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Kritik:
Battleship


von Christian Westhus

BATTLESHIP
(2012)
Regie: Peter Berg
Cast: Taylor Kitsch, Rihanna, Liam Neeson, Alexander Skarsgard, Brooklyn Decker

Story:
Während einer im Rahmen des Navy Fests veranstalteten Flottenübung stoßen Kriegsschiffe auf merkwürdige Artefakte, die aus dem Wasser ragen und sich bald als außerirdische Flugschiffe entpuppen. Die Besucher legen bald alles in Schutt und Asche, während sie an einem Supersatelliten basteln. Unter einem Energieschild abgeschottet, sind der Heißsporn Hopper (Kitsch), sein Bruder Stone (Skarsgard) und japanische Kollegen die letzte Hoffnung gegen die Invasoren.

Kritik:
Warum drumherum reden? Selbst diejenigen, die „Battleship“ freudig und ungeduldig erwarten, sind sich mehr oder weniger einig, dass ihnen anspruchslos auf Film gebannter Blödsinn bevorsteht. Hauptsache es kracht und knallt. Einhellig wird auf‘s gängige Prozedere bei Filmen dieser Art verwiesen, sein Gehirn vor Filmgenuss doch bitte abzugeben. Und so ist „Battleship“ – nach „Transformers“ die nächste Verfilmung eines Hasbro-Spiel(zeug)s – dann auch wie erwartet Schrott in Reinkultur. Es ist verdammt nochmal ein Film, der sich als Verfilmung von „Schiffe versenken“ verkauft. True Story. Da kann man doch kaum Qualitäten abseits von ausgewalzten Action- und Spektakelszenen erwarten. Und doch macht man es sich mit dieser Haltung ein wenig zu einfach. Warum bitteschön soll uns eine annähernd nicht existente Behelfshandlung als Pinnwand für lieblos angeheftetes Tohuwabohu genügen? Es ist an der Zeit, der spätestens durch die Transformers-Filme losgetretenen Lawine substanzloser XXL Radau-Filme Einhalt zu gebieten. Eine unangebracht erfolgreiche Reihe dieser Pseudo-Actionfilme muss reichen. Das Gehirn nun bei jedem so kläglichen wie dreisten Versuch, der geistig jung gebliebenen Zielgruppe das Geld aus der Tasche zu ziehen, abzugeben, liefert Mal um Mal nur weitere Sargnägel für’s Sci-Fi-Actionkino. Das lebt aktuell in einer Parallelwelt mit umgekehrten Vorzeichen, wo Zusatz und Fassade (Effekte) plötzlich wichtiger sind als Handlung und Figuren, ja sogar wichtiger als die emotionale Anwesenheit des Zuschauers. Hauptsache geil, lautet das Motto. Denn geil hat man dann auch sogleich wieder vergessen. „Battleship“ beweist nun eindrucksvoll, warum diese Bizarro-Welt des Unterhaltungskinos einen kompletten Sinneswandel benötigt. 

Da hätten wir Taylor Kitsch in der Hauptrolle, der jüngst noch auf dem Mars zum Helden avancierte. Hier ist er ein abgebrannter Dickschädel, ohne Ansporn und Ziele im Leben. In einer leidlich amüsanten ersten Szene dürfen wir Hoppers ungewöhnliche Vorstellung von Romantik kennen lernen, denn jeder Held braucht eine Frau an seiner Seite, die um ihn bangen kann. Und jede Frau hat für unseren Helden in Filmen dieser Art einen männlichen Konkurrenten in Schlagdistanz. In diesem Fall ist das Liam Neeson, der hier in einer unbeschreiblich konturlosen Rolle als Navy Admiral den Vater von Brooklyn Decker gibt. Und den gestrengen Daddy gilt es zu überzeugen, was sich als schwierig gestaltet, weil Hopper ein unzuverlässiger Faulpelz ist, der ständig mit dem Kopf durch die Wand will. Er wirkt wie die unwesentlich erwachsenere Version von Sam Whitwicky aus „Transformers“. All das – nebst Druck durch Hoppers großen Bruder – reicht dem Film, um ein martialisches Feuerwerk abzufackeln. Es ist nicht Nichts und schon gar nicht so ein völlig aus den Fugen geratenes Gaga-Sammelsurium, wie es die „Transformers“ Fortsetzungen boten. Aber es ist eben auch nur ein kleinster Ansatz von Charakterzeichnung. Sobald das Rambazamba der Invasoren auf dem Wasser beginnt, hören sämtliche Figuren auf, Charaktere zu sein. Sie sind nur noch austauschbare Soldaten und Zivilisten, die in austauschbarer Form auf das ausbrechende Chaos reagieren. Einzig Hopper ist im immer gleichen Storymechanismus darauf gepolt, sich zu sammeln und endlich ein Mann zu werden. Wie aufregend!

Taylor Kitsch selbst wäre durchaus in der Lage, den Film zu führen und zu tragen, aber sein Hopper ist die meiste Zeit über schlicht nervtötend dämlich und danach ein austauschbarer Held, der den Tag rettet. Neeson war wahrscheinlich kaum eine Woche am Set, Alex Skarsgard wird vom Script allein gelassen, und Brooklyn Decker hat man sicherlich nicht für ihre darstellerischen Talente besetzt. Und dann ist da auch noch „Sängerin“ Rihanna in ihrem Filmdebüt. Was genau sie hier zu suchen hat bleibt unklar. Sie wird im ersten Drittel als kesse Sprücheklopferin inszeniert, die zwischen all den Jungs und Männern als einzige Frau mit großer Klappe gegen große Muskeln anplappert. So jedenfalls scheint es geplant, denn wirklich wohl scheint sich Rihanna im Film nicht zu fühlen. Sie sollte wohl doch bei der Musik bleiben und das dürfte für diesen Film wohl Warnung genug sein. 

Dann aber geht es endlich los, denn die Invasoren tauchen auf und hauen bald alles kurz und klein. Und ja, man kann durchaus behaupten, dass diese vollkommen sinnbefreite und emotional uninteressante Zerstörungsorgie kurzzeitig unterhält. Also ungefähr zehn Minuten. Das Design der Fremdlinge, solange sie die Helme aufbehalten, darf man sogar mit Recht „cool“ nennen, wenn einem der Sinn danach steht. Regisseur Peter Berg („Hancock“) ergeht sich an Effekten, schneidet erfreulich übersichtlich und genießt es dabei, nicht näher definierte Alien-Schnetzler einfach mal unbegründet über einen Stützpunkt rollen zu lassen. Und weil die Fremden nicht mit Lasern, sondern mit eher altmodischen Sprengkörpern und Raketen feuern, kann man sogar von einem selten gesehenen Gleichgewicht der Duellanten sprechen. Die Story schaltet hier vollkommen ab, bemüht sich nicht einmal, den Aliens einen etwas genauer erläuterten Grund zu geben, warum sie auf unserem Planeten so rumstressen. Entsprechend wenig tangieren die 25.000 Toten in Hong Kong, oder sinkende Kriegsschiffe mit X-tausend Mann Besatzung. Michael Bay dürfte den unfassbar teuren CGI-Schabernack anerkennend abnicken und sich entspannt zurücklehnen, weil den eigenartigen Fluggeräten die Detailwut der Transformers fehlt. Bei Bay rotieren pausenlos irgendwelche Rädchen, Haken und Hydraulikpumpen, die den Blechhaufen so etwas wie Lebendigkeit geben. Bei „Battleship“ kämpfen klobige Zerstörer und Kriegsschiffe gegen ähnlich grob geschnitztes Gefährt von fremden Planeten. Und das ist reichlich schnell reichlich öde. Nur wenn das jeweilige Personal en detail auftritt, treten wir aus der Videospiel-Zwischensequenz heraus, während Komponist Steve Jablonsky und die Leute von den Sound Departments durchgängig monströs lärmenden Krach durch die Lautsprecher jagen. So, wie sich das für dieses verkrüppelte Untergenre mittlerweile gehört. 

Was den Film aber beinahe vollständig killt, lässt sich an zwei Details festmachen. Das finale Drittel und der ständig penetranter werdende Verdacht, Militär-Propaganda zu gucken, zerstören einen Film, der immerhin harmlos-substanzloser Fun wie der erste „Transformers“ hätte sein können. Aber nicht nur reicht es irgendwann mit substanzlosem Fun für Denkfaule, „Battleship“ mausert sich auch zu einem der lächerlichsten Blockbuster der letzten Jahre. Peter Berg will Coolness um jeden Preis. Das im Internetjargon etablierte „episch“ muss es sein und das an allen Ecken und Enden. Schon ein dämliches und unbedeutendes Fußballspiel fühlt sich an, als habe Berg zu viel „An jedem verdammten Sonntag“ geguckt und auf Fußball übertragen. Im letzten Drittel aber dreht er völlig am Rad, montiert AC/DC zur albernsten Montage seit langer Zeit, und schickt seine Protagonisten auf die absurdesten und unlogischsten Trips. Weil’s toll aussieht. So kraxeln Hopper und sein japanischer Kollege einfach mal ein sinkendes Schiff bis zum Bug hinauf, statt zur Seite abzuspringen. Einfach mal so. Weil cool. Wie bekloppt werden Kommandos gebrüllt, jedes zweite Wort ist „Feuern!“ oder „Schießen!“, was entsprechend auch umgesetzt wird. 

Und weil noch nicht klar genug ist, wie cool die Navy ist, macht man hier sogar Invalide und äußerst betagte Veteranen zu Helden, die alle ihre Momente bekommen. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass eigentlich fast immer die Menschen die Aggressoren waren. Die Guten sind aber trotzdem die Menschen, genauer gesagt die Navy Truppen, denn nur die wissen, wie der Hase läuft. Wie sich das Script hier zum Showdown und dort zur großen Entscheidung hangelt, muss man praktisch selbst gesehen haben, so beknackt ist es. Und dem Film mangelt es spürbar an Humor, um hier ernsthafte Witzabsicht zu unterstellen. Michael Bay hat in Sachen Militärfetisch und Heroisierung von Militär und Kriegshelden jedenfalls starke Konkurrenz bekommen. Hopper sagt einem kleinen Jungen zu Beginn, wie cool es doch ist, bei der Navy zu sein, wie cool es ist, die Geschütze zu bedienen. Und genau das dürfen wir uns dann im restlichen Film in allen Formen und Farben angucken. „Yvan eht nioj!“, wie es bei den Simpsons mal hieß.

Fazit:
Laut, wüst und sinnlos. Wie zu erwarten bietet „Battleship“ kaum mehr als das Allernötigste, um eine Handlung auf die Beine zu stellen. Was zählt sind Action, Effekte und Zerstörungen. Davon kriegt man dann auch reichlich, aber sonderlich viel Spaß dürfte man damit nicht haben. Insbesondere wenn der heftige Pro-Militär Vibe und ein absurd-lächerliches Schlussdrittel den letzten Funken Spaß rauben.

3,5 / 10

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