BG Kritik:

Blow Out - Der Tod löscht alle Spuren


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

Blow Out (USA 1981)
Regisseur: Brian De Palma
Cast: John Travolta, Nancy Allen, John Lithgow

Story:
Jack Terry (Travolta) ist Tontechniker beim Film. Bei der Aufnahme neuer Ton-Schnipsel wird er Zeuge eines Autounfalls. Terry kann eine Frau aus dem in einen See gestürzten Wagen retten, doch ein weiterer Insasse stirbt und entpuppt sich als Gouverneur und eventueller Präsidentschaftskandidat. Durch seine Tonaufnahme findet Terry bald heraus, dass mehr hinter der Sache steckt. Damit schweben Terry und die gerettete Sally (Nancy Allen) bald in Gefahr.

Ich höre was, was du nicht hörst – heute mit John Travolta.

Angeblich castete Quentin Tarantino John Travolta in "Pulp Fiction", da er ein großer Fan dieses Films ist.


Obwohl er eigentlich zur Gruppe der Regisseure des New Hollywood der 1970er gehört, in einer Reihe mit Steven Spielberg, Martin Scorsese, George Lucas und Francis Ford Coppola, verlief Brian De Palmas Karriere immer ein wenig am Rande des großen Ruhms, Erfolgs und Kritikerzuspruchs. Das ist bei einer so faszinierenden und idiosynkratrischen Karriere gleichermaßen bedauerlich wie irgendwie nachvollziehbar, hat der erklärte Hitchcock Verehrer De Palma doch einige Tricks, Spleens und Stil-Obsessionen auf Lager, die Filme wie „Dressed to Kill“ oder „Body Double“ zu solch einzigartigen Wundertüten machen. „Blow Out“ hingegen ist die perfekte Fusion in De Palmas Schaffen, ein Kompromiss im besten Sinne, gleichermaßen individuell, unverkennbar De Palma, und doch bodenständig und dadurch konsumierbarer, in seiner Handlung und Figurenzeichnung effektiver.

Ohne Zweifel an Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ angelehnt, ist der nächste Verwandte hier allerdings eindeutig Antonionis „Blow Up“. Dort entdeckte ein Fotograf in einem Detail eines Fotos einen vermeintlichen Mord und wird fast wahnsinnig, das dadurch entstandene Rätsel zu entschlüsseln. De Palma schenkt die Aufmerksamkeit der selten (oder quasi nie) behandelten Arbeitswelt des Film-Tontechnikers, der hier durch Zufall an Material gelangte, welches große Dinge beeinflussen könnte. De Palma zelebriert förmlich Jack Terrys Arbeit im Tonraum, das Sammeln und Archivieren von Tonschnipseln, das Zusammenschneiden, sowie das obsessive Vor- und Zurückspulen. Wieder und wieder hören wir und Terry die Aufnahmen von jenem Abend an der Brücke, als ein Auto die Kontrolle verliert und in einen See stürzt. Wir hören Natur, hören den Motor, die quietschenden Reifen und einen Knall. Oder war es erst ein Knall und dann quietschende Reifen?

De Palma wollte ursprünglich Al Pacino für die Hauptrolle.


Regisseur De Palma lässt es sich jedoch nicht nehmen, über den Weg des Tontechnikers augenzwinkernd ein paar andere Pfade zu durchleuchten. Nicht ganz unähnlich der Handhabe in „Body Double“ sehen wir Terrys Arbeit beim Film, genauer bei billigen Schund-Horrorfilmen, in denen barbusige College Mädels gemeuchelt werden. De Palmas Kino ist berstend voll mit Voyeurismus, Sex, sexueller Obsession und Gewalt, häufig auch alles davon gleichzeitig. Wie Terry hier auf der Suche nach dem besten Todesschrei für eine Mordszene in einem eben solchen Billighorrorfilm ist, sorgt für einige Lacher beim gewitzten Auftakt. Doch bei einem Könner wie De Palma ist selbst so etwas nicht einfach nur ein nutzloser Gag. Zumindest hier findet er einen Weg, diesem Schrei und dem Horrorfilm eine Bedeutung beizumessen.

Denn Tontechniker Terry und die gerettete Sally sind bald selbst auf der Flucht vor einem unbekannten Killer, der uns relativ früh und offensichtlich als John Lithgow präsentiert wird. Lithgow, der eigentlich zu sympathisch für so eine Rolle ist, gibt einen wunderbar eiskalten Fiesling ab, der kontinuierlich für Bedrohung sorgt, während Terry bald mit Bild und Ton versucht das Geheimnis des Autounfalls am See aufzuklären und zu verhindern, dass er und Sally von den unbekannten Strippenziehern geschnappt werden. Daraus entsteht ein spannender, technisch auf Bild- und eben ganz besonders auf Tonebene faszinierend inszenierter Film, der uns aber auch packt, weil wir spannende Figuren beobachten. John Travolta, der seinen Durchbruch mit „Saturday Night Fever“ und „Grease“ wenige Jahre zuvor hatte, versuchte sich mit diesem Thriller an einen Stilwechsel. Sein Jack Terry ist glücklicherweise mehr, als bloß ein wackrer Held, der eine Frau beschützt und durch seine Arbeit Gerechtigkeit, also die Wahrheit ans Licht bringen kann. Terrys Motive, wie besessen zu forschen, sein eigenes Leben noch weiter zu riskieren, um das Geheimnis zu lüften, sind vielschichtiger, wie auch die Beziehung zu Sally die gewohnten Muster nur streift, einen Schritt darauf zugeht und dann doch anders abbiegt. So gelingt Brian De Palma ein mitreißender Thriller, bis zum doppelt unvergesslichen Schluss.

Fazit:

Spannender, origineller und toll inszenierter Thriller mit Anleihen an Hitchcock.

8 / 10

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