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Kritik:
Der Mann mit dem
goldenen Colt


von Christian Mester

THE MAN WITH THE GOLDEN GUN
(1974)
Regie: Guy Hamilton
Cast: Roger Moore, Christopher Lee

Story: Als der MI6 eine goldene Patrone mit der Aufschrift 007 erhält, ist es ein Zeichen des weltbesten Attentäters Francisco Scaramanga (Christopher Lee), der Bond als sein nächstes Ziel auserkoren hat. Nachdem ihn sein Büro zur Sicherheit vom aktiven Dienst abzieht, taucht er unter und versucht dem Herausforderer selbst zuvor zu kommen.

Bösewicht: Francisco Scaramanga
Masterplan: Scaramanga will Bond töten, doch gleichzeitig arbeitet er auch an einer günstigen Energiegewinnung per Solaranlage, die er an das meistbietende Land, darunter auch Terroristenstaaten verkaufen will...
Handlanger: Nick Nack
Bondgirls: Mary Goodnight, Andrea Anders
Bond Song: Lulu - The man with the golden gun
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-
"Der Mann mit dem goldenen Colt hat ihn nicht verfehlt"

Kritik:
Nach dem großartigen Auftakt mit Leben und Sterben lassen sollte Der Mann mit dem goldenen Colt das packende nächste Kapitel Roger Moores werden. Die Idee? Der gefährlichste Attentäter fordert Bond zum tödlichen Duell heraus - ähnlich wie in Liebesgrüße aus Moskau in dem Bond bereits fesselnd gegen den gefühlten Antibond Red Grant antreten durfte. Ein tolles Konzept, mit Filmlegende Christopher Lee viel versprechend besetzt, mit Goldfinger Regisseur Guy Hamilton am Steuer ein gefühlter Nobrainer - sollte man meinen. Leider macht Scaramanga, nach Auric Goldfinger der zweite Mann mit goldener Pistole (die Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr - in einem frühen Konzept sollte Bond auf Goldfingers Zwillingsbruder, wieder Gerd Fröbe treffen), keine so gute Figur wie der füllige Vorgänger.

"Dracula" und "Saruman" Darsteller Christopher Lee ist per se nicht schlecht, doch seine Rolle ist zu flach geschrieben und lässt gleich dreier Brustwarzen mit nichts arbeiten. So zeigt nichts im Film, wieso gerade er als der berüchtigtste aller Auftragskiller gilt - er tötet weder so unerkannt wie Dexter, noch ist er so flexibel wie Nummer 47, noch ist er als Figur eine so rührende wie Leon der Profi. Er bekommt keine aufregenden Szenen, ist zurückhaltend und bescheiden. Dass er stilvoll mit einer eigenen Dschunke reist, Gadgets wie ein zum Flugzeug umgebautes Auto einsetzt und einen brauchbaren, da ungewöhnlichen Henchman im kleinen Nick Nack hat, lässt konzeptionell an Mr Big zuvor erinnern, ist jedoch erschreckend langweilig inszeniert. Grübeln lässt die Tatsache, dass Bond hier wieder in Asien unterwegs ist, wo doch sein letzter so schleppend laufender Auftrag in Man lebt nur zweimal ebenfalls in Asien stattfand. Demzufolge kämpft Bond auch wieder gegen Karatekas und Sumos, nur dieses Mal noch weniger überzeugend: den staksenden Roger Moore gegen junge Karatekämpfer siegen zu sehen, zieht es ins Lächerliche (zumindest wird nicht erneut versucht, Bond in einen Asiaten zu verwandeln).

Nicht weiter genutzt bleibt der Einfall, dass die Bösen ihre Gegner auf die gemeinsame Insel einladen, damit man sie zum Spiel in einem Labyrinth erledigen kann. Mal scheint Nick Nack gegen, mal für seinen Meister zu sein was das Geschehen unnötig verwirrt; dann wiederum wird in der Eröffnungssequenz so getan, als wüsste Scaramanga nicht zu recht und wäre damit auf gleichem Stand wie sein ins Spiel gezwungener Gegner. Insofern quatsch, da Scaramanga seine Spiele immer dort abhält und sich bloß Variablen ändern. Geradezu misslungen ist das Set seines Unterschlupfes, das storybedingt notdürftig zu einer großen Basis ausgebaut ist (hanebüchen und für die Geschichte irrelevant wirkend ist eine Nebenhandlung über eine alternative Energie-gewinnung, welche Scaramanga anscheinend mit nur zwei Mitarbeitern in Fabrikgröße komplett allein aufgebaut hat); doch fatal: das angeblich legendäre Todeskabinett, Scaramangas Labyrinth und Spielwiese, ist lachhaft klein und überschaubar.

Mal abgesehen von einer kleineren, passablen Boots- und Autoverfolgungsjagd gegen Mitte, die nicht schlecht sind aber lange nicht mit denen aus dem vorherigen Film mithalten können (klasse: der Korkenziehersprung, gestört von einem fürchterlichen wiuuuuu Soundeffekt), ist der Film offensichtlich einer der antriebslosesten der gesamten Reihe. Ohne größeren Elan ermittelt Bond gelangweilt vor sich her, unbekümmert, dass ihn einer der angeblich gefährlichsten Männer der Welt tot sehen will. Bond nimmt ihn nicht ernst, womit der Film getrost sämtliche Spannung in den Wind schießt und meint, mit reinem Spaß durchzukommen. Der Anteil bleibt jedoch äußerst gering, und droht, viel zu albern zu werden, beispielsweise wenn Bond erneut mit dem rassistischen, kautabakmampfenden Sheriff aus dem letzten Film zusammenhockt. Im letzten Teil noch amüsantes und nachvollziehbares Randelement in passendem Southern-Milieu, schreit es hier schon fast nach Bond meets Benny Hill. Markant belanglos: die Bondgirls, darunter die tumbdumme Kollegin Goodnight (!), sowie Scaramangas öde Gehilfin Andrea, die Bond beidesamt ziemlich chauvinistisch behandelt. Passabel: der wenn auch lyrisch eher alberne, klanglich fesche Titelsong.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)


Fazit:
Platzpatrone und fast das frühe Ende einer legendären Reihe: nach dem starken Leben und Sterben lassen vermag Der Mann mit dem goldenen Colt alles andere als zu glänzen. Ein eher schleppend verlaufender Nichtthriller, in dem Bond sich auf alberne Schoten und einen Gegner verlässt, die beide nicht zünden und zusammen zu wenig sind
.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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