BG Kritik:

Batman Forever


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Batman Forever (US 1995)
Regisseur: Joel Schumacher
Cast: Val Kilmer, Tommy Lee Jones, Jim Carrey

Story: Der temperamentvolle Tüftler Edward Nygma wird eines Tages wahnsinnig vor Wut, als sein Arbeitgeber in spe Bruce Wayne eine gefährlich klingende Erfindung ausschlägt. Nygma wird daraufhin zum Riddler, der sich aus Rache mit einem von Gotham Citys notorischsten Gangstern zusammenrauft: Two-Face.

"Er hat den Wagen genommen, Sir. Nein, den anderen."

Matt Damon war beim Casting und wollte die Rolle von Robin


Tim Burtons zweiter Batman war weniger rentabel, was daran gelegen haben mag, dass Burton nichts auf das allgemeine Happy-Meal-Familienpublikum gab und den Film so finster gestaltete, wie er es für Erwachsene sehen wollte. Im Studio war man sich also schnell einig: Burton musste raus, der nächste Film dringend kinderfreundlicher ausfallen. Mit Burtons Weggang dankte auch Keaton ab, und so übernahm Val Kilmer aus Top Gun als Batman. Robin Williams und Michael Jackson wollten den Riddler spielen, doch man entschied sich für Jim Carrey, der gerade mit Dumm und Dümmer, Ace Ventura und Die Maske zum Megastar geworden war.

Für zwei der weiteren Rollen ergaben sich unerfreuliche #whitewashing Kontroversen. Zunächst mal wurde der schwarze Billy Dee Williams teuer aus seiner Two-Face Rolle herausgekauft, weil man lieber den weißen Jones sehen wollte. Das lässt sich immerhin noch auf die Karrieren beziehen, da Williams seit 6 Jahren nichts mehr vorzuweisen hatte und Jones durch Auf der Flucht zum Star und Oscar-Gewinner geworden war. Bei Robin jedoch ließ sich das nicht argumentieren. Ursprünglich war der schwarze Marlon Wayans verpflichtet, doch auch ihn kaufte man aus seinem Vertrag heraus, um stattdessen den ebenso unbekannten, aber weißen Chris O’Donnell nehmen zu können.

Heutzutage gilt Joel Schumacher als Arkhaminsasse, da er den Batman Franchise bis Batman Begins verhunzt hatte. Nicht so bekannt ist allerdings, dass Schumacher ursprünglich was ganz anderes im Sinn hatte. Später gab er an, dass er eigentlich einen ernsten Film wie The Dark Knight machen wollte, was aber abgelehnt wurde. Aus Liebe zu Batman blieb er an Bord. Two-Face ist einer der Hauptbösewichte des Films, doch das bereits berarbeitete Thema der doppelten Identität wird hier nicht wieder aufgegriffen, jedenfalls nicht inhaltlich. Dennoch ist es vertreten, in Form von Schumacher selbst.

U2-Frontmann Bono hätte beinahe eine Nebenrolle bekommen


Zum einen Teil ist Batman Forever ein hervorragendes Remake der 60er Jahre Serie. Kindertauglicher sollte es werden, also verweist Schumacher eindringlich auf die Adam West Batman Serie aus dem Jahr 1966. Batman und Robin lösen Rätsel, Two-Face und Riddler agieren noch exaltierter als Nicholsons Joker, die Handlanger tragen alle gleich ausssehende Kostüme. An den Serien-Kinofilm Batman hält die Welt in Atem erinnernd, gibt es eine Szene mit einer riesigen kugelrunden Bombe (die später in The Dark Knight Rises ebenfalls vorkam), die Bösewichte lachen andauernd übertrieben und auch visuell ließ man sich inspirieren.





Nicht, was Gotham City oder die Kostüme betrifft: die bauen konsequent auf Burtons Stil auf, wenn auch eindrucksvoll pompöser und dieses Mal in grellen Neonfarben gehalten. Auffällig sind aber die vielen Close-ups und Dutch Angles, die jederzeit erwarten lassen, dass das Batman Logo mit einem schrillen „dädädädädä“ als Überblendung einfährt. Als Adaptation der Serie ist dieser Anteil des Films ein voller Erfolg. Die Actionszenen kommen ohne Bäm-Sprechblasen aus, sind aber knallig und trotz Sinnlosigkeiten (in einer Szene fährt Batman an einer Hochhauswand hoch, ohne dass wir erfahren, wie es von da oben weiter geht) darauf ausgelegt, Kinder zum Nachspielen zu verleiten.

Die vernarbte Seite Schumachers offenbart sich in seinen vergebenen Bemühungen, diesen knallbunten Unsinn mit einem seriösen Hintergrund zu verbinden. Kilmers staubtrockene Art verpasst Batman Weisheit, als Bruce Wayne soll er dadurch gequält und nachdenklich wirken. Kilmer kann nichts daraus machen. Jedes Mal, wenn er kein hautenges Leder trägt, könnte ihn ein Sack Kartoffeln schauspielerisch übertreffen. Nicole Kidman spielt ein Batman-Groupie, das so weit geht, dass es ihn für eine schnelle Nummer zum Dach des Gotham Polizeigebäudes ruft. Gleichzeitig soll sie eine angesehene Psychologin sein, die Bruce Wayne berät. Die Beziehung ist in jeder Hinsicht schlecht. Schlecht gespielt, schlecht geschrieben, dazu wiederholt sie unnötigerweise die Vicki Vale Beziehung des ersten Teils. Schumacher lässt Bruce erneut daran arbeiten, wie sehr ihn seine Vergangenheit plagt. Eine unnötige Wiederholung, bei der Schnarchnase Kilmer und Kidman sich gegenseitig langweilen. Verständlich, gäbe es doch was viel Interessanteres. Bruce nimmt den Waisen Dick Grayson bei sich auf, der das exakt gleiche durchgemacht hat wie er selbst: den Tod der eigenen Eltern durch einen Wahnsinnigen gesehen zu haben. Das wäre mehr als genug Grundlage, um die Charaktere abseits der Action zu beschäftigen.

Batman ist in der Mentorenrolle angekommen und müsste sich als neuer Alfred mit einer jüngeren Version seiner selbst auseinandersetzen, und ihm helfen, darüber hinwegzukommen. Der Film hat jedoch wenig Interesse an dieser Lehre und zieht es ins Lächerliche, etwa, wenn Robin wutentbrannt Wäsche trocknet oder bockig mit dem Batmobile abhaut. Außerdem stolpert Batman hier über seinen eigenen Rat, da er später selbst mit Two-Face macht, was er Robin moralisch verbietet. Auf Seiten der Bösen gibt es ein anderes Problem. Jones und Carrey sind beide unglaublich unterhaltsam, aber beide spielen recht ähnliche Typen: launenhaft und extrem nervend. Oft wirkt es, als wollten sich Jones und Carrey gegenseitig überbieten. Seltsam ist, dass Schumacher keinem von beiden so ernste Momente widmet wie Batman und Robin. Interessanter wäre es, wären sie noch individueller. Das hätte man eventuell durch solche Szenen erreichen können.

Fortsetzung oder Reboot? Die Darsteller von Alfred und Comissioner Gordon sind noch die selben


Zu loben ist schließlich die Musik, die komplett vor dem eigentlichen Filmdreh geschrieben wurde. Elliot Goldenthal ersetzte Danny Elfman und schmettert ein episches Werk dahin, dass die kamerabedingt oft klein wirkenden Szenen wiederum aufplustert und die sensationellen Sets wieder mehr würdigt.

BG Kritiken zu Batman Filmen:
Batman (1989)
Batmans Rückkehr (1992)
Batman Forever (1995)
Batman and Robin (1997)
Batman Begins (2005)
The Dark Knight (2008)
The Dark Knight Rises (2012)
Batman v Superman - Dawn of Justice (2016)

Fazit:

Ist man zynisch, so ist Batman Forever ein Musterbeispiel für einen gut laufenden Franchise, der von Aktionären aus Profitgier in was Schlechteres verwandelt wurde (wobei "schlecht" in diesem Fall in Relation zu den vorherigen Filmen gemeint sein muss; Batman Forever ist kein schlechter Film). Dabei sind die albernen Momente hier zu keinem Moment ein Problem. Die Schwächen finden sich in den ernsten Momente, die auf keinste Weise überzeugen wollen. Es hilft natürlich auch nicht, dass ein Jahr vorher Bruce Timms legendäre Zeichentrickserie Batman: The Animated Series anlief, die als eigentliches Kinderprodukt weitaus reifer war als Forever.

Dennoch müsste man schon jegliche nichternste Interpretation Batmans verabscheuen, um nicht doch Spaß mit Schumachers ersten Film zu haben. Dafür sind Jones und Carrey, die Musik und das großartige Setdesign dann doch zu sehenswert.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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