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KRITIK:

AVATAR - DAS SPIEL


von Christian Mester

AVATAR - THE GAME - PC (2010)
Regie: James Cameron
Studio: Ubisoft Montreal

Story:
Vor den Ereignissen des Films "Avatar: Aufbruch  nach Pandora". Ein Marine namens Ryder wird  zum Mond der Na'Vi gebracht, um den dort residierenden Soldaten bei ihrer Arbeit (sprich, der gewalttätigen Vertreibung der Na'vi) zu helfen. Kurz nach seiner Ankunft muss sich Ryder schon entscheiden, ob er als Soldat gegen die Na'Vi oder in seinem Avatar-Körper gegen seine eigenen Leute vorgeht...

Das AVATAR Spiel war
drei Jahre in Entwicklung

Kritik:

Story:

Wer beim Cover mit Jake Sullys Gesicht denkt, die Filmhandlung im Spiel zum Film nachspielen zu können, irrt. Da das Spiel vor den Ereignissen des Films stattfindet, spielt man einen gänzlich anderen Marine oder Na'Vi, der seine ganz eigene Geschichte erlebt. Die soll James Cameron sogar angeblich mit entwickelt haben, allerdings macht es eher den Anschein, als habe er sie bei einem Kaffee-Meeting hastig auf eine Serviette gekritzelt. Sie ist noch flacher als die des Films und für neugierige Fans zermürbend enttäuschend. Es gibt keine neuen Wunder zu erleben, keine emotionale Geschichte, keine spannenden Auseinandersetzungen. Es ist zudem sehr fragwürdig, dass man im Spiel ebenso die "Bösen" der Geschichte, die Menschen spielen kann. Hat man Neytiris herzzerreißendes Schluchzen aus dem Film noch im Kopf, dann schmeckt es recht schal, ihre Freunde töten zu gehen.

Gameplay:
Im Third-Person-Actioner läuft, fährt und fliegt man durch die Dschungelwelt Pandoras und erledigt immer gleiche Aufträge. Ob man nun irgendwo fahren soll, um jemanden zu sprechen, irgendetwas abzuholen oder irgendjemanden zu erledigen, im Grunde läuft es immer darauf hinaus, auf Gegner zu treffen und sich mit denen abzugeben. Das ist relativ schwach inszeniert, da die Waffen keinen Spaß machen, Gegner immer wieder neu heranspawnen und ein laues RPG-System mit sammelbaren Erfahrungspunkten schrecklich oberflächlich und ineffektiv zusammengesetzt ist. Es macht einfach keinen Spaß, zehn Milliarden Beeren einzusammeln, nur um eine neue Hiebwaffe zu bekommen, die dann genau so langweilig und ineffektiv wie die vorherige ist. Um das noch zu erweitern, gibt es einen Modus namens Conquest, bei dem man neben der Haupthandlung andere Planetenterritorien von Gegnern befreien kann. Das ganze Hochleveln macht aber eh keinen Sinn, da man jeden Kampf mit stumpfem Button-Smashing bestreiten kann - immer geradewegs drauf zu und zu Mus hauen/schießen. Und wenn man mal stirbt, ist das nicht schlimm, da man nicht sterben kann. Der Charakter sinkt kurz auf die Knie - vermutlich, weil er es plötzlich im Ischias hat - und steht an selber Stelle direkt wieder auf und weiter geht's. Die Gegner haben anscheinend keine K.I. da sie immer nur direkt auf einen zukommen, niemals Deckung nutzen und lachend in Keulen und Speere rennen.

Der Open World Faktor ist ein schlechter Witz. Würde er sich eigentlich dafür anbieten, querfeldein durch die Dschungel Pandoras zu hechten, um so auf eigene Faust neue Ecken, Tiere und Pflanzen kennenzulernen, die man im Film nicht sehen konnte, staucht Ubisoft alles in mittelgroßen Arealen zusammen, die mit linearen Pfaden verbunden sind. Es gibt also keine echte Freiheit - und neben der Handlung selbst auch nichts zu tun. Man kann unschuldige Tiere und Pflanzen ermorden und kaputtschlagen, um dadurch Erfahrungspunkte zu sammeln, allerdings will auch das schon vom Motiv her keinen Spaß  machen (vor allem, nachdem uns der Film maßgeblich zeigte, dass Pandora als ganzes ein friedfertiger, liebenswerter Platz ist, der in seiner Gesamtheit leidet, geht man gegen ihre Wesen und Pflanzen vor).

Besonders nervig ist es, dass die Figuren relativ langsam unterwegs sind. Als Na'Vi kann man beispielsweise nur kurz sprinten, weswegen man sich statt des langsamen Laufens irgendwann nur noch kontinuierlich mit einem albernen Schraubensprung vorwärts bewegt.

Während die Steuerung des Spiels generell akzeptabel ausfällt, ist das Fliegen mit Banshees oder Fliegern eine Katastrophe. Die Steuerung ist unnötig verkompliziert und sorgt dafür, dass man ständig irgendwo vor fliegt oder hängen bleibt, Frust vorprogrammiert.

Hat man passende Technik, kann man
AVATAR - DAS SPIEL in 3D spielen

Grafik:
Dreht man die Optionen bis aufs Maximum auf, sieht das Spiel recht gut aus - von der Technik her. Vom Design her, und auch da käme Cameron wieder hinzu, ist es enttäuschend. Fast alles im Spiel ist dreist aus dem Film übernommen oder eine faule Variation dessen, sodass offensichtlich wird, dass sich kein Mensch im Team ernsthafte Mühe gegeben hat, Camerons Filmkonzepte zu erweitern - und das sollte das Spiel ja sei, ein Add-On, ein Spin-Off, eine sinnvolle Fortführung und vertiefende Erweiterung für Fans. Besonders deprimierend ist es, weitestgehend leere Dschungellandschaften zu sehen, in denen die immer gleichen, wenigen, längst bekannten Tiere zu sehen sind. Dass das Spiel 3D-Fähigkeit hat, ist nett, spielt aber keine Rolle, zumal die meisten Spieler dafür noch kein passendes Equipment haben.

Sound:
Der Soundtrack ist in Ordnung, da größtenteils vom Film übernommen, aber die Sounds selbst sind äußerst schwach. Vor allem in den Kämpfen sind die Sound FX der Waffen und Spezialfähigkeiten lasch vertont und hinterlassen keinen Eindruck. Grausig sind die Sprecher der Figuren, die die gesamte Spielhandlung vollkommen lieblos herunterreden und auch als wichtig oder packend gedachte Momente belanglos erscheinen lassen.

Spiellänge:
Mit gut 15 Stunden Spielzeit ist die Kampagne eigentlich ordentlich lang, doch in diesem Fall ist das "Avatar" Spiel mal ein Vorzeigebeispiel dafür, dass lange Spielzeit nicht immer lohnenswert ist. Die Missionen wiederholen sich vom Typus zu oft, die Spielgegend sieht immer gleich aus und abseits der Handlung kann man nichts sonderlich unternehmen.

Multiplayer:
Auch online darf man sich gegenseitig platt machen, allerdings macht es recht wenig Spaß, da die typischen Modi Deathmatch, Capture the Flag usw. schon in anderen Titeln besser umgesetzt wurden. Zudem passt das Balancing nicht, da die Na'Vi mit ihren One-Shot Nahkampfwaffen.den Menschen haushoch überlegen sind.

Fazit:
James Camerons schwächste Produktion seit "Piranha 2: Fliegende Killer". Das "Avatar" Spiel kommt an den dazu gehörigen Film nicht dran und ist ein gerade mal mittelmäßiger Actiontitel der Moderne. Nur für echte Fans.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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