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Schwarzeneggers Schmuckstückchen:
Herkules in New York
Pumping Iron
Kaktus Jack
Junior
Terminator II 3D: Battle Across Time


von Christian Mester

Ob "Eraser", "Terminator", Versprochen ist versprochen", "Twins" oder "Kindergarten Cop" - jeder Filmfan kennt alle relevanten Filme Arnold Schwarzeneggers, in denen die österreichische Kante zumeist den kühnen Actionhelden abgibt. Der grelle Glanz macht es jedoch umso interessanter, einmal hinter den Vorhang zu blicken, was sich dort alles Fragwürdiges im breiten Schatten des Thaler Grazers finden lässt. Bei Kollege Stallone waren es in erster Linie "Bocky - Ein Mann steckt einen weg" und "Stop - oder meine Mami schießt", doch ist 'Arnie' je so tief gesunken?

Werfen wir einen kritischen Blick auf fünf obskure Schwarzenegger Filme. Seine erste eigene Hauptrolle in "Herkules in New York", seine Bodybuilder-Doku "Pumping Iron", sein Klamauk-Western "Kaktus Jack", sein Film als schwangerer Mann, "Junior" und das Universal Studios Freizeitpark 3-D Eventspektakel "Terminator II 3-D".

HERKULES IN NEW YORK (1970)
HERCULES IN NEW YORK

Regie: Arthur Allan Seidelmann
Cast: Arnold Schwarzenegger, James Karen

Kritik:
"Herkules in New York" wurde 1969 gedreht - gerade einmal ein Jahr, nachdem Arnold Schwarzenegger in die USA gezogen war und eins, bevor er zum ersten Mal Mr. Olympia wurde.  Während er also eisern an weiteren Titeln kämpfte - sein Aufenthalt in den Staaten wurde ihm primär dafür gesponsort - besuchte er erste Castings und ergatterte prompt eine erste Hauptrolle , obwohl er kaum Englisch sprechen konnte und keine Ahnung vom Schauspielen hatte. Das war aber auch nicht weiter schlimm, denn für die Action-Komödie "Herkules in New York" brauchte es nur einen muskelbepackten Kleiderbügel, der problemlos ausländisch und leicht dämlich wirken durfte, da er er Zeus' starken, aber auch einfältigen Sohn darstellen sollte.

Die Story ist schnell erzählt: der hirnschwache Gottessohn Herkules langweilt sich im Olymp (eine kleine Gartenanlage mit einem Stuhl als Thron, die nur durch Togas aller Beteiligten an griechisches Ambiente erinnern lassen) und wird wegen seiner Respektlosigkeit hinunter auf die Erde verbannt, wo er mit seiner übermenschlichen Stärke und der törichten Ansicht, Menschen seien von geringerem Wert als er (ein Österreicher, der im Ausland propagiert, Menschen seien klassierbar? heikel!), jede Menge Trouble in New York anrichtet. Der lustig gedachte Film ist in der Tat sehr amüsant, das aber wohl nicht im Sinne der Filmemacher. Schaut man ihn sich im O-Ton mit Schwarzeneggers Originalstimme an (für die US-Kinofassung wurde er wegen seines starken österreichischen Akzents und einer grausigen Aussprache neu synchronisiert - dasselbe passierte übrigens bei "Mad Max" mit Mel Gibson, weil der dem US-Publikum zu australisch klang; auf der DVD wird Schwarzeneggers O-Ton nun sogar beworben), ist er zum Schießen. Schwarzeneggers völlig monotone, klobige und stumpfe Art zu sprechen, wie auch die eklatant schlechte Aussprache und falsche Betonung seiner Worte (aus "I'm tired of the same old faces, the same old things" wird beispielsweise "Eim teiett ov se sem olt fayses, se sem olt zingz") lassen vor Lachen kringeln, weil die Dialoge somit absolut blamabel und lächerlich klingen.

Der Film selbst ist gefüllt mit unsinnigen und grausig schlechten Szenen, in denen sich Herkules auf Erden respektlos aufführt. Als er von hilfreichen Fischern im Meer aufgelesen wird, mischt er die Matrosen an Bord auf, an Land stört er Werftarbeiter bei der Arbeit, denunziert Sportler, prellt und zerstört Taxis; ständig zieht er sein Hemd aus, um mit seinen Muckis zu posieren, er erniedrigt nach Willkür verschiedene Männer und ringt im Central Park mit einem entflohenen Bären (ein Mann im billigsten Bärenkostüm, der sich wie ein Gorilla bewegt und wie ein Puma faucht!). Als Herkules aus dem Olymp fällt, gleitet er in Zeitlupe an einem Flugzeug vorbei, um entsetzten Hausfrauen nach Art von "Die nackte Kanone" dämlich grinsend zuzuwinken. Sämtliche Szenen, die Herkules göttliche Stärke zeigen sollen, sind von Regisseur Seidelmann schrecklich amateurhaft inszeniert. So wird bei einem Speerwurfwettbewerb auf einem Sportplatz aufgrund miserabler Kameraaufnahmen überhaupt nicht deutlich gemacht, wer von den Kontrahenten nun überhaupt wie weit geworfen hat. Eine wirkliche Handlungsentwicklung gibt es nicht - nach einer Weile taucht ein böser anderer Gott auf, der Herkules kurzzeitig seiner Kräfte beraubt, doch es endet darin, dass sich Herkules seiner Untaten bewusst wird, sich debil entschuldigt und wieder in den Himmel aufgenommen wird. Filmerisch ist die Action-Komödie unterste Schublade, da Seidelmann offebar keine Ahnung von seinem Fach hat, Effekte, Action und Sets nach Low-Budget-Trash aussehen und der Film auch noch nonstop von einem schunkelnden, griechischen Palim-Palim-Syrtaki Score untermalt wird, der aufgrund seiner ständigen Wiederholung alsbald danach schreien lässt, sich Suflakispieße in die Ohren zu schieben.

Fazit:
Schwarzeneggers Leinwanddebüt "Herkules in New York" von vor 41 Jahren ist ein eigentlich grottenschlechter Film, aus dem man sich unter Umständen einiges an Unterhaltung ziehen kann. Für Schwarzenegger-Fans ist sein Debüt natürlich ein Pflichtfilm - allein schon, weil es sein Debüt ist. Wichtig ist, dass man sich die englische Fassung mit Schwarzeneggers originaler Stimme anhört - die englischen und deutschen Synchronisationen sind faktisch klarer, aber erheblich langweiliger. Wichtig ist auch (wie bei fast allen Komödien), dass man sich den Film möglichst mit anderen ansieht, wodurch Zitate rasch Kultfaktor annehmen und es sogar vorkommt, dass man die Blödheit mancher Szenen gemeinsam so unbegreiflich findet, dass man sie sich zwei- oder dreimal ansehen muss. Nicht unbedingt nüchtern sein wäre eine weiteres Hilfsmittel, ebenso, möglichst nicht mehr als 45 Minuten auf einmal zu schauen. Allgemein wäre es wohl ein 1-2 Punkte Kandidat, doch unter den passenden Konditionen klappen auch

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

PUMPING IRON (1977)
Regie: George Butler
Cast: Arnold Schwarzenegger, Lou Ferrigno, Mike Katz

Kritik:
Bevor Arnold Schwarzenegger zum größten Actionfilm-Star und Gouverneur Kaliforniens wurde, war er eine der bedeutendsten Athleten eines als sehr eigensinnig geltenden Sportbereichs: nicht Eisstockschießen, auch nicht Teebeutelweitwurf: Bodybuilding. Nachdem er schon in seiner Heimat erste Preise damit erzielen konnte, hatte man ihn 1968 zum professionellen Training in die Vereinigten Staaten eingeladen. Zwei Jahre später gewann er schließlich zum ersten Mal den Preis des Mr. Olympia, den Titel des weltbesten Bodybuilders. Er gewann ihn anschließend fünf weitere Jahre, gab seinen Rücktritt vom offiziellen Wettkampf bekannt und kehrte 1980 noch einmal kurz zurück, um den begehrten Titel seinem vorherigen Abschied trotzend zum siebten Mal zu gewinnen.

"Pumping Iron" ist eine Dokumentation des 1975er Mr. Olympia Contests, die eigentlich keine, aber Relevanz hat, da sie Schwarzeneggers Herkunft zeigt. Zum Zeitpunkt des Films ist er bereits fünffacher Titelträger und der berühmteste, erfolgreichste und beliebteste Bodybuilder der Welt. Er liebt den Rummel um seine Person, weiß, wer er ist, was er kann und wo er noch hin will. Dass er gut ist, wird schnell deutlich. Selbst als Laie sieht man beim Wett-Posieren gegen seine Gegner, dass er in den relevanten Kategorien der strengen Prüfer - Körpersymmetrie und -proportionen - allen anderen überlegen ist. Doch die körperliche Überlegenheit ist nicht ausschlaggebend für seine Erfolge, und nicht ausschlaggebend für den bleibenden Eindruck, den er hinterlässt. Der Film, der auch andere Profi-Bodybuilder wie Lou Ferrigno (der spätere Hulk aus der Bill Bixby Fernsehserie, und aus "King of Queens", schüchtern, aber sympathisch) und Franco Columbo (mit dem er mehrmals deutsch spricht) begleitet, zeigt seine Bodybuilder als sympathische, durchaus intelligente und einfühlsame Menschen, doch Schwarzenegger ist der einzige von ihnen, der auch seelische Stärke ausstrahlt. Während die meisten 100kg+ Muskelpakete vor der Prüfung nervös auf- und abgehen und Selbstzweifel bekommen, ist Schwarzenegger schon von Anfang an in seinem Element. Er ist gelassen, gut gelaunt, schelmisch und so überzeugt von sich selbst, dass er seinen Sieg schon vor dem eigentlichen Turnier verkündet. Extra, vor seinen Mitstreitern, um sie dadurch tückisch um so mehr zu verunsichern. Schwarzenegger wird als kluger Manipulator gezeigt, der sein Umfeld so dirigiert, wie er es zur Erfüllung seiner Ziele braucht. Viele Wettstreiter sehen ihre Gegner als mögliche Gefahren, als könnten sie ihm etwas wegnehmen, doch was man bei anderen als Arroganz einschätzen könnte, ist bei Schwarzenegger bloß überragende Selbstsicherheit, gekoppelt mit immenser Disziplin und engstirniger Hartnäckigkeit (mit breitem Nacken). Wie es Lou Ferrignos Vater und Trainer im Film sagt, paraphrasiert: trainierst du hart und stehst kurz vor deinem Zusammenbruch, trainiert Arnold noch doppelt so hart und geht danach lachend Kaffee schlürfen.

Steht man Bodybuilding allgemein kritisch gegenüber, wird der Film nichts an der Skepsis ändern - wenn Männer nackt unter der Dusche stehen und sich dabei gegenseitig begutachten und sich gegenseitig für ihre wohl geformten Muskeln beglückwünschen, wenn sie in kleinen Unterhosen vor johlenden Mengen posieren oder sich gegenseitig mit Babyöl einreiben, kann das schon mal gewisse Eindrücke hinterlassen. Es steckt jedoch auch ehrliches Drama im Film, in dem man einen Eindruck von der harten Anstrengung bekommt, die für solche Formen nötig ist, und die fliehende Angst, irgendwann zu alt zu sein. „Pumping Iron“ ist ein Abschied an Schwarzeneggers erste Karriere und gleichzeitig der Grundstein seiner Schauspielkarriere. In „Hercules in New York“ blamierte er sich noch als stammelnder, unfreiwillig komischer Nichtsnutz aus Europa, doch obwohl er zwischen dem und diesen noch zwei andere Rollen hatte, zeigte „Pumping Iron“ erstmals Schwarzeneggers echte Star-Qualitäten, die er fünf Jahre später mit "Conan, der Barbar" in die Welt meißeln sollte. Als er mit leuchtenden Augen im Interview davon spricht, im Filmbusiness Fuß fassen zu wollen, glaubt man es ihm. Nicht, weil seine monströse Gestalt, seine Zahnlücke und die Günter Netzer Frisur überzeugen, sondern weil sein ansteckender Spaß und sein Siegeswille ankommen. Ein Wille, der zur Welle wurde und Hollywood fortan überschwemmte.

Fazit:
Als Dokumentarfilm ist "Pumping Iron" nur bedingt zu empfehlen, da er relativ oberflächlich gehalten ist und man nur einen passiven Einblick ins professionelle Bodybuilding bekommt. Es fehlen informativere Erklärungen, Beschreibungen und viele Off-Kommentare, um als Laie tatsächlich etwas zu lernen. Als Schwarzeneggermaterial ist er jedoch unabdingbar, da er seinen Hintergrund beleuchtet und offen legt, aus welcher Urmasse er seine Folgekarriere bildete.

4 / 10

KAKTUS JACK (1979)
THE VILLAIN
Regie: Arthur Allan Seidelmann
Cast: Arnold Schwarzenegger, Kirk Douglas

Kritik:
Ein Arnold Schwarzenegger Western, zwei Jahre nach "Pumping Iron"? Howdy, den gibt es tatsächlich, auch wenn ihn heutzutage fast niemand mehr kennen dürfte. Dabei war der Film zu seiner Zeit gar nicht mal so klein und unbedeutend – die Hauptrollen spielten der damals dreifach Oscar nominierte Kirk Douglas und die zwei nominierte Ann Margret, Regie führte Burt Reynolds Busenfreund Hal Needham („Smokey and the Bandit“, „Cannonball Run“ 1+2). Der Film, der in den USA auch als „The Villain“ lief, ist jedoch, vorsichtig ausgedrückt, nicht unbedingt das, was man einen klassischen Western ala "Erbarmungslos" oder "The Searchers" nennen würde. Es ist eine völlig überzogene Slapstick-Parodie nach Art von „Hot Shots“, so albern, dass man seinen Augen kaum trauen mag.

Douglas spielt Kaktus Jack, einen notorischen Troublemaker, der eines Tages erblickt, wie ein riesiger und nicht ganz heller Cowboy (Arnold Schwarzenegger) eine großbusige Frau namens Charming (Ann Margret) vom Bahnhof der Stadt abholt und sie durch die Gegend kutschiert. Hilflos über beide Ohren verliebt, versucht Kaktus Jack alles, um einen Kuss seiner Traumfrau zu erhaschen (und ihre wertvolle Tasche zu klauen). Der Film ist nun zugeklaubt mit blödsinnigstem Klamauk, der unweigerlich an Wiley E. Coyote und den Road Runner von Warner Bros. erinnert (unter anderem, weil sogar die offizielle Looney Tunes Cartoonmusik läuft!). Douglas rutscht verdutzt von Abhängen und bleibt sekundenlang in der Luft stehen, um blöd dreinblickend abzustürzen, er liest How-To Bücher für Bösewichte, er wird von einer riesigen Steinkugel (aus Pappmaché) niedergewalzt und ständig von seinem cartoonhaften Pferd Whiskey ausgelacht. Er versucht sogar, Schwarzeneggers Kutsche fies lachend auf einem Bahnübergang festzukleben, doch als es nicht funktioniert, bleibt er es selbst und wird vom nahenden Zug erwischt. Dazu kommen zahlreiche Boing/Peng/Zong Sounds wie aus der Batman Live-Action Serie, die das Gezeigte in jeder Minute unernst machen.

Dass Schwarzeneggers „Hercules“ hier mittlerweile zehn Jahre zurück lag, merkt man ihm an. Im O-Ton ist sein Englisch schon bedeutend besser, allerdings bietet ihm seine Rolle wieder nichts Ordentliches, nicht einmal unfreiwillig Komisches. Zu Anfang blödelt er selbst ein wenig mit, indem er eine Feuerkutsche aufhält und eine meckernde Frau gegen ihren Willen über die Straße bringt, doch der Rest des Films gehört dem Altstar Douglas. Schwarzenegger wird in einer Tour von Ann Margret, oder besser, Ann Margrets praller Oberweite bezirzt und gibt den naiven Vernünftigen der Handlung ab, der die meiste Zeit über nur brav auf dem Kutschbock sitzt und im Hintergrund davon reitet, während Douglas im Vordergrund wieder in irgendein Fettnäpfchen tritt. „Kaktus Jack“ kann man szenenweise sehr lustig finden, allerdings gibt es zu wenig von den wirklich abgedrehten Szenen, um die gesamte Laufzeit lohnend zu machen. Insbesondere langweilt ein längerer Part mit Indianern, die offensichtlich von Nicht-Indianern gespielt werden und sich in unlustigen Diskussionen mit schwachen Wortwitzen verstricken. Da Schwarzenegger selbst nur wenige Szenen hat, in denen er aktiv etwas macht, kann man selbst engsten Fans des Österreichers nicht unbedingt empfehlen, sich das Ding für ihn anzusehen (wobei das nicht für Kirk Douglas Fans gilt – die müssen unbedingt sehen, wie sich Spartacus zum Looney Tunes Affen macht). 

Fazit:
Die Vorstellung von Arnold Schwarzenegger im Cowboy-Outfit ist so ungewöhnlich, dass man "Kaktus Jack" schon allein dafür gesehen, bzw. besprochen haben muss. Da der Film jedoch abgesehen von der Schrägheit seiner Person in so einem Film wenig Schwarzenegger bietet, reicht es wohl, wirft man dafür mal einen Blick auf ein Best-of bei Youtube. Ansonsten ist es eine abgedrehte Road Runner Umsetzung, in der der ansonsten so hoch angesehene Kirk Douglas aufs albernste herumkaspert und sein bestes gibt, Wiley E. Coyote zu sein. Für Schwarzeneggerfans merk-, aber überspringbar, für Douglasfans ein Muss!

3 / 10

JUNIOR (1994)
Regie: Ivan Reitman
Cast: Arnold Schwarzenegger, Danny de Vito, Emma Thompson

Kritik:
Weil "Twins" ein Kassenrenner war, gaben sich Arnold Schwarzenegger und Danny de Vito anschließend für eine weitere gemeinsame Ivan Reitman ("Ghostbusters") Komödie her, dessen Konzept alles Dagewesene in den Schatten von Arnolds Bizeps stellen sollte. Nachdem es schon urkomisch gewesen war, ihn als Kindergärtner zu sehen, sollte es gar episch lustig werden, ihn auf der Leinwand zu schwängern. Die Handlung des Ergebnisses "Junior" ist so simpel wie seine Idee: zwei Wissenschaftler probieren, ob man ein Baby auch in einem männlichen Körper heranwachsen lassen kann - natürlich in Schwarzeneggers. Der Humor zielt nun darauf ab, Arnold die Qualen einer Schwangerschaft aufzudrücken und es lustig zu machen, dass er und de Vito versuchen müssen, das absurde Experiment vor Mr. Nixon Frank Langella geheim zu halten.

Und es ist bizarr.

Im Vergleich zu seinen anderen Rollen spielt er hier einen zurückhaltenden, schüchternen und leicht doofen Waschlappen von Mann, der zum Testobjekt für ein unnatürliches, cronenbergsches Experiment wird, das genau genommen fürchterlich ist
. Ihre gemeinsame Schöpfung gedeiht in seinem Abdomen, sodass er alsbald anfängt, sich wie eine hochschwangere Frau zu fühlen. Er muss sich ständig erleichtern und übergeben, bekommt sensible Nippel, eine wuchtige Bauchauswölbung und am Ende sogar Wehen, obwohl er überhaupt keinen Vaginaltrakt, geschweige denn eine Gebärmutter hätte. Dafür infiltriert er ein Lager echter schwangerer Frauen und verkleidet sich - wenn auch nicht so aufwendig wie in "Total Recall" - als eine von ihnen. Bizarr ist der Gedanke, dass das Experiment auch schief gehen könnte und Schwarzenegger dann einen toten Embryo in seiner Bauchschicht liegen hätte; bizarr ist der Gedanke, was das geborene Kind später vom Gedanken hält, dass sein Vater in Wahrheit seine Mutter und seine Mutter nur Spenderin ist. Bizarr ist auch, dass sich die biologische Mutter (niedlich: Emma Thompson) im Film in den schwangeren Arnold verliebt und trotz seines grotesken Zustands Sex mit ihm hat (alles andere als niedlich). Bei all der Groteske fällt es schwer, sich auf den Humor des Films einzulassen, den Reitman auch noch so musikalisch untermalen lässt, als sei es ein ernstes, sensibel gemeintes Drama. So sensibel wie Schwarzeneggers Nippel im Film.


Fazit:
"Junior" ist die seltsamste und fragwürdigste Ausgeburt (...) Schwarzeneggers und kaum zu beschreiben. Muss man sich das also ansehen, es kennen? Besser wäre es wohl, sämtliche Kopien einzusammeln, sich davon abzunabeln und sie gesammelt zu verbrennen, nur um sich dann an die Hände zu fassen und gemeinsam mit Dustin Hoffman und Samuel L. Jackson zu manifestieren, dass es niemals existierte. "Junior" könnte ein Grund sein, wieso Außerirdische uns bei einem Besuch doch besser auslöschen sollten. Sollte mal ein übergroßer Komet gen Erde rasen, dessen Größe garantiert, dass wir alle sterben werden, sollte man ihn "Junior" taufen. Sollte es ein Remake von "Fahrenheit 451" geben, sollte es davon handeln, dass die Bösen (nun: die Guten) gewinnen und auch die letzte DVD, Blu-Ray, VHS und Laserdisc Kopie von "Junior" finden und auslöschen.

"Junior" ist der galaktische Preis, das Gegengewicht, das Yung zum Ying dafür, dass wir "Terminator", "Terminator 2", "Predator" und "Phantom Commando" bekamen.

? / 10

TERMINATOR 2 3D: Battle Across Time (1996)
Regie: James Cameron
Cast: Arnold Schwarzenegger, Edward Furlong, Robert Patrick

Kritik:
"Terminator 2: Judgement Day" war 1991 einer der größten Filme seiner Zeit, weswegen einige Jahre später ein dazu gehöriges Park-Event-Erlebnis entwickelt wurde. James Cameron (“Avatar: Aufbruch nach Pandora”) war damals schon begeistert von 3D und plante, ein ausgesprochen eindrucksvolles 3D Live-Action/Filmerlebnis anzubieten. Für insgesamt 60 Millionen Dollar entstand daraufhin die Einrichtung und der 12minütige Kurzfilm, in dem die vier Hauptdarsteller des zweiten Films, Arnold Schwarzenegger, Robert Patrick, Linda Hamilton und Edward Furlong alle drin vorkommen.

Das ganze beginnt unter der Prämisse, dass Cyberdyne Gäste ins Miles Bennett Auditorium einlädt. Dort angekommen, brechen die Connors ein und stören die Vorführung, um die Gäste vor SkyNets wahren Plänen zu warnen. Ein T-1000 erscheint aus der Zukunft und Schwarzeneggers T-800 folgt. Ein wilder Kampf bricht aus und der Terminator und John fliehen in die Zukunft. Dort angekommen, werden sie von einem Hunter-Killer, kleinen fliegenden Maschinen und einem anderen Terminator angegriffen. Sie betreten den SkyNet Hauptcomputer und finden dessen Herz – einen riesigen flüssigen Roboter in Spinnenform, den T 1 Million. Während John im letzten Moment wieder in die Gegenwart springen kann, bleibt der T-800 zurück und sprengt SkyNet in die Luft.

Die Show ist eine Mischung aus verschiedenen Techniken. Ein 3D Film läuft auf den Leinwänden ab, während Park-Stuntmen vor der Leinwand herumfahren, kämpfen und schießen. Es wird so gesetzt, dass die Figuren stets vom Publikum fortschauen und von Kameras aufgezeichnet werden, deren Bilder man wie bei einem Konzert auf der Leinwand sieht. So entsteht der Eindruck, Arnold Schwarzenegger selbst stehe vorn am Terminal. Der 3D Effekt ist nicht so gut wie man es heutzutage in den Kinos gewöhnt ist, dafür aber in der Mischung gut eingesetzt. So klettern die Stuntmen beispielsweise an Säulen hoch und es sieht so aus, als greife der T 1 Million um diese herum, andererseits ist es durchaus geeky, wenn Arnold in seinem ikonischen Outfit eine Pumpgun zuckt und sie aus der Leinwand heraus ins Publikum hält.

(aus dem bereitsgesehen.de Los Angeles Bericht)

Fazit:
"Terminator 2 3D" ist wohl nicht mit "Terminator 2" zu vergleichen, da der Film nur einen Bruchteil der Laufzeit des Vorgängers hat und mehr Show als Film ist, aber es ist eine exzellente Erweiterung und Realisierung des T2-Kults und ein Fest für jeden Schwarzenegger-Fan. Da die Show allerdings bereits mächtig angestaubt ist, droht ihr dasselbe Schicksal wie Michael Jacksons 3D Film "Captain EO" in Disneyworld: irgendwann abgesetzt und ersetzt zu werden. Wer glühender Terminator-Fan ist und es in Kürze in die Vereinigten Staaten schafft, sollte also alles daran gesetzt werden, das mitzunehmen.

7 / 10

Oberfazit:
Ausgeburten und Nachgeburten, die Geburt eines Stars, herausragende 3-D Bilder und wiehernde Pferde - diese fünf Titel gehören nicht unbedingt zu den Filmen, die Action-Ikone Arnold Schwarzenegger als die besten und wichtigsten und sehenswerten Zelluloidwerke seiner Karriere bezeichnen würde, allerdings existieren sie und haben jeweils eine eigene Bedeutung. Es sind so spezielle Werke, dass niemand sonst sie nachahmen oder remaken könnte. Ein "Pumping Iron" mit Jay Cutler und Ronnie Coleman? Vielleicht interessant, aber Arnies Charme fehlend, denn weder Coleman noch Cutler würde man zutrauen, Fuß im Film fassen zu können. Oder besser gesagt: Trizeps im Theater lassen zu können.
Gerard Butler als erwartender Vater? Katherine Heigl dabei und es wäre eine qualitativ nicht unbedingt schlechtere Umsetzung (und nicht unbedingt schlechter als die meisten anderen Heigls), aber eine weitaus weniger absurde Geschichte, da Arnold ein Titan seiner Art ist, wie es ihn heute nicht mehr gibt. Sam Worthington 3D in einem Terminator: Salvation 3D Leinwandspektakel? Hat nicht denselben Grip, und von Herkules in New York mit Jason Statham lässt sich gar nicht erst denken (da dieser dafür offenbar zu wenig Haare auf dem Kopf hat, und sich auch nicht damit zufrieden geben würde, mit einer Kutsche am Madison Square Garden vorbei zu fahren - bei ihm wäre es eine brennende Galeere, die explodierend vom Himmel fällt, während Fear Factory läuft und Jason Stathercukles fallend Pluto ins Nirvana drischt, um dann am Boden den Werzyklominozerberus zu besiegen).
Bleibt Kaktus Jack 2012, in dem Daniel Day-Lewis herumclownt, während The Rock den netten Cowboy gibt, der Scarlett Johansson in den Ausschnitt stiert? Darüber könnte man mal reden.

 

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