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Kritik:
Big Mama's Haus 3
Big Mamas: Die doppelte Portion


von Christian Mester

BIG MOMMAS - LIKE FATHER, LIKE SON (2011)
Regie: Patrick Lussier
Darsteller: Martin Lawrence, Brandon T Jackson

Story:
Als Cop Malcom Turners (Martin Lawrence) Sohn Trent (Brandon T Jackson) unglücklicherweise einen Einsatz seines Vaters mit erlebt und dabei Zeuge eines Mordes wird, greift Luke zu unüblichen Methoden. Nicht nur, dass er sich zum dritten Mal als Big Mama verkleidet, um dieses Mal in einem Mädcheninternat nach neuen Hinweisen schnüffeln zu können - er lässt auch seinen Sohn in Frauenkleider und falsche Frauenhaut schlüpfen, damit dieser inmitten der Mädchen bis zur Verhandlung in Sicherheit bleibt...

Kritik:
Normalerweise müsste man schon beim Plakatbild die Nase rümpfen, doch die Wahrheit ist, dass Komödien über Männer in Frauenkleidern nicht generell schlecht sein müssen. "Mrs. Doubtfire" würde dagegen argumentieren, "Tootsie" war halbwegs amüsant, "Manche mögen's heiß" wäre sogar ein Must-See, "White Chicks"... nun... , über "Keinohrhasen 2" lässt sich besser kein Wort verlieren, andererseits darf man bei der Kombination Schwarzer Comedian + Fatsuit + Stützstrümpfe selbstredend direkt an Eddie Murphys Grauen "Norbit" denken. Die ersten beiden "Big Mamas" waren nun keine Vollkost, aber auch keine größeren "Norbits" - solide Familienkomödien, die es safe spielten und mit gewohnten Klamauk durchschnittliche, verkostbare Unterhaltung austeilten. Die Zielgruppe anspruchsloser Familien somit: befriedigt, ohne in kläglichem Doofsinn eines "Inspector Gadget 2" zu ersaufen. "Bad Boys" Co-Star Lawrence als adipöse Wuchtmama hatte durchaus seine Spaßqualitäten, sofern man denn keine grundlegende Antipathie gegen Lawrence als Darsteller hegte.

Da sich "Bad Boys III" noch immer in Warteschleife befindet und "Born to be Wild II" mehr oder weniger in Luft aufgelöst hat, reaktivierte Lawrence seinen Fatsuit-Franchise und schlüpfte zum dritten Mal in die Gummizellulite der pfundsschweren Undercoverfigur. Die Idee dahinter? "Big Mama" zu einem weiter laufenden Franchise zu machen, indem man die Staffel im Film an eine neue, junge "Big Mama" überreicht, die dann ohne Lawrence weiter machen könnte. In diesem Fall sollte es Brandon T Jackson machen, den man als Alpa Chino in "Tropic Thunder" und als breakdancenden Ziegenmenschen in "Percy Jackson: Diebe im Olymp" gesehen hat. Muss es aber überhaupt noch einen "Big Mama" geben, geschweige denn mit gleich zwei schwarzen dicken Muttis?

Big Mama lässt einen Tisch zusammenkrachen, spielt Twister: Jetzt geht's rund mit einem irrtümlich verliebten Bodyguard ("White Chicks" grüßt) und lässt sich als Aktmodell malen (ein Versuch, die Badeanzugszene aus dem Zweiten noch zu toppen), aber - die Witze sind insgesamt raus und klein gehalten. Fast jede Szene lässt ganzen Pointen missen und weckt den Verdacht, dass man überhaupt nur selten lachen soll. Lawrence im Fatsuit und mit Wuschelperücke zu sehen ist durchaus amüsant, aber das an sich reicht so längst nicht. Zudem sind auch Martin Lawrence's Szenen größtenteils raus, da die meisten Abschnitte des Films der neuen Mama Brandon T Jackson überlassen werden. Jackson spielt einen hyperaktiven Möchtegern-Rapper, der innerhalb des Internats nur von gut aussehenden Mädels umgeben wird, sich daraufhin verliebt und Gefahr läuft, seine Tarnung aufrecht zu erhalten.

Plötzlich geht es nicht mehr darum, witzige Schoten um Big Mama zu zeigen, sondern eine MTV-Love-Story aufzubauen, die verdächtig in Richtung "High School Musical" Zielpublikum blinzelt - es gibt Gesangs- und Tanzszenen und viel Gerede über die eine wahre Liebe, Träume über Plattenveröffentlichungen und gesungene Liebesbekenntnisse etc. bla usw.. Damit verzichtet man leider auf das, was die ersten beiden Filme so amüsant machte. Teil 3 reduziert sich auf Kleineres und stößt eine schmalere Tür zu neuen Franchise-Welten auf, die damit einen Großteil des vorherigen Publikums ausschließt: Erwachsene. 

Die duldeten zwar schon die halbseidenen Schwachsinnshandlungen mit kaspernden Bösewichten der Vorgänger, wie sie auch in Filmen wie "Miss Undercover 2" und "Sister Act" zu finden waren, konnten aber damit leben, dass Lawrence jede Menge Humor auftischte. Obwohl Teil 3 nun "Die Doppelte Portion" heißt, beinhaltet der Film, wenn, nur noch ein Viertel davon. Man mag verstehen können, dass sich Lawrence demnächst zurücklehnen will und zu sieht, wie Jackson fünf weitere Little Big Mama TV-Filme für Nickelodeon macht und daran dann als Executive Producer das große Geld verdient, doch unterstützen muss man diese arge Investition glücklicherweise nicht. Glücklich schätzen darf man sich immerhin, dass noch niemand auf die Idee kam, einen Crossoverfilm mit Eddie Murphys Rasputia aus "Norbit", Eddie Murphys Professor Klump und dessen Familie, den "White Chicks", Tyler Perrys Madea und den beiden Big Mamas zu machen. Ein solcher Film in 3D würde alle Grenzen sprengen - alle Grenzen des guten und schlechten Geschmacks, Hoffnung aufreißend, dass die anderen beiden Männer-als-Frauen-Titel "Dressed to Kill" und "Psycho" auch noch mit einbezogen werden.

Fazit:
"Big Mamas Haus 3" ist die Sorte Film, die sich 8-13jährige Mädchen Sonntag morgens in Ruhe alleine anschauen können, wenn die Eltern noch Schlafen oder Brunchen sind - Lawrence' Zurückhaltung, die musiklastigen, auf hip getrimmten Szenen und ein Verzicht auf Gags schreckt jeden Erwachsenen ab und spülen den Film in die Jonas Brothers / Miley Cyrus / Justin Bieber Reife-Restmülltonne überflüssigen Kindernonsenses.

2 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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