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KRITIK:
DAS A-TEAM
von
Christian Mester
THE A-TEAM (2010)
Regie: Joe Carnahan
Cast: Liam Neeson, Bradley Cooper
Story:
Hannibal Smith (Liam Neeson), Mad Murdock (Sharlto
Coplay), Templeton Faceman Peck (Bradley Cooper) und
Bosco B.A. Baracus sind ein Team ehemaliger
Soldaten, die eines Tages unschuldig eines
Verbrechens beschuldigt werden. Gemeinsam fliehen
sie vor ihrer Verurteilung und versuchen den
Drahtzieher (Brian Bloom) in die Finger zu bekommen.
Kritik:
Zusammen mit “MacGyver”, “Baywatch”, “Airwolf” und
“Knight Rider” gehört das “A-Team” fraglos mit zu
den großen Live-Action Kultshows der späten 80er und
frühen 90ern. Nahezu jeder kennt die vier ungemein
sympathischen Figuren, die mit zwar immer gleichen,
aber dafür gleichsam unterhaltsamen Mini-Aufträgen
zu Alltagshelden der Entrechteten wurden. Nun gab es
schon TV-Wiederauferstehungen im Kino zu sehen; die
beiden “Drei Engel für Charlie” mit Cameron Diaz,
“Starsky & Hutch”, “Mission Impossible”, “SWAT”,
“Get Smart”, “Ein Duke kommt selten allein”,
“Flipper”, “Mit Schirm, Charme und Melone” und
“Miami Vice” beispielsweise. In Sachen Qualitäten
war da alles vertreten, doch das gesetzte Vorbild
des “A-Teams” ist offensichtlich. Trotz größeren
Humors will das Alpha Team (dafür steht das A) mit
Toms unmöglichen Missionen mithalten und zum
Blockbuster-Franchise werden.
Eine bereits im Trailer ausgelebte Sequenz mit einem
fliegenden Panzer darf sich außerordentlich
unterhaltsam schimpfen, und auch sonst greift man
tief in die Pulverkiste. Regisseur Joe Carnahan, der
schon mit “Smokin’ Aces” ein Händchen für wohl
dosierte Action bewies, da jedoch mit kleinen
Mitteln und einem unausgegorenem Drehbuch jonglieren
musste, bekommt dieses Mal wesentlich größere
finanzielle Unterstützung, die er auch eifrig nutzt.
Er lässt das Team zahlreiche Vehikel einsetzen und
viele andere explosiv vernichten. Der Stil der
Action orientiert sich an dem der Vorlage, hätte
diese in diesem Fall über 100 Millionen Dollar zur
Verfügung gehabt. Es geht relativ unblutig zur
Sache, allerdings schießt das Team hier nicht tumb
immer bloß auf Reifen. In der Tat gibt es sogar eine
Diskussion mit B.A. über die Notwendigkeit des
Tötens, der er Kopf schüttelnd widerstrebt. Amüsant
ist es, da der originale B.A.-Darsteller Mr. T nach
Besuch des Films verkündet hat, dass ihm der neue
Film viel zu brutal sei (allerdings war er bereits
im Vorfeld grantig gewesen; bei der Nachfrage, ob er
wie die anderen beiden noch lebenden A-Team
Darsteller Lust auf einen Cameo hätte, sagte er Nase
rümpfend ab, da er sich darin beleidigt fühlte, dass
man ihn nicht wieder als B.A. besetzte). Bei all der
Action mit Panzern, einstürzenden Hafenanlagen und
Helis bleibt nicht unentdeckt, dass die Effekte an
vielen Stellen Mäkel aufweisen und unecht aussehen.
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Zwei der alten A-TEAM Darsteller haben einen
Cameo im Film, Mr. T lehnte ab, George Peppard ist bereits
verstorben |
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Dass das “A-Team” nicht viel von
Gesetzen der Physik hält, ist kein schwerwiegendes
Problem – wer würde von der Vorlage schon Anspruch
erwarten – doch der bisweilen alberne Ton ala “2
Fast 2 Furious” beißt sich mit immer wieder
angepeilter Ernsthaftigkeit. Es gibt drei
aufwendigere Actionsequenzen, die von zweierlei
Elementen umgeben sind. Der Gruppendynamik der vier
und einer später käsig lang gezogenen
Thriller-Geschichte.
Die Zusammenstellung des Teams selbst ist zum Teil
gelungen, zum Teil misslungen. Liam Neeson,
mittlerweile der großkalibrige Allrounder für jede
Mentorenrolle, gibt ein weiteres Mal den
vorbildlichen Anführer, allerdings ist für Kenner
der alten Serie durchaus bizarr, ihn mit
silbrig-grauen Haaren und Zigarre zu sehen. Er kann
die Kultrolle George Peppards nicht einnehmen,
übernehmen. Es ist eine Scharade, die bis Abspann
nicht akzeptieren lässt, dass der neue Hannibal
Smith eine eigene Figur ist. UFC-Kämpfer Rampage
Jackson hat keine schlechtere Schauspielerfahrung
als Mr. T damals, doch ersterem fehlt, was letzteren
zur überdimensionalen Medienfigur machte: ein
strahlendes Ego. Es ist beispielsweise
unvorstellbar, Rampage als Clubber Lang in einem
“Rocky III” zu sehen. Da nützt es auch nichts, dass
er in einer Tour Mr. Ts Lieblingsbeleidigung “Fool”
verwendet. Bradley Cooper hingegen könnte fraglos
der neue Dirk Benedict sein, da letzterer in der
Serie nichts als ein süffisant grinsender
Anzugträger war. Da Cooper schon in “Hangover” als
Face 1.0 überzeugen konnte und sowohl Sixpack als
auch Charisma hat, entspricht er noch am ehesten dem
Original.
Das Beste am Film ist jedoch der unverhofft späte
Zuwachs. Sharlto Copley, eigentlich gar kein
Schauspieler und nur über Umwege als Wikus van der
Merwe im Sci-Fi Kracher “District 9″ gelandet,
übernimmt die Pilotenkappe des verrückten Howling
Mad Murdock. Im Vergleich zu Dwight Schultz’
sympathischen Geisteskranken ist der Film-Murdock
erheblich verschärft. Sein Murdock ist vollkommen
nuts, lebensmüde und wie er selbst sagt, immer heiß
auf seine nächste Nahtoderfahrung. Das führt sehr
zum Spaß Smiths und Verärgerung B.A.s zu den besten
Szenen des Films, in denen Murdock berühmte
Filmszenen nachspielt, abgedreht Stunts mit
Hubschraubern vollführt oder gekonnt zwischen
kompletten Irrsinn und verstecktem Intellekt spielt
(genial: ein Witz über 3D-Kino). Copleys zweite Kinorolle erweist sich als erneutes
Highlight, das den Besuch fast einzig und allein
empfehlenswert macht.
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Mr. T bezeichnete den fertigen Film als
schlecht, da
er zu blutig und actionreich sei |
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Kritisch ist der gesamte
restliche Abschnitt des Films, in dem das Team nicht
herumblödelt oder zu den Waffen greift. Es wird ein
zuweilen ernster Militär-Thriller entwickelt, in dem
es ums Jessica Biels Ermittlung, geheime
Verschwörungen und einen umtriebenen CIA Agenten
(Patrick Wilson) geht. Wilson und Biel spielen ihre
beiden Rollen mit Souveränität, doch das Script ist
undankbar und gibt beiden nichts. Vor allem Wilson,
der schon in “Hard Candy”, “Little Children” und
“Watchmen” überaus positiv auffallen konnte, wirkt
deplatziert. Biel ist wie immer ansehnlich, doch die
Rolle der Agentin Charisa Sosa dürfte die bislang
langweiligste ihrer Karriere sein – zumal sie als
Jägerin des “A-Teams” kaum unglaubhafter sein
könnte.
Joe Carnahans “A-Team” hätte weit besser sein
können, hätte man den Film noch ein wenig
interessanter besetzt und gute 30-40 Minuten
höhepunktloser Handlung herausgekürzt. Bei einer
Vorlage wie dieser erwartet ohnehin keiner ein
“Green Zone”. sondern einfach reibungslosen
Popcornspaß. Für Copley und einige wenige
Actionsequenzen demnach eine große Empfehlung, der
Rest hustet müde nach DVD-Leih.
Fazit:
“Das A-Team” ist keine Blamage, aber auch kein
glorreicher Walkürenritt einer alten Legende. Mit
Abstrichen zu empfehlen. Gerade noch
6 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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