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Kritik:
Battleship


von Christian Mester

BATTLESHIP (2012)
Regie: Peter Berg
Cast: Taylor Kitsch, Rihanna

Story:
Während einer im Rahmen des Navy Fests veranstalteten Flottenübung stoßen Kriegsschiffe auf merkwürdige Artefakte, die aus dem Wasser ragen und sich bald als außerirdische Flugschiffe entpuppen. Die Besucher legen bald alles in Schutt und Asche, während sie an einem Supersatelliten basteln. Unter einem Energieschild abgeschottet, sind der Heißsporn Hopper (Kitsch), sein Bruder Stone (Skarsgard) und japanische Kollegen die letzte Hoffnung gegen die Invasoren.

Kritik:
Thunderstruck! Es ist fraglos ein leichtes, Battleship als als ein Experiment des modernen Hollywood Blockbusters zu empfinden - und als solches zu zerreißen. Selten hat man derart Simples so teuer umgesetzt gesehen. Wie kann man ein Brettspiel verfilmen, mit einem Budget, von dem die meisten Franchise-Macher nur träumen können? Was folgt als nächstes, Vier gewinnt? Mau Mau? Kniffel? Ist man hart, hat der daraus entstandene Film - wie zu erwarten war - keine Story für einen Zerstörer, maximal für eine Luftmatratze: bei einem Manöver tauchen Aliens auf und Navy Schiffe legen sich mit ihnen an, that's all. Sieht man die hanebüchenen Versuche, dieses Nichts an Story notdürftig mit dem grundlegenden Brettspiel in Verbindung zu bringen, sinkt das Ding nichtmal im Hafen, es bleibt schon beim Stapellauf liegen. Die Charaktere könnten dabei kaum größere Klischees sein: der Held ist ein typischer Rebell, der damit zwar seine blonde Doppel-D Freundin beeindruckt, ansonsten aber ständig stramm stehen muss, weil er wieder etwas vermasselt hat.

Dass Peter Berg sich von den Transformers Filmen hat inspirieren lassen, wäre wohl eine sanfte Untertreibung: die gewaltigen Raumschiff-Schiffe der Bösen, die wie Grashüpfer über das Wasser springen, könnten zweifellos zu Megatrons Kohorten gehören - zumal sie sich auch transformieren können (wenn auch nicht in Autos). Ihre bärtigen Steuermänner, die aussehen, als könnten sie als Band bei Wacken auftreten und die offenbar Halo- oder Haze-Cosplay betreiben, machen nichts Relevantes. Ebenso, wenig Nachvollziehbares, denn manchmal greifen sie an, manchmal nicht, und was sie eigentlich wollen, kann man nur erahnen. Über den Patriotismus sei besser die US-Flagge des Schweigens gelegt. Michael Bay hat seinen Meister gefunden, denn waren seine Transformers in Teilen schon offensichtliche Rekrutierungswerbung, könnte man Battleship-Tickets gleich zusammen mit den Navy-Anmeldeformularen rausgeben - es würde wirken. Es gibt zudem wahrlich nicht viele Filme, in denen echte Weltkriegsveteranen nicht nur bejubelt gezeigt, sondern auch noch aktiv und heldenhaft in die Handlung mit eingebaut werden. Der Cineast rümpft seine Nase derweil über die monumentale Laufzeit von über 2 Stunden, in der wie üblich emotional zero passiert, in der nichts Neues vorkommt und aus der man, ist man streng, bestenfalls ein paar gelungene Minuten für ein Special FX Bewerbungsvideo zusammenschneiden könnte.

Wieso aber noch weiterer Text folgt und die untere Wertung für die voran gegangenen Kritikpunkte recht hoch wirkt? Battleship torpediert guten Geschmack, doch was Berg da geladen hat, ist weit erträglicher als Bays Transformers Trilogie oder ähnliche Titel wie Alien vs Predator Requiem, Skyline und World Invasion Battle LA. Dass die Handlung hauchdünn ist, kommt der Dümmlichkeit des Ganzen entgegen; versuchte Bay, seine Filme mit epischer Hintergrundgeschichte, Liebesgeschichte und quirliger Comedy vollzustopfen, besinnt sich Battleship eisern auf seine Grundkomponente: Schiffskampf gegen Aliens. Und der kann sich sehen lassen und macht jedes Mal, wenn es wummst, Spaß. Es macht Spaß zu sehen, wie die Army die Alienschiffe ausmanövriert und den Welteroberern Breitseite gibt, ebenso, wie deren Vernichtungsmaschinen sich scheinbar ziellos durch Stadtteile und Schiffe fräsen. Dass der Film unverschämt teuer war, zeigt Berg an jeder Stelle. Tricktechnisch ist der Film in der Offiziersklasse, dazu dröhnen Creedence und AC/DC aus den Boxen. Wollte ein World Invasion knallhart ernst sein, ist Battleship eher eine lockere Freizeitparkattraktion. Es bleiben die Figuren auf der Strecke, aber so wie sie umgesetzt sind, und das ist ein wichtiger Punkt für Filme wie diesen, nerven sie auch nie. Schade ist es um Taylor Kitsch, der wie schon in John Carter einen recht sympathischen Einstieg erhält, dann aber plötzlich nur noch der kämpfende Soldat ist, sowie um Liam Neeson, der nicht wirklich mitmachen darf, doch keiner von beiden muss sich der Teilnahme schämen. Nicht einmal Rihanna ist schief anzusehen, die als Erinnerung an die 60er Uhura zum Wohle ihrer Unerfahrenheit nicht viel zu tun bekommt und bloß tippend an Konsolen sitzt. Eine wirkliche Schwäche findet sich im Nebenplot der Heldenfreundin (gespielt von Brooklyn Decker), die zusammen mit einem Wissenschaftler und einem Soldaten Abenteuer auf einer Insel erlebt; dieses ist nur wenig gelungen.

Berg's Intentionen einzuschätzen fällt nicht leicht. Teilweise gibt es übertrieben aufgesetzten Patriotismus, doch manchmal wird es so banal präsentiert, dass man ein Augenzwinkern zu spüren scheint. Dass der Film die volle Unterstützung der US-Army erhielt und Berg als einer der wenigen Filmemacher Gelegenheit bekam, mit echten Kampfschiffen drehen zu dürfen, hatte fraglos Konsequenzen hinsichtlich der Darstellung der Navy im Film, doch wie Berg es wirklich sieht, lässt sich schwierig festlegen. Auch ist der offensichtliche Rip-off zahlreicher Bay-Filmeinstellungen, von Halo, Top Gun, Aliens und anderen bekannten Stoffen derart starker Bestandteil, dass man fast denken mag, Berg sage kritisch - schaut, genau das wollt ihr doch, hier habt ihr es einmal als Konzentrat. Zum ganz großen Welthit und zu Fortsetzungen wird es wohl nicht taugen, doch was Berg da zusammengeschustert hat, ist ein entschlackter Transformers, harmloses Hirn-aus Kino, das keine Macken hinterlässt. 

Fazit:
Spätestens, wenn ein törichter Alien in seinem Halo-Glänzeanzug ahnungslos auf dem Kampfschiff vor eine der großen Haubitzne stapft, hinter der trocken Oneliner reißend ein Soldat steht, macht Battleship Spaß. Ein Film, der außer großem Bums nicht viel zu bieten hat, das aber recht kurzweilig, augenzwinkernd und ohne Anstalten, mehr als das sein zu wollen, liefert. Nichts für die Ewigkeit, aber passable Überbrückung bis zum nächsten richtigen Film.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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