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Kritik:
Beautiful Creatures -

Eine unsterbliche Liebe


von Christian Westhus

BEAUTIFUL CREATURES
(2013)
Regie: Richard LaGravenese
Cast: Alice Englert, Alden Ehrenreich, Jeremy Irons, Emma Thompson, Emmy Rossum, Viola Davis

Story:
Basierend auf der Romanreihe von Kami Garcia und Margaret Stohl: Der junge Ethan (Ehrenreich) langweilt sich in der fromm-spießigen Kleinstadt Gatlin. Als Lena (Englert), die Nichte des in Gatlin gleichermaßen einflussreichen wie unbeliebten Macon Ravenwood (Irons), in die Stadt zieht, interessiert sich Ethan sofort für die Neue. Doch Lena hat ein Geheimnis. Sie ist eine Hexe, Caster genannt, die kurz vor einer wichtigen Veränderung in ihrem Leben steht. Eine Veränderung, die viele Menschen in Gefahr bringen könnte.

Kritik:
Auch wenn Stephenie Meyers „Twilight“ Reihe nicht den Ursprung des aktuellen ‚Young Adult‘ Phänomens bildet, mit Sci-Fi/Fantasy Romanzen zwischen jungen Erwachsenen, war der Erfolg der Romane und Verfilmungen der „Bis(s)…“ Geschichten die Initialzündung für mehrere ähnlich gelagerte Versuche. So gleicht dann auch diese Verfilmung eines ‚Young Adult‘ Romans (Teil 1 der vierteiligen Reihe ist in Deutschland als „Sixteen Moons“ bekannt.), mit einer Welt aus im Geheimen lebenden Zauberern und Hexen, eher „Twilight“ als „Harry Potter“ oder Ähnlichem. „Beautiful Creatures“ dreht das Personal aus Liebender Person und Objekt der Begierde um, bewegt sich ansonsten jedoch in allseits bekannten Gefilden. Es ist zur Abwechslung mal der junge Mann, der sich in jemanden verliebt und diese Person verfolgt, bis die Gefühle erwidert werden. Und Casterin Lena, die Ethan zurückliebt, sich aber wegen ihrer bevorstehenden Wandlung auch zurückzieht, birgt die obligatorische übersinnliche Gefahr für diese wie gewohnt bald überlebensgroße Zuneigung der jugendlichen Liebenden. 

Die eigenwilligen Regeln dieser Fantasy Welt besagen, dass weibliche Caster mit dem 16. Lebensjahr entweder den Weg des Lichts oder der Dunkelheit gehen. Sie werden – willenlos – von den guten oder den bösen Mächten auserwählt, anders als die männlichen Caster, die über ihr Leben frei entscheiden können. Damit es auch so richtig um etwas geht, ist Lena natürlich Teil einer alten Prophezeiung und eines Fluchs, der sie mit mehreren Personen auch über Jahrhunderte hinweg verbindet. Mehrere Personen beeinflussen sie nun, haben verschiedene Vorstellungen, wie sie sich auf ihre Veränderung vorbereiten soll. Die aufwühlende Liebesgeschichte mit Ethan ist Lenas elterlichen Aufpassern natürlich bald ein Dorn im Auge, denn je unruhiger Lenas Innenleben aussieht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Dunkel ihrer bemächtig. Genau das will natürlich die dunkle Ober-Casterin, die sich schnell als Emma Thompson zu erkennen gibt und hin und wieder versucht, Lena für sich zu gewinnen oder negativ zu beeinflussen. Hinzu kommt Cousine Ridley (Emmy Rossum), die den dunklen Weg gegangen ist und mit Wonne ihre Macht über sterbliche Männer ausspielt.

Regisseur Richard LaGravenese hält den Film lange Zeit bodenständig, mit nur geringen Anzeichen für Übersinnlichkeit. Ein „Aus der Zeit gefallener“ Telepathie-Dialog hier, Abwehrmechanismen des Hauses dort, oder eine rasante Karussellfahrt mit dem Esszimmertisch – bis zum Finale gibt es nicht nennenswert mehr Fantasy- oder Effektszenen, von den eher biederen Rückblenden abgesehen. LaGravenese konzentriert sich in seinem handlungsarmen, aber überlangen Film auf die Figuren und merzt so immerhin ein paar Fehler aus, die dem erfolgreichen Vampir-Vorbild häufig vorgeworfen wurden. „Beautiful Creatures“ ist ein Film, der sich seiner Mittelmäßigkeit fast vollständig hingibt und davon profitiert, dass wir diese übersinnlichen Jugendromanzen auch schon schlechter gesehen haben. Es geht immerhin um etwas. Die liebenden Hauptfiguren sind einigermaßen sympathisch, ihre Darsteller – insbesondere Alice Englert – nicht untalentiert und ihre Liebe dementsprechend einigermaßen glaubwürdig und nachvollziehbar. Auch die dramatische Zuspitzung hat eine interessante Grundidee; die Gefahr im Falle des Scheiterns ist tatsächlich gegeben. Nur sonderlich spannend oder mitreißend ist das nicht. 

„Beautfiul Creatures“ ist im besten Falle nett, meistens schmerzfrei guckbar, aber trotz kontinuierlich erhöhtem Kitsch-Level und plötzlich einsetzender Voll-Fantasy bleibt es eine recht banale Geschichte. Es ist nicht so leer und dröge, wie das auf fünf Filme gestreckte Anstarren zwischen Bella und Edward in „Twilight“, aber erinnerungswürdig ist an „Beautiful Creatures“ kaum etwas. Nicht das Liebespaar, nicht die präsentierte Fantasy Welt, nicht der kesse Humor von Emma Thompson oder Emmy Rossum, nicht das stoische Desinteresse von Jeremy Irons und auch nicht der unharmonisch überpräsente Score der Band Thenewno2. Das eher feige Ende lässt den Zuschauer dann abschließend noch mit einem Schulterzucken dasitzen. Für die Frage, warum man sich für weitere Abenteuer und Geschichten in dieser Welt und mit diesen Figuren interessieren sollte, gibt es kaum Antworten. Für einen einmaligen Abstecher war es in Ordnung, für mehr muss dann aber auch mehr – d.h. Gehaltvolleres – kommen.

Fazit:
Ein wenig glaubwürdiger und generell ein Stück besser als das Meiste, was wir aus der „Twilight“ Welt kennen, letztendlich aber dennoch genau für dessen Fans. Die fantastische Hexenwelt von „Beautiful Creatures“ ist nicht übermäßig reizvoll und so bleibt die durchschnittliche, aber solide gespielte Liebesgeschichte das Zentrum der Handlung. Das ist annehmbar, aber auch schnell vergessen.

5 / 10

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