|

|
White spielte den Bösewicht in
UNIVERSAL SOLDIER II: THE RETURN |
|
Kritik:
Blaxploitation wird heutzutage nur noch wenigen ein
Begriff sein, da es als Subkultur des US-Actionkinos
längst ausgestorben ist.
In den 70ern gehörte es zu einem äußerst populären
Untergenre von günstig gemachten Actionfilmen, in
denen es hauptsächlich (oder gar ausschließlich)
schwarze Darsteller zu sehen gab, die in fast allen
Fällen übertrieben ernste Milieugeschichten spielten. Zumeist mimten
sie harte Macho-Knochen, die sich entweder mit dem Gesetz,
oder als Gesetzeshüter mit Zuhältern, Prostituierten
und anderen niederen Kriminellen anlegten. Gewalt
und Testosteron wurden zelebriert und der
damals aufkommende Kung Fu Hype mitgenommen, das
ganze jedoch oft mit äußerst spartanischen Mitteln
umgesetzt. Das Resultat? Oftmals krude, amateurhafte
Filme, die jedoch ihren ganz eigenen Charme hatten
und für ihre selbstironischen, fast cartoonhaften
Töne beliebt waren.
|

|
Jules aus PULP FICTION ist
späte Hommage ans Blaxploitation Kino |
|
Die berühmtesten Filme der Reihe, "Shaft", "Coffy",
"Cleopatra Jones", "Foxy Brown", "Superfly", "Sweet
Sweetback's Baadasssss Song" und "Blacula"
werden heute vor allem von Quentin Tarantino als
große Inspiration gezählt (Pam Grier, Hauptdarstellerin
aus "Jackie Brown" war Star vieler Genretitel).
Beliebt waren sie auch bei Martial Arts-Legende
Michael Jai White ("Universal Soldier 2", "Spawn"),
der sich vor zwei Jahren hinsetzte und "Black
Dynamite" schrieb, einen Film, der zugleich Parodie
und Hommage der goldenen Trash-70er sein sollte.
Als Tribut an dieser C-Movies ist "Black
Dynamite" eine Wucht – und weit authentischer als
die beiden modernen 70er-Grindhouse-Streifen "Death Proof" und
"Planet Terror". Der Film erfüllt alle Stilmittel
seiner Ära: überkandidierte Farben, Afros en masse,
funkige Tracks, Mikros, die im Bild hängen und
wabernde Kamera-Zooms, die schon in Filmen wie
"Boogie Nights" und "Austin Powers" zur Geltung kamen.
Während der gezielte Materialverschleiß in beiden
Grindhouses gekünstelt wirkte, lässt Regisseur
Chris Sanders die Makel seines Films natürlicher
erscheinen.
Stellt sich die Frage, wieso man 2010 ausgerechnet
eher schlechte Filme nachahmen sollte. "Black
Dynamite" ist nun keine totale Parodie auf
seine Vorlage ala "Scary Movie",
besser wäre zu sagen, es sei ein gezielt alberner,
moderner Vertreter, der sich selbstironisch keine
Minute ernst nimmt (Dynamite wacht beispielsweise in
einem Bett mit drei Frauen auf, die ihm sagen, es
sei die beste Nacht ihres Lebens gewesen; Dynamite -
mit epischem Schnurrbart - entgegnet, dass sie ruhig
sein sollen um die anderen zwei (!) Frauen im Bett
nicht zu wecken) und von Sanders trotz aller
bewussten Mängel kompetent inszeniert ist. Als kantiger Black Dynamite
überzeugt Michael Jai White auf der gesamten Linie.
Zum ersten Mal kann er zeigen, dass er mehr ist als
ein außerordentlich durchtrainierter Kampfsportexperte und darf als
übertrieben ernster Dirty Harry-Verschnitt
echtes Comedy-Talent und gutes Timing zeigen.
Recht lustig ist auch die Handlung selbst, die in
einem der abstruseren Showdowns der letzten Jahre
endet und mit zahlreichen Gags gespickt ist. Da es
letzten Endes Hommage eines Action-Genres ist, darf
auch die
natürlich nicht fehlen. "Black Dynamite" ist
insgesamt zwar nicht allzu actionlastig, setzt dafür
jedoch auf amüsant bescheuerte Auseinandersetzungen, in denen
mit Augenzwinkern von den Bruce Lee Streifen
abgeschaut wird.
Der Kamm im Afro? Um Spaß an "Black Dynamite"
haben zu können, muss man Blaxploitation zwar nicht näher
kennen, aber schon eine gewisse Affinität für
überpräsente Macho-Coolness mitbringen; einen Samuel
L. Jackson sollte man mögen. Dazu kommt, dass sich
die Stilelemente des Films endlos wiederholen -
Kameraeinstellungen, Musik und Oneliner sind sich
oftmals so ähnlich, dass man irgendwann den Eindruck
bekommt, es sei ein Sketch oder Kurzfilm, der auf
Spielfilmlänge gestreckt wurde. Da "Black Dynamite"
aber nur flotte 80 Minuten geht, fällt das nicht
weiter auf.