BG Kritik:

Batmans Rückkehr


Hat BG im Jahre 2004 gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Batman Returns (US 1992)
Regisseur: Tim Burton
Cast: Michael Keaton, Danny DeVito, Michelle Pfeiffer, Christopher Walken

Story: Der unter Pinguinen aufgewachsene Pinguin (DeVito) bedroht Gotham City mit einer Clown-Gang, und versucht gleichzeitig, mit Hilfe eines korrupten Geschäftsmannes namens Max Schreck zum neuen Bürgermeister zu werden. Batman greift demzufolge rasch zum Ködereimer, wird aber selbst von einer gestörten Dame im Katzenlederkostüm betört…

Die Fledermaus, der Pinguin, die Katze, der Typ aus dem Fatboy Slim Musikvideo.

Batmans Rückkehr war ein Erfolg, spielte aber deutlich weniger ein als der erste


Nachdem Burtons erster Batman die Kinokassen rattern ließ, setzten sich alle Beteiligten rasch wieder zusammen um das nächste Kapitel zu entwerfen. Burton wollte ursprünglich nicht, doch als man ihm volle kreative Kontrolle versprach und ihm sogar erlaubte, zuvor noch Edward mit den Scherenhänden drehen zu dürfen, knickte er ein. Das neue Vertrauen in Burtons Arbeit ist direkt spürbar. Zwar sind Look und Action relativ gleich geblieben, doch der zweite Film traut sich thematisch und visuell noch mehr als der erste. Dafür, dass der Comic-Film Hype noch längst nicht entfacht war - das sollte noch eine Dekade dauern - bewies Warner Bros bereits, dass ein Batman Film alles andere als tumbe Kinderkost sein kann.

Grundsätzlich mag Oswald Cobblepot alias „der Pinguin“ als Antagonist weniger spannend wirken als der Joker. Primär aus Serien kennt man ihn als untersetzten Fettsack mit Zylinder und Schirmgadgets, der zwar immer mitmischt, der Batman aber auch weder körperlich, noch intellektuell die Stirn bieten kann. Nicht so in Burtons Fassung. Sein Pinguin ist ein groteskes Monster, mit deformierten Händen, spitzen Zähnen und ständig verschmierten Händen und Augen.

Er ist ein märchenhafter Albtraum, der im Film Kinder entführt, Menschen beißt und Catwoman gierig besteigen will. Kein Wunder, dass das Marketing Probleme damit hatte, die Figur in bunten Happy Meals zu bewerben. Burton macht Großartiges aus der Figur. Hauptthema des Films sind Identitäten. Der Pinguin wurde als Kind von seinen Eltern verstoßen und will sich dafür an der Welt rächen. Ein Gegenbild zu Batman, der seine Eltern als Kind verlor und die Welt seither schützen will. Der gutaussehende Bruce verkleidet sich als Tier – der Pinguin hingegen versucht, menschlich zu wirken.

Burton drehte zwischen den ersten Batmen noch Edward mit den Scherenhänden


Max Schreck ist eine Rolle, die eigentlich Staatsanwalt Harvey Dent (Billy Dee „Lando“ Williams aus dem ersten Film) sein sollte. Williams wollte man aber plötzlich nicht mehr, also schrieb man sie kurzerhand um. Schreck ist ein korrupter Geschäftsmann, der den Pinguin zu manipulieren versucht, damit der als armes Opfer der Stadt Bürgermeister und dadurch seine geheime Hilfe wird. Der psychopathische Pinguin spielt nur kurz mit der Idee, als Mensch unter Menschen akzeptiert zu werden und wird von Schreck so wütend gemacht, dass er die Erstgeborenen der ganzen Stadt töten will. Schreck, das wahre Übel hinter allem, verursacht überdies noch eine andere Entwicklung. Er tötet seine herum schnüffelnde Sekretärin, die von Katzenbissen wieder auferweckt - und wahnsinnig wird. Als Catwoman klaut sie sich durch die Stadt und arbeitet zeitweise sogar mit dem Vogelmann zusammen. Sie wird zu einer extremeren Version von Batman, die losgelöst von Gesetzen ausschließlich macht, was ihr gefällt. Dass sie sich ohne Maske in Bruce Wayne verliebt, verkompliziert die ganze Angelegenheit noch mal auf interessante Weise, und bald sieht Bruce all diese möglichen Versionen von sich selbst. Jeder der Bösewichte stellt eine Seite dar, die er selbst haben könnte.

Über das Finale sei an dieser Stelle nichts gelüftet, aber es wird offensichtlich, dass Max Schreck in der Entwicklingsphase ursprünglich Dent war und durch die Ereignisse des Films zu Two-Face werden sollte. Natürlich ist sein Paradethema das der doppelten Identität. Batman selbst hat wegen Pinguin, Catwoman und Schreck prozentual weniger Szenen als im ersten Film, ist aber zwischen interessanten Konflikten hin- und hergerissen. Er kann den Pinguin anfangs nicht stellen, weil ihm die Beweise fehlen. Er könnte ihn mit bloßen Händen umbringen, weiß aber, dass das falsch wäre. Catwoman kann er nicht härter bearbeiten, weil er sich zu ihr hingezogen fühlt, und weil sie eine Frau ist. Eine naive Einstellung, die ihn mehrfach straft.

Die Bösen schwärzen Batman als Killer an, indem sie ihm einen Mord unterjubeln und seinen Wagen ferngesteuert durch die Stadt jagen. Sie wollen seinen Ruf vernichten und ihn dazu bringen, eben so soziopathisch zu werden wie sie es sind. Catwoman ist offensichtlich von Batman inspiriert, doch der Pinguin ist ein natürliches Monster, während Schreck ein realistisches ist. Dafür, dass es zwei Filme zuvor noch Buff Peng Kaplong hieß, ist das überraschend viel Tiefe, die bis auf Ausnahmesituationen wie Pinguins Fahrt in einem Batmobile-Simulator in Kindergröße nie an Seriösität verliert. Batmans Rückkehr ist ein sehr finsterer Film, ein düsteres Märchen, thematisch, wie auch visuell. Eins, das sich nicht darum schert, kleinen Kindern zu gefallen und damit den altertümlichen Grimm’s Märchen nahekommt.

Trotz allem hat Burton seinen Hang zum Verspielten nicht verloren. Es mag ein wenig unpassend gewählt sein, dass der Pinguin ausgerechnet eine Bande von Clowns als Handlanger hat, doch ansonsten wird Gothams Fantasiegehalt wunderbar vertieft. So kriegt der Pinguin eine riesige Quietsche-Ente als Fahrzeug und echte Pinguine tragen Raketen auf dem Rücken. Da Burton dieses Mal selbst entscheiden durfte, gibt es keinen Prince. Die gelungene klassische Musik stammt gänzlich von Danny Elfman, der für den fast schon opernhaften Score rund um die Uhr arbeitete. Daraus schnürt Burton ein Sequel, das keineswegs überhastet, sondern höchst durchdacht wirkt. Hier hat man jemanden wirklich das Potenzial vertiefen lassen, das er im ersten Anlauf nur unsicher und ungenau unterbringen konnte.

Walken war 7 Jahre zuvor der Bösewicht in James Bond: Im Angesicht des Todes


Keaton hat hier merklich weniger zu tun. Er bleibt recht straight und räumt hinter den stärker beleuchteten Gegnern her, doch dafür entschädigen Walken (Burtons späterer kopfloser Reiter in Sleepy Hollow), DeVito – der in seiner Karriere nie besser war – sowie Pfeiffer, die ihre Rollen alle exzentrisch unterhaltsam gestalten. Fast könnte es sogar ein Suicide Squad ähnlicher Film ganz ohne Batman sein, so gut funktionieren die Antagonisten unter sich.

Fazit:

Batmans Rückkehr zeigt einen Burton bei vollster Selbstsicherheit. Als Einzelfilm würden ihm hier tiefer gehende Szenen mit Batman fehlen, doch als Fortführung des 1989er Films bietet es gleich drei unterhaltsame neue Gegner, ausgereifte Schauwerte und eine unerwartet dunkle und erwachsene Handlung. Ein beeindruckendes Sequel, dem bis heute kaum ein anderer Comic-Film nahekommen konnte.

10 / 10

8-10 // großartig, nicht verpassen!
6-7 // sehenswert
4-5 // könnte besser sein
3-0 // schade, verschenkte Idee

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