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Kritik:
Leben und Sterben lassen


von Christian Mester

LIVE AND LET DIE
(1973)
Regie: Guy Hamilton
Cast: Roger Moore, Jane Seymour

Story: Als mehrere Agenten ermordet werden, soll sich Bond (Roger Moore) den amerikanischen Restaurantbesitzer Kananga (Yaphet Kotto) einmal näher ansehen. Der merkwürdige Mann, oder vielmehr, seine attraktive Kartendeuterin (Jane Seymour), führt ihn auf die Voodoo-orientierte Insel San Monique....

Bösewicht: Mr. Big
Masterplan: Kananga ist in Wahrheit Mr. Big, ein Drogendealer, der mit Hilfe einer großen Lieferung weitreichend Heroin unter's Volk bringen will..
Handlanger: Tee-Hee, Baron Samedi, Whisper
Bondgirls: Solitaire
Bond Song: Paul McCartney and Wings - Live and let die
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-

Kritik:
Roger Moore hatte allen Grund zur Sorge, denn nachdem der erste Connery-Ersatz Lazenby freiwillig abgedankt und Connery gähnend wieder als Bond abgeräumt hatte, war er also Versuch Nummer 2. Das sieht man ihm allerdings nicht an. In keiner Minute des Films wirkt Moore je angespannt, oder unsicher, und spielt Bond, als habe er sein Leben nichts anderes gemacht. Die vielen Oneliner, die Lazenby so schwer fielen, meistert er mit frechster Bravour, mit Dreckcharme, Ladies liegen ihm glaubhaft zu Füßen, er hat eine Bombenchemie mit seinen Kollegen, dann das Gentleman-Dasein zweifellos eingelebt... und der Rest erst: Leben und Sterben hat es nur knapp verpasst, der bis dahin mit Abstand beste der Reihe zu werden.

Da wäre die toll umgesetzte Story, das faszinierende Szenario. Ob es die Sümpfe sind, Harlem, die Voodoorituale, es ziehen sich gleich mehrere Themen visuell durch den ganzen Film, wie es in nur wenigen Bonds der Fall ist, die den gesamten Film formen und ihn zu einer eindeutigen Karte machen. Die Geschichte bleibt zudem spannend: lange weiß man nicht, was die Bösen wollen, die Ortswechsel bleiben abwechslungsreich und immer wieder eingestreute Elemente wie der vermeintlich unsterbliche Dr. Samedi, sowie Solitaires Kartenspiele verleihen dem ganzen einen leichten Mystery-Touch.

In Sachen Bösewichte konnten sich andere dann eine ganze Hand voll von abschneiden: verglichen mit dem unsagbar kläglichen Im Geheimdienst ihrer Majestät hat Leben und Sterben lassen gleich drei Henchmen im Gepäck: den freundlich-tödlichen Klauenmann Tee-Hee, den Voodoomeister Samedi, sowie einen pummeligen Mann, der nur flüstert und dafür Whisper genannt wird. Drei mannigfaltige Charaktere, die zusammen mit ihrem Boss, verkörpert von einem wunderbar hitzigen Yaphet Kotto (Alien), der selbst Bondfan zu sein scheint da er auch Gadgets nutzt und eine kleine Minigeheimbasis hat, unterhaltungstechnisch einiges zu bieten haben. Kotto hat nicht die Klasse Fröbes, doch was Guy Hamilton nicht an ihm hat - jep, es ist der Goldfinger Regisseur, schlägt er mit größerer Action wieder heraus. Legendär: eine große Verfolgungsjagd mit Booten durch die Sümpfe, die - zum Glück - ohne Back-Projektion auskommt.

Als Bondgirl naiv, wenn auch sinnvoll verwendet ist eine sehr junge Jane Seymour, die als Kartenleserin meint, mit dem Okkulten zu tun zu haben, und die durch Bonds und Mr Bigs Manipulationen in ein für sie schwieriges Spiel verstrickt wird. Blasser: das andere Bondgirl Rosie, eine belanglose Doppelagentin. Noch blasser: manches Mal übertreibt es der Film mit seiner Lockerkeit und schlägt zu weit über die Stränge. Etwa, wenn ein Redneck Sheriff kautabakmampfend über Gott und die Welt flucht, Bond eine etwas andere Flugstunde mit einer Rentnerin absolviert oder er mit Krokodillederschuhen (!) über Krokodilrücken in Freiheit rennt (ein übrigens echter, nicht gefaketer Stunt). Auch sitzt mancher Spruch etwas zu locker - vielleicht getätigt, um dem im Film sehr gegenwärtigen Thema Tod entgegen zu wirken, doch was Moore mit seinem Erstling macht: er schafft mit spielender Hand eine für ihn geltende Fantasywelt, in der nichts in Frage gestellt werden muss. Wieso der Drogendealer Gadgets einsetzt, wieso Bond in seiner Machoart alles für selbstverständlich sieht oder wieso vieles andere keinen Sinn ergibt: es spielt keine Rolle. Moore's Charisma sorgt dafür, dass man es (in diesem Film) gern übersieht.

p.s.: dass der Bond Song super ist, sei erwähnt.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)


Fazit:
Bautz - der wohl beste Bond seit Goldfinger, nur zufälligerweise vom Goldfinger Regisseur
. Top Bösewichte, tolles Ambiente, ansprechends Bondgirl, erstklassiger Song, voller Einfälle, nie fad - ein Bombendebüt für Moore, der sich hier als souveräner Fackelläufer einreiht und der eine zwar recht flache, aber dermaßen mit Unterhaltung vollgestopfte Agentengeschichte erlebt, das man rundum zufrieden sein kann.

8,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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