BG Kritik:

Bastille Day


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Bastille Day (US 2016)
Regisseur: James Watkins
Cast: Idris Elba, Richard Madden, Charlotte Le Bon, Kelly Reilly

Story: Auf einem belebten Platz in Paris geht eine Bombe hoch, Menschen sterben, Islamisten werden beschuldigt und Panik bricht aus. Schnell ist ein Täter in dem Amerikaner Michael Mason (Richard Madden) ins Auge gefasst, und CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba) jagt hinterher. Aber es ist nicht alles so, wie es scheint. Oder doch?

Bombenterror in Paris.

Pierre Morel, Regisseur des ersten Taken, sollte zunächst inszenieren.


Mitten in Paris eine Film-Bombe hochgehen zu lassen, ausgerechnet während in Frankreich die Fußball Europameisterschaft 2016 läuft und im Nachhall der Terroranschläge vom 13. November 2015, bei welchen in Paris über 130 Menschen getötet wurden. Schon mutig, oder doch kaltblütig opportunistisch und berechnend? Man hätte den seit Anfang 2015 abgedrehten Film ja sicherlich auch später, und zu einem anderen Zeitpunkt anlaufen lassen können. Allerdings hätte man dann wohl auch mehr Konkurrenz zu fürchten, als während der in Europa immer schwierigen Zeit für das Kino, wenn fast alle Welt lieber Fußball schaut, als ins Kino zu rennen. Was immer es war, Bastille Day ist jetzt im Kino, und soll wohl vor allem an Fußball desinteressierte Action-Freunde (und vielleicht auch ein paar andere Gruppen) anlocken. Aber kann man auch liefern?

Nachdem er mit Eden Lake und The Woman in Black zweimal Horror abgeliefert hat, wendet sich Regisseur James Watkins mit Bastille Day dem Action-Genre zu. Da speziell sein Woman in Black mit dichter Atmosphäre und beeindruckenden Bildern punkten zu wusste, durfte man gespannt sein, was Watkins hier abliefern würde. Das Ergebnis ist allerdings über weite Strecken eher ernüchternd, denn zumindest vorerst kann er dem Genre nicht seinen Stempel aufdrücken und auch nichts im Abstand Neues hinzufügen. Die Action wirkt zwar souverän in Szene gesetzt, aber auch extrem nach Lehrbuch und wie schon 1003 Mal gesehen. Handwerklich ist hier aber fast alles völlig in Ordnung, geradlinig und bis auf kurze (unnötige) GoPro Shots, sieht das in Bildern wirklich gut aus und dabei in erstaunlich wenigen Schnitten präsentiert. Kein Stakkato-Schnitt wie ihn z.B. ein Olivier Megaton in Taken 3 ablieferte, sondern eher ein wackeliges Kameraerlebnis, wie es Paul Greengrass in seinen bisherigen zwei Bourne-Filmen lieferte. Allerdings nicht in dem Maße, nichts mehr von der Action erkennen zu können. Die Übersicht bleibt hier stets gewahrt, und wenn es kracht, dann gut und übersichtlich. Allerdings erreicht Bastille Day niemals auch nur die untersten Ränder von der Qualität der Bourne-Streifen. So „gut“ wie Taken 3 ist er aber allemal. Besser sogar. Vor allem Idris Elba macht als stoischer, kompromissloser CIA-Mann im Einzelgänger-Modus eine gute Figur und darf gekonnt die Fäuste und Schießeisen sprechen lassen. Ihm nebenherlaufend Richard Madden (aus Cinderella und Game of Thrones) als überaus talentierter und charmanter Taschendieb Michael.

Koproduziert von Amazon Prime.


Jener Michael klaut zu Beginn des Films der jungen Politaktivistin Zoe (Charlotte Le Bon) die Handtasche und dient damit als Initialzünder der Handlung, um den ermittelnden CIA-Super-Agenten Elba. Denn in der Tasche war eine Bombe, welche eigentlich in einem nachts leeren Gebäude der Nationalen Partei hochgehen sollte. Elbas Hauptaufgabe zu Beginn des Filmes liegt nun darin, den mutmaßlichen Bombenleger zu fassen, während es Maddens Aufgabe ist, vor ihm zu flüchten. Hierbei gibt es u.a. eine schöne und recht dynamische Verfolgungsjagt über den Dächern von Paris zu sehen, an deren Ende der CIA-Mann seinem Flüchtigen mit einer jeden Wrestler stolz machenden Clothesline niederstreckt. Nur um kurz darauf ein unfreiwilliges Team mit ihm zu bilden, da passenderweise die Männer fürs Grobe der echten Hintermänner anrücken, um Mitwisser auszuschalten und Bombenlegerin Zoe zu finden. Was nun auch für das nächste Filmdrittel das Ziel vom Team Elba und Madden ist. Letzterer muss sein Fingerspitzengefühl in Diebesangelegenheiten mit der Haudrauf-Mentalität von Elbas CIA-Mann verbinden. Von nun an ein Buddy-Movie, lebt der Film ein gutes Stück vom guten Zusammenspiel der unterschiedlichen Protagonisten und von den sich ergebenen humorvollen Momenten und Ergänzungen der Helden. Denn nur zusammen kann man das Rätsel lösen. Auch wenn es nicht allzu knackig daher kommt. Denn was folgt ist bereits bekannt, denn nichts scheint hier richtig neu. Weder die Entwicklung der Story, Figuren, Wendungen… und wer die Fäden zieht und was er plant, kann man schon jeweils Minuten vorher erahnen bis sehr deutlich erkennen.

Bombenterror in europäischen Großstädten, Islamisten werden beschuldigt, Menschen gehen auf die Straßen, das wirkt alles sehr tagesaktuell. Hier dient es aber nur als oberflächliche Fassade für einen stinknormalen Action-Film mit einigen humorvollen Momenten. Es gibt nette und geradlinige Action die angenehm handgemacht rüber kommt und wenig Computerunterstützung aufweist, zu einer uninspirierten und sehr vorhersehbaren Handlung, aber getragen von einem ganz coolem Team, das einen besseren Film draus macht. Nur leider scheint man nicht so recht zu wissen, was man damit anstellt und steckt das gut harmonierende Duo in eine Produktion vom Reißbrett. Vieles wirkt sehr klischeebelastet, konstruiert und bekannt – oft genug auch in besser. Als geradezu prophetisch erweist sich die Tatsache, dass Bastille Day vom Streaming-Dienst Amazon Prime Instant Video co-produziert wurde. Denn genau dafür scheint der Film gemacht, ein ganz nettes Filmchen, um ihn an einem verregneten Abend oder am Wochenende zu streamen. Ins Kino muss man dafür aber garantiert nicht, außer vielleicht so an einem Kinotag, an dem kein EM-Spiel stattfindet und auch sonst nichts Vielversprechenderes läuft oder ansteht.

Fazit:

Bastille Day liefert solide, handgemachte Action ohne eigene Handschrift, getragen von einem stoischen Idris Elba und einem findigen Richard Madden. Abgerundet durch die traurigen Rehaugen von Charlotte Le Bon. Kurzweilig, schnörkellos und ab und an auch amüsant, aber leider sehr vorhersehbar aufgezogen macht Bastille Day nichts neu, aber einiges richtig.

5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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