Kritik:
Call of Duty: Black Ops
& Medal of Honor
von
Christian Mester
CALL OF DUTY: BLACK OPS
(2010)
Studio: Treyarch
MEDAL OF HONOR
(2010)
Studio: Danger Close
Intro &
Handlung:
„Call of Duty: Black Ops“ und “Medal of
Honor” erschienen vor der Jahreswende und versuchten
zugleich, das Abzeichen des besten Shooter des Jahres zu erlangen.
Beide
sind Titel langjähriger Erfolgsreihen (es gibt sieben
„Call of Dutys“ und zwölf „Medal
of Honors“) und beide haben mit Filmen
bislang nichts zu tun gehabt. Die Spiele sind im Laufe der
Zeit nun so weit vereinfacht worden, dass man schon fast eher von
interaktiven Filmen als von typischen Spielen sprechen kann; zudem: das
erste „Medal of Honor“, das 1999 noch für
die
mittlerweile museumsreife PlayStation erschien, wurde von Steven
Spielberg mit entwickelt, im neuesten Teil der Konkurrenzreihe sprechen
heute derweil (im O-Ton) bekannte
Schauspieler wie Sam Worthington ("Avatar:
Aufbruch nach Pandora"
->Kritik
zum Spiel zum Film, "Terminator
4: Die
Erlösung" -> Kritik
zum Spiel zum Film), Ed Harris ("The
Rock - Fels der Entscheidung") und Gary Oldman ("The
Book of Eli") die
Hauptfiguren.
Nachdem die ersten elf Medaillen der Ehre allesamt den zweiten
Weltkrieg
behandelten, spielt der neue Teil der Reihe im aktuelleren
Afghanistankrieg.
Man spielt vier verschiedene Spezialeinheiten, die sich abwechselnd
bei einem großen Auftrag einander helfen. Die vier erleben
ein eher steifes Abenteuer, das wie eine Abarbeitung typischer
Soldatenaufgaben
wirkt. Die MOH Figuren
sind eiskalte Profis, die routiniert wie
alteingesessene Klempner arbeiten und nie das Gefühl aufkommen
lassen, es ginge um etwas; für sie ist es nicht der
aufregendste Job ihres Lebens, bloß ein
Dienstag. „Call of Duty: Black Ops“
hingegen tischt eine
aufwendige, filmreife Story auf, in der man als psychisch instabiler
Geheimagent und andere Personen zahlreiche, völlig
unterschiedliche Kriegsschauplätze in den 60ern besucht und am
Ende in ein
spannendes Finale verwickelt wird. Man hält Atomraketen auf,
watet durch die Sümpfe Vietnams, kriecht in modrigen Tunneln
herum und bricht aus einem Gulag aus. Während
„Medal of Honor“ also eher bescheiden
ausfällt und impliziert,
professionellen Simulationscharakter zu besitzen, beeindruckt der Ruf
der Pflicht der Black Ops mit unrealistischen, aber brachialen
Eventfilm-Charakter, wie er nur selten in
Spielen vorzufinden ist.
(Anmerkung: nach der Kampagne unbedingt den Abspann durchlaufen lassen,
es folgt eine Post-Credits-Szene).
Vorteil: Call
of Duty: Black Ops
Gameplay:
Beide Spiele lassen sich als interaktive Filme bezeichnen, da sie
mittlerweile kaum linearer sein könnten. In beiden Egoshootern
gibt es nahezu keine Spielerfreiheiten – es gibt immer nur
einen wählbaren Weg und einen ganz bestimmte Weise, wie man
vorzugehen hat. Das gab es früher auch schon, doch hier wird
es dreist auf die Spitze getrieben. Ein Beispiel: verschiedene Gegner
verschanzen sich hinter einer Häuserfront und es wird Aufgabe,
sie auszuschalten. Bevor man nun auf das Spielfeld gelassen wird,
das von einer hüfthohen Mauer abgetrennt ist muss
man erst
einmal warten, bis man darf. Man kann nicht
einfach selbst drüber springen und an seinen Kameraden vorbei
laufen – nein, erst wenn das Spielscript es zulässt,
kann man besagten Steinhaufen überwinden, dann auch
nur an
der einen Stelle, die dafür vorgesehen ist. Ist man nun
über das Hindernis Mauer hinweg, könnte man sich als
pfiffiger Spieler, der sich in den Charakter einer Spezialeinheit
hinein versetzt, verschiedene geeignete Vorgehensmaßnahmen
vorstellen. Man könnte die Häuser unter Dauerfeuer
nehmen und seinen gleich guten Jungs somit Platz zum Vorrücken
schaffen. Was sie natürlich nicht tun.
Man könnte auch auf "Red Scorpion" machen und sich
lebensmüde geradeaus sprintend um alles alleine
kümmern – nicht möglich. Selbst
wenn
man alle sichtbaren Gegner erwischt, stirbt man plötzlich
durch einen Geisterkugelhagel, weil das Spiel nicht will, dass
man
an
dieser Stelle als Ein-Mann-Armee vorgeht. Nächste Idee
wäre es, sich über noch stehende Ruinenwände
links als Scharfschütze langsam vorzukämpfen. Auch
das will das Spiel nicht, und lässt unerbittlich unendlich
neue
Gegner erscheinen, bis man es irgendwann einsieht und es doch nach
gewünschter Art macht. Da der Bergkamm rechts von nur
kniehohen Mauern umgeben ist, könnte man sich auch
gefächert von der Mitte und rechts anschleichen, damit der
Gegner nicht konzentriert auf nur eine Linie feuern kann. Taktisch
sinnvoll, doch auch das geht natürlich nicht, da unser
Superelitekämpfer
ohne Hilfe nicht einmal über eine kniehohe Mauer kommt.
Apropos Elite: dafür, dass man immer in einem Team von
Spezialisten unterwegs ist, die eigentlich so gefährlich sind,
dass sie es mit 120 Zombie-Fünfjährigen auf einmal
aufnehmen
können sollten, sind die hoch dekorierten Begleiter nutzlos:
selbst wenn man zehn Minuten wartet, sind drei ohne Schutz
schießenden Gegner noch immer da – weil das Script
verlangt, dass man sie selbst erledigt. Sterben ist nahezu
unmöglich: wird man getroffen, färbt sich der
Bildschirm kurzzeitig rot, blinkt ein wenig und zeigt nach drei, vier
Sekunden Wartens wieder völlige Genesung an. Dazu kommen die
anscheinend allseits beliebten Schießbudenmissionen, in denen
man an einem Standgeschütz steht und so lange auf alles
schießt, bis sich nix mehr bewegt (oder das Script zum
nächsten Kapitel drängt). All diese
Einschränkungen sorgen dafür, dass man fast nur noch
darauf reduziert wird, zu schießen und hin und wieder
geradeaus zu laufen. Das macht das Spiel vielleicht insgesamt leichter
und zugänglicher für Gelegenheitsspieler, die
ansonsten nur "Wii Party" und "Guitar Hero" kennen, raubt dem Ganzen
aber an Spielspaß, an der Möglichkeit, sich noch
besser darin hinein zu versetzen. Das macht die Spiele zu interessanten
und
gut gemachten interaktiven Filmen, doch verglichen mit den zahllosen
Möglichkeiten anderer Spiele und anderer Genretitel ist der
eigentliche Spielspaß, sieht man mal von
Präsentation ab, nur schwach.
Bei „Call of Duty: Black Ops“ wird
das mit
einer überaus spektakulären Kampagne wettgemacht.
Ständig explodiert irgendetwas, man hastet durch
unterschiedlichste Gegenden, flüchtet vor Armeen und erlebt
atemlose Vehikelmissionen. So fliegt man mit einem
Kampfhubschrauber
durch Canyons, rast ala „Terminator 2“
einhändig Shotgun schießend mit einem Motorrad umher
oder zerlegt eine Sumpfgegend mit einem Kampfboot. Action nach
Hausmannskost, die es mit jedem Hollywood-Blockbuster aufnehmen kann.
Jede Mission bietet was gänzlich neues und macht immerzu
neugierig, was man wohl als nächstes serviert bekokmmt.
„Medal of
Honor“ dagegen hält nicht viel von erlebter
Abwechslung oder hohem Puls. Man kämpft recht gefasst
in kluftigen Berggebieten gegen Turbanträger – und
das
war’s dann. Zwischendurch darf man mal ein Fernglas zur Hand
nehmen und Artillerieschläge anordnen oder im Hubschrauber
mitfliegen (diese dann aber nicht steuern, nur damit
schießen). Die
schmalspurigen Elemente des Spiels wären allesamt in Ordnung,
würde es seinen erhabenen Simulationscharakter
erfüllen. Der einzige authentischere Aspekt als am Kollegen
ist der häufige Einsatz von knorrigem Militärjargon,
darüber hinaus gibt es weder besondere Taktiken, noch
besonders brisante Aufgaben oder Herausforderungen, die merken lassen,
wieso die hochgelobten Tier 1 Kämpfer im Kriegsgebiet soviel
besser sein sollen als andere.
Vorteil: Call
of Duty: Black Ops
Grafik und Sound
Über die eingeschränkten
Handlungsmöglichkeiten im Gameplay von „Call of
Duty: Black Ops“ mag man streiten wie man will, aber die
grundlegende Präsentation könnte kaum besser sein.
Technisch ist die Grafik auf höchstem Niveau, in Sachen Design
gar ein Glanzstück. Die vielen unterschiedlichen
Schauplätze sind sehr abwechslungsreich, mit viel Liebe
fürs Detail und so
gut aussehend geschmückt, dass man immer mal stehen bleibt, um
die Arbeit der Grafiker zu bewundern. Der Sound wird der
spektakulären Handlung gerecht und vermischt Bombasteffekte
mit einem epischen Soundtrack, der das Wohnzimmer zum feuchten Traum
Michael Bays macht. Besonders schick: ein Unschärfeeffekt, der
das Geschehen oftmals besonders cineastisch aussehen lässt.
Die Medaille der Ehre vom Konkurrenten Danger Close greift auf die
Unreal Engine 3 zurück und bietet damit ebenfalls hoch
aufgelöste Texturen und Hingucker, das allerdings nur bei
relativ nahen Objekten. Spielfiguren und Fahrzeuge sehen schick aus,
doch alles, was etwas weiter weg ist, verschwimmt im matschigen
Textureinerlei.
Die
Farbpalette reicht hier von Braun bis Beige, maximal bis Okker.
Frustrierend ist, dass
„Medal of Honor“
von lästigen Bugs durchzogen ist. So kann es bei
einer Artilleriemission zuweilen vorkommen, dass man die Gegner nicht
anpeilen kann, weil das Spiel meint, man stehe zu nah am Fensterrahmen
(natürlich kann man nicht einfach einen Schritt zur Seite
machen).
Einzige Lösung? Die ganze Mission wiederholen und
möglichst mittig ans Fenster treten.
Vorteil:
Call
of Duty: Black Ops
Multiplayer und Spielumfang
Beide Spiele bieten die üblichen Modi für Shooter;
für Shooterfans ist dieser Part fraglos das Herz des Spiels,
lädt er doch zu endlosen unterhaltsamen Multiplayerschlachten
ein. Filmreif sind diese nicht mehr, müssen sie aber auch
nicht, da es dafür schließlich die Kampagnen gibt.
Sehr lustig ist der Zombie-Modus von "Call of Duty", in dem man als
John F. Kennedy oder Fidel Castro gegen angreifende Untotenhorden
kämpft. Beide Titel haben eine durchschnittliche
Spielzeit von durchschnittlich
sechs Stunden. Ist man besser als der Durchschnitt, kann man es unter
Umständen sogar in vieren schaffen, während
Gelegenheitsspieler, die erst zwei, oder drei der zwölf
„Medal of Honors“ gespielt haben,
womöglich sogar bis zu acht benötigen.
Aufgrund des Zombie-Modus Vorteil:
Call
of Duty: Black Ops
Fazit:
„Call
of Duty: Black Ops“ beerdigt „Medal of Honor“. Beiden
Spielen lässt sich zwar ankreiden, dass sie sehr
eingeschränkt sind und es sicherlich Spaß machen würde,
einige Entscheidungen selbst fällen zu können, doch bei einem
von ihnen lässt sich darüber hinweg sehen. „Call of
Duty 7“ ist ein bombastisches Popcornerlebnis, dass es fraglos
mit zahlreichen Hollywood-Filmen aufnehmen kann. Ein filmreifes
Spektakel, das man erlebt haben sollte.
“Medal of Honor“ hingegen ist eine pseudorealistische
Simulation, die als Reboot ein Witz ist. Gäbe es Titel wie den
Konkurrenten nicht, wäre es vielleicht
verhältnismäßig recht unterhaltsam, doch die Konkurrenz
ist in diesem Fall in jeder Hinsicht soviel besser, dass es schon nicht
mehr lustig ist.
Call of Duty: Black Ops:
8 /
10
Medal of Honor:
5 /
10
10
- Meisterwerk
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6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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