BG Kritik:

Blackhat


Seit 10 Jahren bei bereitsgesehen aktiv und nach wie vor oft im Kino anzutreffen.

Blackhat (US 2015)
Regisseur: Michael Mann
Cast: Chris Hemsworth, Viola Davis

Story: Als in China ein Schmelzreaktor hochgeht, findet der chinesische Cyber-Spezialist Chen Dawai (Wang Leehom) schnell heraus, dass der Code, der dazu benutzt wurde, zur Hälfte auf einer Idee seines ehemaligen Studienkollegens Nick Hathaway (Chris Hemsworth) basiert, der mittlerweile im Gefängnis sitzt. Nur gemeinsam mit ihm sieht er sich im Stande, den Hacker zu lokalisieren und zu fassen, bevor dieser seine weiteren Pläne verfolgen kann.

Sechs Jahre nach Public Enemies kehrt Regisseur Michael Mann in das Hier und Jetzt zurück und begibt sich in die Tiefen der Computernetze. Mit dabei Chris Hemsworth.

Chris Hemsworth ist primär als Thor aus dem MCU bekannt.


Das Hacker-Thema greift immer wieder auf das Kino über. Dabei muss man auch gar nicht weit weg schauen, denn so war es schon 1998 Hans-Christian Schmid mit „23 – Nichts ist so wie es scheint“, der mit August Diehl in der Hauptrolle in die Hacker-Szene eintauchte. Hier war es noch der kleine Mann gegen den Staat oder das System. Für die großen Kinosäle machten dann die Wachowski-Geschwister mit Keanu Reeves als Erlöser Neo in „The Matrix“ das Thema für die breite Masse zugänglich. Die populärste Inkarnation aus dem Hacker-Milieu war dann wohl Lisbeth Salander aus der skandinavischen Millenium-Trilogie, die dann sogar David Fincher zu einem Remake des ersten Buches inspirierte. Und 2014 schickte dann auch wieder Deutschland mit „Who Am I – Kein System ist sicher“ ein weiteres Pferd ins Rennen. Ob Wikileaks, NSA-Skandal oder Sony-Hack, das Thema ist immer mal wieder in aller Munde und wird in allen Medien breit diskutiert.

Michael Mann geht gleich in die vollen und macht daraus ein globales Problem. Börse und Atomkraftwerke werden manipuliert und machen so die Lösung der Sicherheitslücken zur Priorität Nummer eins. Gerade aber die Gefahr und die Konsequenzen bleiben lange für den Zuschauer etwas dunkel. Genauso wie der Antagonist, der lange kein Gesicht hat bzw. immer wieder ein neues bekommt. In der Welt der Bits und Bytes auch kein falscher Ansatz, aber es nimmt den ganzen etwas die Luft und die Spannung raus, weil es dem Zuschauer an einem klaren Ziel fehlt. Die Gefahr wird nicht ganz bewusst und so bleiben die Beweggründe der Figuren auch immer etwas schleierhaft.

Hemsworth Hathaway wurde dabei schon von Anfang an etwas kritisch begutachtet. Ein Muskelprotz und Sonnyboy als nerdiger Hacker? Mann scheint das Problem, das eigentlich gar keins sein muss, nicht wirklich zu beunruhigen und sieht daher auch nicht viel Erklärbedarf. Eine kurze Szene deutet an, wie er vielleicht im Gefängnis zu dem stählernen Körper kam und aus Schießereien hält er sich zu Beginn noch größtenteils raus und wird wenn dann nur im direkten Nahkampf aktiv. Erst wenn er zum Ende hin mal selber zu Waffe greifen und seine Schüsse sitzen, kommt die Glaubhaftigkeit seiner Figur etwas ins Wanken. Doch der Kritik, man sähe ihn kaum am Computer sitzen, muss man nicht vorbehaltlos zustimmen. Unterm Strich hält sich das eher sogar die Waage, mit der Tendenz, dass er sogar mehr Stubenhocker ist als Actionheld. Er wie auch der restliche Cast, der neben Viola Davis, nicht weiter prominent besetzt ist, gibt eine solide Leistung ab. Große Szenen fehlen ihnen aber auch.

Weltweit konnte Blackhat allerdings keine Kinokassen begeistern.


Visualisiert wird das Ganze in den Mann typischen Nachtbildern der Stadt, mit Hochhäusern, die wie farbige Lichtsäulen in den Kinosaal zu dringen scheinen. Mit teilweise schwinndelerregender Handkamera folgt er seinen Protagonisten durch enge Gassen und über den Kontinent, ohne dabei aber zu verwackelt zu werden. Alles im Sinne der Inszenierung. Die Monochrome, blaue Farbpalette aus „Miami Vice“ und seiner Stadt weicht einem vor allem gelben Lichtermeers der chinesischen Metropole. Bilder, die man so immer noch nur in Manns Filmen findet. Dies gilt auch für die Schießereien. Nirgends knallt es so laut und hart wie bei ihm. Die Angst von einer Kugel getroffen zu werden ist hier viel näher, als in sonstigen Beiträgen des Genres. Den Fokus verliert er dann schon eher bei seinem Drehbuch, denn im Laufe des Films scheint das eigentliche Probleme immer kleiner und persönlicher zu werden, nicht aber die Figuren und ihre Aktionen.

Michael Mann der akribischste unter den Realismusfanatikern in Hollywoodkreisen. Würde man ihn in die Schublade Style-over-Substance schieben, wäre das wohl nicht ganz gerecht. Das Visuelle steht wohl bei ihm immer eine Stufe über dem Rest, doch durch seine packende Inszenierung, konnte er in der Vergangenheit schon oft Thrillerware fernab der Stange auf die Kinoleinwand bringen. Erst in den 2000ern wurde die Rezeption etwas gespaltener. Während er mit „Collateral“ noch mehr Wohlwollen bei Kritik und Publikum fand, wurden seine beiden letzten Werke, „Miami Vice“ und „Public Enemies“, eher kritisch aufgenommen. Auch mit Blackhat konnte er zumindest in den USA weder beim Publikum noch der Kritik großen, positiven Anklang finden, und steuert mit seinem Budget von 70 Millionnen Dollar aktuell eher in Richtung Flop. Auch wenn man bei vier Cuttern bei dem Film vielleicht etwas stutzen muss, ist und bleibt es ein Michael Mann Film, an dem er bis zur letzten Sekunde akribisch arbeitet und feilt und wenn nötig noch nachträglich neue Cuts des Films veröffentlicht, so vielleicht auch hier. Weniger überraschend kam so dann auch die Meldung, bei welcher sich Komponist Harry Gregson-Williams via Facebook beschwerte, dass sein Name wohl im Abspann stehen würde, aber kaum von ihm komponierte Musik im Film auftaucht. Typisch für Mann und ähnlich wie bei Ridley Scott, geht er auch gerne bei seinem Score bis zur letzten Sekunde gnadenlos mit der Schere durch das Material. Ob das nun gut oder schlecht ist und er dadurch Arbeit einzelner Künstler weniger schätzt, ist jedem selbst überlassen zu urteilen.

Fazit:

Mann inszeniert gekonnt wuchtig, roh und mit kräftiger Bildsprache, verliert dabei aber leider allzu oft den Fokus seiner Figuren und des Drehbuchs. Nichts ist hier wirklich schlecht, aber man wird das Gefühl nicht los, dass es doch einfach auch irgendwie hätte besser sein können.

5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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