BG Kritik:

Arrival


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Storks (US 2016)
Regisseur: Denis Villeneuve
Darsteller: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg

Story: Außerirdische Raumschiffe treten in die Erdatmosphäre ein und positionieren sich an zwölf Punkten des Planeten. Linguistin Louise Banks (Amy Adams) soll zusammen mit dem Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) für das US-Militär den ersten Kontakt herstellen. Basiert auf der Kurzgeschichte Story of Your Life von Ted Chiang.

Regisseur Villeneuve dreht als nächstes Blade Runner 2


Wenn ein Regisseur derzeit gekonnt und mühelos zwischen unterschiedlichen Genres zu wechseln in der Lage scheint, dann wohl der Kanadier Denis Villeneuve. Nach seinen letzten Werken wie Die Frau die singt, Prisoners, Enemy, Sicario - und bevor er im nächsten Jahr den neuen Blade Runner ins Kino liefert - nun eben Arrival, in dem mal wieder Aliens vorbei schauen. Allerdings fast gänzlich anders als zumeist. Aliens klopfen an die sprichwörtliche Tür der Menschheit, und man ist nicht mal in der Lage mit einem schlichten Hallo, Bonjour, Privet, Ni hao, Hola oder Hei eine freundliche Begrüßung in für alle Anwesenden und allgemein verständliche Worte zu verpacken. Ein faszinierender und zugleich unheimlicher Gedanke. Denn nein, diese Außerirdischen haben die Sprachen der Menschen ganz offensichtlich nicht mal eben aus dem Internet gezogen und auch keinen intergalaktischen Übersetzer in Form eines grünen Ringes dabei. Das hier ist kein das immense Problem der Sprachbarriere mal eben locker vom Tisch wischender Alien-Invasionsfilm mit Hirn aus und dafür viel Bumm, Bumm und Popcorn, der vor allem unterhalten will. Nein, Arrival nimmt das Problem der Sprachbarriere ernst, und macht auch ernst. Wer schon einmal versucht hat, sich in einem fremden Land ohne (oder mit sehr geringen Sprachkenntnissen) durch zu kämpfen, kann die Problematik vor der die Protagonisten Louise und Ian hier stehen, zumindest erahnen. Mehr aber auch kaum. Denn beim bekannten im Ausland nach dem Weg fragen geht es ja zumeist um nichts besonderes und kaum mehr als den Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit, Bahnstation oder Kneipe. Zudem kommt man oft mit Gesten, Zeichen und Mimik weiter, etwas, was ohne zu viel über die Beschaffenheit der Besucher aus Arrival vorweg zu nehmen, in diesem Fall deutlich schwieriger werden dürfte. Hier könnte ein Missverständnis in der Kommunikation wie ein falsch übersetztes oder interpretiertes Wort, katastrophale Konsequenzen haben. Und genau das lässt einen Regisseur Denis Villeneuve beinahe durchgehend spüren. Die Anspannung ist in Arrival beinahe allgegenwärtig, wofür auch die dunkle, unheilvolle und sphärische Musik von Jóhann Jóhannsson (untermalte bereits Prisoners und Sicario für Villeneuve) Sorge trägt, und welche die visuell beeindruckenden Bilder von Kameramann Bradford Young (Selma, A Most Violent Year) perfekt ergänzt. Optisch unterkühlt, trist, grau, und ab und an durchwabert von unbändigen Nebelschwaden fängt Young hier für Villeneuve Bilder von purer Schönheit und geradezu poetischer Kraft ein.

Nicht zu verwechseln mit dem Charlie Sheen Sci-Fi B-Movie "The Arrival"


Städte und ganze Landstriche werden in gewaltigen Explosionen dem Erdboden gleich gemacht. Nein, nicht bei Arrival. Die außerirdischen Besucher scheinen nur an unserem Planeten und den Rohstoffen interessiert zu sein und wollen uns daher direkt und ohne Ausnahme eliminieren. Nicht bei Arrival. Eine sich hauptsächlich in Amerika abspielende "Aliens besuchen die Erde"-Geschichte. Ja, wie üblich und auch in Arrival, denn der hier im Zentrum stehende Erstkontakt findet im US-Bundesstaat Montana statt. Trotzdem ist es eine große, die gesamte Welt der Menschheit einnehmende Geschichte. Allerdings ist deren Fokus ein sehr intimer und persönlicher, welcher mehr oder weniger ausschließlich bei der von Amy Adams gespielten Louise Banks verbleibt, wodurch Villeneuves seine weltweite Wellen schlagende Geschichte, mit einem einzelnen Schicksal verknüpft. Der Rest der Welt ist da und wichtig, wird aber nicht ins Hauptaugenmerk gerückt, sondern lediglich via Computer-Bildschirm oder Nachrichtensendung im Fernsehen präsentiert. Denis Villeneuves Arrival ist mehr Contact und Der Tag, an dem die Erde stillstand (der aus 1951, nicht das Remake aus 2008) als Independence Day, World Invasion: Battle Los Angeles oder Man of Steel. Strukturell erinnert er gar an Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All aus dem Jahre 1971. Anstatt gewaltiger Explosionen die sich über die volle Breite der Kinoleinwand ausdehnen, schreibt Amy Adams in Arrival ein Wort auf eine Tafel, während Jeremy Renner dieses pantomimisch begleitet. Es wird geschrieben und dechiffriert, gekritzelt und aufgeschlüsselt... mit den Verantwortlichen vom Militär gestritten, um dann wieder versucht dahinter zu kommen, was in der vorherigen Begegnung "besprochen" wurde.

Klingt nicht besonders spannend? Ist es aber. Sofern man ruhigem, voll auf Atmosphäre, Geschichte und Spiel setzendem, und von den Reibungspunkten zwischen den Figuren, anstatt von Feuerbällen und Kraftsprüchen getragenem Spannungsaufbau zugetan ist. Denn Arrival ist um das erneut und abschließend zu betonen, kein Actionfilm. Vielmehr eine Fragen aufwerfende und zum Nachdenken anregende Parabel die zeigt, wie unfassbar spannend und den Atem stocken lassend pure, sich entwickelnde Kommunikation sein kann. Fesselnd, dramatisch und sich erschreckend realistisch und greifbar anfühlend. Hierfür nimmt sich der Film viel Zeit, wirkt keineswegs gehetzt, wirkt dabei aber auch nicht zäh oder künstlich entschleunigt. Ein durch und durch langsamer Film, dabei aber keineswegs langweilig. Eben ein ruhiger, nachdenklicher und kluger Film mit ordentlich Tiefgang, der reinen Action-Puristen wohl so gar nichts zu bieten wissen wird, und dessen zentrale Themen wie Kommunikation, Liebe, Verlust, Vergangenheit und Zukunft in einer "Aliens landen auf der Erde" Story verknüpft wurden. Negativ zu erwähnen und einen leicht faden Beigeschmack hinterlassend sind lediglich Kleinigkeiten, wie eine Spur zu viel Kitsch, eine zu ausufernde Erleuchtungsphase oder eine hier und da etwas zu platte, fast karikaturistisch in seiner Darstellung ausländischer Staaten (speziell China und Russland) anmutende Art. Letztere legitimiert Arrival zwar beinahe schon wieder durch die eigene Darstellung des US-Militärs, wo mit Ausnahme von Forest Whitakers Colonel Weber nahezu jeder als ein völliger Horst und Vollpfosten dargestellt wird, und welche man im Idealfall so weit wie möglich von jeglichem Entscheidungsprozess oder Abschussknopf entfernt sehen will. Darstellerisch gibt es aber nichts zu meckern, eher zu lobpreisen und allein Amy Adams dürfte sich mit ihrer Performance für sämtliche infrage kommenden Filmpreise des aktuellen Kinojahres qualifiziert haben. Sie ist schier grandios und trägt den Film völlig. Der Rest vom Cast verkommt offenkundig gewollt mehr zum Beiwerk und wirkt so auch deutlich grober skizziert. Darstellerisch allerdings allesamt sehr ordentlich und glaubhaft. Der Anti-Independence Day ist da und es darf gefeiert werden, denn Denis Villeneuves Arrival ist in seiner Gesamtheit einer der besten Filme des Jahres geworden.

Fazit:

Ruhige, wunderschöne und intelligente Science-Fiction für alle, die auch mal damit klar kommen, dass bei einem Besuch von Aliens auf der Erde, nicht immer der halbe Planet in Rauch aufgehen muss. Ambitioniert, kritisch, bewegend. Arrival ist großes Kino, und ein Aufruf zur Kommunikation. Nicht nur mit Außerirdischen.

9 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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