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Kritik:
A Tale of Two Sisters
(Original + Remake)


von Tobias Hohmann (Original) und Christian Mester (Remake)

A Tale of Two Sisters / Janghwa, Hongryeon (2003)
Regie: Kim Ji-woon
Cast: Lim Su-Jeong

Story:
Es ist ein strahlender Sommertag, als die Schwestern Su-mi und Su-yeon in ein abgelegenes Haus am See gebracht werden. Sie waren seit dem Tod ihrer Mutter in einer Heilanstalt und kehren nun zu ihrem Vater zurück. In der Eingangshalle wartet bereits die verhasste Stiefmutter. Su-mi, die Ältere, zeigt sich der Frau gegenüber offen feindselig, während Su-yeon geradezu ängstlich auf Abstand geht. Schon in der ersten Nacht gehen unheimliche Dinge in dem Haus vor sich, denn ein unbekanntes Wesen scheint im Verborgenen zu lauern. Diese Nacht ist aber nur der Anfang eines nicht endenden Albtraums...

Kritik:
„A Tale of Two Sisters“ (Eine Geschichte von zwei Schwestern) ist ein überraschender, intelligenter Horrorfilm, der subtil fesselt und den Zuschauer fordert. Vielleicht der Horrorfilm Koreas. Die erste Hälfte von „A Tale of Two Sisters“ macht – wie bereits erwähnt - eher den Eindruck eines typischen asiatischen Genrevertreters: Zwar gelungen und inszenatorisch perfekt, aber trotzdem vertraut.

Hier werden alle Register gezogen; das reicht von knarzenden Türen, die sich wie von Geisterhand öffnen, über Decken, die den Mädchen vom Körper gezogen werde, bis zu Gestalten, die plötzlich unter Möbeln lauern und nach den Akteuren greifen. Einige gelungene Schockmomente, die auch den erfahrenen Genrezuschauer ins Sofa drücken dürften, inklusive. Doch im Laufe des Films wendet sich das Blatt und die Geschichte wird mehr und mehr zum Psychothriller. Und genau durch diese Doppel- oder gar Dreifachbödigkeit gewinnt der Film an Tiefgang und Bedeutung.

Jede Geste, jeder Blick, jede Kameraperspektive des Anfangs macht nun mehr Sinn. Die atmosphärische Szenerie lässt einen nicht mehr los. Geniale Wendungen, die einen immer wieder aus der Bahn werfen, weil man jedes Mal gedacht hätte, man wüsste, wie es nun weiter geht, überraschen und verunsichern den Zuschauer.
Die Geschichte ist ungeheuer komplex, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Zeitsprünge, die sogar zeitweilig parallel laufen. Man muss schon aufpassen, das man alles mitbekommt. Ein mehrmaliges Anschauen ist sicherlich sinnvoll, sonst verpasst man einige Details und Zusammenhänge. Und das wäre schade, zu liebevoll und intelligent wurden diese in die Geschichte eingearbeitet.

Das Regisseur Kim es schafft, sein Publikum derartig zu fesseln ohne billige Schockelemente oder sinnlose Gewaltszenen einzuführen, unterstreicht nur seine Klasse. „A tale of two sisters“ hebt sich damit wohlwollend von den meisten Produktionen der letzten Jahre ab. Ein weiterer positiver Aspekt ist sicherlich der Score von Lee Byung-Woo. Sein Hauptthema ist ein Ohrwurm, der einem nicht mehr aus dem Kopf geht und durch den man sehr schnell Zugang zum Film und zu den Charakteren findet. Auch der Rest seiner Arbeit ist hervorragend. Doch ebenso wie der Regisseur eher auf Tiefgang setzt, hält sich auch Woo auffällig zurück und untermalt nur die Bilder, als sie mit einem Bombastscore zu dominieren. Einziges „Manko“: Am Schluss beweist er seine Vorliebe für den „Psycho“ Score ein bisschen arg übertrieben und deutlich.

Bietet „A Tale of Two Sisters“ auch negative Kritikpunkte? Ja, durchaus. Einige Zuschauer werden den Film nach spätestens 60 Minuten ausschalten - zu radikal, fordernd und intelligent ist das Skript. Es ist anstrengend den ganzen Wendungen und zeitlichen Sprüngen zu folgen. Wer nur unterhalten werden möchte, wird hier defintiv falsch bedient. Vielleicht wäre man besser beraten gewesen, den Streifen etwas zuschauerfreundlicher zu gestalten. Außerdem „opfert“ Kim der Atmosphäre zuliebe jegliches Tempo. Der Film erzählt – teilweise quälend langsam – seine Geschichte. Das ist interessant und fesselnd – in den (noch) ruhigeren Passagen jedoch auch manchmal etwas langweilig

Fazit:
"A Tale of Two Sisters“ ist sicherlich ein kleines Meisterwerk und einer der besten Horrorfilme aus dem asiatischen Raum: Intelligentes, wendungsreiches Skript, visuell auf höchstem Niveau und mit hervorragenden Darstellern besetzt. Allerdings ist er sicher nicht für Jeden etwas, da die Geschichte und Umsetzung einfach zu fordernd sind – auf den Zuschauer wird keine Rücksicht genommen. Dafür entschädigt Regisseur Kim mit einer tiefgründigen Geschichte und einer perfekten visuellen, detailreichen Umsetzung. Kleine Hänger und etwas arg viel Detailversessenheit fallen zwar auf, stören aber nicht wirklich. Um den Film wirklich schätzen zu können, sollte man ihn auf jeden Fall öfter gesehen haben.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

Der Fluch der zwei Schwestern / The Uninvited (2009)
Regie: Die Guard Brüder
Cast: Emily Browning, Elizabeth Banks

Story:
Als Anna nach längerer Abwesenheit wieder zurück in ihr Elternhaus kommt und ihre Schwester besucht, stellt sie überraschend fest, dass ihr Vater (David Straitharn) mittlerweile eine neue Freundin (Elizabeth Banks) hat. Eine Freundin, die ein Geheimnis verbirgt...

Kritik:
Noch so ein US-Remake eines asiatischen Horrorstreifens. Überlegt man sich mal, dass nur zwei von denen bislang wirklich gut (The Ring, The Grudge), die meisten davon aber nur moderat bis grottig ausfielen (Shutter, Pulse 1-3, Tödlicher Anrufer, Mirrors, Dark Water, The Eye, The Ring 2, The Grudge 2 und 3), so standen die Karten für diese nächste US-Neuauflage ohnehin nicht so gut.

Wie es zu erwarten ist, übersieht das teuer produzierte Remake die dichte Atmosphäre und leisen Töne des koreanischen Originals. Anstatt das Haus zum gruseligen, anscheinend von Geistern heimgesuchten Gefängnis zu machen und ebenso gekonnt mit verschiedenen Wahrnehmungen zu spielen, inszenieren die Guard Brüder die Geschichte als eine Art seichten Teenager-Krimi. Fünf Freunde gegen die böse Stiefmutti.

Dass man sich das halbwegs ansehen kann, ist der netten Besetzung, insbesondere Elizabeth Banks zu verdanken, doch wer sich die vielgelobte Geschichte wirklich einmal ansehen will, der muss einfach zum koreanischen Original greifen.

Fazit:
Moderater Sommergrusel, der die Qualitäten des finsteren Familiendramas des Originals übersieht und mit oberflächlichster Dramatisierung in Banalitäten hängen bleibt..

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

 

 

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