BG Kritik:

Batman & Robin


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Batman and Robin (US 1997)
Regisseur: Joel Schumacher
Cast: George Clooney (ugh), Uma Thurman, Arnold Schwarzenegger

Story: Batman und Robin und Batgirl und Mister Freeze und Poison Ivy. Story.

Batnippel.

Clooney gibt Quenglern auch heut noch das Geld für die Kinotickets zurück, wenn man ihn darauf anspricht


Da Batman Forever ordentlich Cash einspielte und der Stilwechsel somit aufgegangen war, machte Joel Schumacher weiter. Irritierenderweise mit einem Film, der Batman & Robin heißt. Eigentlich müsste er ja eher Batman & Robin & Batgirl heißen, da letztere hier neu dazu kommt und zwischen Batman und Robinman nichts Wichtiges läuft. Batman & Robin war das Thema das letzten Films, dessen tatsächlich Titel Batman Forever letzten Endes überhaupt nichts bedeutete.

Der vierte ähnelt dem dritten, im Prinzip. In Sachen Designwelten ist man beim selben Gotham mit riesigen Statuen geblieben, die Kameraarbeit ist ähnlich MTV-inspiriert (vermutlich, da die Kamera für Batman Forever irrtümlicherweise für den Oscar nominiert worden war) und die klassische Musik könnte so komplett vom Vorgänger übernommen sein. Batman und Robin jagen zwei neue ausgesprochen überzogene Gegner, die wieder mal stärker im Mittelpunkt stehen als die Helden selbst, und nach wie vor erinnert alles an die 66er Batman Serie.

Schumacher muss allerdings gemerkt haben, dass die schwermütigen Szenen Forevers dramaturgisch nicht ankamen. Der Kilmer Batman nahm sich außerordentlich ernst, doch sein Nachfolger George Clooney hat mit dem stillen Muffel nicht mehr viel gemein. Dieser Batman ist im Drehbuch sorglos und hat beste Laune, auch wenn Platz für interne Konflikte bleibt. Robin fühlt sich von seinem Partner bemuttert und will auf eigenen Beinen stehen, und Alfred erkrankt plötzlich. Für beide diese Konflikte findet man leider keine passenden Auflösungen. Halbherzig werden sie am Rande gelöst - sie beschäftigen die Figuren aber nicht wirklich.

Im Nachfolger wären Scarecrow und Harley Quinn als Gegner aufgetreten


Alternativ hätte Robin den Wechsel zum eigenständigen Nightwing vollziehen können, während Alfreds Tod Batman noch stärker in die Mentorenrolle gebracht hätte. So passiert unter dem Strich gar nichts, außer dass das niedliche Batgirl eines Tages vor der Tür steht und nach einem Motorradrennen bei Coolio zum Team gehört. Es wird nicht mal mit einer Beziehung zwischen Robin und Batgirl gespielt. Auch darf Batman dieses einzige Mal nicht ermitteln, obwohl das D in DC Comics schon immer für Detective stand.





In den 90ern hatte George Clooney eine drei Filme andauernde Phase, in der er sich zeitweise als Actionstar versuchte. 1996 fing er mit From Dusk Till Dawn an, in der der aus Emergency Room bekannte Schmusefernsehliebling für Roberto Rodriguez und Quentino Tarantino als knallharter Gangster und Vampirkiller auftrat. Dann kam Batman & Robin, anschließend der flaue Bombenlegerfilm Projekt: Peacemaker. Seine Teilnahme am 4. Batman muss er vermutlich bereut haben, als er zum ersten Mal sein anatomisches korrektes Kostüm mit Nippeln und Pobacken sah, denn nahezu alle seine Szenen erinnern an das Klischee eines typischen Beamten. Clooney macht gerade so viel, dass es nicht nach Arbeitsverweigerung ausschaut. Nichts in seiner Performance lässt darauf schließen, dass er sich die 10 Millionen Dollar, die er dafür bekam, wirklich verdienen will. Die Action liegt ihm überhaupt nicht, was allerdings auch Schumacher zuzuschreiben ist, der jeden Kampf zu einem albernen Herumgetaumel macht.

Also liegt wieder einmal alles an den Gegenspielern. Der schrankbreite Arnold Schwarzenegger ist eine ungewöhnliche Wahl für den sonst eher schmalen Mr. Freeze (der genau genommen eher Dr. Freeze heißen müsste), doch der Terminator erweist sich als Glanzgriff. Schwarzenegger spielt Clooney und O’Donnell an die Wand, da beide nicht erkannt haben, was Schumacher im Sinn hat. Ein Film wie ein Spielzeugwerbespot, im Grunde genau das, was die MASK und He-Man Serien für ihre jeweiligen Spielzeuge waren. Die beiden Guten fühlen sich allerdings sichtlich unwohl mit ihren flachen Sprüchen. Schwarzenegger und Thurman aber überspielen gezielt, und sichtlich unter großem Spaß. Fast jeder Satz Schwarzeneggers beinhaltet einen Wortwitz, der mit Eis zu tun hat und er bringt es mit der spaßigen Inbrunst, die zeigt, dass ihm der Blödsinn genau so bewusst ist, wie es zuvor von Tommy Lee Jones und Jim Carrey gemacht wurde.

Superman wird kurz erwähnt: Warner Bros hatte mit dem Gedanken gespielt, ähnliche Superman Filme zu machen


Thurman, die nur ein Fünftel von Arnolds Gage bekam, obwohl sie gleich viele Szenen hat, spielt auf ähnlichem Niveau, wird aber eingeengt. Sie ist mit Bane gestraft, der in dieser ersten Live-Action Version ein grunzendes Klischee-Monster Frankensteins ist, obwohl erst ein paar Jahre vorher seine berühmteste Comic-Storyline Knightfall (die, in der er Batmans Rückrat bricht) gelaufen war. Viele ihrer Sprüche haben den gleichen plumpen Charakter wie die von Mister Freeze; weil sie aber dauernd von Verführung spricht, klingt sie oftmals, als wäre sie in einem Pornofilm. Designtechnisch sehen ihre Sets und Kostümierungen weniger interessant aus als die von Mr Freeze, und in groben Zügen wirkt ihre Entstehungsgeschichte wie ein Hybrid aus denen von Catwoman und Riddler. Was die Effekte betrifft, so blamiert sich der 140 Millionen Dollar teure Film auf der ganzen Linie. Schon Batman Forever aus dem Jahr 1995 hatte Kamerafahrten durch ein CGI-Gotham, die nach Computerspielgrafik aussahen, aber Batman & Robin kam 6 Jahre nach Terminator 2. Im selben Kinojahr liefen Men in Black, Jurassic Park 2, Titanic, Dante’s Peak, Starship Troopers und Das 5. Element an. Weder zeitlich noch finanziell hatte man jetzt noch Ausreden, wieso die Effekte derart altbacken ausschauen mussten.

Mäßiger Batman, dünne Story, maue Action, staubige Effekte, dafür unterhaltsame Gegner, große Ausstattung und gute Musik. Wieso also wird Batman & Robin generell als Schandfleck aller Comic-Filme gesehen? Weil Schumacher es bei seinem zweiten Anlauf mit der angestrebten Leichtigkeit maßlos übertrieb. Eine der ersten Aufnahmen des Films sind die Ärsche von Batman und Robin in Großaufnahme. Die Kostüme haben noch deutlichere Gumminippel. Batman rutscht wie Fred Feuerstein einen Dinosaurierrücken herunter. Die Freeze Handlanger skaten und spielen mit einem Diamanten Eishockey, als wärs Holiday on Ice. Bane verkleidet sich mit einem Trenchcoat. Hin und wieder gibt es alberne Boing Laute. Batman und Robin surfen vom Himmel. Mr Freeze hat Flügel. Fährt Robin mit seinem Motorrad durch eine Tür, bleibt ein sauberes Logo als Loch zurück. Batman und Robin haben Schlittschuhe in ihren Stiefeln. Batman hat eine Bat-Kreditkarte. Das neue Batmobile ist ein Cabrio. Die Sprünge der Figuren folgen keiner Schwerkraft und sind immer wieder sinnlos. Jedes Fahrzeug wird wie ein Spielzeug präsentiert und Figuren ändern ihre Kostüme offensichtlich nur, damit es pro Figur unterschiedliche Kostüme anzubieten gibt. Und dann ist Batgirl auch noch die Nichte von Alfred, statt Comissioner Gordons Tochter. Warum?

BG Kritiken zu Batman Filmen:
Batman (1989)
Batmans Rückkehr (1992)
Batman Forever (1995)
Batman and Robin (1997)
Batman Begins (2005)
The Dark Knight (2008)
The Dark Knight Rises (2012)
Batman v Superman - Dawn of Justice (2016)

Fazit:

Der kindischere Ton Batman Forevers hatte Geld eingebracht, wurde also akzeptiert. Anstatt aber dabei zu bleiben, wollte man den Effekt und das Einspiel noch verstärken. Dabei übertrieb man es allerdings so sehr, dass es irreparable Schäden hinterließ. Gekoppelt mit einem Batman Darsteller, der sich durch den gesamten Film mogelt und trotz 10 Millionen Dollar Gage keinen Bock auf seine Rolle hatte, hinterlässt es ein albernes, durchwachsenes Stück Comic-Schrott, aus dem nur Schwarzenegger heil herauskommt.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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