BG Kritik:

Beziehungsweise New York


von Manuel Föhl

Casse-tête chinois (US, 2014)
Regisseur: Cedric Klapisch
Cast: Romain Duris, Audrey Tautou, Kelly Reilly

Story:
Als seine Frau Wendy entscheidet, nach New York zu ziehen, folgt Xavier ihr, um ihren gemeinsamen Kindern weiterhin ein Vater sein zu können. Drüben im Big Apple erwarten ihn lauter turbulente Erlebnisse...

Ähnlich der „Before...-Trilogie“ von Richard Linklater, beschäftigt sich Cédric Klapisch nun schon zum dritten Mal mit den selben Figuren und erzählt ihre Entwicklung im Laufe des Lebens weiter. Anders als Linklater, macht er das aber nicht in einem stetem Rhythmus, sondern erst dann, wenn er wieder Lust hat oder das Gefühl, dass es noch was zu erzählen gibt. Vorweg sei mit auf den Weg gegeben, dass die Kenntnis der beiden vorherigen Filme keineswegs von Nöten ist um „Beziehungsweise New York“ zu verstehen. Der Film baut natürlich auf bereits bekannte Charaktere auf und hier und da gibt es für Kenner der Vorgänger nette Anspielungen und Cameos, aber das tut dem gesamten Genuss des Films keinen Abbruch.

Der Film ist der dritte Teil einer Trilogie


Mit Studieren hat Xavier (Romain Duris) schon länger nicht mehr zu tun. Er ist mittlerweile 40 Jahre alt und lebt in Paris. Zu Beginn des Films ist er bereits von Wendy (Kelly Reilly), mit der er zwei Kinder hat, getrennt. Sie lernt jemand Neues kennen, einen Amerikaner, und möchte gerne nach New York ziehen. Um seinen Kindern nahe zu bleiben, beschließt Xavier sich auch eine Bleibe in der Millionen-Metropole zu suchen. Dort kommt er u.a. erstmal bei seiner ehemaligen WG-Mitbewohnerin Isabelle (Cécile de France) und ihrer Partnerin Ju (Sandrine Holt) unter. Deren Kinderwunsch Xavier helfen wollte, mit ein Katalysator für die Trennung für Wendy war. Auch zu einer Begegnung mit Martine (Audrey Tautou) kommt es wieder unverhofft und so dreht sich das Karussell um Liebe, Leben, Hoffnungen usw. von Neuem für Xavier und seine Freunde.

Das serielle Erzählen ist nicht erst seit der Renaissance bzw. vielleicht der wirklichen Findung der Serie und ihren Möglichkeiten im heutigen amerikanischen und europäischen Fernsehen, auch im Kino eine beliebte Erzählform. Die schon genannte „Before...-Trilogie“ machte es bereits vor, woran der Reiz liegt bekannte Charaktere nach mehreren Jahren wieder zu besuchen und dabei nicht nur eine einzelne Geschichte wieder fortzusetzen, sondern auch die vergangenen Jahre in der Filmhandlung zu situieren, ums o die Möglichkeit zu haben dem Zuschauer eine größere Entwicklung darzustellen. Cédric Klapisch öffnete diese Tür mit „L'Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr“ im Jahre 2002 für sich. Der junge franzöische Student Xavier sollte fortan treuer Begleiter des Zuschauers über drei Filme werden. Die üblichen elemanteren Probleme der Adolesenz wie Liebe, Job, Familie usw. sollten dabei stets Hand in Hand mit der Filmhandlung gehen. Geschieht dies bei Linklater vor allem durch die Dialoge von den durch Ethan Hawke und Julie Deply dargestellten Figuren von Jesse und Celine, so lässt uns Klapisch dies durch Xaviers Monologe und Erlebnisse erfahren. Es geschieht dabei aber deutlich oberflächlicher. Xaviers Blick auf die Welt ist zu Beginn noch voller Träume und Hoffnungen. Geblendet von der jugendlichen Mentra, dass alles möglich ist, wenn man sich nur anstrengt und es wirklich will, wird seine Betrachtung der Welt immer nüchterner und dabei auch etwas realistischer. Er gibt nie auf und das Märchen in den kleinen Dingen gibt es bei ihm immer wieder, aber seiner Figur wird auch immer wieder bewusst, dass oft alles anders kommen kann, wie man es sich vielleicht vorstellt, dies aber unter Umständen nicht unbedingt schlecht sein muss.

Die Vorgänger hießen Barcelona für ein Jahr und Wiedersehen in St. Petersburg


Nachdem im zweiten Teil Xavier sozusagen den Film über ein Buch, dass er während einer Zugfahrt schreibt, erzählt, sitzt er hier zu Beginn des Films auf der Dachterrasse eines New Yorker Apartments und erzählt die Ereignisse der letzten Monate seinem Verleger. Das der Film so funktioniert ist sein Fluch und Segen zugleich. Er kann auf bereits etablierte und bekannte Figuren bauen und ermöglicht auch Neulingen der Reihe einen schnellen Einstieg, er fügt den Figuren dabei aber nur neue Ereignisse zu, wie bei einem Bausatz, ohne damit aber groß zu spielen. Es wird also mehr agiert, denn reagiert auf die Dinge. Ausgenommen Xavier erleben bzw. erlebten unsere Figuren wohl schon eine Entwicklung, aber so richtig will der Funke nicht zum Zuschauer dabei überspringen. Dies liegt aber keineswegs am grundsympathischen Ensemble rund um Romain Duris und Audrey Tautou, die man ja letztes Jahr erst in Michel Gondrys „Der Schaum der Tage“ schon gemeinsam im Kino sehen konnte.

Schon immer spielte natürlich in den Filmen die Sprache und Kommunikation eine große Rolle. In Teil 1 traf die französische Sprache auf spanisch, englisch, italienisch, skandinavisch und deutsch (so sei als kleiner Tipp nebenbei auch gesagt, die Filme wirklich nur im O-Ton zuschauen. Auf den deutschen DVDs hat man dies zumindest soweit beachtet, dass es eine deutsche Fassung gibt, in der nur das französische, also die Hauptsprache des Films, ins Deutsche synchronisiert wurde), hier ist es vor allem französisch und deutsch. So kommt Xavier sichtlich in Schwierigkeiten, der bisher wohl nur das reine britische Englisch seiner Gattin gewohnt war, als er mit dem Slang des amerikanischen Englischs in Berührung kommt. Dies sind dann die kleinen Momenten, wo der Film einen gesunden Charme versprüht. Leider sind es nur kleine Szenen und nicht das Ganze, das überzeugt. Wie zum Beispiel auch Klapischs Spielereien mit aus Papier ausgeschnittenen, animierten Szenen oder die Nutzung bekannter Kartendiensten von Google. Da gibt es dann doch zu wenig zu erzählen oder es geschieht ohne größere, neue Ideen. Das letzte Drittel steht dabei symptomatisch. Es wird ein aus Teil 1 bekanntes Erzählmuster aufgegriffen, was den Kenner der Vorgänger ein Lächeln auf die Lippen zaubert, und auch sonst zu einer netten und lustigen Zusammenführung der Großteil der Charaktere führt. Leider ist aber auch hier der Punkt erreicht, an dem Klapisch, der trotz üppigen zwei Stunden Laufzeit, ziemlich simpel und schnell Großteile der Handlungsstränge zu einem (vorläufigen) Ende führt. Die leicht-beschwingte Beziehungskomödie, verliert dabei immer mehr den selbst gestellten Anspruch und verkommt am Ende dann fast zur Stangenware, mit einem uninspirierten Happy End.

Fazit:

Immer noch sympathisch, macht es weiterhin Spaß mit Xavier durch das Leben zu stolpern, doch wie im wirklichen Leben kann es nicht immer nur um Spaß gehen, sondern müssen die Gedanken irgendwann auch mal ernsthafter werden. Auf dieser Ebene und bei der Zusammenführung der Stränge, fehlt es Klapisch diesmal deutlich an Ideen und Inspiration. Das zeichnete wohl auch nicht die Vorgänger aus, diese schafften aber trotzdem den Mix aus Spaß und Ernst am Ende gekonnter zusammenzuführen.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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