BG Kritik:

Batman


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Batman (US 1989)
Regisseur: Tim Burton
Cast: Michael Keaton, Jack Nicholson, Kim Basinger

Story: Nacht um Nacht zieht Bruce Wayne als Batman durch die Nächte Gotham Citys und tritt jeden, der das Gesetz mit Füßen tritt, um. Eines Nacht mischt er eifrig in einer alten Fabrik mit und wirft den schmierigen Gangster Jack Napier in ein Becken ätzender Chemikalien. Dieser überlebt allerdings vergrämt und kehrt als Joker zurück, der Gotham in nie erlebtes Chaos stürzt.

Michael Keaton aus Spotlight als Batman?

Keaton spielte zuletzt auch in Need for Speed und Robocop mit


Richard Donners Superman kam 1978 in die Kinos und wurde supererfolgreich. So erfolgreich, dass drei Oscar Nominierungen, drei Sequels und ein Spin-off folgten, die sich lange allesamt allein super fühlen durften, da kurioserweise kein anderes Studio einen Superheldenfilm wagte. Erst als Superman 4: The Quest for Peace mit Nuclear Man als Gegner super scheiterte, kam man bei Warner auf die Idee, es doch mal mit dem anderen zu probieren, den man auch besaß. Batman. Und drehen durfte ihn der 31jährige Tim Burton, der zuvor erst Pee-Wee’s Big Adventure und Beetlejuice gedreht hatte.

Aus letzterem wollte er unbedingt Michael Keaton als Batman casten, was in den USA auf Fanproteste stieß. Keaton hatte hauptsächlich Komödien gemacht, weswegen man Angst bekam, dass der neue Batman genau so albern werden könnte wie die Adam West Serie aus den 60ern. Aufatmen durfte man, als der prestigeträchtige Jack Nicholson an Bord kam, der zu dem Zeitpunkt schon 9-mal für den Oscar nominiert war und zwei davon gewonnen hatte. Nicholson wusste um seine Wichtigkeit und schröpfte das Studio, wo er nur konnte. Fast ein Viertel des weltweiten Einspiels von 400 Mio Dollar ging in seine Tasche.

Aber der teure Einsatz sollte sich lohnen, denn Burtons Erfolg übertraf Donners noch mal erheblich, und seit Star Wars hatte es kein so erfolgreiches Merchandise mehr gegeben. Superman war riesig geworden, doch es sollte der Erfolg und das Wirken dieser zwei- bzw vierteiligen Reihe sein, die das heutige Comicfilm-Genre für immer prägen sollte.

Mit Birdman und Spotlight gewann Keaton zweimal in Folge Best Picture


Das erste, was einem in Burtons Batman wie ein Baterang ins Auge sticht, ist die unverkennbare Ästetik des Films. Gothische Architektur trifft auf Art Deco und Expressionismus, trifft eine besonders dreckige Version des 30er Jahre New Yorks, trifft auf 80er Metropolengosse, wie man sie zuletzt etwa in Freitag der 13te Teil 8: Todesfalle Manhatten sehen konnte. Burton schnaubte, als sich die Produzenten über seinen Kopf hinweg dazu entschieden, den Großteil der Musik dem schillernden Prince zu überlassen. Der komische Paradiesvogel passte allerdings perfekt zur visuellen Gestalt des Films und vertiefte nachdrücklich, was visuell eh schon da war. Sein Anteil verkörperte im Grunde den Joker, während Danny Elfman eine geniale, klassisch-schwermütige Theme für Batman entwarf.





Erwachsener ist auch die ungewöhnliche Heldendarstellung. Als Wayne ist Keaton ein introvertierter Weirdo, der zurückgezogen lebt, sich an langen Tischen von seinem Butler bedienen lässt und Kriegerrüstungen sammelt. Kein charmanter Playboy, wie ihn George Clooney etwa spielte. Als Batman setzt er zwar seine heute weltweit bekannten Gadgets ein und hat Batmobile und Batwing, doch nicht als verwegender Held. Keaton spielt Batman als Gestörten, der völlig darin aufgeht, Gangster in Angst zu versetzen und sie zu verdreschen. Für ihn ist jede Nacht im Anzug eine Art gewalttätige Bewältigungstherapie seines Kindheitstraumas, und weder Keaton noch Burton inszenieren ihn als glatten, vorbildlichen Helden für Kinderzimmer. Eine ungewöhnlich kantige Interpretation, die allerdings aufgeht, da dieser Batman nachvollziehbares Produkt dieser Welt ist. Hier wirkt es keinen Moment lang abwegig, dass sich ein Mann als Fledermaus verkleidet.

Jack Nicholson spielt den Joker erwartungsgemäß großartig, als extravaganten Sadisten, der mit der gesamten Stadt sein Spiel treibt. Sein Make-Up des verzerrten Gesichts hat was Gruseliges an sich, und Nicholson verlässt sich nicht bloß auf den Wahnsinn, den er schon in Shining so gut gespielt hatte. Er fügt eine gute Prise Unberechenbarkeit dazu, sodass jede Szene des Jokers automatisch spannend wird, da man nie weiß, was er machen wird. Unter anderem inspiriert von der 60er Serie, stellt er der Stadt und Batman ausgefallene Rätsel. Im Gegensatz zur Adam West Inkarnation kann Keatons Batman jedoch nicht verhindern, dass dabei Menschen sterben oder grotesk entstellt werden - heiliges Kanonenrohr, Batman, er selbst bringt sogar Handlanger um.

Burton inszeniert den Joker nicht bloß als Gegner unter vielen; er macht ihn bewusst zum Mörder von Bruce Waynes Eltern, was nicht aus den Comics stammt. Da war es ein dahergelaufener Krimineller namens Joe Chill. Der Joker schafft Batman so gesehen eigenhändig, und der wiederum verwandelt ersteren, indem er ihn in die Säure fallen lässt. Gewalt schafft Gegenwalt, die niemals endet. Spinnt man den Gedanken weiter, passt das gewählte Ende des Films eigentlich nicht. Nachdem der Joker erledigt ist, müsste Bruce seinen Zwang als Verbrechensbekämpfer ablegen. Er müsste erlöst sein, und ab dann ein normales Leben führen können. Das wäre das rundere Ende, doch natürlich standen weitere Batman Abenteuer an, also durfte Keaton das Leder noch nicht ablegen.

Jack Nicholson verdiente rund 90 Millionen Dollar, Dank einer Beteiligung am Einspiel


Damit vieles davon funktioniert, hält sich Burton übrigens nicht immer an realistische Bedingungen. So kann der Joker beispielsweise eine Stadtparade mit Geschenken (natürlich Giftgas) ankündigen und durchziehen, ohne dass sich auch nur ein Polizist blicken lässt. Da der Film allerdings einen erhöhten Fantasy-Einschlag hat, bricht es nie mit der Atmosphäre. Weil die Polizei vollends überfordert ist, wird die Präsenz Batmans verstanden, wenn auch nicht akzeptiert. Der Film adressiert sehr wohl, dass Batman außerhalb des Gesetzes agiert und seine Aktionen inklusive seiner Morde auf unterschiedliche Reaktionen stoßen.

Das einzige Element des Films, das sich in Burtons Version nicht so recht entfalten kann, ist Kim Basinger. Als Investigativreporterin Vicki Vale verkörpert sie den Zugang zur Doppelfigur Batman / Bruce Wayne. Da er kaum redet, berichtet sie zunächst erstaunt über beide, bevor sie Bruce kennen und lieben lernt, und schließlich von seinem Geheimnis erfährt. So attraktiv Basinger sein mag, so substanzlos und unglaubhaft ist ihre Beteiligung. Die Gespräche mit Bruce bleiben unterkühlt und ohne Funken, sodass der romantische Aspekt gänzlich untergeht. Als Reporterin hat sie nichts von Supermans Lois und ist die klischeebelastete kreischende Opferrolle, die ständig bedroht und entführt wird. Es ist offensichtlich, dass Burton sich null für ihre Figur interessierte. Demnach fällt es schwer, sie ernstzunehmen.

Für heutige Verhältnisse wirken die Actionszenen schwächer. Keaton kann seinen Kopf nicht drehen und agiert dementsprechend recht steif. Sein Bruce ist kein durchtrainierter Mann von 1,80, weswegen die Kampfszenen fast alle aus kurzen, starken Attacken bestehen, doch es ist offensichtlich, dass er gegen jemanden wie Killer Croc keine Chance hätte. Batman setzt seine Fahrzeuge und Gadgets ein, doch obwohl die Designs oft passen, vor allem beim unvergesslichen Batmobile, ist ihr Einsatz für heute Augen nicht immer sonderlich aufregend. Das muss man berücksichtigen, traut man sich an den 26 Jahre alten Batman heran.

BG Kritiken zu Batman Filmen:
Batman (1989)
Batmans Rückkehr (1992)
Batman Forever (1995)
Batman and Robin (1997)
Batman Begins (2005)
The Dark Knight (2008)
The Dark Knight Rises (2012)
Batman v Superman - Dawn of Justice (2016)

Fazit:

Tim Burtons Einstieg ist eine einfallsreiche Interpretation Batmans, die in erster Linie durch ihre unglaubliche Ästetik und Musikwahl fasziniert. Keaton und Nicholson highfiven sich ansprechend und lassen häufig vergessen, dass die Action nicht immer die beste ist. Ein vielleicht etwas in die Jahre gekommener Comic-Film, doch ein noch immer sehr sehenswerter, der sich vor der Nolan Trilogie in keinem Batcave zu verstecken braucht.

9 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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