder der Welt. Er liebt den Rummel um seine
Person, weiß, wer er ist, was er kann und wo er noch
hin will. Dass er gut ist, wird schnell deutlich.
Selbst als Laie sieht man beim Wett-Posieren gegen
seine Gegner, dass er in den relevanten Kategorien
der strengen Prüfer - Körpersymmetrie und -proportionen
- allen anderen überlegen ist. Doch die körperliche
Überlegenheit ist nicht ausschlaggebend für seine
Erfolge, und nicht ausschlaggebend für den
bleibenden Eindruck, den er hinterlässt. Der Film,
der auch andere Profi-Bodybuilder wie Lou Ferrigno
(der spätere Hulk aus der Bill Bixby Fernsehserie,
und aus "King of Queens", schüchtern, aber
sympathisch) und Franco Columbo (mit dem er mehrmals
deutsch spricht) begleitet, zeigt seine Bodybuilder
als sympathische, durchaus intelligente und
einfühlsame Menschen, doch Schwarzenegger ist der
einzige von ihnen, der auch seelische Stärke
ausstrahlt. Während die meisten 100kg+ Muskelpakete
vor der Prüfung nervös auf- und abgehen und
Selbstzweifel bekommen, ist Schwarzenegger schon von
Anfang an in seinem Element. Er ist gelassen, gut
gelaunt, schelmisch und so überzeugt von sich selbst, dass er
seinen Sieg schon vor dem eigentlichen Turnier
verkündet. Extra, vor seinen Mitstreitern, um sie
dadurch tückisch um so mehr zu verunsichern. Schwarzenegger
wird als kluger Manipulator gezeigt, der sein Umfeld
so dirigiert, wie er es zur Erfüllung seiner Ziele
braucht. Viele Wettstreiter sehen ihre Gegner als
mögliche Gefahren, als könnten sie ihm etwas
wegnehmen, doch was man bei anderen als Arroganz einschätzen
könnte, ist bei Schwarzenegger bloß überragende
Selbstsicherheit, gekoppelt mit immenser Disziplin
und engstirniger Hartnäckigkeit (mit breitem Nacken). Wie es Lou Ferrignos Vater und Trainer im Film sagt,
paraphrasiert: trainierst
du hart und stehst kurz vor deinem Zusammenbruch, trainiert Arnold noch doppelt so hart
und geht danach lachend Kaffee schlürfen.
Steht man Bodybuilding allgemein kritisch gegenüber,
wird der Film nichts an der Skepsis ändern - wenn
Männer nackt unter der Dusche stehen und sich dabei
gegenseitig begutachten und sich gegenseitig für
ihre wohl geformten Muskeln beglückwünschen, wenn
sie in kleinen Unterhosen vor johlenden Mengen
posieren oder sich gegenseitig mit Babyöl einreiben,
kann das schon mal gewisse Eindrücke hinterlassen.
Es steckt jedoch auch ehrliches Drama im Film, in
dem man einen Eindruck von der harten Anstrengung
bekommt, die für solche Formen nötig ist, und die
fliehende Angst, irgendwann zu alt zu sein. „Pumping
Iron“ ist ein Abschied an Schwarzeneggers erste
Karriere und gleichzeitig der Grundstein seiner
Schauspielkarriere. In „Hercules in New York“
blamierte er sich noch als stammelnder, unfreiwillig
komischer Nichtsnutz aus Europa, doch obwohl er
zwischen dem und diesen noch zwei andere Rollen
hatte, zeigte „Pumping Iron“ erstmals
Schwarzeneggers echte Star-Qualitäten, die er fünf
Jahre später mit "Conan, der Barbar" in die Welt
meißeln sollte. Als er mit leuchtenden Augen im
Interview davon spricht, im Filmbusiness Fuß fassen
zu wollen, glaubt man es ihm. Nicht, weil seine
monströse Gestalt, seine Zahnlücke und die Günter
Netzer Frisur überzeugen, sondern weil sein
ansteckender Spaß und sein Siegeswille ankommen. Ein
Wille, der zur Welle wurde und Hollywood fortan
überschwemmte.
Fazit:
Als Dokumentarfilm ist "Pumping
Iron" nur bedingt zu empfehlen, da er relativ
oberflächlich gehalten ist und man nur einen
passiven Einblick ins professionelle Bodybuilding
bekommt. Es fehlen informativere Erklärungen,
Beschreibungen und viele Off-Kommentare, um als Laie
tatsächlich etwas zu lernen. Als
Schwarzeneggermaterial ist er jedoch unabdingbar, da
er seinen Hintergrund beleuchtet und offen legt, aus
welcher Urmasse er seine Folgekarriere bildete.
4 /
10
KAKTUS JACK
(1979)
THE VILLAIN Regie: Arthur Allan Seidelmann
Cast: Arnold Schwarzenegger, Kirk Douglas
Kritik:
Ein Arnold Schwarzenegger Western, zwei Jahre nach "Pumping
Iron"? Howdy, den gibt es tatsächlich, auch wenn ihn
heutzutage fast niemand mehr kennen dürfte. Dabei
war der Film zu seiner Zeit gar nicht mal so klein
und unbedeutend – die Hauptrollen spielten der
damals dreifach Oscar nominierte Kirk Douglas und
die zwei nominierte Ann Margret, Regie führte Burt
Reynolds Busenfreund Hal Needham („Smokey and the
Bandit“, „Cannonball Run“ 1+2). Der Film, der in den
USA auch als „The Villain“ lief, ist jedoch,
vorsichtig ausgedrückt, nicht unbedingt das, was man
einen klassischen Western ala "Erbarmungslos" oder "The
Searchers" nennen würde. Es ist eine
völlig überzogene Slapstick-Parodie nach Art von
„Hot Shots“, so albern, dass man seinen Augen kaum
trauen mag.
Douglas spielt Kaktus Jack, einen notorischen
Troublemaker, der eines Tages erblickt, wie ein
riesiger und nicht ganz heller Cowboy (Arnold
Schwarzenegger) eine großbusige Frau namens Charming
(Ann Margret) vom Bahnhof der Stadt abholt und sie
durch die Gegend kutschiert. Hilflos über beide
Ohren verliebt, versucht Kaktus Jack alles, um einen
Kuss seiner Traumfrau zu erhaschen (und ihre
wertvolle Tasche zu klauen). Der Film ist nun
zugeklaubt mit blödsinnigstem Klamauk, der
unweigerlich an Wiley E. Coyote und den Road Runner
von Warner Bros. erinnert (unter anderem, weil sogar
die offizielle Looney Tunes Cartoonmusik läuft!).
Douglas rutscht verdutzt von Abhängen und bleibt
sekundenlang in der Luft stehen, um blöd
dreinblickend abzustürzen, er liest How-To Bücher für Bösewichte,
er wird von einer riesigen Steinkugel (aus
Pappmaché) niedergewalzt und ständig von seinem
cartoonhaften Pferd Whiskey ausgelacht. Er versucht
sogar, Schwarzeneggers Kutsche fies lachend auf
einem Bahnübergang festzukleben, doch als es nicht
funktioniert, bleibt er es selbst und wird vom
nahenden Zug erwischt. Dazu kommen zahlreiche
Boing/Peng/Zong Sounds wie aus der Batman
Live-Action Serie, die das Gezeigte in jeder Minute
unernst machen.
Dass Schwarzeneggers „Hercules“ hier mittlerweile
zehn Jahre zurück lag, merkt man ihm an. Im O-Ton
ist sein Englisch schon bedeutend besser, allerdings
bietet ihm seine Rolle wieder nichts Ordentliches,
nicht einmal unfreiwillig Komisches. Zu Anfang
blödelt er selbst ein wenig mit, indem er eine
Feuerkutsche aufhält und eine meckernde Frau gegen
ihren Willen über die Straße bringt, doch der Rest
des Films gehört dem Altstar Douglas. Schwarzenegger
wird in einer Tour von Ann Margret, oder besser, Ann
Margrets praller Oberweite bezirzt und gibt den
naiven Vernünftigen der Handlung ab, der die meiste
Zeit über nur brav auf dem Kutschbock sitzt und im
Hintergrund davon reitet, während Douglas im
Vordergrund wieder in irgendein Fettnäpfchen tritt.
„Kaktus Jack“ kann man szenenweise sehr lustig
finden, allerdings gibt es zu wenig von den wirklich
abgedrehten Szenen, um die gesamte Laufzeit lohnend
zu machen. Insbesondere langweilt ein längerer Part
mit Indianern, die offensichtlich von
Nicht-Indianern gespielt werden und sich in
unlustigen Diskussionen mit schwachen Wortwitzen
verstricken. Da Schwarzenegger selbst nur wenige
Szenen hat, in denen er aktiv etwas macht, kann man
selbst engsten Fans des Österreichers nicht
unbedingt empfehlen, sich das Ding für ihn anzusehen
(wobei das nicht für Kirk Douglas Fans gilt – die
müssen unbedingt sehen, wie sich Spartacus zum
Looney Tunes Affen macht).
Fazit:
Die Vorstellung von Arnold
Schwarzenegger im Cowboy-Outfit ist so ungewöhnlich, dass
man "Kaktus Jack" schon allein dafür gesehen, bzw.
besprochen haben muss. Da der Film jedoch abgesehen
von der Schrägheit seiner Person in so einem Film
wenig Schwarzenegger bietet, reicht es wohl, wirft
man dafür mal einen Blick auf ein Best-of bei Youtube.
Ansonsten ist es eine abgedrehte Road Runner
Umsetzung, in der der ansonsten so hoch angesehene
Kirk Douglas aufs albernste herumkaspert und sein
bestes gibt, Wiley E. Coyote zu sein. Für
Schwarzeneggerfans merk-, aber überspringbar, für
Douglasfans ein Muss!
3 /
10
JUNIOR
(1994) Regie: Ivan Reitman
Cast: Arnold Schwarzenegger, Danny de Vito, Emma Thompson
Kritik:
Weil "Twins" ein Kassenrenner war, gaben sich Arnold
Schwarzenegger und Danny
de Vito anschließend für eine weitere gemeinsame
Ivan Reitman ("Ghostbusters") Komödie her, dessen
Konzept alles Dagewesene in den Schatten von Arnolds
Bizeps stellen sollte. Nachdem es schon urkomisch
gewesen war, ihn als Kindergärtner zu sehen, sollte
es gar episch lustig werden, ihn auf der Leinwand zu
schwängern. Die Handlung des Ergebnisses "Junior"
ist so simpel wie seine Idee: zwei Wissenschaftler
probieren, ob man ein Baby auch in einem männlichen
Körper heranwachsen lassen kann - natürlich in
Schwarzeneggers. Der Humor zielt nun darauf ab,
Arnold die Qualen einer Schwangerschaft aufzudrücken
und es lustig zu machen, dass er und de Vito
versuchen müssen, das absurde Experiment vor Mr.
Nixon Frank Langella geheim zu halten.
Und es ist bizarr.
Im Vergleich zu seinen anderen Rollen spielt er hier
einen zurückhaltenden, schüchternen und leicht
doofen Waschlappen von Mann, der zum Testobjekt für
ein unnatürliches, cronenbergsches Experiment wird, das genau
genommen fürchterlich ist. Ihre gemeinsame Schöpfung
gedeiht in seinem Abdomen, sodass er alsbald
anfängt, sich wie eine hochschwangere Frau zu
fühlen. Er muss sich ständig erleichtern und
übergeben, bekommt sensible Nippel, eine wuchtige
Bauchauswölbung und am Ende sogar Wehen, obwohl er
überhaupt keinen Vaginaltrakt, geschweige denn eine
Gebärmutter hätte. Dafür infiltriert er ein Lager
echter schwangerer Frauen und verkleidet sich - wenn
auch nicht so aufwendig wie in "Total Recall" - als
eine von ihnen. Bizarr ist der Gedanke, dass das
Experiment auch schief gehen könnte und
Schwarzenegger dann einen toten Embryo in seiner
Bauchschicht liegen hätte; bizarr ist der
Gedanke, was das geborene Kind später vom Gedanken
hält, dass sein Vater in Wahrheit seine Mutter und seine Mutter nur Spenderin
ist. Bizarr ist auch, dass sich die biologische
Mutter (niedlich: Emma Thompson) im Film in den
schwangeren Arnold verliebt und trotz seines
grotesken Zustands Sex mit ihm hat (alles andere als
niedlich). Bei all der
Groteske fällt es schwer, sich auf den Humor des
Films einzulassen, den Reitman auch noch so
musikalisch untermalen lässt, als sei es ein
ernstes, sensibel gemeintes Drama. So sensibel wie
Schwarzeneggers Nippel im Film.
Fazit:
"Junior" ist die seltsamste und
fragwürdigste Ausgeburt (...) Schwarzeneggers und kaum zu
beschreiben. Muss man sich das also ansehen, es kennen?
Besser wäre es wohl, sämtliche Kopien einzusammeln,
sich davon abzunabeln
und sie gesammelt zu verbrennen, nur um sich dann
an die Hände zu fassen und gemeinsam mit Dustin
Hoffman und Samuel L. Jackson zu
manifestieren, dass es niemals existierte. "Junior"
könnte ein Grund sein, wieso Außerirdische uns bei
einem Besuch doch besser auslöschen sollten. Sollte mal
ein übergroßer Komet gen Erde rasen, dessen Größe
garantiert, dass wir alle sterben werden, sollte man ihn
"Junior" taufen. Sollte es ein Remake von
"Fahrenheit 451" geben, sollte es davon handeln,
dass die Bösen (nun: die Guten) gewinnen und auch
die letzte DVD, Blu-Ray, VHS und Laserdisc Kopie von
"Junior" finden und auslöschen.
"Junior" ist der galaktische Preis, das
Gegengewicht, das Yung zum Ying dafür, dass wir "Terminator",
"Terminator 2", "Predator" und "Phantom Commando"
bekamen.
? /
10
TERMINATOR 2 3D: Battle Across Time
(1996) Regie: James Cameron
Cast: Arnold Schwarzenegger, Edward Furlong, Robert Patrick
Kritik:
"Terminator 2: Judgement Day" war 1991 einer der
größten Filme seiner Zeit, weswegen einige Jahre
später ein dazu gehöriges Park-Event-Erlebnis entwickelt
wurde. James Cameron (“Avatar: Aufbruch nach
Pandora”) war damals schon begeistert von 3D und
plante, ein ausgesprochen eindrucksvolles 3D
Live-Action/Filmerlebnis anzubieten. Für insgesamt
60 Millionen Dollar entstand daraufhin die
Einrichtung und der 12minütige Kurzfilm, in dem die
vier Hauptdarsteller des zweiten Films, Arnold
Schwarzenegger, Robert Patrick, Linda Hamilton und
Edward Furlong alle drin vorkommen.
Das ganze beginnt unter der Prämisse, dass Cyberdyne
Gäste ins Miles Bennett Auditorium einlädt. Dort
angekommen, brechen die Connors ein und stören die
Vorführung, um die Gäste vor SkyNets wahren Plänen
zu warnen. Ein T-1000 erscheint aus der Zukunft und
Schwarzeneggers T-800 folgt. Ein wilder Kampf bricht aus und der Terminator und John fliehen in die Zukunft. Dort
angekommen, werden sie von einem Hunter-Killer,
kleinen fliegenden Maschinen und einem anderen
Terminator angegriffen. Sie betreten den SkyNet
Hauptcomputer und finden dessen Herz – einen
riesigen flüssigen Roboter in Spinnenform, den T 1
Million. Während John im letzten Moment wieder in
die Gegenwart springen kann, bleibt der T-800 zurück
und sprengt SkyNet in die Luft.
Die Show ist eine Mischung aus verschiedenen
Techniken. Ein 3D Film läuft auf den Leinwänden ab,
während Park-Stuntmen vor der Leinwand herumfahren,
kämpfen und schießen. Es wird so gesetzt, dass die
Figuren stets vom Publikum fortschauen und von
Kameras aufgezeichnet werden, deren Bilder man wie
bei einem Konzert auf der Leinwand sieht. So
entsteht der Eindruck, Arnold Schwarzenegger selbst
stehe vorn am Terminal. Der 3D Effekt ist nicht so
gut wie man es heutzutage in den Kinos gewöhnt ist,
dafür aber in der Mischung gut eingesetzt. So
klettern die Stuntmen beispielsweise an Säulen hoch
und es sieht so aus, als greife der T 1 Million um
diese herum, andererseits ist es durchaus geeky,
wenn Arnold in seinem ikonischen Outfit eine Pumpgun
zuckt und sie aus der Leinwand heraus ins Publikum
hält.
Fazit:
"Terminator 2 3D" ist wohl nicht mit "Terminator
2" zu vergleichen, da der Film nur einen Bruchteil
der Laufzeit des Vorgängers hat und mehr Show als
Film ist, aber es ist eine exzellente Erweiterung
und Realisierung des T2-Kults und ein Fest für jeden
Schwarzenegger-Fan. Da die Show allerdings bereits
mächtig angestaubt ist, droht ihr dasselbe Schicksal
wie Michael Jacksons 3D Film "Captain EO" in
Disneyworld: irgendwann abgesetzt und ersetzt zu
werden. Wer glühender Terminator-Fan ist und es in
Kürze in die Vereinigten Staaten schafft, sollte
also alles daran gesetzt werden, das mitzunehmen.
7 /
10
Oberfazit:
Ausgeburten und Nachgeburten, die
Geburt eines Stars, herausragende 3-D Bilder und
wiehernde Pferde - diese fünf Titel gehören nicht
unbedingt zu den Filmen, die Action-Ikone Arnold
Schwarzenegger als die besten und wichtigsten und
sehenswerten Zelluloidwerke seiner Karriere
bezeichnen würde, allerdings existieren sie und
haben jeweils eine eigene Bedeutung. Es sind so
spezielle Werke, dass niemand sonst sie nachahmen
oder remaken könnte. Ein "Pumping Iron" mit Jay
Cutler und Ronnie Coleman? Vielleicht interessant,
aber Arnies Charme fehlend, denn weder Coleman noch
Cutler würde man zutrauen, Fuß im Film fassen zu
können. Oder besser gesagt: Trizeps im Theater
lassen zu können.
Gerard Butler als erwartender Vater? Katherine Heigl
dabei und es wäre eine qualitativ nicht unbedingt
schlechtere Umsetzung (und nicht unbedingt
schlechter als die meisten anderen Heigls), aber
eine weitaus weniger absurde Geschichte, da Arnold
ein Titan seiner Art ist, wie es ihn heute nicht
mehr gibt. Sam Worthington 3D in einem Terminator:
Salvation 3D Leinwandspektakel? Hat nicht denselben
Grip, und von Herkules in New York mit Jason Statham
lässt sich gar nicht erst denken (da dieser dafür
offenbar zu wenig Haare auf dem Kopf hat, und sich
auch nicht damit zufrieden geben würde, mit einer
Kutsche am Madison Square Garden vorbei zu fahren -
bei ihm wäre es eine brennende Galeere, die
explodierend vom Himmel fällt, während Fear Factory
läuft und Jason Stathercukles fallend Pluto ins
Nirvana drischt, um dann am Boden den
Werzyklominozerberus zu besiegen).
Bleibt Kaktus Jack 2012, in dem Daniel Day-Lewis
herumclownt, während The Rock den netten Cowboy
gibt, der Scarlett Johansson in den Ausschnitt
stiert? Darüber könnte man mal reden.