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KRITIK:

BITCH SLAP


von Christian Mester

BITCH SLAP (2010)
Regie: Rick Jacobson
Cast: America Olivo, Kevin Sorbo

Story:
Großbusige Frauen schlagen sich in der Wüste.

America Olivo war auf der berühmtesten Performane-Schule der Welt,
der Juilliard School New York (SAVE THE LAST DANCE).

Kritik:
Es gibt wohl kaum jemanden, der beim Trailer von "Bitch Slap" nicht schmunzeln muss. Entweder, weil es schier absurd bescheuert aussieht, oder weil es wie der wahr gewordene Traum eines jeden mit akutem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ist. Endlich ein Film für jeden, der sich selbst bei epileptischem Bildgewitter ala "Transformers" noch Fingernägel kauend langweilt und sich wünscht, jeder möge doch bitte weniger reden - Handlung? langweilig, männliche Figuren, überflüssig - und dass sich das schöne Geschlecht doch am besten Lolli-lutschend entblättere, oder besser noch, sich gegenseitig die Kleider vom Leib punche. Auftritt "Bitch Slap", der sich als der nippellastiger Gute-Laune Kultpartyfilm ins Licht rücken will.

Das Vorbild dieses Films ist offensichtlich: "Bitch Slap" ist das inoffizielle Remake des 70er Jahre Trashwerks "Faster, Pussycat! Kill, Kill!" (dt. Titel: "Die Satansweiber von Tittfield"), in dem damals vergleichbar großbusige Frauen in ausladenden Fummeln ahnungslose Phallusträger verführten und sich und andere daraufhin windelweich kloppten; oder zumindest drohten, dies zu tun.

Das Problem ist, dass "Bitch Slap" verzweifelt in dasselbe kultige Fach wie "Grindhouse: Planet Terror", "Grindhouse: Death Proof" und "Black Dynamite" fallen will, doch unterwegs hat Regisseur Rick Jacobson (hat eine Weltkarriere hinter sich - drehte Folgen von "Xena", "Baywatch" und "Mortal Kombat - Die Serie") bei seinen Bemühungen neben seinem offensichtlichen Fehlen jeglichem Talents etwas Eklatantes übersehen: Quentin Tarantinos "Death Proof" nahm sich eine Story trashiger Natur und wertete sie mit stilvoller Optik, einem wie immer grandiosen Soundtrack, qualitativ hochwertiger Action und Kurt Russell auf. "Planet Terror" hingegen nahm sich schon nicht mehr ganz so ernst, war aber abwechslungsreich, einfallsreich und voller amüsanter Cameos (Bruce Willis, Fergie, Quentin Tarantino, Sayid, Jeff Fahey etc.), "Black Dynamite" war vor kurzem bewusst veralberte Low-Budget Parodie alter Blaxploitation-Streifen, das aber pointiert und mit echtem Geschick für Comedy inszeniert. 

2009 schrieb Olivo PLAYBOY Geschichte, in dem sie als erste
bekanntere Darstellerin ohne Schamhaar abgelichtet wurde

Folgt "Bitch Slap", der nur eins ist: schlecht. Und vor allem zu lang. Was im Trailer noch halbwegs lustig wirkt, wird bei einer Laufzeit von fast 110 Minuten zur langweiligen Einzelnummer. Die drei Hauptdarstellerinnen mögen allesamt (chirugisch) aufgebretzelt sein, doch "Schauspiel" wäre schon ein sehr überschwänglich großzügig vergebener Begriff. Die drei machen eher den Eindruck dreier gelangweilter Playmates, die sich mit etwas hinzu gedichteter Handlung kichernd gegenseitig befummeln, einseifen und zuweilen auch mal zünftig zoffen. Hugh Hefners "The Girls Next Door" mit zugegebener Weise nicht allzu schlecht choreographierten (Zoe Bell, "Death Proof"), aber substanzlosen, sich wiederholenden Nahkämpfen, die spätestens im überzogen langem Finalkampf anfangen zu nerven.

Die Story ist ala "Pulp Fiction" aufwendig verschachtelt und nutzt Flashbacks, um die monumentale, aber letztendlich immens langweilige und verfehlt pseudocoole Handlung (Grundregel Nummer eins: kannst du nichts ernstzunehmendes, konzentrier dich auf anderes! Schmerzhaft: TV-Hercules Kevin Sorbo, der übrigens im wahren Leben ein außerordentlich netter Kerl sein soll, als lahmer Travolta-Verschnitt) immer wieder aufzupeppen. Jacobson belässt es nicht beim frivolen Augenzwinkern (apropos frivol - hinsichtlich der Thematik ist "Bitch Slap" außerordentlich katholisch in Darstellung nackter Haut und Sexszenen. Die Duschszene in Sylvester Stallones "The Specialist" ist sogar gewagter. Diesbezüglich ist der "Bitch Slap" ein Slap ins Gesicht eines jeden, der sich "Wild Things"sche Softcore erwartet), er überspannt seinen Bogen und erwartet tatsächlich, dass man die absurde Handlung wie bei "Der blutige Pfad Gottes" 1+2 kultig und intelligent, die Girls so markant wie Rose McGowan in "Planet Terror" findet. Jacobsons Film sieht für sein kleines Budget technischrelativ gut aus, doch zahlreiche Greenscreen-Katastrophen schreien nach PlayStation-1-Zwischensequenz, dazu kommt, dass der Schnitt zäh und zu gütig ist (es stecken mindestens 40 vollkommen unnötige Minuten zwischen Auf- und Abspann). Der Film ist nicht einmal ein "The Spirit", obwohl er auf ähnlichen Pfaden wandert.

Natürlich lässt sich argumentieren, dass "Bitch Slap" lediglich debil blödes Low bis No-Budget Hormonkino untersten Niveaus für möglichst angetrunkene Männergruppierungen und Parties sein will, aber das entschuldigt längst nicht, dass der einsilbige Witz des Konzepts nach spätestens zehn Minuten verflogen (d.h, Spoiler: mehr ziehen die drei tatsächlich nicht mehr aus) ist. Der Film eignet sich so höchstens als Bildschirmschoner oder -deko, damit der hauseigene TV auf einer Party mehr ist als rein schwarze Fläche, aber es ist abzuraten, sich nüchtern und sich seiner Aufmerksamkeit bewusst zwei Stunden lang sinn- und unterhaltungsleerer, getäuscht erotischer, verfehlt lustiger, versagt actionreicher Dummbatzerei auszusetzen. Ein trauriges Statement, doch "Transformers 2: Die Rache" hat weitreichend weniger Hirnvakanzen.

Fazit:
Es gibt diese DVDs von MAXIM, Playboy und FHM, auf denen sich ähnlich gebaute Darstellerinnen (Schauspielerinnen wäre der falsche Begriff) leicht oder unbekleidet an Stränden, vor Kaminfeuern und auf Wiesen räkeln. Bei "Bitch Slap" wird sich zwar gekloppt, und wirre Greenscreen-Actionszenen ala "SIn City" in schlecht rücken hier und da mal ins Bild, letzten Endes hat der Film aber ähnliches Langzeitunterhaltungsniveau eines solchen Model- oder Aerobic-Videos. Für wenige Minuten amüsant, bei nahezu zwei Stunden Laufzeit eine laue FSK 12 Stripnummer.

1 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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