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KRITIK:

BLIND SIDE: DIE GROSSE CHANCE


von Christian Mester

THE BLINDE SIDE (2010)
Regie: John Lee Hancock
Cast: Sandra Bullock, Quinton Aaron

Story:
Auf dem Weg nach Hause sieht eine wohlhabende Familienfrau (Sandra Bullock) einen Jugendlichen namens Michael Oher (Quinton Aaron), der allein und ohne Jacke durch den Regen stapft. Sie nimmt ihn für die Nacht bei sich auf und merkt kurz darauf, dass er aus ärmlichen Verhältnissen kommt und niemanden hat. Spontan beschließt sie, ihn in ihre Familie aufzunehmen, die den stillen Riesen gern ins Herz schließt...

Bullock bekam die Rolle erst, nachdem Julia Roberts
sie ablehnte

Kritik:
Normalerweise hätte es um einen Film wie „Blind Side: Die große Chance“ keinen derartig riesigen Presserummel gegeben, wäre der Film Anfang 2010 nicht urplötzlich überraschend zu einem der markantesten Oscar-Titel geworden. Das rosa Sportdrama gewann im Frühjahr für Beste Hauptdarstellerin und war sogar für Bester Film des Jahres nominiert. Eine gerechte Nominierung?

Dass „Blinde Side: die große Chance“ gerade beim amerikanischen Publikum eindrucksvoll ankamen würde, sollte nicht verwundern. Der kleine Film spielte in den USA aufgrund spezieller Motive und Zielgruppen mehr ein als die typischen Publikumslieblinge „X-Men Origins: Wolverine“, „“Ice Age 3“ und „Sherlock Holmes“.

Viele der Football-Coaches
im Film sind echte

Nun, zunächst einmal lockt der Film mit dem Thema Football. Der aufgenommene Sohn entpuppt sich als großes Footballtalent, und da fast alle Sportfilme gut (sind, s. "Miracle", "Hardball", "Coach Carter", "Helden aus der zweiten Reihe", "Rocky", "Running Man" etc.m und gut) ankommen, zog das bereits Publikum an. Allerdings sollte man wissen, dass Sportwettkampf keine wirkliche Rolle im Film spielt. Football wird nur in wenigen Szenen gezeigt, viel mehr orientiert sich der Film daran die ergreifende Geschichte der fürsorglichen Powerfrau zu zeigen. Sandra Bullock spielt Leigh Anne Tuohy, übrigens basierend auf einer wahren Geschichte, als ehrvolle engagierte Karrierefrau mit Samaritergefühl (wobei er gezielt außer Acht lässt, das nicht sie Grund des umgebenden Luxus ist, sondern ihr Mann, der 80 Restaurants besitzt). Es wäre allerdings weit aus dem Fenster gelehnt, ihre Darbietung im Film als außergewöhnlich oder außerordentlich interessant zu betiteln. Eine der wichtigsten Szenen des Films lässt Bullock sich in einer Adoptionsbehörde vordrängeln, in einer anderen verteidigt sie ihre glorreiche Einstellung vor luxusverwöhnten Freundinnen. Teilweise vergleicht man ihren Auftritt mit Julia Roberts Oscar prämierten Auftritt in „Erin Brokovich“, doch während letztere eine Geschichte erzählte und Momente hat, ist die Fabel der Tuohy flach. Tuohy ist sympathisch, mehr aber auch nicht. Das muss auch die Roberts geahnt haben, denn sie wurde als erstes gefragt und lehnte die Rolle ab.

Die restlichen Darsteller, sei es die restliche Familie, sei es der aufgenommene Sohn, seien es andere, die eventuell Zweifel an der Aufnahme des Jugendlichen aus krimineller Gegend haben, sie alle spielen auf dem nichtssagenden Niveau eines Rosamunde Pilcher Schmonzettlers.

Nun fehlt aber noch etwas, das „Blind Side“ aus eigener Sicht in besonders helles Licht hüllt, dafür insgesamt jedoch sehr kritisch beäugt werden kann. Leigh Anne Tuohy ist eine weiße Wohlhabende, die einen Schwarzen aus einem Ghetto rettet. Eine honorable Geste, aber die offensichtliche bildliche Aussage des Motivs will nicht schwinden. Irgendwie sind fast alle Weißen im Film nette, tolle Menschen, die in tollen Gegenden wohnen und ein tolles Leben führen, während die Hood heruntergekommener Brutplatz primitiver Verbrecher ist und Schwarze auch sonst wenn nur als Bedienstete auftauchen. Bullock traut sich sogar in eine Hood und präsentiert sich dort mit Sportwagen und Gucci-Sonnenbrille, die allein sicherlich mehr kostet als der Verdienst aller Anwesenden, stellt sich der Gefahr – und es wirkt schrecklich überzogen
.  

Natürlich sind Armenviertel wie South Central oder Harlem keine hundsgemeinen Verbrechensdschungel ala „Predator II“, in denen weiße Frauen sofort überfallen werden, aber der Film betreibt starke Schwarz-/Weißmalerei. Selbst der aufgenommene Junge, der engelsgleicher nicht sein könnte, mit seinem herzallerliebsten Auftreten und selbstlosen Maßnahmen zum Schutz der Familie, bekommt sein Fett weg. Quinton Aaron spielt den Jungen wie einen Forrest Gump oder "Rain Man", der nur wenig spricht und vieles oft nicht zu verstehen scheint. Aaron selbst beschwerte sich und wollte die Figur weniger dümmlich spielen, doch die Produzenten wiesen ihn an es genau nach Vorgabe zu tun.

Dazu bringt der Film Zweifel in Tuohys Figur auf, indem dubiose Ängste angesprochen werden. Wird der Schwarze die hübsche Tochter heimlich anrühren? Natürlich nicht, aber der Film verfehlt es vollkommen, sich gewollt heldenhaft ins Licht zu rücken. Der Film wirkt wie der aalglatte Fantasy-Wunschtraum einer Football-begeisterten Schicki-Micki-Ehefrau, die blind mit Stöckelschuhen in der Armut herumstakst und die Hilfe eines anscheinend geistig Minderbemittelten, der eben nicht minderbemittelt ist, als tollen Karmagewinn fürs Familienalbum sieht.

Fazit:
„Blind Side: Die große Chance“ ist gelangweilt simples „Wir haben uns alle lieb und alles ist toll“ Familiendrama ohne jegliche Überraschungen, ohne herausragende Charaktere oder Höhepunkte, dafür mit fragwürdigen Motiven. Erwartet man gar nichts, ist es ein ausreichender, akzeptabler Spielfilm, aber nichts, was man unbedingt im Kino, Fernsehen oder überhaupt gesehen haben müsste.

3,5 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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