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Kritik:
Beastly
Schau in sein wahres Gesicht


von Christian Mester

BEASTLY (2011)
Regie: Daniel Barnz
Mit: Alex Pettyfer, Vanessa Hudgens

Story:

Weil er ein sexistischer und eingebildeter Macho ist, wird der junge Kyle Kingston (Alex Pettyfer) eines Tages von einer Hexe (eine der Olson Zwillinge) in ein glatzköpfiges, vernarbtes und tätowiertes Etwas verwandelt. Ein Jahr hat er daraufhin Zeit, die Worte „Ich liebe dich“ zu hören, will er sein altes Aussehen jemals zurückbekommen. Mit Hilfe eines blinden Lehrers (Neil Patrick Harris) versucht er bei der niedlichen Lindy (Vanessa Hudgens) zu landen…

Kritik:
Pettyfer: Part 2. Vor kurzem erst sah man Alex Pettyfer im Sci-Fi Streifen „Ich bin Nummer Vier“, in dem er einen nachdenklichen Außenseiter spielte, der sich von der Außenwelt abkapselt und nach echter Liebe sucht. Eine passabel gespielte Romanze, die in erster Linie durch einen durchaus unterhaltsamen Sci-Fi-Action-Part aufgemöbelt wurde. In „Beastly“ spielt er nun einen weitaus nachdenklicheren Außenseiter, der sich noch viel weiter abkapselt und der, wen soll es überraschen, ebenfalls nach Liebe sucht. Mit dem Unterschied, dass Superkräfte, Wummen und Außerirdische dieses Mal fehlen. Kann das denn funktionieren? Selbstverständlich, sind Pettyfer und Co-Star Hudgens doch beide recht sympathisch, nicht völlig unbegabt und funktionierte die offensichtlich dreist geklaute „Die Schöne und das Biest“ Story in den meisten der Interpretationen.

Hier nicht, denn „Beastly – Schau in sein wahres Gesicht“ darf nur einer einzigen mauen Wahrheit ins Auge sehen: es ist eine nur mäßig funktionierende Love Story und ein schwacher Film im Allgemeinen.

Schon die Eröffnung des Films lässt grübeln. So wie ein Geschäftsmann in Stephen King’s „Thinner“ von einer Zigeunerin zum unfreiwilligen Entschlacken verflucht wird, weil er jemanden achtlos überfahren hat, wird Kyle wegen arroganten Sprüchen zu absoluter Hässlichkeit verflucht. Er wird dazu gebracht, sich völlig von seinen Mitmenschen abzugrenzen, wie ein Mönch im Exil zu leben und seine gesamte Karriere aufzugeben. Seine Figur ist anfangs unsympathisch, doch sein durch eine Mitschülerin ausgelöstes Schicksal scheint völlig übertrieben. Doch ist es das überhaupt? Den Eindruck will der Film erwecken, sieht es doch aber mit objektivem Auge noch gänzlich anders aus. Kyle mag seine Haarpracht verlieren, Narben und Tattoos bekommen (und der Schauspieler dafür täglich 7 Stunden in der Maske gesessen haben), doch nach gewöhnlichen gesellschaftlichen Maßstäben wäre er keinesfalls maßgeblich entstellt – er könnte als beliebter Drummer einer Rockband durchgehen, und in Goth-Clubs und Tattoo/Bodymod-Studios auf wesentlich bizarrere Counterparts treffen. Und es ist nicht einmal so, dass sich Kyle bloß selbst einredet, unerträglich hässlich zu sein, was ja eventuell Anzeichen von Anspruch aufweisen könnte – in einer Szene in der Außenwelt wird klar gemacht, dass es diese tatsächlich so aufnimmt.

Das setzt das Ganze schon auf wackelige Beine, alles Weitere gibt ihm dann den Rest. Nachdem Lindys Vater mit Gangstern zu tun hat, bringt er diesen dazu, ihm seine Tochter zu überlassen. Aus Schutzgründen, doch als diese gegen ihren Willen eingesperrt und von dem glatzköpfigen Stalker belauert wird (der sie zuvor bereits regelmäßig heimlich verfolgt und begafft hat), kommt man nicht drum herum, Schwierigkeiten in der Romanze zu sehen. Natürlich werden diese weggespült, da Lindy von heut auf morgen zur offenen Freundin wird und sich urplötzlich nichts mehr daraus macht, von einem scheinbar gesellschaftsunfähigen Irren eingesperrt und von der eigenen Familie an diesen abgegeben worden zu sein. Selbst das könnte man hinnehmen, würde die Romanze zwischen beiden herzlich aufblühen, doch sie tuscheln nur und sind bis zur entscheidenden Szene wie Thor und Jane Foster: anscheinend nur Freunde, kein Paar, zwischen denen es knistert. Die niedliche Harmonie, die zwischen ihm und Dianna Agron im anderen Film zu fühlen war, fehlt.

Lindys Vater schert sich nicht um sie und Kyle's ist gar schlimmer: er schämt sich, dafür einen derart hässlichen Sohn zu haben, reduziert den Kontakt aufs Nötigste und überlässt ihn in aller Hohn einem blinden Lehrer. Der von Barney Stinson gespielt wird und einige Schmunzler ablässt, aber kaum vorkommt und das Boot nicht vor’m Kentern retten kann. Dass Kyle’s Vater so hart ist, wird kurz angesprochen, hat aber keinen großen emotionalen Effekt, obwohl es nahezu shakespearsche Gewichtung bekommen könnte. Nierenschlag ist das gesprochene Wort, bei dem man aufgrund der Bestseller-Vorlage davon ausgehen sollte, dass dies zumindest rudimentäre Qualität aufweist. Mitnichten. „Subtil“ ist offenbar nicht im Begriffsschatz des Drehbuchautoren, anderenfalls würden nicht ausschließlich debile Dialoge ala „Du bist hässlich.“ „Nein, jetzt bist du hässlich.“ „Ich bin hässlich, oh nein. Wieso bin ich hässlich?“ fallen und fades Geschwafel ala „Menschen mögen Menschen, die gut aussehen“, „Mir ist der Charakter am wichtigsten“, „Man sollte ein Buch nicht anhand seines Umschlags beurteilen“ etc. die Grundlage bilden. Und das beste von allem? Der Film will weismachen, dass man bescheiden und nett sein soll, um seine große Liebe zu finden – doch in der Eröffnungsszene wird offensichtlich, dass Lindy auch den arroganten, narzisstischen, respektlosen Kyle direkt vernaschen würde. Das zur großen Vorbilds-Aussage Charakter über Aussehen. Regietechnisch ist „Beastly“ unterste Werkarbeit. Lieblos ohne eigene Note herunterfabriziert, gibt es keinen einzigen herausragenden Moment – nicht einmal die Verwandlungen Kyle’s werden gezeigt. Da die Romanze keinen Pepp hat und auch sonst nichts passiert (es gibt keine größeren Konflikte im letzten Viertel, oder überhaupt), trottet der ganze Filme elanlos vor sich her, zugedudelt mit 0815 MTV-Soundtrack (u.a. Lady Gaga).

Fazit:
Da knistert nichts - "Beastly" ist eine schnöde Romanze ohne Gefühle, die zwar nicht so albern wie die "Twilight" Filme ausfällt, dafür aber ungeheuer langweilig ist.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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