Kritik:
Bad Teacher
von
Christian Mester
BAD TEACHER
(2011)
Regie: Jake Kasdan
Cast: Cameron Diaz, Justin Timberlake, Jason Segel
Story:
Hätte der Dude aus dem Film The Big Lebowski eine Schwester,
hieße sie Elizabeth (Cameron Diaz). Die Blondine mit der
Modelfigur mag auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche
Mittdreißigerin wirken, steht dem ikonischen
Bademantelträger aber in Nichts nach: sie raucht Marihuana,
trinkt hartes Zeug, ist ständig schwer verkatert und pfeift
auch sonst auf ein geregeltes Leben mit Fleiß und
Vorschriften. Mit geringstmöglichem Aufwand arbeitet sie als
Lehrerin an einer Schule, gelangweilt darauf wartend, dass ihr
dümmlicher, aber vor allem reicher Freund sie endlich
heiratet.
Weil
dieser jedoch rechtzeitig erkennt, wer sie wirklich ist, fliegt sie
unverhofft aus der gemeinsamen Villa und darf somit recht widerwillig
ans Pult zurück. Frustriert ignoriert sie den Lehrplan und
zeigt ihren Schülern jeden Tag dreist nur Filme, bis sie eines
Tages ihre zweite Chance zu bekommen scheint. Der gutaussehende junge
Lehrer Scott (Justin Timberlake) ist reich und gerade Single geworden
– ein ideales Opfer. Elizabeth krempelt also die
Ärmel hoch und versucht, zum Ärger einer bereits
schwer verliebten Kollegin, ihn für sich zu gewinnen.
Kritik:
Es gibt nicht
allzu viele Schauspielerinnen, die bereits mehr als zehn Millionen
Dollar Gage für eine Filmrolle bekommen haben. Wieso
ausgerechnet Cameron Diaz dazu gehört, weiß die
staksige Blondine heut selbst nicht. Wie sie bescheiden meint, ist sie
für das Schönheitsideal Hollywoods eigentlich viel zu
groß und hat zudem zu flache Kurven. Hinzu kommt, dass sie
die meisten ihrer stolzen männlichen Co-Stars im
Armdrücken schlagen kann, generell nichts von
Schönheits-OPs hält und sich weder als Sex-Symbol,
noch als angesagte Dramendarstellerin feiern lässt.
Wer mit ihr gearbeitet hat, weiß aber zu berichten, dass sie
erfreulich unkompliziert im Umgang und äußerst
talentiert darin ist, gute Laune zu verbreiten. Ein Aspekt, der auch
auf der Leinwand ansteckend wirkt und mit dem sie schon in zahlreichen
Komödien punkten konnte. Bad Teacher scheint ihr nun mehr oder
weniger persönlich auf den Leib geschrieben zu sein, da es
sämtliche Gerüchte überspitzt, die um ihre
Person ranken – dass sie zum Pferde stehlen ist, jeden Mann
unter den Tisch trinken kann und eine äußerst
perfide Geschäftsfrau ist. Ein Image, aus der sie sich nun
bravurös eine Bombenrolle gestrickt hat.
Als
trinkfeste Lehrerin Elizabeth ist Cameron Diaz eine Wucht. Elizabeth
ist sogar noch fauler als der Dude und arbeitet aktiv daran, sich
endlich parasitär neu einnisten zu können, damit sie
selbst gar nichts mehr machen muss. Eine Rolle, die in vielen
Händen zu einer eindimensionalen Nullnummer hätte
werden können, von Diaz aber überraschend
facettenreich gespielt wird. Ohne näher auf die
Hintergründe der Figur eingehen zu können, zeichnet
sie ein Bild einer äußert schwierigen und
unmoralisch agierenden Person, die ihren Spaß sucht, diesen
aber stets auf Kosten anderer hat – und dabei trotzdem
sympathisch bleibt. Eine Rolle, die den gesamten Film dominiert und in
der Diaz einmal mehr selbstironisch mit ihrem von der
Öffentlichkeit auferlegten Sex-Appeal kokettieren kann.
Ihre Gegnerin im Film wird von der eher unbekannten Lucy Punch
gespielt, die ebenfalls gut ist und eine extrem konservative Lehrerin
aus dem Lehrbuch abgibt, die kurz vor ihrem Psychoknacks steht.
Männer sind ebenfalls vertreten, spielen in Diaz‘
Show jedoch nur Nebenrollen. Sänger Justin Timberlake, mit dem
Diaz privat ein paar Jahre zusammen war, ist gar am
schwächsten, da er vergebens versucht, einen adretten Softie
zu geben, hinter seiner schlechten Verkleidung jedoch keine Minute
glaubwürdig wirkt. Zumeist scheint es sogar so, als
müsse er sich zusammenreißen, nicht selbst
ständig laut aufzulachen. Angenehm ist jedoch, dass das
gezeigte Kollegium keinen Fantasiewelten entspringt und insgesamt
überraschend authentisch wirkt. Man fühlt sich
unweigerlich an alte Lehrerschnösel zurückerinnert.
Der wichtigere Mann in
Elizabeths Leben wird von Jason Segel gespielt, Marshall aus How I Met
Your Mother. Als kumpelhafter Sportlehrer mit Gras und ähnlich
schroffem Humor passt er natürlich von Anfang an ideal zu
Camerons Rolle, kann aus seinem kurzen Auftritt jedoch ebenfalls nicht
viel machen. Zu knapp kommt er vor und versucht dennoch wie in
Gullivers Reisen, soviel Herz wie möglich einzubringen, was
ihm gut gelingt. Glücklicherweise rutscht Bad Teacher trotz
der romanzenlastigen Prämisse nie in tiefe Flirt-Gefilde ab.
Obgleich es im ganzen Film nur um Beziehungen geht, bleibt
schwermütige Gefühlsduselei bloß
Nebensache.
Hinsichtlich Comedy überzeugt Bad Teacher dagegen auf der
ganzen Linie, denn der Film ist gespickt mit lustigen Szenen und macht
Camerons Figur zu einem echten Highlight. Ihre Dreistigkeit, ihre
herben Sprüche und ihre einfallsreichen Ideen, andere
abzuzocken, zu manipulieren und ins Messer laufen zu lassen sind
abwechslungsreich und sehr gelungen. Trotz der Altersfreigabe von ab 12
ist der Film übrigens nicht unbedingt für alle
Familien geeignet; Nackt- und Sexszenen, sowie so mancher derber Spruch
lassen raten, wie knapp man davor stand, eine höhere Freigabe
zu erhalten.
Bei Filmen dieser Art,
heißt, bei denen die Heldin eine eher fragwürdige
Figur mit starken gesellschaftlichen Makeln ist, darf man in der Regel
immer mit einer späten Läuterung rechnen, bei der sie
ihre Fehler erkennt und sie diese dann zum Wohle aller zu korrigieren
versucht. Worst Case Scenario war da beispielsweise Hancock, nach
dessen Läuterung Will Smith vom äußerst
destruktiven und somit lustigen Herumtreiber, zum langweiligen
Spießer im Anzug verkam. In Bad Teacher gibt es zwar auch
Momente, in denen Elizabeth ausnahmsweise einmal Gutes tut und anderen
hilft, doch hier versucht man angenehmerweise nicht, ihren Charakter
abrupt umzuformen, oder den damit verbundenen Spaß
einzudämmen. Auch hier blieb Comedy im Fokus der Filmemacher.
Größere Kritik kann sich nun darin finden lassen,
dass es zuweilen ruhig noch mehr Witze geben könnte und die
grundlegende Story für Camerons Figur zu banal ist: weil sie
ein einziges Foto von Timberlakes Ex‘ sieht, die
große Brüste hat, beschließt sie sich
selbst neue machen zu lassen. Es ist der Kernplot des gesamten Films,
wirkt aber hinsichtlich der ansonsten stark präsenten
Intelligenz der Hauptfigur reichlich unpassend. Aber das soll Kritik
auf hohem Niveau sein und nicht davon ablenken, dass der Film in erster
Linie heiterer Sommerspaß ist.
Fazit:
Hangover… im Klassenraum. In Bad Teacher amüsiert Cameron
Diaz als herrlich chaotische Lehrerkatastrophe. Eine tolle Komödie
mit vielen guten Momenten, die zwar vereinzelt ihre Schwächen hat,
in diesem Jahr aber als der besten Genre-Titel in Erinnerung bleiben
dürfte.
6,5 /
10
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